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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1878-01-02 · N° 1. (2.1.1878) · p. Seite 6

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
9 (1878)
Issue
N° 1. (2.1.1878)
Date
1878-01-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Großbritannien. London. Wie s. Z. berichtet worden ist, hat die Unterstützung der uothleidenden bulgarischen Juden zum erstenmal ein Zusammenwirken des Board of Deputies und der Anglo Jewish Association ins Leben gerufen. Das Resultat ist ein bedeutendes gewesen, es waren bis Ende November dem vereinigten Comite über 4500 L. (90,000 Mk) zugegangen. Um so mehr steht zu hoffen, daß dieser Erfolg auch für weiterhin eine Vereinigung der beiden Körperschaften anbahnen wird. — Wir nehmen abermals Akt davon, daß die englischen Blätter, und zwar auch politische, von Zeit zu Zeit, sogar recht oft, die von dem Rabbiner Joseph Kohn-Zedek gehaltenen Predigten rühmend erwähnen. Er erfreut sich dabei sowohl der Patronisirung des Chief. Rabbi, wie der Anerkennung seiner Zuhörer und des einsichtigen und den.Fremden wohlwollenden englisch-jüdischen Publikums. Man würdigt die Zweckmäßigkeit der Belehrung und Anregung zu Fleiß, ehrlicher Aneignung der englischen Sprache und Gesittung, welche der großen Menge eingewanderter Juden in reinem Deutsch (nicht in ihrem Jargon — englische Reden verstehen sie nicht) und in der ihnen zusagenden Weise geboten wird. Ein Fonds zu gebührender Unterhaltung des gemeinnützig unter der armen Bevölkerung wirkenden Mannes ist freilich noch immer frommer Wunsch. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Die Baruch Auerbach'schen^Waisen-Erziehungs- Anstalten für jüd. Knaben und Mädchen haben unter der gegenwäreigen Leitung und Verwaltung einen überraschend segensreichen Aufschwung genommen. Bei dem Tode des Beg mders der Anstalten im Jahre 1864 haben sich in ihnen 38 Kinder, welche fast sämmtlich die Elementarschulen besuchten, befunden. Die Fonds der Anstalten beliefen sich auf 330,000, die Stiftungen zu Gunsten der Zöglinge auf 24,000 Mk. Am 1. April v. I. befanden sich in beiden Anstalten 72 Zöglinge, welche sämmtlich die städtischen höheren Lehranstalten, darunter 10 in den höchsten Classen, besuchen. Die Fonds der Anstalten belaufen sich auf 945,000 Mk , die Familienstiftungen aus 135,000 Mk. In demselben Zeitraum sind 84 Waisenknaben entlassen worden, von welchen 3 zur Universität übergingen, 64, fast sämmtlich mit dem Zeugniß der Berechtigung zum einjährigen Dienst, sich dem Kaufmannsstande, 10 dem Handwerkerstande widmeten, 4 zu den Angehörigen zurückkehrten und 3 verstarben. Ferner verließen 34 Waisenmädchen die Anstalt, von denen 4 jetzt als Lehrrrinnen wirken, 14 verheirathet, 11 in Stellungen und 3 bei ihren Angehörigen sind. Die Einrichtungen des Hauses sind auf das Praktischste gestaltet, und ist der Besuch der Anstalten zu jeder Zeit gern gesehen. Berlin. DiegestrigeGeneralversammlung der Gemeinde Schochare Haltob nahm einen sehr günstigen Verlauf. Dieselbe ergab ein Wachsthum der Gemeinde an Mitgliedern und aus den Erträgnissen der zweiten Synagoge in Arnim's Saal an den hohen Festtagen bedeutende Ueberschüsse. In den Vorstand wurden neugewählt: die Herren Banquiers Hermann Misch, Leo Cohn, A. Katzenellenbogen und Buchdruckereibesitzer Driesner. Auch wurde der Versammlung durch den Vorstand angelündigt, daß auf Wunsch dieses letzteren Hr. Rabbiner Dr. Raschsr sich bereit erklärt hat, in den Monaten Januar und Februar d. I. in Arnim's Saal zur Förderung der humanen inteklecluellen Zwecke der Gemeinde einen Cyclus miffenschafllicher Vorträge zu hallen. Der erste Vortrag über „Spinoza's religiöse Gedankenwelt" findet am 14. Januar d. I., 8 Uhr Abends, statt. — Von Herrn Dr. R. ist auch jüngst wieder ein Heftchen lesensmerlher Predigten unter dem Titel: „Die jüd. Gemeinde in Vergangeiiheit, Gegenwart u. Zukunft" erschienen. Magdeburg Von Herrn S. Taußig in München dem Verfasser des R'weh Schlomo, ist die jüd.