Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 12. (20.3.1878)
- Date
- 1878-03-20
- Page
- Seite 96 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 96 |jv wenn Ihr wegen solches Epicorßes erst noch Versammlungen haltet. Schickt dem alten N . . . das Geld zurück. Wir brauchen ihn nicht mit seinem Treife Geld. Im Ganzen ist das Lumiche (Dr. Lewy) schuld, der Epikoreskopf." Will man nun wissen, wem jener ganz unwissende, rohe Mensch, der auch in Betreff der Armengelder keine reinen Hände hat, jene Nichtswürdigkeiten entgegenschleuderte? Nun es befanden sich in der Versammlung die Rabbinen S. Salant, der von Haslowitz, der Dajan, R. Mard. Jafe und andere hochgelehrte Männer. Bei allem dem ruhen die Ungarn noch nicht, und ich verschweige noch Vieles wegen der Ehre der heiligen Stadt. Nächstens berichte ich über den Verlauf der Angelegenheit weiter. (Die in Jerusalem erscheinende hebr. Zeitung „Schaare Zion", welche als Gegensatz zu dem Habazeleth gegründet wurde, und der Abwehr der Angriffe auf palästinische Zustände dient, berichtet gleichwohl, daß Monteftore Geld zu dem hier angegebenen Zwecke gesandt habe, daß die Sache aber zu Nichte gemacht worden sei. Das Nähere ist dort freilich nur durch Striche, Punkte angedeutet. Wir haben fall grundsätzlich seit Jahr und Tag alles verschwiegen, was uns Nachtheiliges über '"X berichtet oder iu conservativen Blättern, z. B. „Jew. Chron." mitgetheilt wurde; es hat aber alles seine Grenze! Red.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 16. März. (Abgeordnetenhaus.) Der Vorstand und die Repräsentanten zu M e r z i g beschweren sich beim Abgeordnetenhause gegen einen Beschluß der Stadtverordneten, durch welchen ihr Ersuchen um Ueberlassung eines Lokals in dem ueuerbauten Communalschulhause daselbst, zur Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes, abgelehnt worden ist. Die Commisllou beantragt Uebergang zur Tagesordnung. Abg. Götting stellt und rechtfertigt den Antrag: diese Petition der Staatsregierung zur Abhülfe zu überweisen. In der Discussion erklären sich die Abgg. Delius und Nüppel gegen den Antrag Götting. Die Abgg. Dr. Hirsch, Dr. Virch ow und Dr. Laster reden für den Antrag, indem letzterer darauf hinweist, daß die Volksschule in Merzig keine confessionelle Schule sei, die jüdischen Kinder also ein Recht zur Benutzung der Lokalitäten hätten, Abg. Dr. Virchow meint, daß eine solche Intoleranz nicht zu dulden sei. Das Haus nimmt den Antrag Götting an. Berlin. Der hiesige jüdische Gemeinde-Vorstand hat den Architectenverein ersucht, ein Concurrenz-Ausschreibeu betreffend die Errichtung einer Begräbnißplatz-Anlage für die jüdische Gemeinde Berlins iu Weißemee zu erlassen und hat der genannte Verein eine Beurtheiluugs-Kommission eingesetzt. Die beiden besten Arbeiten werden mit 1500 bez. 600 Mark belohnt. Die Entwürfe sind bis zum 15. Mai d. I. einzuliefern. Die Erwerbung des dem künftigen jüdischen (confessionellen) Begräbuißplatze dienenden Grundes ist schon seit längerer Zeit erfolgt, derselbe ist dem schon in Gebrauch genommenen katholischen Begräbnißplatze unmittelbar benachbart. Die erste Beerdigung auf dem jetzigen jüdischen Friedhofe (Schönhauser Allee) fand am 29. Juni 1827, also vor 51 Jahren statt, und als der Grund und Boden zu jener Zeit (für 5500 Thlr.) erworben wurde, war nach der damals in Berlin wohnenden jüdischen Bevölkerung die Berechnung gemacht, daß der Beerdigungsplatz auf 150 Jahre ausreichen werde, da der frühere, viel kleinere Begräbnißplatz in der Oranienburger-Straße 7—9 von gegen Ende des 17. Jahrhunderts bis 1827 ausgereicht hatte und als er auf höhere Anordnung geschlossen werden mußte, noch nicht ganz gefüllt war. Berlin Am jüngsten Sonntag sollen