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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-04-10 · N° 15. (10.4.1878) · p. Seite 117

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 15. (10.4.1878)
Date
1878-04-10
Page
Seite 117 (sequence 3)
Language
German
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— 117 - - oit den Krcisversammlungen und zur Ausübung des Slimmrechlcs dos BekemUiüß zur christlichen Religion fordert. Die Commisnon beantragt einstimmig: „die Petition der Slaatsregierung mit der Aufforderung zu überweisen, dahin zu wirken, daß die Statuten der Provinziallandschaft für Pommern mit der Verfassung und den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen in Einklang gebracht werden." Abg. v. Ludwig erklärt sich gegen den Antrag, weil die Juden die Landwirthschaft nur als Spekulation betreiben, die Güter nur ausschlachten, verkaufen und Handel damit treiben. Dagegen bedauert Abg. Graf Bethusy-Huc, daß sich ein Mttglied gefunden hat, welches sich gegen den Commissionsantrag ausgesprochen. (Beifall) Die jüdischen Interessen hätten bei diesem Institut dieselben Pflichten, müßten also auch dieselben Rechte haben, wie die christlichen. Abg. Hänel erkennt es dankbar an, daß er durch ein Mitglied der conservativen Partei der Verpflichtung überhoben sei, für den Commissionsantrag gegen v. Ludwig einzutreten. Abg. v. Meyer (Arnswalde) beantragt Uebergang zur Tagesordnung. Auf die Provinziallandschaft dürfe ein Zwang in keiner Weise ausgeübt werden. Rach der Meinung des Abg. Frentzel liegt dagegen gerade hier ein Fall vor, in welchem von Staatswegen ein Zwang ausgeübt werden müfle, um ein verfassungsmäßiges Recht zu wahren. (Beifall.) Abg. Windthorst (Meppen) stimmt für den Antrag; er versteht aber denselben nicht dahin, daß ein absoluter Zwang ausgeübt werden, sondern nur dahin, daß die Regierung auf das Institut in angemessener Weise einwirken solle. — .Das Haus genehmigt sodann den Commissionsantrag mit großer Majorität. Breslau, 3. April. (Or.-Corr.) Sonntag, den 31. März, von 8 Uhr Morgens bis gegen 1 Uhr Mittags wurde hier im Saale des Königl. Friedrichs-Gymnasiums die öffentliche Prüfung der Schüler und Schülerinnen dervr. Samuelsoh n'schen Gemeinde-Religionsschule unter zahlreicher Betheiligung des Publikums abgehalten. Die Leistungen waren, wie sich das von der altbewährten Anstalt nicht anders erwarten ließ, vortrefflich, ein Vorzug, den ich nach der Lectüre des trefflichen Cohn'schen Buches über Religionsschulen, das ich allen Ihren Lehrern nicht angelegentlich genug empfehlen kann, erst in seiner ganzen Bedeutung zu würdigen weiß. Ich habe aus dieser Prüfung die tröstliche Ueberzeugung gewonnen, daß all die in jenem Buche aufgezählten Hindernisse und Uebelstände es einer umsichtigen, thatkräftigen Leitung und einem pflichtgetreuen Collegium doch nicht unmöglich machen, in allen jenen Disciplinen, welche man billigerweise von Religionsschulen verlangen kann, Ausgezeichnetes zu leisten. Allerdings sind diese Leistungen um so anerkennenswerther, je mehr Schwierigkeiten zu überwinden waren. — Aus dem die Einladung zu dieser Prüfung begleitenden Bericht entnehmen wir, daß in den a ch t Klassen derselben 304 Zöglinge unterrichtet wurden in Religion, Bibel, Gebeten, hebr. Grammatik, biblischer und jüdischer Geschichte, und im Schreiben der Quadrat- und Cursivschrift. Magdeburg, 4 April. (Or.-Corr.) Der deutsch-isr. Gemeindebund entfaltet seit seiner Neuorganisation im September vor. Jahres eine recht ersprießliche Thätigkeit. Wie der Mann, der jetzt an seiner Spitze steht, in seinem Privatleben fern von aller Ruhmredigkeit, ist stiller Bescheidenheit gar viel des Guten übt, so wirkt auch der Ausschuß des Gemeindebundes gar segensreich in aller Stille, ohne Marktschreierei. Der Herxheimerverein, für den Hr. Nachod sich ganz besonders intereisirt, hat seine Thätigkeit bereits begonnen und sind an 1800 Mark an würdige, meist bedürftige Präparanden und Seminaristen, die sich zu jüd. Religionslehrern heranbilden laffen, als Subvention (an Einzelne bis zur Höhe von 300 M.) vertheilt worden. