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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-01-30 · N° 5. (30.1.1878) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 5. (30.1.1878)
Date
1878-01-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 5. 1878. Jahrgang IX Wochrn-Zchrist für die religiösen und soeialm Jntereffen des Judenthums. / f UEtm Erscheint jeden Mittwc> ch u. kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Liter aturblatt" von RabS. I>r. M. Rah me r bei allen Postämtern u. Buchbandlungen vierteljährlich 2 Mark 50 Vf. Mit directer Zusendung : in Deutschland 12 Äk. (7 fl.); nach dem Auslande: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Einzelnummern der „Wochenschrift" » 25 Ps. deS .Literaturblatts" ä 15 Ps. Deranlwoctlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. X Treuenfels in Stettin. —— -— Magdeburg, 30. Januar. Inserate für die „Wochenschrif t", die dreigesvaltene Pctitzeile oder deren Raum 25 Pf., (für das „Literaturblatt"» 20 Ps.,) sind durch sämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Israelitischen Wochenschrift in Magdeburg" einzusendcn. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2500 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikelr Christlich-Germanisches. Berichte und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Hamburg. Aus Württemberg. Frankreich: Paris. Holland: Zwolle. Türket: Constantinopel. Bermischte und neueste Nachrichten r Berlin. Bruchsal. Schwetz. Wien. Lemberg. St.-Gallen. Paris. Türkei. Petersburg. Feuilleton r So rächt sich ein Jude. Inserate. Wschrrr- Januar. 1878. Scliwat. 5638. Kalender. Mittwoch - . . 30 26 Donnerstag . . 31 27 Freitag .... Kcbr-1 28 Sonnvber . . 2 29 CSSÖttfSi (Ende 5 u. 29 M.) Sonntag . - . 3 30 Ult Rösch choilfscli. (2 Tage.) Montag... 4 1 Adar I. Dienstag . . 5 2 Christlich Germanisches. □ Die literarische Judenhetze setzt ihren Weg gemächlich durch die Spalten aller ultramontanen und pietistischen Zeitungen Deutschlands fort. Nach Willmanns, Niendorf, Glagau, der Germania und der Kreuzzeitung hat nun auch der FrankfurterAbleger der letzteren, diedeutscheReichspost „unsere mosaischen Mitbürger" aus's Korn genommen und schlägt sie in einer Serie von 13 Artikeln über „die Juden im deutschen Staats- und Volksleben" geistig und moralisch todt. Das Blatt hat zwar blutwenig Abonnenten und wird nur in einigen evangelischen Pfarrhäusern gelesen, aber gleichgültig läßt uns die Sache doch nicht, seniler aliquid haeret, und unsere Position ist keine so durchaus feste, daß uns die Wühlerei auch noch so kleiner Maulwürfe kalt lassen könnte. Aber das Aergerliche bei all' diesen Angriffen ist doch zunächst das, daß sie so ungeheuer einfältig sind. Wir Juden haben gewiß, wie jedes andere Volk, unsere vielen Fehler, wir urtheilen „unter uns" außerordentlich scharf über uns ab, aus der Ferne mag man vielleicht noch mehr Fehler an uns entdecken, besonders wenn man, den Balken im eigenen Auge vergeffend, nach dem Splitter im unsrigen sucht. Aber wenn man uns nur wenigstens unsere wirklichen Fehler Vorhalten wollte! Man empftndet'eine gewisse Wohllust dabei, wenn Einem seine Schwächen genau und haarklein vorgehalten werden, man tröstet sich über die Schlüge, die inan erhält, wenn man weiß, daß sie verdient sind. Aber diese Judenartikel sind fast durch die Bank so leer und so dumm, so erlogen und so boshaft, daß man nur mit dem alten Fritz ausrufen kann: „Und mit solchem Gesindel muß man sich hrrumschlagen!" Da wird nun auch in der „deutschen Reichspost" der alte Quark zum, weiß Gott, wie vielten Male breit getreten, da wird der gelehrte Eisen'..rengr vorgeführt, dann madE^der „goldern" Willmauns "uf, der statistisch genaue Glagau, der „trotz Aussetzung unwiderlegte" Rohling (es wäre aber denn doch endlich an der Zeit, daß nach den Arbeiten von Krön er, Bloch und insbesondere der letzten von Joel durch einen Antrag bei der D. M. G. in Leipzig diesem fortwährenden Spuk der Unwiderleglichkeit ein Ende gemacht würde). Dann wird den Juden die Vorliebe für Geld- und Handels-Geschäfte und die Abneigung gegen schwere körperliche Arbeit als angeborene Eigenthümlichkeit nachgewiesen*) und ausgeführt, daß der Jude sich mit *) Gegen dieses auch unter Juden vielfach verbreitete Vorurth eil möchte ich hier doch einen Christen sprechen lassen, und zwar den Abgeordneten Karl Braun-Wiesbaden, der im 3. B. seines Buches „Eine türkische Reise" S. 221 f. schreibt: „Ich erinnere mich, in einer judenfresserischen Zeitung die Behauptung gelesen zu haben, daß die Juden, oder wie man jetzt sagt, wenn man sich „gewählt" ausdrücken will, die „Semiten", jeder körperlichen Arbeit unfähig und abhold seien. „Wenn der betreffende Publicist sich eines Bessern belehren will (?), dann mag er sich nach Saloniki bemühen. Hier giebt es eine große Anzahl jüdischer Lastträger (Hamal) und Kahnführer (Käckischi), mit welchen ich in Kraftaufwand zu wetteifern nicht den Muth haben würde, obgleich ich christlich-germanischer Abkunft und mit leidlicher Körperkraft ausgestattet bin. So an acht Mann jüdischer Hamal's tänzeln, zusammen mit einigen 20 Centnern beladen, über die holperigen und stolperigen Straßen Saloniki's, als wenn sie eine Fran?aise aufführen wollten." Run kommt eine hübsche Beschreibung darüber, wie sie diese Last handhaben, die man in dem anmuthigen Buche selbst Nachlesen mag aus dem der gelungene Abschnitt über die Juden in Saloniki überhaupt einen Abdruck in jüdischen Blättern verdiente. Dann heißt es weiter: „Dabei sind denn noch die Hamal munter und guter Dinge und plaudern so heiter und lebhaft, mit einander als wenn sie nicht eine schwere Arbeit verrichtet, sondern irgend einen lustigen Sport übten. Das Ganze wird erst recht räthselhaft, wenn man erwägt, daß diese Hamal im Sommer und im Winter beinahe unbekleidet And und in der Regel nichts essen.

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