Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 2. (9.1.1878)
- Date
- 1878-01-09
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-9583355-9582875--3428-9582881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 — versichert sein, daß ich nichts verabsäumen werde, damit dieselben vorkommenden Falls ferner diejenige Stütze finden, auf die sie ein Recht haben können. Was die Allsübung des Protectorals über die Fremden in Marocco betrifft, so ist dieselbe augenblicklich der Gegenstand von Unterhandlungen Seitens der maroccanischen Regierung mit den in Tanger vertretenen Kabinetten, und wenn die Mächte auch geneigt sind, die Mißbräuche, denen manchmal stattgegeben wird, zu beseitigen, so laufen doch die Garantien, welche die in dem maroccanischen Kaiserreich ansässigen Fremden genießen, keinerlei Gefahr und sollen unberührt bleiben. Genehmigen Sie, Herr Senator, die Versicherung meiner hohen Achtung. D e c a z e s. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Die Redaktion der „Jüd. Pr.", Hr. S Meyer, hat kürzlich eine Reihe von Artikeln gegen einen in der „N. Evangel. Kirchenzeilung" erschienenen Aufsatz von I)r. Herm. Meßner, Prof, der Theol. an der Berliner Universität, geschrieben und in einem Separatabdruck veröffentlicht. Der Aufsatz von Meßner führt den Titel: „Blicke ins moderne Judenthum", die Gegenichrift betitelt sich: „Ein Wort an Hrn. H Meßner". — Der Inhalt der Broschüre ist ein recht mannigfacher, wie schon ein Blick auf das Jnhaltsverzeichniß lehrt. Die kleine Schrift ift als lesenswerth zu empfehlen. Magdeburg. Das Unwesen des jüd. „Schnorrerthum", welches durch gedankenloses Almosengeben an Unwürdige nur gefördert wird, artet immer mehr in Chillul haschem aus. Es ist constatirt, daß es „Schnorrer" sind, welche seit einiger Zeit die jüd. Synagogen unsicher machen. In H a l b e r st a d t haben sie jüngst die Silberbekleidung einer Thorarolle aus dem Allerheiligsten gestohlen, in R o r d h a u s e n, E i s l e b e n und auch hier in Magdeburg die Almosenbüchsen im Tempel erbrochen und des Inhalts beraubt; ein Gleiches wird aus T e p l i tz und Neupest gemeldet. Angesichts solcher Ruchlosigkeiten beabsichugen einige Gemeindevorstände allen Ernstes gegen die polnischen Bettler die Polizei Vorgehen zu lassen, um die Gemeinden vor dergleichen Schäden zu bewahren. — Jüngst hatte die „Jüd. Pr." die tadelnde Notiz gebracht, daß der Ausschuß des Deutsch Jsr.-Gemeindebundes die Zinsen einer wohlthätigen Stiftung nur r eformfreundlichen Anstalten zugewendet habe, und nannte unter diesen auch die so wohlthäug wirkende, Lehrer- und Rabbiner-Wiltwen und Waisen unterstützende „Achawa". Wir glauben diese Verdächtigung eines über ganz Deutschland ausgebreiteten, nur nach der Bedürftigkeit und niemals nach der relig. Richtung fragenden Unterstützungsvereins hier als das, was sie ist, als unwahr zurückwersen zu müssen. — Aus Mühlhausen (Elsaß) berichtet man, daß Frl. Caroline D r e i s u ß, die das Lehrerinnenex rmen gut bestanden, dajelbst auch sofort an der städtischen, gemischten höheren Tochterschule Anstellung erhielt, obgleich sie Israelitin ist. Hier hat bekanntlich der Magistrat in einem ähnlichen Falle die Anstellung aus letzterem Grunde verweigert. Pest. Unter Redaktion des Rabb. Salom. Kohn — in hebr. Zeitschriften unter der Chiffre ni (Trn lhätig — erscheint ein neues Blatt in deutscher Sprache und Quabratschrift unter dem Titel „Israelit. Neuigkeirsbote," als Wochenschrift mit Illustrationen. Der