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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-01-30 · N° 5. (30.1.1878) · p. Seite 34

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 5. (30.1.1878)
Date
1878-01-30
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 — Vorliebe solchen Geschäften zuwende, die bei dem geringsten Kraftaufwand den meisten Gewinn abwerfen. Bekanntlich suchen andere Leute mit dem größten Kraftaufwand nur den allergeringsten Gewinn zu erzielen, und besteht die Thäligkeit des Kaufmanns nur darin, daß er in -der größten Bequemlichkeit Coupons abschneidet, Schuldscheine schreibt und Geld zahlt, und andere Berufszweige kennt ja das Judenthum nicht. Dann wird die Thätigkeit der Juden in der Presse und der Politik vorgenommen, und Mazzini und Gambetta werden in aller Raschheit beschnitten, während über Julius Stahl, den Gründer der Kreuzzeitungsparlei, und andere „gläubig" gewordene getaufte Juden in christlicher Liebe eine unstchtbarmachende Tarnkappe gebreitet wird. Schließlich wird dann noch die alte abgetriebene Rosinante vom christlich-germanischen Staate einem hohen Adel und ehrwürdigen Publikum vorgeführt, nachgewiesen, daß darauf die Juden keinen Platz finden könnten, und zuletzt die Salbaderei mit dem Wunsche beschlossen, daß, wenn einmal, wie nothwendig, die angeregten Fragen ihre Lösung finden würden, dies in christlichem Sinne geschehen möchte. Man muß bei dieser frommen Heuchelei unwillkürlich an ein böses Wort Heine's über Preußen denken, das hier aber vollkommen zutriffl, an das Wort vom Knüttel, der erst in Weihwasser getaucht wird, ehe man damit zuschlägt. — Das Alles war nun allerdings/»nur die alte, immer nichttönenderch^ewordene Leier, aber eine Bemerkung des Artikelschreibers^ hatte ein Nachspiel, das wirklich interressant ist. Er hatte behauptet, gestützt auf einen Vortrag eines Aegyptologen Reinisch in Wien, daß Aegypten zur Zeit des Aufenthaltes der Israeliten daselbst von semitischen, insbesondere 'jüdischen A^ffjeute.n überschwemmt und cbrMmptirt wordön sei, und daran die Bemerkung geknüpft, daß daraus wohl die Vertreibung der Juden zu erklären wäre, und daß, wenn die alexandrinische Bibliothek nicht zerstört worden wäre, wir über jene wohl bester unterrichtet wären, als durch den Pentateuch. Das erinnert nun allerdings an die Weisheit jenes Hessischen Abgeordneten, der im Jahre 1848 erklärt": „ich kenne die Absichten des Ministeriums nicht, aber ich mißbillige sie." Aber der Verfasser hatte mit dieser Bemerkung zugleich den Offenbarungs-Charakter des Pentateuch angegriffen, und nun erfolgten so zahlreiche Reclamationen dagegen, daß das Blatt erklärte, sie aus Raummangel nicht alle aufnehmen zu können. Ein „Eingesandt" machte darauf aufmerksam, daß die vonJosepyus uns erhaltenen ägyptischen und griechischen Schriftsteller, die über den Auszug der Israeliten berichten, über die vom Verfaffer supponirten Gründe desselben nicht das Geringste äußerten, er daher genau seine Quellen angeben müßte. Ein Correspondent aus Ober^esten erhebt dieselbe Reclamation, bemerkt jedoch, dem Verfasser im Uebrigen beistimmend, bis zur Erscheinung Christi im Fleische seien die Juden allerdings als die einzigen Träger der Offenbarung der Welt zum Segen gewesen, nach der Kreuzigung hätten sie den schwersten Fluch auf sich geladen und müßten in ihrer Zerstreuung der Welt theils als warals eine Kruste Brod und einige Zwiebeln oder Knoblauch oder einige Schnitte Wassermelonen. Getrocknete Früchte, Salzoliven, Eier und Honig, welche hier von den mittleren Ständen gegessen zu werden pflegen, find ihnen bereits