Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 2. (9.1.1878)
- Date
- 1878-01-09
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
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fache Spenden und Legale haben zwar eine _ Erweiterung der Schulränmlichkeiten ermöglicht, doch ist der Andrang von Schülerinnen zu groß, um sämmtliche Reflectircnde zu berücksichtigen Der Vereinsbericht gedenkt ferner anerkennend der Thäligkeit des Vorstandsmitgliedes Frau Marianne Benedikt, welche sich besonders um das Zustandekommen der Vorlesung zu Gunsten der Vereinskasse V-woienste erworben pal. Herrn Robert, dessen Vorlesrtng vonr glänzendsten materallcn »nd künstlerischen Ecfolge begleitet war, wurde gleichfalls der cinmüthige Dank der Versammlung ausgesprochen. Im Anschlüsse an diesen von der Versammlung mit lebhaftem Beifall arifgenommeneu Bericht der Schriftführerin appellirt die Vorsitzende in ivarnreu Worten au die Wohlthäligkeit der Mitglieder mit der Bitte, die Vereinsbestrebungen kräftigst zu unterstützen, womit die Versammlung schloß (R.Fr.P.) Schweiz. Zürich, Ende December 1877. (Or.-'Corr.)*) Es ist eine alte Sache, daß Schlimmes weiter bekannt werde als Gittes und gar oft mehr Nachahmer findet als dieses. So hat das inhumane, ja tyrannische Vorgehen der Stadt Brüssel in der Frstdhofsangelegenheit den Weg durch die gesammle europäische Presse gemacht und merkwürdiger Weise nicht nur Verlheidtger, sondern auch Lobpreiser gesrtudeu, die herzlich wünschen, diese des Mittelalters würdige Weise, die religiösen Gefühle des Einzelnen zu kitechten. möge allseiti', nachgeahmt werden. Auch das St. Gallenec Edikt wegen Schließung des jndischelt Friedhofes, das jüngst in oberster Instanz zurückgenommen wurde, ist überall verbreitet worden. Nur von deur einzigen correkten Vorgehen der Stadt Zürich in ihrer Friedhossangelegenheit hat Niemand gesprochen. Erlauben Sie mir daher, Ihnen über die Erledigung dieser Frage bei nns gu berichten. Eommunalfriedhöse, d. h. interconsessionelle Friedhöfe, voiil Staate oder voit der Comiirune angeschafft und erhalten, sind eure gerechte Forderung der Zeit. Man kann und darf es nicht darauf ankommen lassen, ob irgend eine Religionsgesellschasi die vorhandene Leiche bei sich' anfnehnten oder ste unbeerdigt lassen will. Im Mittelalter konnte es Vorkommen, daß man einen Excommuncirlen (bekanntlich z. B. Kaiser Heinrich IV.) Jahre lang nicht beerdigen mochte. Solche Comnurnal- oder Slaatsfriedhöse, die von allen Bürgern ans dem gemeinsamen Säckel bezahlt werden, haben natürlich allen Confessionen oh»le Ausnahme offen zu stehen Jeder kann sie ohne besonderes Entgelt benutzen. Aber er muß es nicht. Wer aus irgend welcher Rücksicht das nicht mag, der kann, wenn nur den polizeilichen n. sanitären Vorschriften Genüge geschieht, auf anderem von der Stadl gezrhlten Terrain, eine Begräbnißstätte errichten, selbst wenn es mit der Religion nichts zu thun hat. Solche Privatbegräbnißorte müssen gestattet sein. Zürich, das in so vieler Hinsicht den wahren Fortschritt fördert, ohne Gewissenszwang zu üben, hat iu der Friedhofs frage correct gehandelt. Als das Project auftauchte, einen communalen Friedhof für alle Confessionen zu errichten, wurde eine Commission aus Mitgliedern gebildet, die allen hier vertretenen Culten angehörten. Es scheint zwar Anfangs von Vielen ein deui Brüsseler Plane nicht unähnlicher beabsichtigt gewesen zu sein, aber man war den Einwürsen dagegen nicht taub. Der Commuualtriebhos ivnrde vor ivenigell Wocheit eröffnet, ein wahres Mnsterwerk, wie Zürich mit seinen zahlreichen Autoritäten j1.11! wiisenschaftlichen Gebieteir nicht anders erwarten netz une Todlenhallen, die Ilmfassnugsmauern im schönsten lyle aus «leinen gebaut. Alles ist vorgesehen, selbst ein Blatz für die Pyrofanatiker — — aber die Friedhöfe der Jsraeliten-Gemeinde, der römisch-katholischen und der altka- ")oli,chcn wurden als „Privatkirchhöfe" weiter bestehen