Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 7. (13.2.1878)
- Date
- 1878-02-13
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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— 54 der jetzigen Synagoge, die ihr ehemaliges klösterliches Gepräge nie gänzlich verloren hat, in baldiger Aussicht stehen. („Jsr. Elf. Loth.") Mühlhausen. Wie verlautet, hat die Familie Lantzallhier neuerdings einen Beweis ihres Edelmuths gegeben, und zwar durch Gründung eines israelitischen Waisenhauses, das bereits ohne Sang nnd Klang dieser Tage in der Waisengasse Nr. 7 in's Leben getreten ist. (Das.) Colmar. Das Consistorium hat an die Gemeinden ein Circular erlassen, in welchem die baldige Eröffnung eines israelitischen Seminars in Straßburg und einer rabbinischen Vorbereitungsschule zu Colmar in Aussicht gestellt wird. (Das.) A.R,. Deventer, 14. Januar. (Or.-Corr.*) Vorigen Freitag und Sonnabend wurde von der niederländisch-israelitischen Gemeinde ollhier die fünfundzwanzigjährige Amtsverwaltung des Herrn vr. Jacob Fränkel, Oberrabbiners in dieser Provinz, festlich begangen. Die Synagoge war geschmackvoll verziert. Dem Jubilar wurde Freitag Abend nach Beendigung des Gottesdienstes in der Gemeindestube von Herrn M. Prins, dem Vorsitzer des Vorstandes, Namens der Gemeinde Glück gewünscht und ein massiv silberner Challa-Korb überreicht. SHmabend Vormittag hielt der Hr. Oberrabbiner eine Predigt über Jer. 46, 27. Auch der hier bestehende Verein min* von welchem derselbe Ehrenmitglied war, beschloß, die gewöhnliche jährliche Festfeier in diesem Jahre mit besonderem Glanze zu begehen und damit das Jubelfest des Oberrabbiners zu verbinden. Dies geschah Sonnabend Abend. Nach Ansprache, Ueberreichung eines Geschenks und Rechenschaftsbericht hielt der Jubilar eine Rede und feffelte die Versammlung eine Stunde lang in unterhaltender Weise. Daran schloß sich ein Festmahl. Sonntag fand die Schulprüfung statt. Nach Absingung eines vom Lehrer Hrn. Oostra verfaßten Gelegenheitsgedichts überreichte das jüngste Schulkind ein sinniges Angebinde; Paris Die Blätter melden weiter die Beförderung von zwei Israeliten zu Unterpräfecten, desgleichen eines Präfecturraths, eines Oberstlieutenants bei der Cavallerie, und eines Capitains und Batteriechefs bei der Artillerie.**) G. Paris, Februar. Im Budget-Entwürfe für die folgenden 10/12 des Etats-Jahres 1878 findet sich folgender Ansatz: 3. Section. 16. Israel. Cultus-Personal 192,400 Fr. 17. Cap. Unterstützung für Protestant, und israelit. Bauten 100,000 Fr. — Baron Jos. Emanuel Günzburg ist der Cbef des russischen Hauses G., das auch in Paris ein erstes Haus ist. Der bekannte Mäcen Horace G, ist deffen zweiter Sohn. Hr. Sen. Sachs ist dessen Bibliothekar. Als Erzieher in ieiuem Hause sungirten nach einander Neubauer (j. Oxfort), Groß (j. Augsburg), Kisch (j. Zürich). Birmingham, 1. Febr. Am letzten Freitag, etwa halb ein Uhr Nachts, wurde in der Synagoge Feuer bemerkt. Es wurde alsbald Hülfe gerufen, zwei Spritzen waren rasch am Platze, und das Feuer wurde gegen zwei Uhr Morgens gelöscht. - Es ist festgestellt, daß der Brand aus der Nähe des Heizapparats ausging; es scheint, daß das denselben umgebende Holzwerk zu heiß wurde nnd Feuer fing. Der durch Feuer und Wasser entstandene Schaden ist beträchtlich, aber zum Glück ist das Gebäude vollständig versichert. Die Reparatur wird kaum vor Peffach zu bewerkstelligen sein. Es ist bemerkenswerth, daß man vor einigen Monaten die in *) Auszüglich Siehe Nr. 5 unter Zw olle. **) Unter der im vor. Bl. gegebenen Nachricht aus Bordeaux ist die Quellenbezerchnung „U n i v e r s. Israel." durch Versehen ausgefallen. Amtliche Personal-Nachrichten aber und sonstige osficielle Berichte, wie unlängst die Zusammenstellung über das israel. Cultusbudget in Frankreich, geben wir ohne Quellenangabe. Die französischen amtlichen Blätter stehen uns allerdings nicht zu Gebote, es ist aber gleichgültig, ob wir sie aus denr Arch. oder Univ. Jsr. zuerst eninehmen. Niemand bezeichnet in irgend