unerschwinglich, und eine alte Henne in Reis ist das höchste Ziel ihrer Wünsche." (Man kann das Gleiche in größerer Nähe sehen, in Amsterdam, woselbst sehr viele Juden als Hafenarbeiter die schwersten Arbeiten verrichten. Red.) nendes Beispiel, theils wie jetzt, in der Zeit des Abfalls vom Christeuthum, zum Fluche dienen. Diesem scheinen also die Verfolgungen und Leiden der Juden ein nothwendiges Element der Blüthe des Christenthums zu sein; auch eine Illustration zur — christlichen Liebe. Die Redaktion endlich will die Verderbtheit der Juden aus dem Pentateuch selbst erklären und macht zu diesem Zwecke aus dem V22 Deut. 28, 65 „eine verdorrte Seele." Schließlich kommt der Verfasser selbst mit einer Rechtfertigung, und diese ist in ihrer kläglichen Verlegenheit so komisch, daß ich, so langweilig sie ist, sie hier ganz anführen möchte. So etwas muß man vollständig genießen. Er schreibt: „der Verfasser ist wohl mißverstanden worden, wenn man geglaubt hat, er habe in dem 9. dieser Artikel den Pentateuch als jüdische Parteischrift bezeichnet. Der Verfasser der in Rede stehenden Artikel steht, wie aus denselben wohl im Uebrigen hervorgeht, auf positiv christlichem Standpunkte und hat daher nicht die Absicht haben können, den Pentateuch als Offenbarungsurkunde anzuzweifeln. Vielleicht hat sich der Verfasser der in Rede stehenden Artikel unrichtig ausgedrückt. Seine Meinung ist die, daß der Pentateuch bezüglich der äußerlichen Entwickelung des jüdischen Volkes nur das mitlheilt, was für die religiöse Entwickelung von Wesenheit ist. Ueber die rein menschlichen Momente des Aufenthaltes der Juden gibt daher der Pentateuch wenig Auskunft, wie er ja auch wohl nicht die Absicht hat, ein im gewöhnlich menschlichem Sinne historisches ^Werk zu sein. Es erscheint daher dem Verfasser der Artikel über die Juden mit dem Offenbarungs-Charakter des Pentateuch ganz vereinbar, wenn er glaubt, daß die heidnischen Schriftsteller über jene Zeit, welche wir aus dem Pentateuch gewistermaßen nur als ein Theil der Glaubensgeschichte beurtheilen (sic), menschliche historische Daten miltheilen, die im Pentateuch als für die eigentliche Glaubensgeschichte nicht von Wesenheit, nicht enthalten sind." „Herr, dunkel war der Rede Sinn", kann man da ausrufen, lernen Sie zunächst bei christlichen oder jüdischen Schriftstellern einen „menschlichen" Stil und aus dem Pentateuch Sinn für Wahrheit. Aber im Ganzen merkt man doch die Absicht, so dumm diese ist. - Also als Glaubens-Geschichte istd er Pentateuch wahr, sofern er j ü d i s ch ist, lügt er. Ja, das ist das ewige Weh und Ach so mancher christlicher Theologen, daß der Grundbau auch des Christenthums auf jüdischem Boden steht und jede Erschütterung desselben das eigene Gebäude beschädigt. Und es ergreift uns ein menschlich Rühren, wenn wir sehen, wie die Herren in ihrer Verlegenheit sich winden und drehen mästen, wie sie so gern, ach so gern diese jüdische Grundlage verleugnen, über die jüdische Bibel ihre Galle ergießen möchten und doch nicht dürfen. Erbaulich ist der Anblick freilich nicht, aber es ist zuweilen nothwendig, den Blick auch einmal nach dieser Seite zu richten. Dann aber wendet man sich von dieser glattgescheitelten Heuchelei mit einer wahren Erholung den Kapuzinaden der „Germania" zu. Diese ist doch nur einfach brutal und foltert uns wenigstens nicht mit einer unmenschlichen Sprache. Berichte und Correjpondenzen. Deutschland. Berlin. Preußens Militärbevölkerung und das Religionsbekenntniß. Nicht ohne Jntereffe ist es, das Verhältniß der Religionsbekenntniffe im preußischen

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