Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-02-05 · N° 6. (5.2.1878) · p. Seite 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 6. (5.2.1878)
Date
1878-02-05
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9583355-9582911--3464-9582917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 46 — jährlich begangen. Der erste Festabend hat am 22. Jan. d. I. stattgefunden und er wurde mit einem, vom Direktor der Samsonschule, vr. Rose «stock in Wolfenbüttel, gewidmeten, Festgedichte eröffnet. (Siehe unter: Feuilleton.) Hanau, 27. Jan. (Or-Corr.) Die am Sabbath, den 8. December v. I. gestohlene und an demselben Tag in Frankfurt a. M. verkaufte Thoraverzierung, ein werthvolles VV, Ist wieder in den Besitz der Gemeinde gelangt. Der Tempelräuber war ein polnischer Jude, wie der Frankfurter Trödler aussagte, in desien Besitz jener Gegenstand restaurirt und schön geputzt von einem der hiesigen Vorsteher betroffen wurde. Letzterer brachte das Geraubte am 18. Januar wieder hierher ohne Entgelt, wobei die Sache wohl ohne Weiterungen erledigt sein wird.*) Dresden, 29. Januar. Im vorigen Jahre meldete sich ein preußischer Arzt in Dresden zum Eintritt in den aktiven Dienst des sächsischen Sanitätskorps. Er wurde zurückgewiefen, weil — er Jude sei. Wenige Wochen darauf kam er wieder, den inmittelst erworbenen Taufschein in der Hand — und fand nun Gnade und Aufnahme in das Sanitäls-Offizierkorps. Dem Proselyten wurde gewährt, was dem Juden versagt war. ES soll hier nicht darüber moralisirt werden, welchen Werth — selbst in den Augen des religiös Freisinnigsten — ein derartiger Religionswechsel haben kann; noch darüber, ob das im Punkte der Ehre bekanntlich so feinfühlige Offizierkorps in solch einem Juden von gestern, einen besieren, edleren Menschen zu erblicken berechtigt ist als in einem Manne, der bleibt was er ist, sei es aus Ueberzeugung, sei es auch nur aus Abneigung gegen confessionelle Spekulationsgeschäfte. Aber — das dürfen wir mit Recht fragen, wie reimt sich diese thatsächliche Ausschließung der Juden vom höheren Militärarztdienst und vom Offizierstande mit der reichsgesetzlichen Gleichstellung aller Confessionen? Straßburg. Die Franks. Zeitung berichtet von argem Unfug, der in mittleren Klaffen des hiesigen Lyceums getrieben werde. Man habe einem Lehrer, während des Unterrichts Dynamitpatronen in das Zimmer gelegt, die auch explodirten, ohne jedoch großen Schaden zu thun. Es sei merkwürdig, daß es in diesem Falle wieder, wie früher, die Söhne hoher Beamte gewesen sind, welche den Unfug verübten. Sie sind dann auch relegirt worden. Dann heißt es weiter: „Andere Schüler hatten es vor Kurzem auf den Lehrer der israelitischen Religion, Rabbiner Aaron, abgesehen. Sie sammelten in der Tertia (Real-Klaffe) je zwei Pfennige von jedem Schüler und kauften dafür eine sogenannte „Sonne", welche vor Beginn des israelitischen Religions-Unterrichts unter dem Katheder befestigt wurde. Dieselbe war mit einer Zündschnur versehen, deren Dauer auf 25 Minuten berechnet war. Um 2*/. Uhr Nachmittags wurde angesteckt, worauf die Tertianer das Lokal räumten. Darauf kamen die jüdischen Schüler und der Religions-Unterricht begann. Zehn Minuten nach 3 Uhr ging das Feuerwerk unter dem Stuhle des Rabbiners los, besten peinliche Lage man sich denken kann." Paris. Am Grabe des verstorbenen Barons Josef Günzburg hoben die beiden Oberrabbiner Isidor und Z. Kohn seine Religiösität und Wohlthätigkeit hervor. Der Verstorbene hatte i. I. 1867 der Stadt 50,000 Frcs. zu gemeinnützigen Zwecken übergeben, und während der Belagerung sein Palais zum Hospital umgewandelt. Bordeaux. Am 9. Januar wurde ein junger Mann von sieben und zwanzig Jahren in Gegenwart des Grand *) Dem Herrn Corresp.: Wir können uns darüber kein Urtheil erlauben. Man geht wohl, in Nachsicht rc. rc oft etwas weit. Was aber den be:rifft, so ist ja gar nicht bewiesen, daß die Gemeinde das schon tPIX1 gegeben hat?! Und DIpTQ ist auch genügend vorhanden, denn welcher Vernünftige weiß nicht, daß ein polnischer Vagabund nicht ohne im Besitz eines solchen P2N sein kann? Rabbin und mehrerer notablen Gemeindemitglieder in den Bund Abrahams ausgenommen. Derselbe stammt aus einer israelitischen Familie, welche durch ernste Umstände an der Erfüllung dieser Pflicht verhindert worden war; doch war der junge Mann von Herzen immer gläubig gewesen und hatte Religions-Unterricht genosten. 