Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 16 u. 17 (17.4.1878)
- Date
- 1878-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/5369809-9583355-9583003--3559-9583012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beilage zur „Israelitischen Wochenschrift." Nr. Hi u. 17. Magdeburg, den 17. April 1878. S. Jahrgang. Lcrmijchle mw neueste Nachrichten. Berlin. Der Gemeinde-Borstand hatte sich an den Magistrat gewendet und diesem mitgetheilt, daß statutarisch die Gemeindebeiträge von den Gemeindemitgliedern nach Maßgabe ihres Einkommens erhoben werden sollen. Zu diesem Zwecks wird in Breslau und in anderen Städten der Gemeinde von der Behörde eine Mittheilung der Einkommeneinschätzungen gemacht. Das Gleiche wünscht der Vorstand der jüdischen Gemeinde auch für Berlin und hat einen hieraus bezüglichen Antrag beim Magistrat eingereicht. — Magistrat hat, wie wir hören, beschlossen, auf den Antrag der jüdischen Gemeinde nicht einzugehen, da alle Einschätzungen zur Einkommensteuer unter Wahrung des Amtsgeheimnisses vorgenommen werden und daher die Miltheilung dieser Einschätzung gesetzlich als unzulässig erscheint. Berlin. Die in diesem Blatte früher erwähnten Vorträge des Hrn. Dr. Nascher sind von demselben zum Abschluß gebracht worden. Der Schlußvortrag handelte „über deutsche Philosophie und Volksbildung" und erfreute sich sehr lebhaften Beifalls, sowie der damit abgeschloffene Cyclus auch eines guten materiellen Erfolges im Hinblick auf die Wohlthätigkeitszwecke der Gemeinde Schochare Ha-Tob, welche die Vorträge veranstaltet hatte. Hamburg. Eine große Zahl von Mitgliedern des „Vereins für jüdisch religiöse Vorträge" veranstaltete zu Ehren des Hrn. Oberrabbiners Dr. I. Jsaacsohn eine Festmahlzeit, welche einen sehr würdigen Verlauf nahm. Beim Eintritt in den festlich erleuchteten Saal wurde der hochgeschätzte Prediger zu seinem mit Blumen und Guirlanden geschmückten Ehrensitz geleitet, wahrend die Gesellschaft sich in einem Halbkreis gruppirte. Hr. Präsid. Dr. M. Katzenstein begrüßte den Gefeierten mit einer schwungvollen poetischen Ansprache. Letzterer dankte bei der Tafel in zwei geistreichen Reden, während Toaste ernsten und launigen Inhalts auf den „Ehrengast", auf die „Lehrer in Israel", die „Wissenschaft", die „Vaterstadt", auf das „Comite für religiöse Vorträge" rc. mit heiteren Gesängen wechselten. Das schöne Fest, welches die Betheiligten bis um 2 Uhr Nachts in gehobener Stimmung vereint hielt, gab Zeugniß von der geistigen Strömung, welche der genannte Verein in die verschiedenen Kreise der hiesigen Gemeinde getragen hat. Osterode (Ostpreußen). Der jüngst in diesen Blättern aus Magdeburg erwähnte Fall der Verweigerung einer Remuneration für den jüd. Religionsunterricht aus städtischen Mitteln steht nicht vereinzelt da. Der hies. Gemeindevorstand hatte sich an den hies. Magistrat mit einer Petition in ähnlichem Sinne gewendet, erhielt aber den kurzen abschlägigen Bescheid, „daß dem Magistrat kein Gesetz bekannt sei, nach welchem die Commune für den jüd. Religionsunterricht zu sorgen habe." Eine Beschwerde an die Negierung und hierauf au den Cultusminister blieb ebenfalls ohne Erfolg. Meisenheim, 5. April. (Or.-Corr.) Mit Bezug auf die Correspondenz aus Buchau in Nr. 14 der „W.