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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-04-17 · N° 16 u. 17 (17.4.1878) · p. Seite 130

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 16 u. 17 (17.4.1878)
Date
1878-04-17
Page
Seite 130 (sequence 8)
Language
German
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— 130 — großen Theiles der galizischen Juden, ist es erfreulich aus einer aus authentischen Quellen geschöpften Zusammenstellung im „Lemb. Isr." zu ersehen, daß doch auch in Galizien die Zahl der jüdischen jungen Leute, welche Gymnasien und Realschulen besuchen, nicht klein ist. Eine dort abgedruckte Tabelle, welche die Schülerzahl von 26 solcher Anstalten nach Confessionen getrennt enthalt, ergibt folgendes Resultat. „Der Confession nach besuchen die Gymnasten in Galizien 4900 Polen (d. h. röm.-kath.), 1492 Ruthenen, 28 Armenier, 2 Grinas.-Orthodoxen, 51 Protestanten und 1183 Israeliten; die Realschulen 1386 Polen, 135 Ruthenen, 3 Armenier, 33 Protestanten und 379 Israeliten. An der Gesammtzahl der Mittelschüler participiren Polen mit 65.47 °/0, Ruthenen mit 17.98 °j0f Juden mit 16.26 "/,. Wir finden somit unsere 450,000 Juden nur mit 1.21 °/0. kleineren Prozent an den höheren Unterrichtsanstalteu theilnehmen als die 21/* Millionen Ruthenen, und es ist nicht schwer auszurechnen, daß die Juden schon jetzt einen gleichen Prozentsatz von Schülern in die Mittelschule entsenden, wie das polnische und ein bedeutend stärkeres Contingent wie das ruthenische Element. Brünn. Bei der am 25. März abgehaltenen General- Versammlung der Delegirten zur Verwaltung dieses Fonds pro 1878 waren 36 Gemeinden vertreten. Zum Vorsitzenden wurde der Obmann des Kuratoriums, Herr Julius Gomperz. mittelst Akklamation gewühlt. Derselbe bringt zunächst einen Erlaß der Satthalterei zur Kenntniß der Versammlung, worin dem Kuratorium für die günstige Gebahrung im Jahre 1876 die Anerkennung ausgesprochen wird. Der Rechenschaftsbericht des Kuratoriums über das verflossene Vewaltungsjahr und der Bericht der Revisoren werden verlesen und einstimmig genehmigt. Die Verwendung des Kafia-Ueberschufies vom Jahre 1877 durch Hinzuschlagung von 4000 fl. zum Fondskapitale und Einstellung von 2694 fl. 68 kr. auf die neue Rechnung des Jahres 1878 wird gleichfalls angenommen. Ebenso werden sämmtliche Posten des vorgelegten Voranschlages für 1878 sowohl im Einzelnen als im Ganzen genehmigt und betragen die Einnahmen 43,755., die Ausgaben 42,428 fl., während der Ueberschuß der weiteren statutenmäßigen Verwendung Vorbehalten bleibt. Bei der Post „Bildungs- und Humanitäts Anstalten" per 2500 fl. werden votirt: Dem mähr. jüd. Waisenhilssvereine in Brünn 200 fl, dem Karlsbader isr. Hospitale auf drei Jahre je 30 fl. dem hiesigen Blindeu-Jnstitute 25 fl. und der isr. Allianz in Wien in Berücksichtigung der namyasten Ausgaben dieses Vereins für die vom Kriegselende becroffinen Gaubensbrüder in der Türkei eine Subvention von 50 fl. Zum Schlüsse gibt der Vorsitzende Aufklärungen über den Stand der Angelegenheit des im vorigen Jahre eudgiltig beralhenen Musterstatutes. Das Cultus-Mmlsterium hat im Wesentlichen die diesem Statute zu Grunde liegenden Prinzipien gebilligt, beabsichtigt jedoch eine derartige gesetzliche Regelung der isr. Cultusverhältnisse auch in den übrigen Kconländern im administrativen Wege einzuführen, weshalb die Genehmigung desselben bisher noch nicht erfolgt ist. Doch ist dieselbe im Laufe des heurigen Jahres mit Sicherheit zu erwarten. Rach einem von der Versammlung denr Curatorium und Vorsitzenden für ihre ersprießlichen Leistungen volirten Tanke wird die Generalversamiulung geschlossen. Frankreich. Paris. (Bericht der „Ä l l i a n c e I s r. u tt i v." f ü r März.) Reue Mitglieder 122. Wir heben für heute einen Schulbericht aus Schum la zur Mittheilung heraus. „Da die städtische Behörde in der Knabenschule Flüchtlinge einquartirt hat, so sind die Klassen einstweilen geschlossen worden. Auch