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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-02-05 · N° 6. (5.2.1878) · p. Seite 45

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 6. (5.2.1878)
Date
1878-02-05
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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— 45 seckel botirt werden und in Geldsachen kennt der Chassidismus keine Gemüthlichkeit, um so weniger, als die Fortschriltsgememde pekuniär gestützt werden würde, wenn ihr Rabbiner ron der Geiammtgemeinde ein Gehalt bekäme. Was sagt aber „der Wäger und Schreiber" über den Candibalen der Religionstehre? Einfach, er vrsteht nicht die polnische Sprache, denn „Datsch" ist ihm verpönt", aber „Polnisch" gehört zu der heiligen Sprache. Doch wird die Forlschrittsgemeinde sich endlich dem zelolischen Drucke zu entwinden verstehen. Sniatyn (Galizien). Man erinnert sich vielleicht der argen Excesse, welche im Mai 1875 bei einem Streite zwischen den hiesigen Chassidim Uitd ihren Gegnern begangen worben waren. (Poumche Blätter, welche über die Sache berichten, nennen die Gegner der Chassidim „Reformjuden", was aber durchaus nicht zulrlfft.) Die hierüber geführte Untersuchung resp. der Crtminalprozeß hat jetzt vor dem höchsten Gerichtshof in Wien in letzter Instanz sein Ende gefunden. Wir verschönert unsere Leser gern mit den Einzelheiten des gräulichen Kampfes und seinen entsetzlichen Folgen. Es hatten nach dem Tode des Orlsrabbtnen, der die feindlichen Parteien zeitweilig versöhnt hatte, Chassidim und Nicht Chaffidim beiderseits einen Rabbiner, und jede Partei lud, unbekümmert um die andere, ihlen Erwählten zum Einzug in Snialyn ein. Der Emzug Berber war auf ein und denjetben Tag festgesetzt. Dabei kam es denn zu eineni förmlichen Handgemenge, bei dem der Gutsbesitzer Juoa Birnbaum, ein fanatischer Gegner der Chassidim, die Hauptrolle ipielle. Das traurige Resultat war, daß em Haupt der Chassiolm, Simon Griffel, aus einer Kopfwunde blutend, erschlagen auf deni Platze blieb. Rlemanb wollte wissen, wer den löütlichen Streich geführt, Niemand wollte ihn geführt haben, em jähes Ennetzen durchzuckte Alle, die noch vor wenigen Sekunden braueirü die Fäuile erhoben harten.-— Simon Griffels tragisches Ende beschwor gegen die Therlnehnrer an der Revolte eine Untersuchung herauf, in dcren Folge Juoa Birnbaum als Rädelsführer wegen der Verbrechen der schweren körperlichen Verletzung, ferner der Erpressung und eurer nebenbei begangenen Majkstätsbeleidigung zu zwei Jahren schweren Kerkers verurlheill wurde. Em weiteres halbes Dutzend, das der Erpressung und der schweren körperlichen Verletzung schuldig erkannt worden, bekam Kerkerstrafen von 18 bis zu 14 Monaten herab uiio Die übrigen bedachte das KreiSgerrchl Kolomea wegen Erpressung mit Kerker strafen von 1 Monat dis zu 6 Monaten aufwärts. Dies Urtheü wurde, als die Nichtigkeitsbeschwerde dagegen erhoben war, m Wien einfach bestätigt. Schweden. Stockholm, 20. Januar. Uiuer dem Eindruck innigster Theitnahme, habe ich heule eure schiuerzltche Millheüung zu machen. Am 18. d. ging eiu Bericht von dem Commando der Fregatte „Vanabls" an die Seeoerwatlung ein, daß der Schiffsarzl Dr. Philip Al Phons Hrrfch am 20. Decbr. im Hafen von St. Thomas gestorben ist. Einige der hiesigen Btäuer erhielten Speclalverichte (um dem Wunsche, sie erst zu veröffentlichen, nachdem Herr A. Hrrsch, Vater des Verstorbenen, schon früher privultnr davon benachrichtigt fein werbe). Die jüdische Gemeinde rn St. Thvuias schrieb einen ausführlichen Brief, ebenso eure t ngtische in Briefform schwarzberäuderle Todesanzeige, und gete ich hier die einzelnen Momente an. Das Lch.ff Halle unter 14 Tagen mit Sturm zu kämpfen, ein großer Theil der Besatzung wurde seekrank, und Dr. Hirsch überaugestrengt von der Krairkenpflege, wurde selbst krank und starb nach 3 Tagen, ats die Fregatte in den Hafen einlref. Alfobalb schickte der Chef an die Gemeinde tu Lt. Thomas. Lechs Glaubensgenossen