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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-03-05 · N° 10. (5.3.1878) · p. Seite 75

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 10. (5.3.1878)
Date
1878-03-05
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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Wunden ersparen dem Operateur den Vorwurf selbst, an eventuellen Wundkrankheiten oder gar am Tode seines Patienten schuld zu fein. , m , Kommen wir nach dieser allgemeinen Betrachtung wieder auf unseren Gegenstand zurück, so müssen wir offen gestehen, daß der alte Schlendriail in Ausführung und Nachbehandlung der rituellen Beschneidung leider schon zu viele Opfer gefordert hat. So schwer es vielleicht Manchem ankommen mag mit alten vererbten Gebräuchen zu brechen, hier handelt es sich um Wichtigeres als ein Herkommen,*) hier handelt es sich um Menschenleben. Der gewissenhafte Beschneider muß streben nach den Ansprüchen, die der Fortschritt der Wissenschaft an ihn gestellt hat, auch zu handeln. Ist doch die Art der Wundbehandlung nicht durch religiöse Vorschriften, sondern nur durch einen noch dazu an verschiedenen Orten verschiedenen Usus geregelt. Möge Niemand gleichgültig, also sträflich, leichtsinnig über das besprochene Thema denken. Leben und Gesundheit unserer Kinder hängt davon ab. Möchten sich endlich die Beschneider dazu bequemen, uns Aerzten von heute sg strenge zu folgen, wie sie seit lange den veralteten Wundbehandlungsvorschriften mittelalterlicher Aerzte Tribut zollen. Mancher mag wohl in jahrelanger Praxis keinen Unglücksfall gesehen haben, aber morgen kann er vielleicht durch seine erste Erfahrung gräßlich aus seiner Ruhe aufgestört werden. Nach unseren Vorschlägen würde sich die ärztliche Technik folgendermaßen bei der Beschneidung geltend zu machen haben: 1) Das Messer soll haarscharf und absolut rein sein.**) Zu diesem Zwecke wird es von Zeit zu Zeit in heißem Waffer gekocht, vor jeder Beschneidung aber regelmäßig mit folgender Lösung abgewaschen: Kolutis aeickiearbolitü 5,0 : 100,0. Dann erst darf zur Operation geschritten werden. 2) Der Verband. Ist die Blutung gestillt (am besten durch Wasser, Eis oder einfachen Druck mit reinen Fingern, denn eine Blutstillung durch Aufsaugen mit dem Munde ist gewissenlos; allzuleicht werden so bösartige Krankheiten übertragen), so wird die Wunde mit einer verdünnten Carbollösung abgewaschen, die man sich durch Vermischen von 1 Löffel der obigen Lösung mit 2 Löffel Waffer bereitet. In dieselbe verdünnte Lösung taucht man jetzt auch einen länglichen Wattebausch, drückt ihn, wenn er sich vollgesogen hat, wieder mäßig aus und bedeckt damit die Wunde. Dann wird darüber etwas trockene Watte und ein reines Leinwandläppchen befestigt und man überläßt das Ganze bis zu der spätestens am nächsten Tage vorzunehmenden Reinigung sich selbst. 3) Zur Reinigung darf man sich nie eines Schwammes bedienen, der nicht absolut neu ist. Die Erfahrung hat gelehrt, daß ein guter Theil der Wundvergiftungen durch Waschen mit einmal gebrauchten Schwämmen erzeugt wird. Am besten läßt man also den Schwamm ganz weg und reinigt die Wunde einfach durch Austräufeln von lauwarmem Wasser, als durch Abspülen der Watte. Verfährt man peinlich so und nimmt man überhaupt möglichst Bedacht auf absolute Reinlichkeit, so wird man zu seiner Freude eine auffallende Verkürzung der Heilungsdauer constatireu und auch vor *) Davon ist hier auch gar nicht die Rede!! Alle von dein Hrn. Verf. gemachten Vorschläge verstoßen nicht im aller e ntfe rnt esten gegen Ritus und religiöses .Herkommen, sie berühren dies qar Nlcht. (Red.) **) Anmerkung. Die Reinhaltung des Messers wird übrigens nicht nur in Rücksicht auf die Wundgiftträger gefordert, sondern weil eine ucbertragung der Syphilis von einem Kinde auf das andere sehr leicht durch einen minimalen Blutfleck, der vem Auge entgeht und seit der Beschneidung eines mit Syphilis zur Welt