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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-04-10 · N° 15. (10.4.1878) · p. Seite 118

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 15. (10.4.1878)
Date
1878-04-10
Page
Seite 118 (sequence 4)
Language
German
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— 118 — Geburtstag des Kaisers wurde diesmal am Freitag-Abend durch Predigt und Gebet in erhebender Weise gefeiert, zu welcher Feier auch die jüdischen Soldaten des hier garnisonirenden Regiments erschienen. Dieselben haben auf den Antrag des Rabbiners von dem Oberst die Erlaubniß erhalten, jedesmal an dem Sabbath nach dem Ersten des Monats den Gottesdienst zu besuchen, zugleich mit dem Befehle, in derselben Uniform zur Synagoge zu gehen, in welcher die christlichen Soldaten Sonntags zur Kirche gehen. In dem Regiments befindet sich eine ziemliche Anzahl jüdischer Soldaten, die durch einen vom Rabbiner in's Leben gerufenen besonderen Verein so unterstützt werden, daß sie im Stande sind, koscher essen zu können. Straßburg (Elsaß). Die mehrjährigen Bemühungen um die Gründung einer Rabbiner- und Lehrerschule für das Reichsland haben zu einem vorläufig günstigen Resultate geführt, wie aus folgenden! von den beiden Consisiorien zu Straßburg und Colmar erlassenen Circular hervorgeht. „Wir zeigen Ihnen an, daß nach langen und mühevoüen Anstrengungen die Schöpfung von Vorbereitungs- und einer höheren Lehranstult zur Bildung von Rabbinern, Lehrern und Vorbetern zu einem guten Ziele zu führen, wir durch die Mitwirkung frommer nnd wohllhätiger Personen endlich zur Ausführung gelangt sind. Die Vorbereitungsschule wird in Colmar und das israelitische Seminar in Straßburg seinen Sitz haben. Die in kurzer Frist zu eröffnenden Curse werden völlig unentgeltlich sein. Wir richten heule einen Aufruf an die jungen Leute, welche sich für eine dieser drei Laufbahnen bestimmen wollen. Die Bewerber kür die Vorbereitungsschule haben sich an den Großrabbiner von Colmar zu wenden, und diejenigen, welchen die Stufe des religiösen und universitären Unterrichts schon jetzt die Zulaffung zum Seminar und zu der Universität von Straßburg gestaltet, wollen ihre Bewerbung bei dem Großrabbiner von Srraßburg sammt ihren Studienzeugnissen einreichen. Eine Prüfungscommission wird ernannt werden, welche Tag und Stunde für die Zulafsnngsprüfungen bekannt geben wird." — Wie dac- „Israel. Els.-Lothr." mittheilt, hat am 24. Febr. eine vorbereitende Versammlung in Colmar stattgefunden, welche sich zur Ausgabe stellt, eine auf Gegenseitigkeit begründete Hülfskaffe für jüdische Lehrer und Vorbeter der Provinz zu begründen. — Es muß sehr anerkannt werden, daß die Israeliten im Elsaß sich einzurichten und selbst zu helfen suchen, da sie sich an die Institutionen ihrer Glaubensgenoffen in Deutschland wohl nicht gut anschließen können. Schrimm, 29. März. (Or.-Corr.) „Haben wir einen Rabbiner oder haben wir keinen?" so fragen sich viele Mitglieder unserer Gemeinde. — Der Herr 8-Correspondent aus Caffel in Nr. 13 des „Israelit", dem es in Gesellschaft seiner Freunde bereits gelungen ist, den Sabbathvorträger, Herrn Dr. Ehrmann, zu veranlassen, noch jedenfalls für das nächste halbe Jahr dort zu bleiben, wird uns am besten Bescheid geben können; denn in seine Hand ist das Leben und der Tod unserer Rabbinatsverhältniffe gelegt, und nur von seiner hohen Huld wird es abhängig sein, ob uns das immense Glück zu Theil werden wird, Herrn vr. Ehrmann gleichfalls als Sabbathvorträger zu besitzen. — Unsere Gemeinderepräsentanz hat schon zum zweiten Male durch Schwäche und Zaudern sich compromittirt. — Bei Ausschreibung des Concurses wird wochenlang im Annoncentheile jdischer Zeitschriften eine langathmige, gehässige Polemik der Parteien geführt! Dementi folgt auf Dementi, und jetzt, bei Besetzung des Rabbinerpostens, nimmt sie abermals eine Stellung ein, die vielleicht am besten dadurch zu ändern ist, wenn die Sache vor das Forum der Oeffentlichkeit gebracht wird. — Haben wir einen Rabbiner oder haben wir keinen? Haben wir einen Rabbiner? Warum hat er seinen Sitz in Cassel, und warum gelingt es seinen Freunden, ihn für noch ein halbes Jahr, und dann noch für ein halbes Jahr zum Bleiben zu veranlassen und, um mich eines vulgären Ausdrucks zu bedienen, die hiesige Gemeinde an der Nase herumzuführen? Haben wir keinen? warum vermag der Vorstand nicht aus seiner Lethargie sich aufzuraffen und einen Concurs zur Neubesetzung des Rabbinerpostens anszuschreiben? Es wico doch noch andere Sabbathvorträger geben! M. G.. Gemeindemitglied. M. A. Aus Hessen. (Or.