Inhalt ist dem anderer ähnlicher Blätter, wie „Wiener Israelit" u. s. ,v. ähnlich; er besteht aus Zeitungsnachrichten, Uebersicht der Tagesbegebenheiten, jüdischen Nachrichten nnd MiScellen, wir haben Nr. 2 und 3 erhalten, aber nicht Nr. 1, können daher über das dort wahrscheinlich aufgestellte Programm nichts weiter mittheilen. Aus Pest erhalten wir, allerdings sehr spät, aber wahrscheinlich erst vor kurzem erschienen (obgleich das Vorwort vom Januar vorigen Jahres datirt ist) ein sehr schön ausgestattetes Heft in Lexiconformat: „idriedmann-Album." Zur bleibenden Erinnerung an die Feier des 25jährigeu Amtsjubiläums des Herrn Abr. Friedmann, Obercantors rc. Enthält sämmtliche aus diesem Anlaß eingegangene Adreffen, Briete, Widmungen, Telegramme rc von Gemeinden, Vereinen, Rabbinern, Cantoren, Lehrern, Künstlern, Gelehrten und Privaten, hernusgegeben vom Festcomit^. DieS der vollständige Titel, dem noch etwas hinzuzufügen wohl überflüffig ist. Doch ist etwa noch zu bemerken, daß ein Bericht über den Verlauf der Feier voraufgeht und eine Biographie Friedmanns den Schluß bildet. Als eine Sammlung vieler geistvoller kurzer und epigrammatischer, wie auch längerer Grüße, Ansprachen, Gedichte (auch hebräischer) rc. ist das Heft wirklich allgemein-intereffant. Manches Mittelmäßige, mancher Drusch, der selbst sein „Au" ruft, geht nebenher. Es hat ja nicht jeder Einsender daran gedacht, daß er mit seinem Produkt unter die Preffe kommen werde. Prag. Vom Verein Afike Jehuda liegt der Verwaltungsbencht für die 2 Jahre 1875—76 vor uns. Nachdem im vor. Blatte über den Verein berichtet worden ist, soll hier nur bemerkt werden, daß ein Verzeichniß der in den beiden Jahren gehaltenen Vorträge je sieben, mitgetheilt ist. Der Verein hält in seinem Leseziinmer 11 jüdische Zeitschriften und besitzt auch eine Vereinsbibliothek. Aus Galizien hielt sich jüngst ein Herr Moses K. in Wien Behufs einer Audienz beim Justizminister auf. Er hatte sich vorher daheiin beim Winkelschreiber erkundigt, wie er sich zu benehmen habe. Dieser machte ihn u. A. darauf aufmerksam, daß er seine Karlen mitzunehmeu nicht vergessen möge, da ein Diener im Vorzimmer von Jedem die Karte abverlange. Als K. an die Reihe kan«, gab er dem Diener die verlangte Karte, die dieser, ohne sie weiter zu beiehen, dem Minister übergab. Dieser wirst einen Blick auf die vermeintliche Visitenkarte und gewahrte zu seinem Erstaunen darauf — Eichel-Ober. Der Minister mußte herzlich lachen, als K. den Jrrthum aufzuklären sich bemühte. Manchester. Hier hat sich jüngst ein Verein zur Förderung der hebräischen und jüdischen Literatur gebildet. Dr. Dav. Kaufmanns „George Alliot und das Judenthum" ist in englischer Uebersctznng von I. W. Ferrier bei Blackwood erschienen. Aus Rumänien wird dem „Wiener Jsr." von einer Judenbetze berichtet, welche eine größere Anzatsi von Rekruten in's Werk setzen, und die zur ungestörten Mißhandlung, Beraubung und Plünderung der jüd Einwohner führte. Washington. Die „Jll. Slaatöztg." berichtet: Der Nationalvertrerer Leopold Morse von Massachusetts ist ein geborener Deutscher. Er wurde in der Rheinpfalz geboren, heißt von Hause aus Leopold Maas und kam im Aller von 15 Jahren von drüben nach Boston, wo er durch eisernen Fleiß die Mittel erwarb, um seine verwittwete Mutter und sechs Geschwister nachkomnien zu lassen. Seinen Wohlstand begründete er während des Krieges durch Kleiderhandel. Herr Morse ist unseres Wissens der erste in Deutschland gebürtige Jude im Congreß.