Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 9. (27.2.1878)
- Date
- 1878-02-27
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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68 liche Behandlung und 710 Soolbäder kostenfrei empfangen; außerdem wurden 200 Seebäder in den städtischen Anstalten genommen, für die uns von den hiesigen städtischen Behörden die nöthigen Freikarten zur Verfügung gestellt wurden. Von den 36 Pfleglingen waren 20 Personen aus Berlin, 8 aus der Provinz Pommern, 4 aus der Provinz Posen und je 2 aus den Provinzen Brandenburg und Preußen. Es sind 14 Patienten als „geheilt" und 22 als „gebessert" aus der Anstalt entlassen worden, — und wieder also hat dieselbe segensreich gewirkt, indem sie einer ansehnlichen Anzahl von Armen und Kranken das kostbarste Lebensgut, Gesundheit und verjüngte Kraft wieder geschenkt hat. „Nicht mit Unrecht dringt daher die Theilnahme für die gedeihtiche Entwickelung unserer Humanitätsanstalt in immer weitere Kreise, und sowohl Gemeinden und Vereine, als Privatpersonen bei, um sie mit offener Hand und edlem Herzen warm und kräftig zu unterstützen. Die sämmtlichen Einnahmen betrugen in diesem Jahre 4374 M. 16 Pf, — also 904 M. 34 Pf. mehr als im vorigen Jahre. Die Ausgaben betrugen 3253 M. 48 Pf. Die laufenden Jahresbeiträge sind von 143 Mitgliedern mit 1279 M. am Schluffe des Vorjahres in diesem Jahre auf 203 Mitglieder mit 1729 M. 50 Pf. gestiegen. Braunschweig, 18. Februar. (Or.-Corr.) In hiesiger Gemeinde wurde am Sonnabend, den 16. Februar, das sünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum ihres Vorstehers, des Herrn Solmitz, begangen, eines Mannes, der sich durch seine unermüdliche Thäügkeit in allen Zweigen des Gemeindelebens um die Gemeinde außerordentlich verdient gemacht. Herr S. hat sich durch sein einfaches, menschenfreundliches und gewinnendes Wesen die Liebe und die Achtung auch der nicht-jüdischen Bürgerschaft erworben, die ihn deshalb während einer langen Reihe von Jahren durch ihr Vertrauen vielfach geehrt. So sei nur hervorgehoben, daß er schon lange Zeit Mitglied des Handelsgerichtes und Stadtverordneter ist, und hat er in dieser Eigenschaft viel zu der achtungsvollen Stellung beigetragen, welcher die verhältnißmäßig kleine Gemeinde von Seiten der Behörden und der Bürgerschaft sich erfreut. Entsprechend der bewunderungswürdigen Anspruchslosigkeit des Gefeierten war die Feier keine geräuschvolle, aber eine wahrhaft erhebende und höchst würdige. Nachdem schon im Gotteshause der Feier Erwähnung geschehen, begab sich nach dem Gottesdienste eine Gemeindedeputation, bestehend aus dem Landrabbiner, den andern Vorstehern, dem Repräsentanten und Lehrercollegium in das Haus des Jubilars. Hier wurde ihm im Namen der Gemeinde eine feine Verdienste schildernde, kunstvoll ausgefertigte Adresse und die Urkunde zu einer Solmitz- Stiftung überreich!, deren Bestimmung seinem freien Ermessen überlassen ist. — Auf einen solchen Mann paßt der Ausspruch unserer Weisen: nn 13&YT NN12 mnnn nn» bz Dvn nm3 Dlpttn „An wem die Menschen Wohlgefallen finden, au dem findet auch Gott Wohlgefallen." Oesterreich. Wien. Der 35. Jahresbericht des Vereins zur Beförderung der Handwerke sagt in der Uebersicht: „In dem eben abgelaufenen Verwaltungsjahre betrug die Gesammtzahl der unter der Obhut des Vereins gestandenen Zöglinge 364 gegen 369 im Vorjahre. Neu ausgenommen wurden 112, 67 haben ihre Lehre mit gutem Erfolge vollendet und 27 haben dieselbe vor Ablauf der Lehrzeit verlassen. Am Schluffe des Jahres 1877 zählte der Verein somit 270 Schützlinge gegen 252 im früheren Jahre. Die Jahresbeiträge erleiden einen kleinen Ausfall, obwohl die Zahl der Mitglieder nicht abgenommen hat, derselbe erscheint jedoch durch erhöhte Capitals- und Stiftungszinsen gedeckt. Im Vergleiche zum Vorjahre betrugen die Einnahmen 1877 fl. 9285.76, 1876 fl. 