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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-01-23 · N° 4. (23.1.1878) · p. Seite 27

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 4. (23.1.1878)
Date
1878-01-23
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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— 27 - iten Oberrabbi gelten zu laffen. Mit dem Tode des vr. Lippschütz ist freilich ein großes Hinderniß für die Geltung des vr. H. hinweggeräumt und ob derselbe in den betreffenden Kreisen so tief bedauert wird. Weiteres über das, was die Zukunft in ihrem Schooße bringt, kann ich Ihnen allerdings nicht offenbaren. Daß es aber eine große und beklagenswerthe Verblendung wäre, wenn die Majorität zu sehr auf ihre Herrschaft uud deren Unerschütterlichkeit pochen wollte, das steht fest. Hamburg, '9. Januar. (Or.-Corr.) *) Hier war eine Differenz zwischen dem Rabbiner im Verein mit dem Vorstande gegen die städtische Behörde wegen des Begräbnißplatzes entstanden. Rabbinat und Vorstand waren ganz einig darin, daß es gegen das Religionsgesetz sei, eine Aenderung vorzunehmen. Der erste Vorsteher beruhigte sich hierbei jedoch nicht und schickte die Anfrage an Herrn Rabbiner vr. Hildesheimer in Berlin, und siehe da, dieser entschied gerade gegen den ,332 des hiesigen Rabbiners. Ich bin nicht in der Lage zu entscheiden, auf wessen Seite das Recht ist, so viel steht fest, daß vr. H. nicht hätte entscheiden dürfen, ohne den hiesigen Rabbiner gefragt zu haben; und daß er dies nicht gethan habe, dafür bürge ich. Wo kommt hier der Satz '131 3OXV D3n hin, worauf Herr vr. Hildesheimer in der Frankfurter Angelegenheit so großes Gewicht legt? Man sieht, wie weit die Consequenz dieser Herren geht. Nächstens hierüber mehr. B. Hannover, 14. Januar. (Or.-Corr.) Zu Ihrem Berichte (in Nr. 1) über die Chanuckahfeier der hiesigen M. M. David'schen Freischule und der jüdischen Seminarschule gestatten Sie mir wohl eine kleine Berichtigung, die zwar an sich unwesentlich, jedoch nothwendig nach dem Grundsatz, daß die Anerkennung dem werde, dem sie gebührt. In dem betreffenden Artikel vermißt man den Namen des Herrn vr. Kayserling, Jnspectors der M. M. David'schen Stiftung, vr. K. war es, der die erste Anregung zur Bildung des Frauencomite's, das sich der Geldsammlungen unterzog, gab, Herr vr. K. war es, der allein, ohne Mithülfe eines andern Lehrers, die Besorgung der Anzüge für die zu beschenkenden Knaben übernahm und sich mit aller Hingabe dieser mühevollen Arbeit unterzog, sowohl in diesem Jahre, wie in den früheren. Trotz manchen Widerspruchs von verschiedenen Seiten war es auch er, der die Chanuckahfeier selbst zu veranstalten wußte, während die Mittel hierzu durch Sammlungen, die ein junger Mann, Herr Schwarz, in die Hand nahm, aufgebracht wurden. Herr vr. K. war es auch, der die kleinen Geschenke an Schreibutensilien, Bällen rc., mit denen die jüngeren Knaben beschenkt wurden, sich von hiesigen Geschäften erbat. Auf seine Aufforderung übernahm Herr Obercantor Berggrün die Leitung der Gesänge bei der Feierlichkeit, und beschränkte sich hierauf die Mitwirkung dieses Herrn. Danach glaube ich, daß gerade Herr vr. Kayserling, der bescheidentlich nie daran gedacht hat. Dank für seine selbstlose Thätigkeit zu beanspruchen, dafür in dies. Bl. mit Anerkennung genannt zu werden verdient. Cassel, 16. Januar. (Or.-Corr.) In der eben erhaltenen Nr. 3 Ihres Blattes ist (in einem Auszuge aus der „N. Fr. Pr.") der verstorbene Hofrath vr. Carl v. Weil als „Schwabe, bezeichnet; in einem Referat der „A. Z. d. I." von dieser Woche ist gar von „Stuttgart" als dem Geburtsorte deffelben die Rede. Der Verstorbene ist jedoch hier geboren und erzogen. Er war ein Bruder des noch wohlbekannten sel. vr. Jacob Weil in Frankfurt a. M., und kam als junger Mann nach Württemberg. Seine Schwester war die Mutter Mosenthal's, eine andere Schwester war an den ebenfalls noch in gutem Andenken stehenden vr. Büdrnger (Vers, einer bibl. Geschichte und eines Religions- Ruches, Vater des Profeffors vr. Max