Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 7. (13.2.1878)
- Date
- 1878-02-13
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/5369809-9583355-9582920--3470-9582923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zugegangenen ausführlicheren Correspondenz das Nachfolgende über die eindrucksvolle Rede des zeitigen Directors mit: Die Rede, die usuell nur eine Schilderung der Verdienste des Stifters und Abschiedsworte an die entlassenen Candidaten umfaßt, enthielt gar viele herrliche Gedanken von allgemeuier Bedeutung, die wir, soweit sie unserem Gedächtnisse sich einprägten, hier auszüglich miedergeben: „Wie die Sonne, begann der Redn-er, auf die Natur belebend und erweckend wirkt, so das Licht im Leben des Geistes. Wo geht uns dieses Licht auf? In der Wissenschaft, wird uns gewöhnlich geantwortet, in ihr, die die Schatten der Geistesnacht mit ihrem Lichte erhellt. Doch diese Antwort bedarf noch einer näheren Bestimmung, die durch unsere heutige Feier gegeben wird. Ter verewigte Stifter hat in dieser Anstalt dem religiösen Gedanken im Geleite der W i s s e n s ch a f t eine Stätte eröffnet, er hat der Ueberzeugung Ausdruck verliehen, wie mit derWissenschaft vereinigt, Region die Leuchte des Lebens ist. Der Mensch forscht im Reche der Natur, entdeckt ihre Gebilde, stellt sie zu seiner Uebersicht in Reih und Glied, findet immer mehr h ilsame Kräfte und unterwirft sie seiner Leitung, er verfolgt die stufenweise Entwicklung des menschlichen Geschlechts, die Geschichte der entferntesten Vergangenheit ist ihm so klar, wie die Erlebniffe seiner eigenen Zest, der menschliche Geist versteht es, zum Firmament mit seinen ungezählten Wundern sich den Weg zu bahnen, gleich dem Babylonier Samuel kennt er die Bahnen der Gestirne wie die Straßen seiner eigenen Vaterstadt. „Wer aber den Gott nicht kennt, der Himmel und Sterne geschaffen, der ist der Erleuchtung nicht würdig. In der einseitigen Entwicklung seines Geistes gleicht er einem Prunkgemach, das auf der einen Seite herrlich geschmückt, auf der andern noch die rohe Wand zeigt, er hat seine herrlichste Zierde, seinen größten Vorzug vor der thierischen Schöpfung aufgegeben." Alte und neue Religionsphilosophen haben bemerkt, daß, soweit die Natur uns bekannt ist, sich kein. Bewußtsein am Thiere zeigt, das mit der Religion nur die entfernteste Ähnlichkeit hätte, „nur die Empfindung des Dichters kann den Gesang der Lerche ihr Frühgebet, den Duft der Blumen ihre Opfergabe nennen." Wenn aber dem Menschen, wird man einwenden, von Natur der religiöse Sinn eigenthümlich ist, sollte er sich nicht ohne alle Belehrung weiterbilden? Worin liegt die Intention einer Anstalt, die die Entwicklung der Religion zum Zwecke hat? Sie wird uns durch die historische Betrachtung erst vollends einleuchtend. Der Mensch ist zu Jrrthümern geneigt und gleich einem der zum erstenmal ain Hofe durch den Glanz der Diener geblendet, diese für den König hält, verfiel die alte Welt in den Jrrthum, die Werke mit dem Schöpfer zu identifiziren, und darum bedarf das religiöse Gefühl des Menschen noch der Ausbildung und Vervollkommnung. „Die geschichtliche Betrachtung lehrt ferner — und diese Wahrheit möchte ich besonders Ihnen, meine jüngeren Fachgenossen, bei Ihrer heutigen Entlastung zu weiterer Beachtung empfehlen — daß es keinen größeren Gegensatz giebt, als den der wahren, lichtvollen Gotteserkenntniß zu dem finsteren abergläubischen Wahn. Wie furchtbar dieser unter den Menschen gewüthet, lehrt der Hinweis auf die grauenvollen Kriege, die er hervorgerusen, auf die Höhlen des Jammers, die er mit seinen Opfern gefüllt, doch wenden wir uns vielmehr zu dem freundlichen Lichtblick der Religion, „deren Wege.anmuthige Wege und deren Bahnen Bahnen des Friedens." Darum Heil Ihnen! meine lieben Freunde, dreimal Heil! daß sie berufen sind, die Religion, die in hellem Tagesglanze, nicht in dunkler Nacht geboren, zu heben und zu verbreiten, und so oft dieser Tag wiederkehrt im Kreisläufe der Zeit, wenden Sie Ihren geistigen Blick hierher, um den Gedanken der heutigen Feier in sich zu erneuern. Was ich noch an Gebeten und Wünschen für Sie auf dem Herzen habe, lege ich in die Worte des Priestersegens, den Sie zur Weihe für