Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 4. (23.1.1878)
- Date
- 1878-01-23
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 30/- twttt gegenwärtigen Kriege mit der Türkei und haben in der Regel eine geringschätzende Meinung von den Juden, gleichviel ob eingeborenen oder fremden. Es nützt nichts, dies in Abrede zu stellen. Es ist neulich deutlich hervorgetreten und in der deutschen Presse, besonders in der „Illinois Staats- Zeitung", der vorgeschrittensten deutschen Zeitung in Amerika, ausgedrückt worden, da sie in den geringschätzigsten und unwahren Ausdrücken von meiner Ernennung sprach. Von Panslavisten in Ohio wurden verschiedene Briefe, welche gegen meine Bestätigung protestirten, an den Präsidenten gerichtet und manche Senatoren waren engherzig bigott genug, um auf diese Petitionen zu hören, deren einziger Vorwurf gegen mich der war, daß ich Jude bin. Die Majorität des Ausschusses war allerdings aufgeklärter und liberaler und meiner Bestätigung günstig. Das ist nun der Grund meines Rücktritts und ich muß mit dem Urtheil meiner Landsleute und Glaubensgenoffen stehen oder fallen. Niemand kann mehr als ich die Norhwendigkeit bedauern, welche mich zu diesem Schritte bewogen hat, und wenn ich mich wirklich um die Gegnerschaft dieser elenden Fremden kümmerte, welche, obgleich sie auf unserm Boden leben und unserer freien Verfassung sich erfreuen, Fremde bleiben, bigott und vorurtheilsooll wie da sie noch unter der Knute des Despoten standen, so würde ich gegen sie den Kampf aufnehmen und nach Petersburg gehen. Aber ich hege zu große Verachtung gegen solche Canaille und zu große Achtung vor der Pflicht gegen andere Näherstehende und Theurere, um mich von dem bloßen Verlangen des Trotzbietens Hinreißen zu lassen, welches wohl mächtig, doch sicherlich weder weise nock klug ist. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. (Or.-Corr) Der Rechnungsbericht der hiesigen isr. Beerdigungsgesellschaft weist im abgelaufenen Jahr an Einnahmen 3152 M. auf (darunter an Mitgliederbeiträgen 1003 M., Spenden 150 M., aus den Büchsen 70 M., für Erbbegräbnisse 225 M.), an Ausgaben in Summa 2750 M., darunter Beerdigungskosten für Arme 546., Unterstützungen für arme kranke Mitglieder und zu sonstigen Armenzwecken (excl. Apotheke und Arzt) 282 M. 50 Pfg. Die Gesellschaft (Vorsitzender Hr. Adolf Nosenthal, Rendant Hr. A. Jacoby) hat im letzten Jahre nach langjährigen Vorarbeiten der Commission in mehreren Generalversammlungen ein neues Statut vereinbart, das bereits die Genehmigung der Regierung erlangt hat, und demnächst durch den Druck veröffentlicht werden soll. Wir kommen später auf dasselbe zurück, weil die mit Rücksicht auf das „Austrittsgesetz" — das ja auf mehrere Paragraphen influiren mußte — aufgenommenen Bestimmnngen von allgemeinem Interesse sind. Soviel können wir schon jetzt sagen, daß das ganze Statut vom echt jüd. Geiste der Humanität durchweht ist. Hamburg. Als Einbrecher in die hies. Synagoge sind zwei poln. Juden im Alter von 19 Jahren verhaftet worden. Angestellte Nachforschungen haben ergeben, daß es dieselben Burschen sind, die in Nordhausen, Eisleben, Sangerhausen und wohl auch in Halberstadt und Magdeburg die Diebstähle in den Synagogen verübt haben. Breslau. Der hier seit 12Jahren bestehende Verein „Ahabath Jerusalem" hat im abgelaufenen Jahr, das für unsere Glaubensgenoffen im heil. Lande ein so schweres war, denselben nicht unerhebliche Unterstützungen durch Geldsendungen zukommen lassen können; zu Peßach und Rosch-Haschana sind je über 500 Mt. (zus. 1065 M.) dahin gesandt worden. Der Verein zählt 189 Mitglieder, darunter 3 Ehrenmitglieder; die beiden HH. Rabbiner Ti kt in und Joel, sowie Hr. Jonas Lipmann. Zur Aufnahme neuer Mitglieder, sowie zur Empfangnahme von Spenden zu diesem höchst wohlthätigen Zweck ist das Vorstandsmitglied des Vereins Herr F. Ehrmann jederzeit bereit. Königsberg i. Pr. Das hier im jüdisch-polnischen Jargon erschienene Blatt ist — unbetrauert — eingegangen , dahingegen soll der bessere Theil, der hebräische blpH/ nunmehr zweimal wöchentlich erscheinen. (Wie lange?) Ulm. (Or.