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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-02-05 · N° 6. (5.2.1878) · p. Seite 43

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 6. (5.2.1878)
Date
1878-02-05
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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— 43 — inseitigem Eifer Rabbiner, Vorsteher, Gemeinden aufgefordert. .gegen jenen Mann zu protestiren. Das ist nicht geschehen. Das Blatt ist außer Oesterreich ganz unbekannt; dann aber wird man auch keinen Lärm machen. Denn feit 60 Jahren, feit man über die unverbrüchliche Geltung des streitet, ist es stillschweigendes, nur sehr selten verletztes Uebereinkommen, die Stellen, welche DT3 geben müßten, zu ignoriren. Jetzt aber tritt der mrn r6nSnö B'pJ auf, der Trunkene schwingt Feueroräude! Wir bleiben im Gleichniß. Man läßt wohl einen Berauschten toben, drohen, und jeden, der ihn nicht angreift, einen Feigling schelten, man geht vorüber, aber man gibt doch wohl an der nächsten Ecke einem Schutzmann einen Wink. Und jener Mann hat sich den Ehrennamen „Israelit" angeheftet, nicht wir, aber unser Heiligthum und Israels Ehre heischen Schutz Nun: wir fordern die Rabbiner Hirsch und Hilde-heimer öffentlich auf, einen kalten Strahl richten zu wollen, sie wissen wohin, sie wissen warum, sie wisien weshalb wir uns an sie wenden. Wir wünschen keinerlei öffentliche Discuffion, aber ein kalter Strahl ist nothwendig. Die Herren sind auch dieser Meinung, wir verlangen nicht, daß sie es sage», aber wir rechnen auf Erfolg unsrer Mahnung. Breslau, den 27. Januar. Heute, am Gedächtnißtage ihres Stifters, fand an» hiesigen jüd.-theol. Seminare, wie alljährlich an diesem Tage, die feierliche Entlastung derjenigen Hörer statt, welche in diesem Jahre ihre rabbtnischen Studien absolvirt haben. Es sind dies folgende fünf Herren: vr. Meyer Appel aus Fritzlar, vr. Joseph Cohn aus Zempelburg, vr. Abr. Gordon aus Wilna, vr. Jeh. Theodor aus Königsberg i. Pr. und vr. Abr. Frankl-Grün aus Ungar.-Btod. (Der Letztgenannte, von der Gemeinde Kremsier zum Prediger erwählt, ist diesem Rufe bereits gefolgt und amtirt schon seit Monaten daselbst). Die zahlreiche Versammlung, welche den Saal bis auf den letzten Platz füllte und aus den verschiedensten, besonders aber gelehrten Berusskreisen zusammengesetzt war (Vertretern des Gemeindevorstanbes, der Repräsentanz, des Rabbinats, der Universität und der Königl. Regierung), bewies die lebhafte Theilnahme, mit welcher Breslau dem Gedeihen der in seinen Mauern blühenden Anstalt folgt. Die geistvolle und zugleich herzliche Ansprache, mit welcher der Director vr. Lazarus die Feierlichkeit eröffnete, gab trotz der großen Anzahl der Hörer doch dem Ganzen das Gepräge einer ernsten, würdigen Familienfeier, einer Stimmung, die durch die gemüthvollen, innigen Abschiedsworte, welche vr. Appel im Namen seiner mit lhm scheidenden Collegen dem Lehr-Collegium und den Commilitonen aussprach, harmonisch ausklang.*) Derselbe Herr hielt vorher einen ebenso anziehenden wie belehrenten Vortrag über die Samaritaner, durch welchen er die Aufmerksamkeit der Hörer bis zum Schluß zu fesseln wußte. Gleichzeitig fand die Verkündigung des Unheils über die Lösung der im vor. Jahre gestellten Preisaufgabe die „Verordnungen der Gaonim" betreffend, statt. Dw dem Lehrcollegium zur Beurtheilung vorgelegte Arbeit über dieses Thema fand die lebhafte Anerkennung desselben sowohl in Bezug auf den Fleiß und die Gründlichkeit, mit welcher sie abgefaßt worden sei, als auch hinsichtlich des wissenschaftlichen Geistes, der sich in derselben kund gebe. Es wird anerkannt, daß sie zu manchen neuen wissenschaftlichen Ergebnissen geführt hat, da der Vers, zu den meisten Anordnungen die zeitgeschichtliche Begründung eruirt hat. Als Verfasser ergiebt sich nach der Oeffnung des vorschriftsmäßig eingereichten versiegelten Couverts, der den Lesern des Jüd. Lileraturbl. (s. vor. Ihrj. Nr. 49) durch seine Leistungen auf dem Gebiete der Jüd. Gesch. bereits bekannte, vr. Coss mann Werner aus Posen. Die Feier schloß mit einem erhebenden Gesang, (Gebet für Kaiser u. Reich), wie sie auch mit *) Wir erhielten noch eine Corresp. über die