gelas- >en. Hat also ein Israelit durchaus das Bedürfniß, sich (Red.) commnnal begraben zn lasseit, so steht ihm das frei; sonst aber haben sich seine Verwandten nur an die Chebra Kadischa zu wenden und er wird nach alter Väter Weise bx'HT' *-Qp!3 begraben. Bei der Einweihung des commnnalen Friedhofes war dieser Tendenz gemäß also der Rabbiner Ür. Kisch ebenso wie die arideren Vertreter der hiesigen Confessioiten geladen und zugegen, aber der Sladtpräsident Römer hob es in seiner Einw.'ihnngsrede ausdrücklich hervor, daß die Stadt als Mittel des religiösen Friedens und als dessen Symbol den Stadtfriedhof den Vertretern aller Confessionen übergebe, daß aber die vorhandenen Friedhöfe als Prioateigenthum der betr. Gemeinden und Vereine, so weit dies verlangt würde, weiter bestehen bleiben. Frankreich. Paris. (Berichte der Alliance Israel. Univ.) Der vor einigen Wochen ausgegebene S e m e st e r b e r i ch t I. für 1877 ist (wie dies annähernd schon bei dem pro 1876 II. der Fall war) nicht mehr eine bloße Zusammenstellung der Sitzuugsprotokolle und Monatsberichte, sondern eine nach Materien geordnete Ueberstcht über die einzelnen Wirksamkeits-Gebiete der Alliance eine ebenso daukenswerthe, wie interessante Arbeit. Wir setzen voraus, daß die meisten Leser 'unsres Blattes zugleich Mitglieder der Alliance sind und demnach diese halbjährlichen Berichte eulpfangen, enthalten uns daher hier Auszüge zu geben. Wir folgen eben darum auch nicht dem Beispiele einiger B ättev in Wiederabdruck des im bezeichneten Semesterhefte neu enthaltenen Berichts des Hrn. Jos. Ha l evy über die Schulen in den jüd. Gemeinden von Marocco; wir machen jedoch hier auf denselben besonders aufmerksam. Er enthält mehr und Interessanteres, als die Ueberschrift angiebt, nämlich, außer der Reisebeschreibnng authentische Angabe über die Zustände der Inden in Marocco überhaupt, ihre Leiden, ihre inneren und Gemeindeverhälniisse, statistische Angaben u. dgl. m. D e r B e r i ch t f ü r N o v e m b e r weist 210 neue Mitglieder nach und enthält dann ausführliche weitere Nachrichten über die Juden in der Türkei. Zunächst einige nach dem Hauptinhalt schon bekannte Briefe über die von Bukarest nach Constantinopcl beförderten Flüchtlinge Dieselben langten am 5 Novem. in der Hauptstadt an, und die näheren Angaben über den herzlichen Empsirng und die Unterstützung, welche sie dort gesnitden haben, sind erhebend und rührend. Wir könneii auch hier nur auf die Briese selbst verweisen, welche gelesen zu werden verdieiien. Es folgen weiters Berichte über die Hilfsleistung, welche den Israeliten in Schnmla, Varna, Softa, Philippopel und Adrianopel zu The l geworden ist. Sie betrifft zum größten Theil nicht die in d-esen Slädten ansässigen, sondern die dahin geflüchteten bulgarischen Israeliten. Wir heben hervor, daß die verschiedenen Berichte (von HH. Venetianer, Di-. Roth, Frau Jousselin, den Comiies in Adrianopel, Salonichi u. s w) nicht nur von Unterstützungen, Vertheilnngen u. s. w. erzählen, sondern auch die Sorgfalt erkennen lassen, mit der man die wirkliche Bedürftigkeit erforscht und constatirt hat. Eben darum kann auch über jede einzelne Gabe an Geld, Kleidungsstücken u. s. m. detaillirte Rechenschaft gelegt werden Die Juden in Marocco und Tunis betreffend, lassen wir noch das nachstehende Schreiben abdrncken. Ministerium des Aeußern. Versailles, 27. Oct. 1877. Politische Direction. An H. Senator Cr^mieux, Präsidenten des Central Comil6s de» Alliance Israelite Universelle in Paris. Herr Senator! Sie haben mir die Ehre erwiesen, meine Aufmerksamkeit auf die Gewaltthaten zu lenken, die an den Israeliten von Marocco und Tunis verübt worden sind, und haben mich ersucht, dieselben Angesichts solcher Vorfälle der Sympathie unserer diplomatischen Agenten zu empfehlen. Die Regierung hat den Interessen, mit denen Sie sich beschäftigen, stets die größte Sorgfalt bezeugt, und Sie können h Um Fortsetzung wird gebeten.