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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-03-05 · N° 10. (5.3.1878) · p. Seite 76

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 10. (5.3.1878)
Date
1878-03-05
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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— 76 — erscheinungen aus der neuesten Zeit glaubt, der leugnet Gott — L. sagt: wer gegen mich schreibt, ist: ein Feind der Religion. rrt 'x-o nt Berlin, 28. Februar. (Or.-Corr.) Ich finde in Nr. 7 Ihres Bl. eine Notiz über „Freimaurerisches," die ich mir zu berichtigen gestattete. Es ist zunächst unrichtig, wenn gesagt wird, daß in Frankreich mehrere Großlogen existiren, meines Wissens giebt es nur eine, die sich grand Orient de kranee nennt. Ordrnleux kann also wohl nur Meister vom Stuhl einer Tochterloge der ersteren sein. Von dem erwähnten Beschluß einzelner Logen ist officiell den übrigen Großlogen Nichts berichtet, auch ist in den Fachblättern nicht die Rede davon gewesen, ich vermuthe daher wohl mit Recht, daß die erwähnte Sentenz einer Persönlichkeit entsprungen, die mit den Fundamental- Jdeen der Freimaurer gar nicht vertraut sein kann, denn der erste §. des Constitutionsbuches lautet: der Freimaurer muß Gottesverehrer sein. Wenn also der erwähnte Beschluß zur Ausführung käme und der grand Orient denselben adoptirte — was ich für unmöglich halte — so würde damit die Loslösung von sämmtlichen Großlogen der Welt erfolgen, die Jsolirung dürfte den franzöfischen Freimaurern doch etwas unangenehm werden! — In voriger Woche hielt hier der Prediger Häufig einen öffentlichen Vortrag über Leeho daudi oder die Poesie des Sabbath's. — Die Alterversorgungsanstaltderjüdischen Gemeinde versendet ihren 49. Jahresbericht. Wir entnehmen demselben, daß sich im Jahre 1877 durchschnittlich 79 Hospitaliten in der Anstalt befanden und einen Kostenaufwand von 47,188 Mark 19 Pf. erforderten. Das Gesammtvermögen betrug Ende 1877 686,870 M. Nach Eintritt der neuerdings Aufgenommenen werden sich bald 86 Hospitaliten in der Anstalt befinden, und gewährt dieselbe dann nur noch Raum für 9 Hospitaliten. Wenn die Einnahme» der Anstalt im Verhältnis so weiter wachsen, so dürften bei dem im nächsten Jahre stattfindenden fünfzigjährigen Jubiläum sämmtliche Räume der Anstalt belegt sein und die Nothwendigkeit an den Vorstand herantreten, für Beschaffung neuer Räumlichkeiten zur Unterbringung von Hospitaliten Sorge zu tragen. Die Meldeliste enthält 80 Namen, darunter Namen hochachtbarer Leute, welche einst beffere Tage gesehen und jetzt sehnsuchtsvoll auf die Alter-Versorgungs-Anstalt blicken, in welcher sie nach des Lebens Mühen und Sorgen ein letztes freundliches Asyl zu finden hoffen. Möge ihre Hoffnung nicht getäuscht werden. Frankfurt a. M., 22. Februar 1878 Auf die wiederholte Ableugnung Lehmann's in Betreff des Ringwechsels habe ich meinen Freund, auf dessen Angabe ich den Bericht in Nr. 2 dieses Blattes erstattet habe, und der mir meine erste Entgegnung in Nr. 6 in die Feder diktirt hatte, dringend ermahnt, zur Steuer der Wahrheit, mir Namen von Ehepaaren anzugeben, bei deren Trauungen Ringwechsel stattgefunden haben sollte. Da nun bis heute mein Ersuchen keinen Erfolg hatte, so fühle ich mich verpflichtet, meine Mit- Iheilung zurückzunehmen. Die verehrte Red. dieses Blattes, die von meiner Wahrheitsliebe überzeugt ist, verdient so wenig einen Vorwurf wegen der Aufnahme meiner Mittheilung, wie ich selbst, da ich keine Ursache hatte, die Glaubwürdigkeit jenes Freundes, deffen Namen ich der Redaktion vertraulich mitgetheilt habe, anzuzweifeln und nicht glauben konnte, daß man mich belogen habe, wie es in der That der Fall zu sein scheint. R. Frankfurt a. M., Ende Febr. (Or.