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß hierbei die jüd. Lehrerseminarien der verschiedensten religiösen Richtung bedacht wurden. Da die Absicht vorherrscht, die jährlichen Beiträge zu diesem Fond alljährlich vollständig zur Vertheilung zu bringen und nicht blos die Zinsen von Capitalien, so werden diese Subventionen stets erhebliche sein. Der Ratzen derselben ist ein doppelter. Außer der momentanen Unterstützung strebsamer junger Leute, wird der daraus erwachsende Segen den Gemeinven zu Theil werden, da der Mangel tüchtiger Religionslehrer sich bereits sehr spürbar macht. Daß hierbei die Bundesgemeinden besonders bevorzugt werden sollen, liegt in der Natur der Sache. Nach dieser Seite hin dürfte dasStellennachweisungsbureau doch auch seinen Werth haben. Ein ferneres Gebiet ersprießlicher Unterstützung, dem der Ausschuß des Gemeindebundes seine Aufmerksamkeit schenkt, ist das literarische. Schriften, welche zur Bekämpfung von Vorurtheilen, zur Vertheivigung des Judenthums, zur Aufklärung mancher die Stellung der Juden oder ihrer Institute betreffenden Zeitfragen beitragen, werden durch denselben subventionirt, in größerer Zahl angekauft, an die Bundesgemeinden gesandt, und auch sonst für Verbreitung derselben gesorgt. Wir erinnern an den Separatabdruck des Sch leiden'scheu Aufsatzes „lieber die Bedeutung der Juden u. s. w."; ein Gleiches beabsichtigt der Ausschuß mit dem gegenwärtig von demselben Verf. veröffentlichten Aufsätze: „Die Romantik des Martyriums bei den Juden im Mittelalter" zu thun. — Von M ey e r's (Red. d. „Jüd. Pr.") „Ein Wort an Hrn. Meffner" und Cohn's „Israel. Religionsunterricht an. den höheren Lehranstalten" ist eine größere Anzahl von Exemplaren angekauft und vertheilt worden. — Ein ganz besonderes Verdienst hat sich der Ausschuß durch die Petition erworben, die derselbe in Folge der bekannten Vorgänge in Thorn und Straßburg, an das deutsche Reichskanzleramt wegen Erlaß eines Gesetzes den Versöhnungstag betr. gerichtet. Wir kommen darauf in nächster Nr. zurück. W. Stargard, in Pommern, 1. April. (Or.-Corr.) Aus dem Leitartikel Ihrer Nr. 13 mit der Ueberschrist: Vom ewigen Juden, resp. aus den beiden darin angeführten eclatanten Fällen rücksichtsloser Rechtsverletzung konnte man wieder einmal recht deutlich wahrnehmen, daß in Preußen die völlige gesetzliche Anerkennung des Judenthums noch in weiter Ferne steht, während die Juden in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung den Christen schon lange gleichstehen. Doch auch hier muß, wie sie richtig bemerkten, Schritt für Schritt vorgegangen und mit zäher Ausdauer das Terrain erobert werden. Gut wäre es daher, wenn all die einzelnen Fälle registrirt würden, in denen man das Judenthum noch immer in eine verletzende Ausnahmsstellung dadurch bringt, daß man sich auf einzelne Paragraphen des Judengesetzes von 1847 beruft, und dann auf Grund von Thatsachen wieder eine Collectivpetition von Seiten der Synagogen-Gemeinden der Regierung und dem Landtage vorgelegt würde, die die Aufhebung derjenigen Paragraphen des Judengesetzes betont, welche im Widerspruch mit der Verfassung stehen. — Bis jetzt haben Juden im Reffort des Justiz- und des Handelsministeriums Anstellung gefunden. Der erste Jude aber, der nun auch im Reffort des landwirthschaftlichen Ministeriums als Beamter fungirt, ist der zu O st r o w o wohnende Herr David G o l d st e i n, welcher in Folge eines vor der Königl. General-Commission für Posen und Pommen abgelegten Examens zum Königlichen Oekonomie-Commissarius ernannt ist. Derselbe behält zum Wohnsitz Ostrowo, woselbst er mehrere Jahre als Oekonomie-Commiffarius-Gehilfe zur größten Zufriedenheit und unter ehrender Anerkennung seiner Behörde fungirt hat. Diese General-Commission hat hier in Stargard ihren Sitz, weshalb ich Ihnen vorstehende Mittheilung für Ihr geschätztes Blatt von hier aus gemacht. In Betreff unseres Gemeindelebens kann ich Ihnen das Beste melden. Am Schluffe des Kalenderjahres wurden die erfreulichsten Berichte über die Vereine der Gemeinde (den Frauenverein, den Verein zur Unterstützung für durchreisende Arme, den Krankenpflege- und Beerdigungsverein) erstattet, welche bekunden, daß der Sinn für Wohlthätigkeit trotz der allgemeinen trüben Weltlage noch nicht geschwunden. Der

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