Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 4. (23.1.1878)
- Date
- 1878-01-23
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28 mite wird ihnen hierzu seinen Theil an Geldbeträgen schicken; ich habe demselben 2000 Fr. auf H. Fernande; angewiesen. Da es an Kohlen fehlt, so werde ich ihm von hier aus einen der 12 Waggons, die ich in Constantinopel gekauft habe und jeden Augenblick erwarte, zuschicken Auf Vorschlag desselben Comite's schickte ich H. Meier Eskinazi aus Sofia nach Birkovtza, uiu dort den von allen Mitteln entblößten Israeliten bei ihrer Abreise beizustehen. Dieser Delegirte, dem ich einen Credit von 140 Psd trk. eröffnet habe, und der sich schon auf den Weg begeben hat, hat sich bereit erklärt, die Flüchtlinge auf der ganzen schmierigen Passage von Birkovtza nach Sofia zu begleiten. Mir fehlen die Worte, um Ihnen, H. Präsident, zu schildern, wie wir uns jedesmal, wenn wir die Gaben in Geld oder Naturalien vertheilen, freuen, zu sehen, wie alle diese armen Leute im Uebermaß der Freude mit Thränen in den Augen den Namen der Alliance Jsraelite, sowie den des H. Baron v. Hirsch und seines würdigen Vertreters des H. I. P. Veneziani aussprechen. Die Art und Weise, wie v. Hirsch für die Bekleidung unserer Brüder gesorgt hat, entsprach wahrhaft der Sorgfalt eines zärtlichen Vaters für die Bedürfnisse seiner Kinder. H. Veneziani erweist allen Flüchtlingen, den Muselmännern und Bulgaren, wie den Israeliten dieselben Dienste. (Schluß folgt.) Schweden. G. Stockholm, im Januar. Das Mitglied der 2. Kammer, der Jurist Philipson in Golhenburg (eines der zwei jüdischen Mitglieder gedachter Kammer), hat aus Gesundheitsrücksichten sein Mandat niedergelegt. — Man machte die eigenthümliche Bemerkung, daß die in den öffentlichen Blättern mitgetheilten Wohlthätigkeiten während der verflossenen Woche namentlich von hiesigen Juden für nichtjüdische, resp. christliche Zwecke ausgingen. So wurden bei der Vermählung des Fräulein S a l o m o n, Tochter des renomirten Malers Prof. G. Salomon, die Summe von 10,000 Kronen der Anstalt für unheilbare Kranke in Gothenburg (Geburtsort des Fräulein) überwiesen und zwar zur Erinnerung an deren verstorbenen Mutter. — Herr Wilh. Davidson, Besitzer der berühmten Anlage Hasselback^n, ließ am Weihnachten 240 arme Kinder speisen, und Herr I. Jacobsson gab an seinem 70jährigen Geburtstage 100 Kronen den christlichen Armen seines Bezirks. Herr I. hat außerdem das „hohe" Verdienst, was der anwesende Pfarrer namentlich hervorhob, am Confirmationstag seines in gemischter Ehe geborenen, christlichen, einzigen Sohnes, der Kirche eine Altardecke geschenkt zu haben. Schließlich werden alljährlich im Namen des verstorbenen Hrn. Leja 100 Kronen den christlichen Armen seines Bezirks vertheilt. — Wir wollen keineswegs allen diesen Wohlthaten den Charakter des „Kiddusch haschem" absprechen, wie wir andererseits gern zugestehen, daß in hiesiger Gemeinde außerordentlich für hiesige und fremde Arme gesorgt wird, so beträgt für das laufende Jahr der Gemeindebeitrag zur Armenunterstützung (fattigourd) 10,000 Kr.; allein ein Signum temporis ist immerhin gedachte Erscheinung. — Am 31. December v. I. betrug die Seelenzahl der hiesigen Gemeinde 966 und zwar 502 männl. und 464 weibl. Geschlechtes. — Neulich berichteten Berliner Zeitungen, daß der dortige Polizeipräsident gewiffe unanständige Stellen in einem Machwerk (Lustspiel) des berüchtigten Glagau gestrichen, das Stück selbst aber, ächt judenfeindlich, dennoch über die Bühne ging; hier hat der Polizeiinlendant (Nubenson, Jude) eine Neujahrspiöce verboten, weil sie den gegenwärtigen Zustand in Frankreich geschildert. Palästina. L. Jerusalem, 14. Tebeth. (Verspätet angekommen.) In voriger Woche hatten wir G. s. D. sehr starken Regen in der Stadl und Umgegend, so daß auch der Postdampfer sich um drei Tage verspätete. In dieser Woche herrscht gelinder Frost und die Sonne scheint