B.) verheiräthet. — Os mag bei der Gelegenheit noch eine kleine Anekdote wieder *) Nicht von einem unserer gewöhnlichen Hamburger Correspondenten. j aufgefrischt werden. Als Weil zu einem österreichischen StaatS- I amt, noch unter dem Reactionsministerium, gelangte, verbreitete sich in Wien selbst das Gerücht, er habe sich getauft. Das war nicht unerklärlich. Weil verschmähte es, das Gerücht zu dementiren, aber er besuchte baldigst an einem Sabbath den Tempel und ließ sich zur Thora aufrusen. Frankreich. Paris. (Bericht der Alliance Jsr. Univ. für December.) Neue Mitglieder 264. — Den interessantesten Theil des diesmaligen Berichts bildet eine zusammenfaffende und auf authentischen Erkundigungen beruhende Relation, welche Hr. Veneziani in Constantinopel über die Leidensgeschichte der Israeliten aus Kazanlik veröffentlicht. Wir werden diesen Bericht in dieser u. den nächsten Nummern mittheilen. Es ist ein modernes Seitenstück zu den alten Trauerberichten des Schebet Jehuda, des Emek habacha, des Jawen Mezulah und so vieler anderen Klagelieder und Geschichten aus Israels leidvoller Geschichte. Warum soll sie nicht ebensogut gelesen und verbreitet werden, wie jene Begebenheiten aus dem Mittelalter, der mu Chmelnicki u. d. m.? Neben der Leidensgeschichte gehr trostvell und erhebend der Bericht über die Hülfe her, welche den Unglücklichen von allen Seiten zu Theil geworden ist. In erster Linie steht jedoch unter den hochherzigen Helfern in der Noth der Baron von Hirsch, dessen Gaben an Geld, Holz, Kohlen, Kleidern u. s. w., wahrhaft fürstlich sind. Eins sei noch besonders herausgehoben. „Bei Ankunft der Flüchtlinge habe ich constatiren können, daß 3 junge Mädchen Opfer der bulgarischen Brutalität geworden sind und in Folge dessen sich in einem beklagenswerthen Gesundheitszustände befanden, abgesehen davon, daß ihnen der Aufenthalt in ihrer Heimath fortan unmöglich sein würde. Da ich demnach die absolute Nothwendigkeit erkannte, sie in die Fremde zu schicken, ferner sie pflegen zu laffen und dann sie unterzubringen bis zu dem Momente, wo man sie mit Hülfe einer kleinen Mitgift verheirathen könnte, so schrieb ich hierüber an Herrn Baron v. Hirsch, der mir vollständige Vollmacht, gab, für ihre Gesundheit und ihre Zukunft Sorge zu tragen.*) Sie sehen, daß Hr. Baron v. Hirsch wie immer, in erster Reihe steht, wo es sich um Ausübung eines Werkes der Barmherzigkeit handelt." Ferner: Schumla. Gemäß der von mir dem Herrn Schuldirector Hayim Semach ertheilten Instruction, sämm tliche Kinder der Flüchtlinge, die ca. 200 betragen, aufzunehmen, hat derselbe eine Filiale eröffnen müssen und hierfür das Bezirkscomite der Türkei um einen Zuschuß von 44 50 Pfd. trk. gebeten, der ihm überschickt worden ist. Die genannte Summe, auf 25 Wochen berechnet, umfaßt folgende wöchentliche Ausgaben u. s. w. Wir geben noch Folgendes aus einen Brief des H. M. v. Toledo, Adrianopel, 29. November.: „Nachdem der H. Oberrabbiner von den Israeliten auS Birkovtza (Bulgarien) eine Depesche erhalten hat, die um Hilfsmittel zur Flucht vor dem Feinde bittet, habe ich dies sofort dem H. Fernande; aus Constantinopel,gemeldet,der mir mit folgendem Telegramm geantwortet hat: „Schicken Sie sofort nach Birkovtza von dem Gelbe, was Sie disponibel haben, die Ihnen zur Abreise der Flüchtlinge nöthig scheinende Summe, wenn Geld fehlt, telegraphiren Sie, wir werden Ihnen solches schicken. Fernande;." Ich reiste nach Empfang dieser Depesche nach Philippopel, wo ich auch die localen Flüchtlinge, ebenso wie unterwegs diejenigen von Haskeui zu unterstützen hatte. In Philippopel habe ich die in Parteien gespaltenen Notabeln mit einander vereinigt und von denselben das Versprechen erhalten, den dortigen Flüchtlingen, 320 an Zahl, von denen 150 aus Mangel an Quartier nach Carlowa gegangen sind, alle nöthige Fürsorge zuzuwenden; das dortige Alliance-Co- *) In einem andern Blatte ist ausdrücklich ermähnt, daß Hr. v. H. eine Mitgift für die Unglücklichen ausgesetzt und angewiesen hat. (Red.)

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