der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde in gemeinschaftlicher Sitzung denBau einer Synagoge in der Louisenstadt endgültig beschlossen haben. Berlin, 12. März. Der heutige „Reichs- und Staatsanzeiger" meldet, daß Se. Majestät dem General-Consul und Hosbanquier Freiherrn Karl vonRothschildzu Frankfurt a. M. den königlichen Krouen-Ordeu erster Klasse verliehen habe. Aus der Provinz Posen. Die vorjährige Versammlung von Rabbinern aus der Provinz Posen hatte die Gründung eines Vereins zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer in's Auge gefaßt. Nach den provisorischen Statuten sollen „Knaben und Jünglinge, welche eine näher zu bestimmende Lehrerbildungsanstalt besuchen und sich zu Religionslehrern ausbilden wollen, in den betreffenden religiösen Discipliuen durch geeignete Lehrkräfte einen zweckentsprechenden Unterricht empfangen" und die bedürftigen durch Stipendien ausreichend unterstützt werden. Dieses Project ist, wie die „Ostd. Zlg." schreibt, nunmehr der Verwirklichung nahe. Obschon die größere Hälfte der jüdischen Gemeinden unserer Provinz bisher theilnahmslos, wenn nicht gar ablehnend, sich dagegen verhalten hat, haben doch ca. 500 Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von ca. 2100 M. ihren Beitritt schon erklärt und 4 immerwährende Mitglieder gegen 600 M. für den eisernen Fond zugesagt. Spätestens zu Michaelis cr. wird mit dem Unterrichte begonnen werden können. Wien. Wie das „Amtsblatt" an seiner Spitze meldet, ist unser Glaubensgenosse Hr. Wilhelm Guttmann von hier vom Kaiser in den Ritterstand erhoben worden. Wie der „Wien. Jsr " erfahren haben will, gedenkt Baron Hirsch nach Wien zu kommen. Paris. Wie der „Figaro" meldet, hat die Famile Rothschild die Summe von 1,207,330 Francs an Persoual-Einkommeu-Steuer jährlich zu entrichten. Malta. Der Gouverneur der Insel Malta hat angeordnet, daß jüdische Gefangene an jüdischen Sabbat- und Feiertagen nicht zur Arbeit angehalten werden dürfen. (Jew. Ehr.) Jerusalem, Ende Februar. (Or.-Corr.) Regen, Schnee und Hagel haben wir seit einigen Wochen in Fülle; wir mußten auf's Dach steigen, um die darauf anzesammelten Schneemasien hinabzuschaufeln. Bei dieser Gelegenheit verunglückte einer unserer sephardischen Glaubensgenoffen; auch viele Häuser sind in Folge des Regens zusammengestürzt, was jedoch G. s. D. kein Menschenleben kostete. Feuilleton. Täuschungen. Eine Erzählung aus der letzten polnischen Revolutionszeit. Aon Leo Herzberg-Fränkel. (Fortsetzung.) Es harren viele Leltte im Audieuzsaale des Fürsten Gortschakoff: Deputationen patriotiicher Vereine, Damen in Trauergewändern, Polizeibeamte mit geschriebenen Berichten, Offiziere in großer Uniform, dienstthuende Adjutanten und Kämmerer, daß es dem alten Manne ganz wirr ward, mitten in diese bunte Menge zu treten, deren neugierige Blicke sich auf ihn, den Neueintretenden richteten. Scheu und schüchtern drückte er sich in einen Winkel des Saales, die Blicke am Boden und seine Kopfbedeckung in der Hand zerdrückend. Hier entdeckte ihn der Offizier, der ihn herbeschieden. „Ich werde Sie melden," sagte er urtb schritt in's anstoßende Kabinet; und zum Erstaunen Aller, die da lange schweigend warten, folgt der Greis bald dem Rufe des Offiziers, der ihm die Thüre öffnet und sie hurter ihm schließt, sich selbst in deren Nähe auf einen Stuhl werfend. Es geht ein Geflüster durch den weiten Saal zwischen den schwarzgekleideten Damen und den Herren vom Civil: „Ein alter Spitzbube dieier Jude, ein Spion." So unerklärlich ist die dem alten Manne, dem Juden, gewordene Bevorzugung, daß beinahe allen Anwesenden derselbe Gedanke über diese Erscheinung kam, und manche den Muth hatten oder die Unvorsichtigkeit begingen, ihn an diesem Orte beinahe laut auszusprechen.