die Mädchenschule wurde zu demselben Zwecke, wenn auch nur theilweise beansprucht, und der Unterricht in derselben ist dadurch natürlich beschränkt worden. — H. Hayim theilt hierüber folgende Details mit: Wir genossen der Ruhe, als uns am 20. Januar die Annäherung der Russen, welche in der Umgegend unserer Stadt Schrecken verbreitete» in Unruhe zu versetzen begann. Die Einwohner von Sistowa, Tirnowa, Hosman-Bazar, Djuina, Aeni-Bazar, Rasgrat und allen umliegenden Ortschaften verließen ihre Heimath, um sich hierher zu flüchten. Am 28. Januar sahen wir Tausende von Türken, Bulgaren undCircassiern, Männer, Weiber, Greise, Kinder auf der Flucht vor den Russen von den ringsum die Stadt gelegenen Bergen niedersteigen, und um das Unglück voll zu machen, hörte der Schnee nicht auf zu fallen, und erreichte die in diesen Gebirgsgegenden strenge Kälte eine Höhe von 12 Grad. Die unglücklichen Flüchtlinge, die schon eiue Menge Todter auf den Feldern gelassen hatten, sahen ihre Kinder in ihren eigenen Armen sterben; Mütter, von Ermüdung erschöpft, gaben vor Hunger und Kälte ihren Geist auf; Greise fielen entkräftet nieder, um sich nicht wieder zu erheben. Während die Einen sich mit der Beerdigung von Hunderten von Leichen täglich beschäftigten, ergoffen sich die Anderen in die Straßen der Stadt, wo man mehrere Tage sich nicht recht bewegen konnte, und drangen in die Häuser, um willig oder gewaltsam eine Unterkunft zu finden; Moscheen, Kasernen, Schulen, Magazine rc. Alles wurde besetzt, und trotzdem mußten Tausende von Menschen bei der ungünstigsten Witterung auf der Straße bleiben. Am 1. Februar habe ich den Unterricht in mein.'r Schule unterbrechen müssen, um 250 Flüchtlinge in dieselbe aufzunehmen, die mich im Namen des Gouverneurs der Stadt darum gebeten hatten; die Noth derselben war herzzerreißend; diese Unglücklichen starben vor Mangel, sie hatten kein Stückchen Brot. Ich bemühte mich, ihnen sofort Suppe vorsetzen zu laffen und Abends Fleisch mit einer aus Weizenmehl bereiteten Art von Speiie, die sie gierig verzehrten. Der Kaimakam und die türkischen Notabel» haben mir hierfür ihren Dank ausgedrückt." — Ferner haben wir folgenden Bericht der „Trirquie^ vom 17/18. März: Wir haben gestern einer sehr rührenden Scene beigewohnt; vier Waisenmädchen sind in der Synagoge von Galata auf Kosten des großen genereusen Philantropen, H. Baron v Hirsch, und durch die Fürsorge seines eifrigen und gewissenhaften Bevollmächtigten, H. Ritter Venezia»i, verheiralhet worden. Diese armen Mädchen, welche dem Gemetzel der Bulgaren von Zagara entronnen, aber der Brutalität derselben zum Opfer gefallen waren, waren aus diesem Grunde von ihren Verlobten refusirt worden. Es gelang den Beinühungen des H. Veneziani, Letztere von ihrem Entschlüsse zurückzubringen. Anläßlich ihrer Hochzeit hatte man Me Synagoge von Galata mit vielem Geschmack geputzt; die Kinder sämmtlicher Schulen der Hauptstadt bildeteteu den Chor des ganzen Rabbinats, das vom Oberrabbiner selbst geleitet wurde. Letzterer hielt eine kurze, sehr feierliche und tröstliche Ansprache. Unter den fremden Damen, die anwesend waren, bemerkten wir Frau Layard und Frau v. Ehrenhoff vom diplomatischen Corps, die Damen Whitaker, Calvert, Fernande; und die Elite der israelitischen Gesellschaft von Pera. Es war ein glänzendes Fest unter Betheiligung einer ungeheuren Menschenmenge. Die israelitische Musik stimmte mehrere Pismoaim (religiöse Hymnen) an.; Vergessen wir nicht zu erwähnen, daß die Neuvermählten von H. Bacon v. Hirsch reich ausgestattet worden sind. (Somit ist dieses unvergleichliche, allerdings Gottlob selten vorkommende Gemiluth Cyesed, welches schon früher als von Hrn. v. Hirsch beabsichtigt ermähnt wurde, zum glücklichen Ende geführt. Gott gebe dem Eolen vollen Lohn!) (Fortsetzung in der Beilage) Nerlag der Expedition der „Israelitischen Wochenschrift* m Magdeburg. Druck von E. Scharnke in Barby.

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