-bibl. Literatur um eine schöne Gabe bereichert worden. Derselbe hat aus den ältesten Handschriften (Codex 95) der Staatsbibliothek den Tractat Schekalim nebst mehreren talmud. Beigaben unter dem Titel „Meleches Schlomo" auf eigene Kosten in stattlicher Weise edirt, mit einem hebr. Commentar versehen und vielen jüd. Gelehrten als Geschenk übersandt (nur eine kleine Anzahl von Exemplaren ist durch Ackermann's Buchhandlung in München zu sehr mäßigem Preise zu beziehen.) Die Edition ist — so weit wir bis jetzt vergleichen konnten — mit großer Sorgfalt gemacht; die liter. Beigaben sind werthvoll. Wir werden i.n „Literaturblatt" näher darauf eingehen. Leipzig. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes versendet dieser Tage ein Cnrculair, worin er anzeigt, daß er vom 1. Januar 1878 ein „Rachmeisungs- Bureau" sowohl für Beamte-suchende Gemeinden, als auch für Stellen suchende Cultusbeamte gegründet habe. , Wir werden das „Regulativ" in nächster Nr. mittheilen. Lyck. Nebst sehr vielen ausländischen Blättern ist nun auch Hamagid von der russischen Negierung auf ihren Index gesetzt Da das Blatt einen sehr erheblichen Theil seiner Abonnenten in Rußland hatte, so ist der Verlust empfindlich. Wir haben seinen Redakteur seit der Zeit des russisch-türkischen Krieges recht bedauert, die in Warschau erscheinende „Hazephira" schreibt ruffenfreundlich, die in Jerusalem erscheinenden hebr. Blätter find bis ins Mark hrnein türkisch-patriotisch, — wie aber sollte „Hamagid" zurechtkommen. „Was soll der Sohn thun, daß er nicht sündige?" — Brody. Der Redacteur des „Jbri Anochi", Hr. I. W eber Hierselbst, beabsichtigt aus dem Nachlaß seines Vaters einen hebr. Commentar desselben zu den „Sprüchen der Väter" durch den Druck zu veröffentlichen und ersucht seine und des sel. Verfaffers zahlreiche Freunde durch Subscription die Herausgabe ihm zu ermöglichen. Gegen Einsendung von 1 Gulden ö. W. versendet der Herausgeber das Werk z. Z. franco an die Pränumeranten. Paris. Unter den letzthin ernannten Präfecten befinden sich 4 Israeliten, auch der Direclor des Journal officiel, Hr. Aron, ist Jude. Bukarest. Bei einer Schlacht auf dem bulgarischen Kriegsschauplätze am 15. Dec wurde der gemeine Soldat Leib Feigenbaum vom Großfürsten Nikolaus durch einen Orden ausgezeichnet. Feigenbaum hat nämlich mit großer Unerschrockenheit und Geistesgegenwart eine niedergefallene Granate oder Bombe ergriffen und in einen Abgrund geschleudert, ehe sie explodiren konnte. Jerusalem. Josef Krieger Effendi, ein Israelit, ist zum Dolmetscher und Secrelair des Gouverneurs jn Jerusalem ernannt worden. Jn Folge dessen richteten sämmttiche israelitischen Gemeinden der Stadl ein Dankschreiben an den Gouverneur, in welchem sie hervorheben, daß die türkische Regierung, welche immer für Recht und Gesetz einstand, jetzt durch die ertheilte Verfaffung ein Land der echten Freiheit geworden sei. Ferner danken sie für Ernennung des Herrn Krieger, wodurch die neuen Verfasfungsgefitze schon praclische Anwendung gesunden haben. Zum Schluß geben sie ihrer Anhänglichkeit an den Sultan Ausdruck. (W. I.) — Die hebr. Wochenschrift „Habazeleth" erscheint seit einigen Wochen wieder; es ist das beste unter den hies. jüd. Blättern, weil es wahrheitsgetreu die hiesigen jüd. Zustände schildert und den Muth hat, auch die Mißstände beim rechten Namen zu nennen und auf Abhülfe zu dringen; das war und ist ja auch der Grund, warum ihm die Existenz so schwer gemacht wird; man will es auch jetzt mundtod machen.

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