Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 5. (30.1.1878)
- Date
- 1878-01-30
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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37 — Andere in dieser Stadt wohnen können, nach 25 Iahen erloschen sein sollte, so daß er, da diese Frist längst abgelaufen, das Recht hätte, Darabany zu zerstören und die Einwohner zu vertreiben. Dieser Einwano wurde durch Erkenntniß des Gerichts von Dorohoi von» 14. September zurückgewiesen und H. Cimara zu einer Entschädigung her Israeliten im Betrage von 1000 Fr. verurtheilt. Frau Cimara hat 2 Monate Zeit, um sich gegen dieses Urtheil zu verwahren. Nach der von der Utttrrsuchungscommission aufgestellten und zu Jassy am 23. Juli 1877 legalisirten Lifte beträgt die Zahl der beraubten Israeliten 112 und der Verlust derselben 470,364 Fr. — Die Alliance, die AngloJew. Ass., die Wiener Allianz und das rumänische Cc»nit6 in Berlin haben je 1000 Fr. zur Fortführung des Prozesses notirt. Holland. A. R. Zwolle, 6. Januar. (Or.-Corr.) Freitag, den 28. December a. p. waren fünf und zwanzig Jahre seil dem Tage verflossen, an welchem der Ebrw. Herr vr. Jacob Fräukel das Oberrabinat von Ober-Mel antrat. Dies wichtige Ereigniß festlich zu begehen, mar der einstimmige Wunsch Aller, die den Oberrabbiner in seinem Leben und Wirken beobachtet halten. Zu diesem Zwecke wurde eine zahlreich besuchte Versammlung gehalten, auf welcher beschlossen wurde, dem hochgeachteten Geistlichen einen sichtbaren Beweis von Anerkennung und Würdigung der vielen dem Judenthume im Allgemeinen und der Parochie in's Besondere geleisteten Dienste zu bieten. Eine Comnnssion wurde hierzu ernannt, in aller Stille wurden die Vorbereitungen getroffen und mit einem außerordentlich günstigem Erfolge gekrönt. Einige Tage vor dem Feste begab sich die Commission nach der Wohnung des Oberrabiners, dem sie in Namen der Gemeindemitglieber, unter einer vom Hr. S. von Wyhe ausgesprochenen gefühlvollen Anrede, das zierliche und kostbare Meublement einer Stube anbot. Dem durch diesen Verehrungsbeweis bereits sehr Gerührten sollten noch mehr angenehme Ueberraschungen zu Theil werden. Der Verein Ein nETiT, der sich zum Zwecke gestellt hat, bei Kranken und Sterbenden armen Mitgliedern nach der Reihe umsonst zu wachen, beschenkte den Oberrabiner, seinen Stifter und Leiter mit emem silbernen Schreibzeug und Cigarrenbehälter. Der Verein nmfl niE^n, durch Herrn I. van Hamberg in's Leben gerufen, gab seinem ehrwürdigen Beschützer ein Paar silberne Karaffen. Die Gemeinoenzu Stennwyk, Hasselt u. einige Zwitlsche Einwohner, die Mitglieder in Kämpen sandten prächtige Geschenke, ebensolche kamen aus Almelo, Rotterdam, Deventer, Herzogenbusch, Tilburg, Dedemsvaart. Auch die Hauptstadt blieb nicht zurück; auch dort waren Männer, deren Herz warm für den Geistlichen schlug, dessen beredtsame Sprache auf Kanzel und Katheder sie so oft ergriffen und entflammt hatte. Sie, die alten Kämpfer für Recht und Freiheit, wollten bei dem allgemeinen Wettstreit, um dem Jubilar Hochachtung und Anerkennung zu erweisen, nicht Zurückbleiben. Sie vereinigten sich und sandten ihrem früheren Hirten ein Ehrengeschenk. Eine Gabe verdient noch besondere Beachtung, sie kam von einer alten, kranken und unbemittelten Frau, die ihren Kindern aufgetragen hatte, daß man, wenn sie bis zum Feste nicht leben möchte, dies dem Rabbiner gebe. Endlich brach der mit Ungeduld erwartete Festtag a> Die Synagoge durch die Frauenvereinigung EHp rnn Prächtig und geschmackvoll verziert, war zu klein, um die Ai zahl Besucher und Fremde zu umfassen, die aus andern O ten zusammengeströnlmt waren. Nach dem durch den Kantl schön vorgetragenen Morgengebete betrat der Jubilar d Kanzel, und schilderte nach Jesajas 29, 22—24 auf ergre sende und erschütternde Weise seine fünfundzwanzigjähri, Amtsthätigkeit. Ten Inhalt dieser inhallreichen und ei> drucksvollen Predigt wiederzugeben, ist unthunlich, aber au überflüffig, da