einem Lande als Original-Nachricht, was amtlich von den Behörden kundgemacht wird. (Red.) den Sitzplätzen der Mitglieder aufbewahrten Bücher, Tallis rc. besonders affecurirt hat, da viele solche verbrannt sind, so findet die Vorsicht der Synagogenvorsteher Beifall. (Jew. W.) Bulgarien. Juvancho Tantoroff, Pastor der ersten bul» garischen protestantischen Kirche in Bansko Somoko in Macedonien, erläßt einen Hülferuf wegen der protstantischen Gemeinden in Bulgarien. Er sagt: die Leiden der Protestanten in Bulgarien seien durch den Druck der griechischen Geistlichen seit vielen Jahren sehr groß gewesen, und man könne den Zusicherungen jener Kirche kein Vertrauen schenken. Der Geist der Grausamkeit und des Aberglaubens sei in der griechischen Kirche sehr groß. Er selbst sei schon mehr als einmal auf Anstiften der griechischen Geistlichen eingesperrt wor^ den. Die muhamedanische Regierung habe ihnen religiöse > Freiheit zugestanden und ihnen eine ruhige Sonntagsfeier nicht gestört. Ehe der Krieg begann, wurde geien die Protestanten von Mitgliedern der griechischen Kirche ausgestoßen, daß sie, sobald die Ruffen kämen, lebendig geschunden werden sollten; und Briefe aus der letzten Woche hätten gemeldet, daß die Verfolgungen bereits begonnen hatten. Protestanten, Geistliche und Volk, seien wegen der Annäherung der Ruffen in Furcht. (Jew. World.) L. Jerusalem, 11. Jan. (Or.-Corr.) In der vorigen Woche hatten wir noch weiter sehr viel Regen. Der Bir Ajub (Lu Rogel) welcher im Süd-Osten der Stadt liegt, ist voll geworden und übergelaufen, was nach einer alten Tradition von den Einwohnern, Mohamedanern wie Juden, für das sichere Vorzeichen eines gesegneten Jahres gehalten und mit lauten Freudenbezeugungen begrüßt wird. Hoffen wir denn aus eine gute Ernte. — In dem Dorf Lipta, anderthalb Stunden von Jerusalem, hat der strömende Regen Bäume entwurzelt; nicht weit davon in dem Thale, welches nach dem Dorfe Nebi Samuel führt, sind zwei Fellachin ertrunken und einige Häuser eingestürzt. Die Theurung hat indessen noch nicht nachgelassen und der Zustand unserer Brüder ist sehr beklagenswcrth — Die türkische Regierung hat eine neue Klasse von Militair zu bilden befohlen, welche den Namen Mulkieh, bem europ. „National-Garde" entsprechend, führt. In diese Klaffe werden auch Juden und Christen ausgenommen. Am vorigen Sonnabend hat der Pascha eine Abschrift des neuen Gesetzes an den Chacham Baschi gesendet und ein Schreiben hinzugefügt, in welchem derselbe beauftragt wird, einen Juden wählen zu lassen, welcher Mitglied der Commission sein soll, die diese National-Garde zu organisiren hat. Diese Wahl wird in künftiger Woche stattfinden. Constantinopel. Hier befindet sich der Oberrabbiner von Philippopel, welcher Folgendes erzählt: „Als die Russen dort einrückten, wurde der Kaimacam (Bürgermeister) aufgefordert, Deputationen von den Einwohnern der Stadt an den russischen Commandanten zu schicken. Auch der Rabbiner ging au der Spitze einiger Israeliten hin, konnte aber den russischen General nicht sprechen. Bald darauf wurden die jü- - dischen Häuser geplündert, Frauen und Mädchen scheußlich mißhandelt, weßhalb er (der Rabbiner) noch an demselben Tag Adrianopel verließ." Die früher gebrachte Meldung von dem Empfange einer jüdischen Deputation durch den Großfürsten Nikolaus scheint auf diese Weise zusammengestellt gewesen zu sein. (Wien. Jsr.) Petersburg. Es ist irrig, wird der „Voss. Zeit." von hier geschrieben, die jüngst einberufene Rabbinerversammlung mit einer de.nuächst zu erwartenden Judenemancipation in Verbindung zu > ngen. Dies Schauspiel wiederholt sich in Intervallen vo,» 4—5 Jahren immer auf's Neue und hat noch keine nennensw'it.« Resultate geliefert. Die Juden besitzen noch immer notz aller schönen Toleranz-Erlasse nicht das Recht der allgemeinen Niederlaffung und erdrücken sich fast in den ihnen zum Wohnsitz überlaffenen 9 Gouvernements (von 50 Gouvernements). Noch immer fehlt ihnen ein geordnetes Gemeindewesen und selbst unsere Residenz, die so