9193.39; die Ausgaben 1877 fl. 9313.72, 1876 fl. 8915.81. An Legaten erhielten wir: 2210 fl. Aus der Hermann Todesco-Stiftung wurden fünf Meister mit fl. 1490 unterstützt. Aus der Freiherr von Königswarter- Stiftung ein Meister mit fl. 210. Unsere Zöglinge, welche die k. k. Maschinenbauschule besuchen, befriedigen ihre Lehrer vollkommen in Fleiß und Fortgang. Nach Vollendung des zweijährigen Curses stehen ihnen günstige Md lohnende Anstellungen in A: sucht. Der weitaus größte Theil unserer Zöglinge ist den in ihren Bezirken bestehenden Gewerbeschulen zugewiesen, Besuch und Fortgang werden strenge überwacht und bei verlangter Unterstützung controlirt. Diejenigen, welche in denselben wegen Ueberfüllung die Aufnahme nicht finden, besuchen die zweiklassige Sonntagsschule des Vereines. — Weiter wird über eine besondere Unterstützung berichtet. Dieselbe betrifft 2 unserer Glaubensgenossen, welche, mit warmen Empfehlungen des österreichischen und deutschen Consulates versehen, unter Noth und Entbehrungen aus Jerusalem, wo sie Weib und Kind zurückgelaffen, gekommen, um hier das Hafnerhandwerk zu erlernen, in der Hoffuung, damit ein lohnendes Gewerbe zu Hause betreiben zu können. Der Vorstand glaubte die zu diesem, der Tendenz unseres Vereines entsprechenden Zwecke angesuchte Unterstützung ihnen nicht versagen zu sollen, obwohl sie als „Ausländer" statutengemäß eine solche nicht beanspruchen konnten, da eben unser Verein in der Lage war, durch seine reiche Erfahrung und bewährte Einsicht Mittel und Wege hiezu ihnen darbieten zu können. Es ist daher im Vorstande der einstimmige Beschluß gefaßt worden, beide unter Obhut des Vereines bei einem Hafner unterzubringen und die nöthigen Mittel zum Unterhalte zu bestreiten. Nach viermonatlicher mit Fleiß und Ausdauer fortgesetzter Arbeit in der Werkstätte eines unserer tüchtigsten Hafnermeister hatten sie die Fähigkeit erlangt, um die in ihrer Heimath gangbaren Hafnerartikel gut und preiswürdig verfertigen zu können nnd kehrten, mit Reisegeld versehen, zu ihren Familien zurück. Kremsier. (Or.-Corr.) Daß in unserer alten, 180 Familien zählenden Gemeinde Hr. Rabbiner Dr. A Frankl- Grün als Prediger und Religionslehrer fungirt, haben Sie gelegentltch in Ihrem Berichte über die jüngste Entlassungsfeier am Breslauer Rabbinerseminar bereits berichtet. Dersebe hat hier einen Talmud-Verein eingerichtet, dessen Mitglieder sich dreimal wöchentlich zum Schmr versammeln; am Sabbath trägt der Rabbiner Cusri und Raschi vor. Daß derselbe hier am Gymnasium und an der Religionsschule den Religionsunterricht erlheilt, ist selbstverständlich, da in Oesterreich der jüdischen Religion nach dem Gesetze gleiche Berechtigung wie den anderen Lehrgegenständen zuerkannt ist. — Die Bemerkungen über das Trauungs ringwechseln in Mainz haben mich an einen Vorgang erinnert, den ich hier zur befferen Illustration der Gefahren, mit denen dieses scheinbar harmlose Rrngspiel verbunden ist, mittheile. Vor Jahren wohnte ich einer in Berlin von Aub vollzogenen Trauung bei. Er überreichte jedem der Brautleute einen von den beiden in einem Teller vor ihm liegenden Ringe. Zufällig bekam der Bräutigam den der Braut gehörigen Ring in seine Hand, und da er ihn an ihren Finger setzte, hat er sie mit ihrem Eigenthum sich angetraut, was bekanntlich nach dem n»Ö n*7/ welche Trauungsformel ausgesprochen wurde, keine Gültigkeit hat. So kann das Ring wechseln leicht zum Ring verwechseln führen. Amerika. Cincinnati, 14. Jan. (Or.-Corr.*) Das hier bestehende Hebrew Union College ist am letzten Samstag und Sonntag einer öffentlichen Semesterialprüfung unterzogen worden. Die Vorbereitungsklaffen sind von 24 Studenten besucht, die gleichzeitig die städusche Hochschule frequentiren. In letzterer Anstalt wird Latem, Griechisch, Deutsch, Französisch, Englisch, *) Fernere Mittheilungen werden gern entgegengenommen. (Red.)