Ihren neuen Beruf jetzt empfangen." Aus dem Festvorlrag des Hrn. Dr. Appel über die Samaritaner können wir'es uns ebenfalls nicht versagen, Einiges hier wiederzugeben: „Wie der wahre Werth der Kunstwerke, welche der Genius des griechischen Volkes geschaffen hat, so ungefähr begann der Redner, erst recht gewürdigt werden kann, wenn dieselben mit den Leistungen anderer Völker auf dem Gebiete der Kunst verglichen werden, so gewinnt man den richtigen Maßstab zur Beurtheilung der Leistungen auf religiösem Gebiete erst durch die vergleichende Religionswissenschaft. Man ist heute einiF darüber, daß der Monotheismus der höchste Ausfluß religiösen Fühlens und Sinnens sei, und wir können darum das jüdische Volk, welches der Welt den Monotheismus gebracht hat, als das klassische Volk der Religion bezeichnen. Dem Judenthum entstammten zwei Töchter, welche beide in unkindlicher Weise die Behauptung aufstellen, ihre Mutter zu übertreffen und die sich wieder untereinander den Vorrang streitig machen. Wir wollen jedoch hier nicht zu Gericht sitzen über ihre Ansprüche, wir wollen — um uns eines bekannten Gleichniffes zu bedienen — hier nicht entscheiden, welcher von den drei Ringen der wahre, echte Ring sei. Unsere Aufmerksamkeit wollen wir vielmehr einer andern, monotheistischen Religion, oder richtiger religiösen Sekte zuwenden, welche weit älter als Christenthum und Mohamedanismus, auch die Verbind, lichkeit der mosaischen Gesetze anerkennt und sich trotzdem vom Judenthum wesentlich unterscheidet, eine Sekte, die schon durch ihr Alter unsere Aufmerksamkeit herausfordert." Hierauf ging der Redner zu einer kurzen und klaren Schilderung der geographischen Lage des Landstriches über, den die Samaritaner bewohnt, beleuchtete die verschiedenen Angaben über die Etymologie ihres Namens, erging sich dann in einer weiteren Auseinandersetzung ihrer religiösen Anschauungen, stellte den Gegensatz ihres starren Wortglaubens zu der freien Entwicklung jüdischer Tradition und ihre Ansichten von derselben dar, erzählte hieraus in gedrängter Zusammenstellung ihre Geschichte von den ersten Anfängen, wie sie in Bibel und Talmud berichtet werden bis zu den neuesten Referaten der Reisenden über die heutigen Bewohner des alten Sichern. Zum Schluffe hob er noch einmal die bedeutendsten Unterscheidungsmerkmale, die sie von den Juden trennen hervor und durch eine gelungene Deutung der midraschischen Legende, daß Moses Gott mit der Verzierung der Buchstaben in der Thora beschäftigt gefunden und auf die Frage nach dem Zwecke dieser Arbeit die Antwort erhalten habe, daß einst R. Akiba allen diesen Zeichen eine eigene Deutung unterlegen werde, wies er die Berechtigung der mündlichen Lehre nach, die stets zum Nutzen des Judenthums auch fremden Elementen paffend in das jüdische Geistesleben einzutreten gestattete. „Dreimal ist der griechische Geist dem jüdischen nahe getreten, das erstemal durch Alexander, das zweitemal durch Vermittlung der Araber und das drittemal hauptsächlich durch das Medium der Deutschen; immer hat das klassische Volk der Religion sich vom klassischen Geiste der Wissenschaften anregen lassen. Religion und W i s s e ns ch «f t ist die Devise, welche diese Anstalt bei ihrer Gründung auf ihre Fahne geschrieben und für welche sie fast ein Vierteljahrhundert muthig gekämpft hat. Religiöse Begeisterung und wissenschaftliche Klärung machen ja nach dem Ausspruche des letzten der Propheten das wahre Wesen des Gottgesandten aus." Daran schloß der Redner warme Worte des Dankes an die Lehrer und Abschiedsworte an seine Commilitonen, die auch ferner durch das Band geistiger Zusammengehörigkeit mit ihm verbunden bleiben sollten, und endete mit dem tiefgefühlten Wunsche für das Gedeihen der Anstalt. Hamburg, 6. Februar. (Or.-Corr.) Die „Jüdische Pr." vom 30. v. M. bringt eine Berichtigung aus Hamburg in Bezug auf eine Ihnen von anderer Seite gemachte Mittheilung, den Dr. Hildesheimer betreffend, welche ihrer lakonischen Kürze wegen, mir Veranlassung gibt, noch einmal auf die Begräbnißplatzsrage zurückzukommen. Dr. H , nachdem er den Vertrag genau geprüft hatte, sprach die Ausicht aus und wiederholte solche in der Conferenz am folgenden Tage: Die Fassung des Vertrages habe