-Corr.) Aus einigen Mittheilungen in dieser Zeitung entnehmen wir, daß gerade die sogenannten Orthodoxen es sind, die dem Vorstand bei der Besetzung der hiesigen zweiten Rabbinerstelle Hinderniffe in den Weg legen. Wir können zwar nicht untersuchen, ob es aus reiner Absicht geschieht, oder ob unehrliche Beweggründe sie dazu treiben, jedoch dürfen wir dreist die Handlung als verwerflich verurtheüen, da uns aus sicherer Quelle mitgetheilt wurde, daß der Vorstand nicht im Entferntesten daran denkt, einem solchen Rabbiner, der hinsichtlich der Frömmigkeit einem Hirsch zurücksteht, die Stelle zu verleihen. Im Gegentheil, es wird ein solcher Mann gesucht, der ihn sowohl hinsichtlich des talmudischen Wissens als der Frömmigkeit überragt. In dem Kreise der Nichtaustretenden wird Hirsch's Frömmigkeit nicht so hoch angeschlagen, als seine Anhänger zu glauben wähnen, und die Ritualcommisston hat daher einen Mann, gegen den man nicht mehr als gegen Hirsch auszusetzen hat, ausgeschlageu. Am wenigsten ist aber daran zu denken, daß einer aus der Vermittlungspartei, oder auch nur einer, der mit derselben sympathisirt, hier Anklang finden wird. Unter solchen Umständen ist es nicht zu verwundern, wenn man nur Eigensinn und Eigennutz als Triebfeder jener Orthodoxen bezeichnet. Es wäre im Interesse der wahren Gottesfurcht zu wünschen, daß jene Eiferer zur Besinnung kämenund der Ritualcommission Hülfe leisteten, die Stelle so bald als möglich durch eine geeignete Persönlichkeit zu besetzen. Oefierreich-Ungarn. Wien, 22. Febr. (Or.-Corr.) Sie gedenken in Nr. 8 des hier erscheinenden Uerical-feudalen Journales „Das Vaterland." Da möchte ich hervorheben, daß Wien kein Boden für derartige Journale ist. Ohne bestreiten zu wollen, daß da und dort Judenhaß noch vorhanden ist, so schämt man sich doch dies öffentlich auszusprechen. Wir hatten hier früher drei Journale, welche den Judenhaß eultivirten: die „Kirchenzeitung", den „Volksfreund" und das „Vaterland." Die „Kirchenzeitung" sah sich bereits vor mehreren Jahren genöthigt, aus Mangel an Abonnenten einzugehen, der „Volksfreund" segnete im verflossenen Herbste das Zeitliche, und das „Vaterland" wird nur durch besondere Subventionen erhalten. Im Volke haben derartige Ergüffe keinen Boden. Das „Vaterland" läßt sich manchmal aus purem Judenhaß zu den albernsten Erfindungen herbei. Im vorigen Sommer war es nur gegönnt, dem Fürsten Bismarck eine heitere Stunde zu bereiten. Dies kam nämlich so: Ich gehöre zu den eifrigen Lesern der genannten Journale, da ich mich zu dem Grundsätze bekenne: ab koste diseere, und, ich will es ehrlich gestehen, die Wuthausbrüche desselben pflegen mich manchmal zu ergötzen. Wie es in jüngster Zeit gegen Beaconsfield loszog, so^wetterte es und zwar in noch heftigerer Weise im vorigen Sommer gegen Bismarck wegen des Culturkampfes. Es ging jedoch nicht gut an, Bismarck zum Juden zu machen. Da kam das ehrenwerthe Blatt auf ein anderes Auskuifftsmittel. Es erklärt nämlich, der ganze Culturkampf gehe von dem Intimus Bismarck's, unter deffen Pantoffel er steht, nämlich von Lothar Bücher aus, und dieser sei ein getaufter Jude; ergo haben die Juden den Culturkampf heraufbeschworen. Nun lebt ein Bruder Lothar Bucher's hier, mit dem ich befreundet bin. Als ich mit ihm zusammentraf, machte ich ihn auf den besagten Artikel des „Vaterland" aufmerksam. Er beeilte sich, ein Exemplar seinem Bruder zu schicken, und wie ich später erfuhr, übte der Artikel die gehoffte Wirkung, Fürst Bismarck lachte herzlich darüber. Ad vocem „Vaterland" möchte ich mir erlauben. Folgendes zu bemerken. Dieses Blatt greift fast Tag für Tag das eine oder das andere der hier erscheinenden liberalen Journale an. Nur selten geben dieselben Antwort, aber wenn es geschieht, so wird demselben eben ein empfindlicher Fußtritt versetzt. Ich möchte mir unmaßgeblich gestatten diese Methode den jüdischen Journalen, gegenüber einem Blatte, das stets in frommer Weise die Augen verdreht und Personen und Verhältnisse, die nicht in seinen Kram paffen, mtt Gift und Galle zu überschütten, zu empfehlen. Schließlich noch Folgendes: Be» Gelegenheit des Ablebens Ptus IL. erzählte die in Berlin erscheinende „Germania" von der edlen That eines Juden, der katholische Missionare rettete. In ähnlicher Werse rettete ein Jude Laza-

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