gekommenen Kindes haftet, geschieht.Anscheinend ganz gesunde Kinder können, man beachte dies wohl, nnt ererbter Syphilis behaftet sein. Oft kommen die Aeußerungen der Krankheu erst spät hervor, und gerade solche Kinder haben bei Beschnei- "un^ünd Pockenimpfung, schon Anlaß zu verbreiteter Ansteckung bösartigen Zufällen meist geschützt sein. In 4—6 Tagen kann eine Beschneidungswunde ganz verheilen. Worms, 27. Januar 1878. Dr. Berichte und Correspondenze». Deutschland. Stettin, 21. Februar. Der Redacteur des „Israelit" hat uns', wenn auch wohl nicht absichtlich, eine große Freude bereitet. Wir hatten in unserer Nr. 6 mit möglichster Vorsicht und größter Schonung auf sein das Judenthum auf's äußerste gefährdendes Treiben hingewiesen; mit Vorsicht, denn wir gaben nur Andeutungen und Winke; mit Schonung, denn wir behandelten ihn als einen von Fanatismus Berauschten „trunken, aber nicht von Wein." Wir baten zugleich zwei Rabbiner, deren Wort bei ihm Geltung haben muß, k la Bismarck einen kalten Strahl dem Tobenden appliciren zu wollen. — In derselben Nr. wiederholte unser Correspondent aus Frankfurt a. M. seine Angaben wegen des Ringewechselns. Und siehe da — Dr. Lehmann fällt wegen dieser Correspondenz alsbald mit voller Wuth über uns her; in Betreff des ersten so wichtigen Punktes schweigt er vollständig. Deß freuen wir uns! Der Midrasch sagt zur Überschrift des Psalm 79 und zu Klagel. 4, 11: „Gott hat seinen Zorn an Holz und Stein des Tempels ausgelassen, Israel aber nicht vertilgt," darum singt Affaf einen Mismor, nicht einen Kinnah. Lehmann läßt seine Wuth an unserer demüthigen, unbedeutenden Person aus, dafür nimmt er Abstand davon, das Heiligthum unseres Glaubens in Brand zu stecken. Wir haben obendrein in Hinsicht auf jene Geschichte vom Ringewechseln (siehe weiter unter Frankfurt) weiter nichts gethan, als daß wir die Correspondenz eines uns befreundeten, wohlbekannten und vielgeehrten Mannes in die Druckerei geschickt haben, jedes eigene Wissen von der Sache hatten wir ausdrücklich abgelehnt, und das ist ja auch ganz selbstverständlich — wir hatten also nicht einmal ein mrp^ vollzogen, oder doch nur ein solches, zu dem nach K"Dp sogar ein verwendbar ist; doch ergießt Dr. L. die ganze Schale seines Zornes („jedes Wort ein — und kein leerer") über uns, es ist nicht möglich, daß ihm noch ein Rest Rausch oder Wuth geblieben sein kann; das Heiligthum ist also vor seinen Feuerbränden gerettet. Das freut uns sehr. Bleiben wir noch einen Augenblick in diesem Bilde. So lange der Schwiegervater des Dr. L., ein gelehrter, frommer, vernünftiger, weltersahrener Mann lebte, kamen solche Dinge in Israel nicht vor. Gleich nach dem Hintritte des R. Sam. Bondi Effing L. an, Feuerbrände zu schwingen. Ist das nicht wie eine Illustration zu dem Satze flrvö 7Wp nsnt&D wp'NX Auf die Ausfälle gegen uns antworten wir nicht. Froh, daß unsere Person Werthvolleres deckt, lassen wir uns den Schild mit den Pfeilen des nSnSpp spicken. Dr. Lehmann sieht, wie in unserer Zeit der Eisenbahnen, Dampfschiffe, -Schlepper und -Fähren, das Geschlecht der rheinischen Schürger und Ferger ausstirbt, jener Wackeren, von denen das alte Lied sagt: „Grob ist der Mensch in seinem Wahn, doch gröber ist des Rheinstroms Schürger rc. rc." Als Verehrer und Conservator alles Alterthümlichen hat er offenbar an der Rheinbrücke bei einem solchen Kernmenschen einen Privalcursus im Schimpfen und Fluchen genommen, damit es nicht ganz verloren gehe. Wir haben das nicht gelernt. Charakteristisch genug ist es, daß er uns als „Feind der Religion" bezeichnet, weil wir ihm Opposition machen. Wenn wir in der Ringefrage das Wechseln der Ringe empfohlen, vertheidigt hätten, so hätte es noch einen Sinn, uns einen Reformer und dann mit einem kleinen Uebergang einen Feind Gottes zu nennen. Unser Blatt hat aber das Wechseln verworfen. Andere Leute sagen: wer nicht an gewiffe Wunder-

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