Seminarfeier, welche dre Rede des Herrn Directors und den Abschiedsvortrag des Herrn vr. Appel skizzirt; wir werden diesen Theil in nächster Nr. nachtragen. Red. Gesang eingeleitet worden mar. — Der Jahresbericht, welchen die Anstalt bei dieser Gelegenheit veröffentlicht, ist von einer recht schätzenswerthen, gelehrten Arbeit des Lehrers am Seminar, vr. B. Zuckermann: „Das Mathemathische im Talm u d" begleitet. Der gelehrte Verf. hat sich durch die Bearbeitung des mathemathischen Materials im Talmud unstreitig den Dank der Gelehrten erworben. Denn wie selten dürfte es wohl Vorkommen, daß Jemand, wie der Verf., in beiden heterogenen Fächern heimisch ist. Ueberraschend ist z. B. die von dem Verf. bewiesene Thatsache, daß die Mischna bereits von der Irrationalität mancher Quadratwurzeln gewußt hat, daß sie dem genaueren Werth der Wurzel aus 2 bis auf die verschwindend kleine Abweichung von 0,00088 nahe gekommen ist. Daß der Talmud eine Regel für die Erkennung der Theilbarkcit einer Zahl durch 7 gekannt zu haben scheint, eine Schwierigkeit, die bekanntlich noch heut nicht überwunden ist, u. a. m. Die Untersuchungen des Verf. erstrecken sich auch auf die Planimetrie und Stereometrie. Die Arbeit wirb hoffentlich ihre berufenen Kritiker und deren Anerkennung finden. Aus dem eigentlichen Jahresbericht ist ferner ersichtlich, daß allenthalben die jüd. Gemeinden fortfahren, dem Institut ihr Vertrauen zu beweisen. Von Zöglingen desselben sind außer dem obengenannten vr. Frankl-Grün in Kremsier die Herren vvr. Bacher und Kaufmann an der Ungar. Landes- Rabbinerschule in Budapest; vr. P. F. Frankl als Rabbinats-Affessor in Berlin, vr. Eschelbacher als Rabbiner in Bruchsal, vr. Ziemlich als Prediger uud Religionslehrer in München, vr. Prager als Director der Religionsschule in Hannover angestellt worden. — Die Anstalt betrauert den Verlust eines ihrer Curatoren, des am 20. Nov. v. I. verschiedenen Herrn Jul. Haber, an dessen Stelle sein Sohn Herr Hermann Haber, in das Curatorium eingetreten ist, der im Geiste seines von innerer Religiosität durchdrungenen Vaters, im Bunde mit seinen, die jüd. Wissenschaft hoch- Hchätzenden und die Jünger derselben unermüdlich unterstützenden Collegen das Gedeihen der Anstalt fördern helfen wird. — Auch unter den Zöglingen der Anstalt hat der Tod in diesem Jahre ein Opfer gefordert. Der Bericht widmet Worte wehmüthiger Erinnerung dem im Februar v. I. verstorbenen vr. Em. Fuchs, deffen Streben fast kurz vor dem Ziel der Tod ein grausames Halt zugerufen. — Die Anstalt zählt 31 Hörer, die nach dem bereits bekannten Lehrplan in Bibel-Exegese, Hebr. Grammatik, Talmud, jüd. Geschichte, Pädagogik, Religionsphilosophie, Homiletik, mosaisch talmud. Civilrecht, System und Geschichte des jüd. Kalenders außer vom Director von den HH. Prof. vr. Grätz, vr. Rosin, vr. Freudenthal und vr. Zuckermann unterwiesen worden sind. — Die drei letztgenannten Herren ertheilrn jüngeren Zöglingen der Anstalt auch den Gymnasial - unterricht. — Zuwendungen an Geld und Büchern, welche der Bericht aufführt, zeigen, daß in den weitesten Kreisen des Judenthums man bemüht ist, sein Scherflein zum Wachsen der Anstalt beizutragen, die in ihrem fast einviertelhundertjährigen Bestehen eine ruhmvolle Thätigkeit aufzuweisen hat. Breslau, 28. Januar. Die Dirigenten der beiden hies. jüd. Gemeinde-Religionsschulen und die Lehrer der jüd. Religion an den höheren Schulen sind heute zu einer Konferenz zusammengetreten, welche einen einheitlichen Lehrplan für beide Arten vo»l Schulen in seinen Grundzügen zu berathen sich zur Aufgabe machte. Die Conferenz hatte den erwünschten Erfolg, und es wurde vereinbart, daß Schüler, welche für einen gewissen Theil des Rel.-Unterrichts den Nachweis führen, daß sie denselben an einer jener Anstalten erhalten, in der andern von diesem Theil des Unterrichts auf Verlangen dispensirt werden sollen. Dadurch ist einem Vorwurf die Spitze abgebrochen, welcher in jüngster Zeit von mancher Seite gegen den jüd. Religionsunterricht — gleichviel ob mit Recht oder Unrecht — erhoben worden ist, daß er nämlich die Zeit der Schüler über Gebühr in Anspruch nehme. Dieser Schritt

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