sie bald in Druck erscheinen wird. Nach Al lauf des Gottesdienstes, dem auch viele Andersglaubende be wohnten, begaben sich Jude und Christ, Reich und Arm. Alt und Jung nach der Wohnung des Jubilars, um ihm und seiner Familie Glück zu wünschen. Hr. E. A. Jakobs hielt eine Ansprache, die auf alle Anwesenden einen sehr tiefen Eindruck machte. Der Festtag wurde mit zwei zur Ehre des Oberrabbiners veranstalteten und in zwei verschiedenen Localen gegebenen Bällen beschloffen. Daß der Enthusiasmus groß war, als der Jubilar und deffen beliebte Gattin in den zwei Sälen erschienen, bedarf keiner Meldung. Sonntag machte die Festcommission aus Kämpen nebst vielen Abgeordneten der übrigen Gemeinden ihre Aufwartung bei dem Oberrabiner. Am nächsten Sabbalh wird die Uebernahme des Oberrabbinats feierlich und festlich in Deventer begangen. Der Verein ’Jp’T] rnin mit dem Sinnspruch : „Zu Nutz und Bildung" hat beschlossen, die Feier des vierzehnten Jahressestes seins Bestehens mit dem Jubiläum des Oberrabbiners zu verbinden, der die Einladung um eine Gelegenheitsrede zu halten, bereitwillig angenommen hat. — Unter den so zahlreichen Beweisen von Sympathie und Hochachtung, mit welchen der Jubilar gleichsam überschüttet wurde, verdient noch besonders vermeldet zu werden ein sehr ehrendes Schreiben, das im Namen Sr. Maj. des Königs ihm gesandt ward. Türkei. Constantinopel. (Fortsetzung.) Am 26. Ab (Sonntag) bemächtigten sich die Bulgaren aller jüdischer Häuser, untersuchten alle Brunnen und durchstöberten alle Keller, um sich zu vergewissern, ob sich kein Geld darin befinde. Am andern Tage, 27. Ab, waren die Juden in verzweifelter Lage; sie besaßen nichts mehr und erwarten nur noch den Tod, von dem fi: ein entsetzliches Bild vor sich hatten in der Gestalt von elf der Ihrigen, welche bereits seit 48 Stunden als Leichen im Sanagogenhofe dalagen. „In dieser schrecklichen Lage, sagt der Erzähler, beschlossen wir, nach Schipka zu gehen, um uns den Ruffen zu überliefern. An demselben Tage drangen die Bulgaren in das Haus des Oberrabbiners und bemächtigten sich seiner Enkeltochter Mazaltob, eines Mädchens von 17 Jahren, das sie in das bulgarische Stadtviertel schleppten mit der Erklärung, es nur gegen ein bedeutendes Lösegeld freizugeben Auch dieses Lösegeld wurde bezahlt, aber die Bulgaren schockten das junge Mädchen nicht zurück. Ebenso konnten wir nur durch Geld die Erlaubniß erlangen, die 11 jüdischen Leichen, die auf dem Synagogenhofe lagen, vor unserer Abreise zu bestatten; die Beerdigung fand auf dem Platze selbst statt. Und endlich konnten wir auch nur um den Preis von gleichen Opfern die Stadt verlassen und uns nach Schipka wenden." Nichts war schmerzlicher anzusehen, als diese Maffenaus- Wanderung aller dieser Familien, die von Allem, selbst von Kleidern entblößi waren und ihr Vermögen, ihre Häuser verließen, um der schrecklichen Verfolgung zu entfliehen. Es war herzzerreißend, das Seufzen dieser Unglücklichen zu hören, die ihre Kinder fortschleppten, um sie einem sichern Tode zu entziehen. Unterwegs entdeckten die Auswanderer in einem Graben die Leiche des Samuel Caneti, der von den Bulgaren getödlet worden war. Die Zeit drängte, die Juden hatten Eile zu fliehen, der Leichnam dieses unglücklichen Glaubensgenoffen mußte unbestattet bleiben.; „Um 1 Uhr in der Nacht kamen wir vor Schipka an; wir mußten den Tagesanbruch abwarten." „Am 28. Ab gingen der Oberrabbiner und einige der Unseligen als Deputation zu den Ruffen, um sie von unserer Ankunft zu benachrichtigen und ihnen unsere Unterwerfung zu erklären. In der Zwischenzeit jedoch, ehe von dem russischen Generalstab eine Antwort eintraf, fanden sich einige Kosaken bei uns ein, welche 72 Männer unter uns ergriffen, von ihren Familien trennten und nach der Tiefe eines Hohlweges, wo der Bidjerali fließt, 2 Stunden weit von Schipka schleppten." Nachdem sie dieselben ihrer Kleider und des wenigen Geldes, was ihnen noch geblieben war, beraubt hatten, ließen sie sie