mitunter. Diese Temperatur ist nach den voraufgegangenen Regengüssen für oas Getreide sehr günstig. Wir können daher hoffen, daß dieses Jahr uns den Ausfall des vorigen ersetzen wird. Der Preis des Weizens ist noch nicht gefallen (wenn Herr Niwlin (im „Israelit") das Gegentheil hiervon berichtet hat, so ist dies unwahr), aber der Preis der Gerste ist etwas gesunken, denn der Boden hat bereits allerlei Grünfutter für das Vieh hervorgebracht. Der Mangel an Weide für das Vieh und andere Ursachen haben das Fleisch in unserer Stadt und in ganz Palästina sehr vertheuert, und in Damaskus, von wo die großen Schafe gebracht werden, ist der Preis unr das Doppelte gestiegen. Die Fleischer würden sich noch weiter bereichert haben, wenn nicht der Stadtrath (Neäjlig et Biladi) vorsorglich ihnen den Preis festgesetzt hätte. Hierauf wollten die Fleischer garuicht mehr schlachten, worauf der Stadtrath Schafe von Jaffa kommen und auf eigene Rechnung schlachten ließ. Nun wollten die Fleischer wieder zu der festgesetzten Taxe verkaufen, aber der Stadtrath genehmigte dies nur unter der Bedingung, daß sie die Häute des Schlachtviehes der Regierung gratis ablieferten. Der Preis der Okkie Fleisch (ungefähr 3/4 Pfd.) beträgt 1,25 Piaster gleich 25 Pf. Die jüdischen Fleischer bringen Büffelochsen von Acco, Lydda u. s. w., ohne dies würde der Mangel an Fleisch noch weit größer sein. Gestern haben unsere Glaubensgenossen, Sefardim wie Deutsche, ihre Läden bis nach Mittag geschlossen. Im Morgengebete wurden Selichoth gesagt, Schofar geblasen, und mit großer Inbrunst wurden bis Mittag Psalmen gebetet. Das Gebet galt der hier herrschenden großen Theuerung, dann der Masernkrankheit, der viele Kinder und junge Leute zum Opfer fallen, hauptsächlich aber dem Wohl des Sultans und seiner Beamten. In allen Synagogen wurde das übliche Gebet für den König gesprochen, auch Tages zuvor verrichteten die Schulkinder an der „Westlichen Mauer" ein Gebet für das Heil des Sultans. Der Pascha sendete gestern alsbald ein Dankschreiben an den Chacham Baschi, in welchem er bemerkte, daß er persönlich in die Synagoge gekommen sein würde, um an diesem Loyalitütsbeweise der Juden sich zu betheiligen, seine vielen Geschäfte aber hätten ihn daran verhindert; er bitte daher in seinem Namen allen Juden Dank auszusprechen. Nachschr.: Ich sende Ihnen inliegend einen Hülferuf der hiesigen aus P ins k stammenden Israeliten. Der Inhalt desselben ist in Kürze folgender: „Wenn auch alljährlich gar viele und verschiedenartige Hülferufe von Zion aus laut werden, so haben wir doch ganz besondere Ursache zur Klage. 450 Seelen. 60 Waisen und Wittwen schreien u m B r o d. Seit zwei Jahren wollen die Vorsteher des Kolel Minsk uns, den aus Pinsk und Karlin stammenden, hier wohnenden, von dem Chatuka-Gelde nichts geben, weil nach ihrer Angabe das in Pinsk und Karlin gesammelte Geld nicht viel sei und für die gewöhnliche Chaluka nicht ausreiche. In dieser ganzen Zeit haben wir von ihnen nur 60 Piaster (10 Mark) pro Kopf erhalten. So haben wir denn schon im vorigen Jahre das Unsrige für Wohnungsmiethe, und was uns noch übrig geblieben war, in diesem Jahre für Brod verkauft. Viele von uns sind dem Hunger erlegen und die Ueberlebenden beneiden fast die Gestorbenen. Am nächsten Ersten müffen hier die Mwthen für das ganze Jahr bezahlt werden; wenn uns nicht bald Hülfe wird, so werden wir exmittirt mitten im Wmter. Wir bitten daher um Gottes Willen um milde Gaben, welche der Redacteur dieses Blattes entgegen nehmen und an unsere Bevollmächtigten: Rabbi Jacob Mordechai Hirschensohn und Signor Aron Valero senden wird." (Folgen 16 Unterschriften.) Türkei. Ueber die Leiden der Israeliten während des Krieges macht Hr. Veneziani dem C.-Comite der Alliance folgende Mittheilungen (s. oben unter „Paris"): „Constantinopel, 23 Nov. 1877. Am 7. Ab (18. Juli) sind die Russen nach Kazanlik gekommen. Am anderen Tage, den 8. Ab (19 Juli) erlaubte