-Sch." theile ich Ihnen mit, daß bereits in letzter Session von hier aus eine Petition um Aufbesserung des Nabbinatsgehalts aus Staatsfonds abging, allerdings zu spät, um zur Verhandlung gelangen zu können. Dieselbe wurde in dieser Session erneuert; es ist aber eine Antwort noch nicht erfolgt. Ueber das Resultat werde ich z. Z Mittheilung machen. Eine gemeinschaftliche Petition aller Rabbiner thäle Noth. (In dem früher landgräflich Hessen-Hoinburgischen Bezirk Meisenheim ist die Stellung des Rabbiners nach ehemaligem Landesgesetz eine andere als wie in Altpreußen. Red.) Wien. Hr. Wilh. Gutmann, Chef der Firma „Brüder Gutmaun" ist in den Adelsstand erhoben. Der „Lemb. Jsr." bemerkt'zu dieser Robilitiruiig: „Was uns um meisten dabei angebt ist, daß Herr Gut mann in Verbindung mit seinem Bruder sich für alle Wohlthätigkeitsanstalten lebhaft und unermüdlich interessirt, uiiö ihm hiebei keine Geldopfer zu groß sind. Nun hat Wien viele sehr wohlthätige Männer aufzuweisen, aber, was die Unterstützung und Förderung der jüdischen Literatur betrifft, kommt ihnen Niemand in Wien gleich, und ist ihre Munificenz für Veröffentlichung jüdisch - theologischer Werke beispiellos und sprichwörtlich." Eibenschitz, 8. April. (Or.-Corr.) Für den verstorbenen Erzherzog Franz Karl, den Vater des Kaisers von Oesterreich, i. I. 1848 zu Gunsten seines Sohnes abilicirte, fand hier im schwarzdecorirten erleuchteten Tempel eine stimmungsvolle Seelenfeier statt. Anwesend waren alle Beamten des k. Bezirksgerichtes, des Steueramtes, das k. k. Officiercorps, die Lehrer der städtischen Lehranstalten und alle Spitzen der Bevölkerung. Nachdem ein erhebender Choral vom Herrn Kantor Löwensohn angestimmt worden, hielt der Rabb. Dr. Tauber die Gedächtnißrede. die, an Ps. 110,11 anknüpfend, in geistvollen kräftigen Zügen ein herrliches Lebensbild des Verblichenen enthielt. Turin. In einer höheren Töchterschule wurde jüngst den Schülerinnen ein Aufsatz aufgegeben. Der Lehrer nahm die Arbeiten an sich und gab sie. wie gewöhnlich nach einigen Tagen corrigirt zurück. Nur ein jüdisches Mädchen, Namens Tröoes, eine der jüngsten Schülerinnen, erhielt ihren Aufsatz nicht zurück; auf ihre Anträge gab der Lehrer ihr den Bescheid, sie möge sich noch ein wenig gedulden. Und siehe da, einige Tage nachher erschien der Aufsatz des kaum 13jährigen Mädcheys in einem Turiner Blatte, dem der Professor ihn zum Abdruck gegeben hatte. So sehr hatte ihm die Arbeit gefallen. — Es verdient bemerkt zu werden, daß der Akt über die Beisetzung der Leiche König Victor Emanuel's im Pantheon von Hrn. Malvano, Cabinetschef im Ministerium des Aeußern, ausgenommen worden ist. Dieser Herr ist ein Israelit. (Arch. Jsr.) Paris. Auf Verwendung Cremieux' hat der Kriegsminister den jüd. Soldaten, welche an Orten garnisoniren, wo sich keine Synagoge besindet, für das bevorstehende Fest einen sechstägigen Urlaub gewährt und den aus Algier gebürtigen erlaubt, sich in ihre Heimath zu begeben und dort das Fest zu feiern. Der dazu bewilligte Urlaub beträgt 8 Tage ungerechnet die Zeit der Hin- und Herreise. Jerusalem. Die Theuerung und die dadurch hervorgerufene Noth sind sehr groß. Es ist Hungersnoth im schrecklich st e n Sinne des Wortes. — Wir bitten dringend um Beiträge zur schleunigsten Beförderung! Red.) „Habaz." veröffentlicht eine kleine Abhandlung, worin die Rabbiner gebeten werden, für dies Jahr den Genuß der Hülsenfrüchte am Pessach den Aschkenasim zu gestatten, wie dies die Rabbiner in Rußland vor einigen Jahren aus gleichem Grunde gethan haben. Es liegt dies in Palästina um so näher, da die Sefardim sich dort, wie überall, der fraglichen Lebensmittel nicht enthalten. — Wir erhalten kurz vor Redactionsschluß einen Bericht des Comits'S „zur Errichtung jüdischer Waisenhäuser in Palästina", den wir in dieser Nr. nicht mehr abdrucken können. Wir theilen daraus die erfreuliche Thatsache mit, daß es dem Comite gelungen ist, mit dem Centralcomite der „All. Jsr. Univ." ein Abkommen zu treffen, wonach diesem wichtigen Unterstützungswerke ein segensreicher Erfolg in Aussicht gestellt ist. Es soll demnächst ein Sta- ' tuten-Entwurf zur definitiven Organisation dieses Vereins (Gründung von Bezirtsvereinen, Zeichnung jährlicher Beiträge) vorgelegt werden. „Möge Gott — so schließt der Bericht — unsere gemeinschaftlichen Bemühungen segnen und