-Corr.) Der Central Organist „für das orthodoxe Judenthum" hat in den heiligen Hallen des Mainzer Doms wieder einmal recht grelle Mißtöne seiner schlechtgestimmten Orgelpfeifen erschallen lassen. Früher gab es auch in den hessischen Landgemeinden Manche» welche den Klängen der Lehmann'schen Musik willig ihr Ohr liehen, aber allgemach fühlen auch diejenigen, welche kein allzu feines musikalisches Gehör haben, die falschen Töne der „gesetzestreuen" Dudelei heraus und wenden sich von ihr ab. Oder sollte — um ohne Bild zu sprechen — nicht jeder wahrhaft gesetzestreue und also auch wahrheitsliebende Jude ein Blatt von feiner Schwelle weisen Orj^rrKD bl DKP» nSltf), das zur Verbreitung von Unwahryeüen beiträgt und den Deckmantel der Religion solchen Bestrebungen leiht, welche niedrigen Leidenschaften ihren Ursprung verdanken! In Nr. 13 des „Israelit" führt Herr l)r. Lehmann eine Bemerkung des „geistvollen" (warum nicht „gefetzestreuen", da man unter dieser Flagge in den Gewässern des „Israelit" doch viel sicherer einhersegelt?) Redacleurs des ,,Umv. Jsr." an, die der Wahrheit schnurstracks zuwiderlänft, und Herr Dr. Lehmann macht sich zum Mitschuldigen dieser Unwahrheit dadurch, daß er nicht allein die belr. Bemerkung addruckt, sondern sie noch dazu eine „treffende" nennt. Es ist unwahr, daß im diesjährigen „Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau" der Poskim keine Erwähnung geschehen sei, ebenso wie es unwahr ist, daß im vorjährigen Jahresbericht Herr Prof. Grätz als Docent des Jore Dea genannt sei. Man sollte es kaum für möglich halten, daß in einem jüdischen Blatte dem Publikum solche handgreifliche Unwahrheiten aufgetischt werden. Aber eine theilweise Erklärung hierfür liegt in dem jesuitischen Grundsätze, daß der Zweck die Mittel heilige. Das Blatt müßte sonach bezeichnender den Titel „der Jesuit" statt „der Israelit" führen.*) In derselben Nummer wird eine Correspondenz „Aus Hessen" abgedruckt, die uns so recht klar die traurigen Folgen des Austriltsgesetzes zeigt. Der der erwähnten Expectoration zu Grunde liegende Thatbestand ist der, daß in einem Streite, den in Grebenstein der Gemeindeälteste mit der Gemeinde hatte, sich das Provinzialvorsteheramt auf Seiten der Gemeinde stellte, woraufhin der sich gekränkt fühlende Gemeindeältefte mit seiner Familie aus dem Gemeindeverband auslrat. Von Gründen religiöser Natur ist bei diesem Austritte gar nicht die Rebe, da die Gemeindeinstilulionen auch nicht die geringste Abweichung vom Althergebrachten zeigen. Wir fragen Herrn Dr. Lehmann, sowie dessen ProlLgs, Herrn Dr. Ehrmann, der eine Einladung zu einem Sabbalhvortrage in dieser Separalgemeinde angenommen hat, ob sie mit gutem Gewissen ein solches Vorgehen ein cr»tP npi^n» nennen können. Alzey. Bei dem Jntereffs, welches die neue kritische Behandlung des Buches Ester durch vr. Bloch (im Literaturbl.) erweckt, dürfte auch die Frage von Bedeutung sein: Aus welchem Grunde weigerte sich Mardechai hartnäckig, vor Haman zu knien? Von Alters her ist diese Frage schon ein orax interprstuna, denn es ist nur eine schlechte Aushülfe, anzunehmen, daß Haman ein Götzenbild auf der Brust getragen habe, vor welchem Mardechai auch nicht ein mal zum Scheine die Kniebeugung vornehmen wollte, oder wie die apokryphischen Zusätze zum Buche Ester erklären, daß die Knie- *) Der Red. des „Univ. Jsr." beeilt sich im neuesten Hefte, eines Besseren belehrt, jme Beschuldigungen in einem besonderen Artikel zurückzunehmen. Wir wollen sehen, ob's der Redacteur des „Israelit ihm bald nachthun wird. (Red.)

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