fanden sich ein und hotten die Lerche vom Schiffe ab. In 4 Böten beglerglettele em Detachement Seesvldaten der Flegalte unter Colnmando von Oiftzieien dre Lerche, voran ging das Musikcorps des Schiffes und spielte einen Traueruiarsch, beim Ent-! fernen der Lerche löste „Vanadis" 9 Salutschüsse, und die ' Leiche wurde alsdann ehrenvoll auf dem jüdischen Kirchhofe in St. Thomas beerdigt. Dr. Hirsch bekleidete Capitänsrang und hatte noch nicht das 30. Lebensjahr erfüllt. Er wurde hier 1848 geboren, wurde 1867 Student, legte am 31. Jan. 1876 das medicinische Candibatenexamen in Upsala ab, und trat sogleich in Dienst, zuerst auf dem Kanonenboot „Motala" und zuletzt auf gedachter Fregatte. Es verdient als ^eigenthümlich erwähnt zu werden, daß Dr. Hirsch den Wunsch hegte, auf die Fregatte „Blenda" dirigirt zu werden, die nach dem Orient ging und gegenwärtig vor Constantinopel liegt; sein Wunsch blieb unerfüllt, aber auch auf dieser Fregatte starb der Arzt auf hoher See und mußte, da er am Typhus starb, in's Meer gesenkt weiden Wer denkt da nicht an das "pi Wie schmerzlich auch das Ereigniß ist, so ist es doch erfreulich zu sehen, wie auch dort auf der fernen westindischen Insel jüdisches Gemillut chesed gefunden wird. Ehre unseren Glaubensgenossen auf St. Thomas! Der betrübte Vater wird im Kurzen das theilnehmende und trostreiche Schreiben der dortigen Gemeinde gebührend erwiedern. Dem Tobten, meinen ehemaligen lieben Schüler, rufe ich zu: Ruhe in Frieden! Dr. L. Lewysohn. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat, wie inan hört, den Beschluß gefaßt, noch eine, also die vierte Gemeinde-Synagoge in der Ltndenstraße, nahe der Kommandantenstraße, zu errichten. Der Plan, zu dessen Verwirklichung der Ankauf dreier Grundstücke in Aussicht genommen worden und zwar derer, welche in dortiger Gegend einst dem Marklhallenprojekte dienstbar gemacht werden sollten, kann natürlich erst zur Ausführung kommen, wenn die Repräsentanten denselben gebilligt und genehmigt haben. Die Absicht geht dahin, die Synage einfach und ohne Glanz, auch ohne Orgelwerk herzustellcn. Die Herstellung, welche den Bewohnern der Luven- und eines größern Theils der FrleorichSstadt zu Gute käme, würde die Berufung eines Hilfspreor ers bedingen (Bert. Tagevl.) Berlin, 1 Februar. Der Vorstand versendet eine Petition an Bismarck bezüglich der beim Frievensadschluß zu regulirenden Stellung der Juden in Rumänien an sämmtliche preuß. Vorstände zur Unterschrift. Berlin. In der an Lessings Geburtstag stattgehabten General-Versammlung des Hilfs-Vereins für jüdische Studirende wurde der Jahresbericht erstattet und über die Preis-Aufgaben Mittheilung gemacht. Hiernächst erfolgte die Wahl des Vorstandes, bei welcher sämmlliche bisherigen Mitglieder desselben fast einstimmig wiedergewühlt wurden An diese Versammlung schloß sich ein Festmahl, bei welchem der Vorsitzende, Herr Professor Dr. Lazarus, den Toast auf den Kaiser ausbrachle und Dr. Benhold Auerbach in geistvoller Rede die Aufgaben des Vereins besprach. Von Herrn Juftizralh Makower wurde me Erweiterung der Veremsbestrebnngen in Anregung gebracht, Stadtverordneter Dr. Reumann, der zu den Begründern des Vereins gehört, führte ven Versammelten die ursprünglichen Tendenzen desselben vor und Professor Lazarus gab sodann der Hoffnung Ausdruck, „daß in nicht zu ferner Zeit eme die Furforge für die bedürftigen Studirenoen aller Con ejfionen gleichmäßig umfassende größere Organisation den Verein in sich aufzunehmen berufen sein werbe". Braunschwcig. (Or.-Corr.) Im vergangenen Jahre hat sich in hiesiger Sladt ein literarischer Verein „Le-sing" gebildet, dessen Tendenz in der Vervreilung humaner Gesinnuilg im Geiste des „Apostels der Humanität," besteht. Neben den regelmäßig literarischen Zusammenkünften wird besonders der Geburtstag des Dichters durch Besuch und Ausschmückung seines Grabes, wie durch einen Festabend mit Vorträgen all-

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