Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 12. (20.3.1878)
- Date
- 1878-03-20
- Page
- Seite 94 (sequence 4)
- Language
- German
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— 94 — suche, welche an die Repräsentanz behufs Erlangung von Armenstiftungen, dauernder oder zeitweiliger Unterstützung gelangen. Unter der unmittelbaren Leitung der Repräsentanz selbst steht das Armeninstitut, welches ursprünglich als Asyl -für Obdachlose begründet, nunmehr mit der Joachim Wien'- schen Stiftung vereinigt, mehreren Männern und Frauenspersonen theils Naturalwohnung, Heizung und Beleuchiung, mitunter aber auch die ganze oder blos die Feiertagskost liefert, theils größere oder geringere vierteljährig wiederkehrende Miethzinsbeiträge an Bedürftige verabreicht. Eine eigene Commission erstreckt ihre Wirksamkeit auf die Besorgung von Passahbedürfnissen. Sie bemüht sich, einerseits dem Publikum billige, gute und den rituellen Vorschriften vollkommen entsprechende Mazos zu liefern, andererseits den bedürftigeren Theil unserer Gemeindeangehörigen mit den nothwendigsten Passahbebürfnisten unentgeltlich zu betheilen. Der Armenpflege kommen aber nicht blos die hier genannten Zweige, bezüglich deren auch die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch genommen wird, zu Gute, sie wird auch wesentlich gefördert durch Gemeindeanstalten und Stiftungen, welche entweder unter der unmittelbaren oder mittelbaren Leitung der Repräsentanz stehen. Wir erwähnen nur beispielsweise des isr. allg. Krankenhauses, des Knabenwaisenhauses, der Babette v. Lämel'schen Versorgungsanstalt, des Jsak und Katharina Taussig'schen Hospitals, des Simon v. Lämel'schen Stiftungshauses, anderer zahlreicher Stiftungen nicht zu gedenken. Die Gebahrung dieser Anstalten und Stiftungen findet in dem jeweiligen Rechnungsabschluß ihren Ausdruck und muß den Stiftungs- oder sonstigen überwachenden Behörden zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden." Stanislan, im Februar. (Or.-Corr.) (Schluß.) So war es eben in Sniatyn, wo verschiedene Seelen von Chassidim sind. Als der berühmte Talmudist, der in allen Wissenschaften bewanderte und sehr fromme Rabbiner, Herr Moses Taubes, daselbst angestellt war, hatte er sehr viel von dem Rebbe Chaim aus Kossow zu dulden. Von ihm erzählte man, daß seine Frau ihm einmal gesagt haben soll: „Du siehst doch, daß der R. Chaim Kossower die Welt hat." Sie meinte nämlich, daß ihm viel Ehre und Geld zu Theil würde. Er antwortete hierauf seiner Frau: „Vergiß nicht, was du sagst: er hat die Welt, diese wohl, aber jene künftige wiro er nicht haben. Er wurde dann Landesrabbiner in Jassy in der Moldau und verfaßte das Werk DK1 N1221N auf alle und OKI '’Jlp Commentar auf den KttHnD. Nachdem der Rabbiner Taubes nach Jassy gegangen, war der Rabbiner Joseph Babad nach Sniatyn berufen worden. Dieser war außerordentlich fromm, studtrte Tag und Nacht, soll auch sehr viele Tage des Jahres gefastet haben, von jeder Geldgier^ fern gewesen sein u. s. w. Alle diese seltenen Eigenschaften haben ihm dennoch nicht Ruhe vor den Chassidim verschaffen können, erst als er Wittwer wurde und eine Nichte vom Rebben aus Kossow heirathete, dann konnte er sich Jahre lang in Sniatyn der Ruhe erfreuen. Er wurde dann nach Tarnopol an die Stelle des Rabbiners S. L. Rappoport berufen. Dort wurde sein großes Werk IpT! nrtÜD Commentar und scharfsinniger Pilpul über alle 'ö nn in Druck gegeben. Aus diesem Werke erkennt man die Größe des Verfaffes, sowohl bezüglich seiner Kenntniß des Talmud, wie seiner Frömmigkeit und Bescheidenheit. Als der Rabbiner Babad nach Tarnopol gegangen war, wurde an dessen Stelle der Rabbiner Abraham Tumim aus Butschatsch berufen, eine in ganz Galizien bekannte Persönlichkeit. Weil er aber kein Cyassld war und an die Unfehlbarkeit des Rebbe nicht glaubte, so lractirten die Chassidim bte Fenster seiner Wohnung, wo er am ersten Sonnabend war, mit schwerwiegenden Steinen, so daß er „Hagomel" sagte und Sniatyn verließ. — „Wenn solches den Cedern begegnet, was soll der Isop thun?" Aus Furcht vor der