-Corr.) Es besteht hier eine sog. „orthodoxe Partei"; die beiden Führer sind seit einiger Zeit „nicht gut miteinander", so daß Jeder von beiden sich einen Privatgottesdienst hält. Um Minjan zu bekommen, stellt man sich bisweilen bei der Synagoge auf, um die Leute von dort weg zu Minjan zu escamotiren, so daß wir in der Synagoge an Werktagen höchst selten, am Sabbath in der Regel nicht viel mehr als 10 Personen haben. — Im Jahre 1877 sind in der hiesigen Gemeinde 13 Todesfälle, darunter nicht weniger als 3 Selbstmorde!!! vorgekommen. Mainz, den 11. Januar. (Or.-Corr.) In Nr. 2 Ihres geschätzten Blattes habe ich gelesen, daß „der hoch-orthodoxe Rabbiner vr. Lehmann in Mainz bei jeder Trauung die Eheleute die Ringe wechseln läßt." — O! das ist eine bodenlose Lüge! 13 Jahre lang fungirten zwei sehr achtbare Augenzeugen bei der Trauung, die Hr. vr. L. noch vollzogen hatte, niemals aber haben sie so etwas wahrgenommen. Hr. vr. L. bxaucht dies nicht zu gestatten, denn kein Ehepaar hat solches sich je erlaubt. Wenn jener Bericht sich auch auf einen zuverlässigen Augenzeugen beruft, so geht doch aus dem Artikel hervor, daß Sie selbst dieses Gerücht nicht recht glauben.*) Ich ersuche Sie daher ergebenst um gef. Berichtigung in Ihrem nächsten Blatte. E. Gutlnann. Wien. In einem jüngst hier gehaltenen Vortrage über die Abstammung der Rumänen, schreibt der „Wiener Isr", wies der Vortragende vr. nach, daß dieselben von den Juden abstammten, die zur Zeit des Kaisers Trajan sich gegen denselben empört hatten. (!) Paris. Der zum Präfecten der Hautes Pyr6n6es ernannt gewesene Herr Pin6de (so ist der Name) ist zum Präfect des Cantal-Depart. ernannt, ebenso die Herren I a - v a l (Sohn des früheren Deputirten) E. Mayer (aus Metz) und Eugen See zu Unterpräfecten; beide Erster» hatten solche Stellen schon früher einmal bekleidet. Conftantinopel. Bekanntlich hat der Sultan die Errichtung einer Bürger-Miliz befohlen, zu der auch die jüdische und christliche Bevölkerung herangezogen werden soll. Esheißt in derselben : Da alle Ottomanen nach der Verfassung, dieselben Rechte auf die Landesvertheigung haben, geruht Sr. Majestät, in Anbetracht der vollkommenen Gleichheit aller Unterthanen, zu befehlen, daß auch die nicht muselmännischen Unterthanen, welche das bestimmte Alter erreicht^ in die Bataillone der zu Conftantinopel gebildeten Bürgerwehr eingereiht werden." Allerdings haben die meisten Deutschen und auch einige fremde Blätter schlechtweg anstatt „Nichtmuselmänner" gesetzt: „Christen", als ob die türkische Regierung gleich ihnen selbst die Juden kür nichts rechnete odev nicht auf sie rechnete. Sie sind indessen durch die Thatsachen. genöthigt gewesen, sich selbst in dieser Hinsicht zu dementiren. Sie haben berichten müssen, daß die christliche Bevölkerung, sich gegen die Einstellung in die Miliz gesträubt und in rerschiedenster Weise dagegen remonstrirt hat. Während, wie erst wieder die „Times" Ende Dezember berichtet, die Juden freudig dem Befehle Folge leisteten. Marocco. Der Herr Saul Lewie in Tripolis ist zum österreichischen Consul ernannt worden. s) Es ist unser Correspond ent, der die Sache als „unglaub» lich" bezeichnet hat; wir können begreiflicherweise darüber nichts wissen^ Aber unser Corresp. beruft sich auf zuverlässige Augenzeugen, und es ist ihm wohl um eine genügende Aufklärung zu thun Eine solche ist in der Erklärung des Hrn. Gutmann nicht enthalten, wie veröffentlichen sie aber nichtsdestoweniger. (Red.)