8. Rom, 26. Januar. (Or.-Corr.) Daß die Israeliten Roms den Tod des ersten Königs von Italien mit schmerzlichem Mitgefühl vernahmen, ist selbstredend. Die am 22. v. M. in einem der größten isr. Gotteshäuser in Rom abgehaltene Trauerfeierlichkeit trug demgemäß das Gepräge der ungeheuchelten Herzlichkeit an sich. Die Feier begann mit der Absingung der Psalmen 91 und 112. Hierauf trug Rabbiner Fornari Ps. 130 mit Rabbiner Toscano alterirind vor. Die Trauerrede des israel. Gemeindesekretärs Herrn Scazzocchio ergriff die zahlreichen Zuhörer aufs Tiefste. Hierauf trug Herr Rabb. Fornari eine von ihm zu dieser Feier gedichtete Elgie in hebr. Sprache vor. Die große zur Feier herbeigeftrömte Menge Andächtiger folgte den Vorträgen mit jener innigen Theilnahme, die das wahre Gefühl verräth. Die düster decorirte Synagoge trug über ihrem Eingänge die Ueberschrift: Hier beten die Israeliten Roms in Bewunderung und Dankbarkeit schmerzlich erschüttert für die glorreiche Seele Victor Emanuel II., Königs von Italien, um den Frieden der Seligen. Zahlreiche andere Inschriften innerhalb des Tempels erinnerten an die großen Wohlthaten, welche die Israeliten Italiens ihrem ersten Könige verdanke». Belgrad, 16. Januar. Ein Reuter'sches Telegramm berichtet: „Eine aus Christen, Türken und Israeliten bestehende Deputation kam vor wenigen Tagen aus Risch nach Alexinatz, um den Fürsten Milan zu den errungenen Siegen zn gratuliren. Der Fürst empfing sie sehr gnädig und versprach, daß sie unparteiisch regiert und zwischen Muhamedanern und Christen unter christlicher Herrschaft, Unterschiede nicht gemacht werden würden. — Hierzu bemerkt „Jew. World": „Seine Hoheit geruhte also nicht, auf die Behandlung hinzuweisen, welche den Israeliten unter griechisch-christlicher Herrschaft zu Tbeil werden solle. Nach dieser sehr bezeichnenden Weglastung können unsere Glaubensgenosten nicht fehl gehen, wenn sie ihr Schicksal unter dem Drucke christlicher Obrigkeit in Bulgarien besiegelt sehen. Es ist schwer zu sagen, nach welchem Maßstabe christliche Ideen von Humanität gegen die Juden in Rußland, Rumänien, Serbien gemessen werden sollen. Unter Chinesen und Hindus werden die religiösen Meinungen und die politischen Rechte der Israeliten geachtet. Unter den Koffern würde ihr Lchen und Eigenthum weit sicherer sein, als unter der Regierung Karl oder Milan." Aus Galizien. Man beabsichtigt, einen galizisch-israelitischen Gemeindebund ins Leben zu rufen. Derselbe soll in Lemberg seine erste Versammlung halten. Die Gründung eines galizischen Rabbinerseminars soll eine seiner Hauptaufgaben sein. Aus Rußland, 22. Januar. Bei den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen wurden in einzelnen Communen der Ostseeprovinzen, so in Mit au, Juden gewählt, was jedoch nicht viel bedeuten will, wenn man bedenkt, daß ohne Zuziehung der Assistenz von Juden die Herbeischaffung der Kommunalsteuern in den vorherrschend von Juden bewohnten Städten kaum möglich wäre. Feuilleton. So rächt flch ein Jude. Charakterbild aus dem letzten deutsch-französischen Kriege Von E. R. S chellitzer. (Schluß.) Jetzt hörte-man das Wirbeln der Trommeln, die rauschende Militärmusik. Lautlos stand die ungeheure Menschen»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.