Rohheit der Chasl'idrm hat sich daher Niemand von den jungen Ravbinen > in Galizien nach Sniatyn melden wollen. Diese Rabbinat-! stelle blieb lange Zeit unbesetzt; nur und zwei jüngere Leute, nämlich Herr Moses Babad, ein Sohn des Rabbiners I. Babad, und Herr Jiaac Tumim, ein Bruder und Schwiegersohn vom Rabbiner Abr. Tumim, als Rabbinatsverweser verblieben. Nach einigen Jahren starb der eine von ihnen, Herr M. Babad, und sein College wurde als Rabbiner nach Wielkotsch berufen, wodurch das Interregnum in Sniatyn aufgehört hat. Darauf haben die Vornehmen den Herrn Jonas Aschkenase, damals Rabbiner zu Pczeworsk, nach Sniatyn zum Rabbiner berufen. Der Rabbiner Aschkenase glaubte anfangs, er werde sich in Sniatyn halten können. Denn außerdem, daß er ein großer Talmudist, Hebräer, beredter Prediger und äußerst fromm war, besaß er noch die Eigenschaft Aarons, die Friedensliebe, und nieinte zwischen den verschiedenen Parteien die Ruhe Herstellen zu können. Allein er täuschte sich, denn „kein Mensch kann mit einer Schlange in engem Raume wohnen" — sagt der Talmud — und nach drei Jahren entschloß er sich, diesen Ort zu verlaffen, war froh, nach Prseworsk als Rabbiner zurückzukehren, wo seine frühere Gemeinde ihn willkommen hieß, und wo er nach einigen Jahren ruhigen und zufriedenen Wirkens starb. Rach seinem Abzüge fingen die Zänkereien wegen der Wahl eines Rabbiners erst recht an. Denn jede Seele Chassidint wollte nur den wählen, der von ihrem Rebbe empfohlen wurde. Da aber die Zahl der Seele des Wisnitzer Rebbe klein ist, so fielen sie mit ihrem Caadidaten durch, während die Anhänger des Sadagurer Rebbe dem Candidaten der Chassadim des Kossower zustimmten und den Herrn Moses Rappoport (Barsep) aus Jeworow zu ihrem Rabbiner wählten. Die Chaffidun des Wisnitzer ließen sich durch die Majorität der Stadt nicht abschrecken und beriefen ihren Candidalen, den Rabbiner aus Tlust nach Sniatyn; ein Rabbiner, der die Fähigkeiten eines 2"1 nicht im reichen Maaße besitzt, der aber durch Sippschaft mit dem Rebbe aus Wffnitz verwandt ist; derselbe wollte ihn daher in derSnmtyner Stelle hineinbringen. Das tragische Ende dieser Affaire ist bekannt, daher brauche ich es nicht mehr zu wleoerhocen. Diese Sniatyner Affaire sollte für die galizischen Juden eine tüchtige Lehre sein, daß sie bei der Wahl eures Rabbiners sich von ihren „Heiligen" nicht beeinflussen lasten. Gegen die Geschenke, welche die Chassidim dem Rebbe geben, ließe sich nichts einwenoen; jeder kann mit seinem Vermögen machen was er will; jeder handelt nach seinem Glauben, und die Chastidim glauben, daß ihr Reboe bei Gott für sie bete. Aber was haben d.e 'p bei der Wahl eines Row zu sagen? nn« bv im6 rrn-D nro n:n msbo -inaa ib n M. Aschkanas e. (Die östecreichischerl Zeitungen haben in der jüngsten Zeit mehrfach Berichte über „Wandercaobis" gebracht, welche in den von Chassioinl bewohnten Landstrichen Galiziens und Ungarns wandernd einherzlehen, Betrug und Schwindel, mitunter auch Schlimmeres verüben und von dem Wahnwitz der Menge getragen werden. Es wrro uniern Leiern manche derartige Schilderung zu Gesicht gekommen sein. Wir mögen unfern Raum nicht mit Berichten füllen, welche Aerger verursachen und Spott heeoorrufen, und geben bei Gelegenheit der vorstehenden Correiponoenz diese Ronz, um nur zu sagen, warum wir die Geschichten mit Stillichwelgen üvergangen haben. Wir knüpfen daran zugleich eine Mahnung an diejenigen Rabbinen und jüo. Blätter, welche nch vorzugsweise orthooox neunen und auch ui Ungarn und Galizien für „froinm" gellen ivollen. Wäre: es nicht gut, wenn sie jenen» Wahn, jenenl Götzendienst, der bas Juventhum schändet, euer giss enlgegentrelen wollten? Wä»e das nicht bester und nötylger, als forlwätirenoes Zetern gegen die geringfügigste Abweichung vom Hergebrachten, und wäre e»n festes, klares und eiilschieoenes Zaruckweaen der Wunoerrabbi's, als unjüdlichec □'HEID, nicht neilsan»er als das Streben, alle diejenigeil aus oen» Judeiilhan» ipnauszuiveisen und zu drängen, me nach einer anderen Richtung yin von »yreu Ansichten abweichen? Reo.)