Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 9 (1878)
- Issue
- N° 1. (2.1.1878)
- Date
- 1878-01-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/5369809-9583355-9582866--3418-9582871- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
o durch Charakter, der Sohn ein gesellschaftliches Talent, geistreich, zur Nachahmung, raschen Auffassung und Aneignung beanlagt. Der Vater wollte wirken, es war in ihm der Mann der That ausgeprägt, Mißerfolg schreckte ihn nicht; der Sohn wollte gelten. Er versuchte es auf dem Terrain des Judenthums, er gründete den „ReformVerein" —- es gelang nicht, es war keinerlei Ernst dabei gewesen, nicht wissenschaftlicher, nicht sittlicher oder gar religiöser. So trat er über und versuchte sich aus verschiedenen Feldern. Weiteres gehört nicht hierher. Nur noch eines! welch ein Unterschied, welch ein Gegensatz zwischen Theod. Creizenach und Lazarus Geiger! aber nicht nur darum, weil dieser ein bahnbrechender Denker gewesen, und weil er Jude geblieben, nein, der Gegensatz betriffl des Lebens ernste Auffassung und Führung und die Gediegenheit im Können und tut Wollen und Streben! Oesterreich. — r__ Prag, 13. December. (Or.-Corr.) Die Vereine in. unserer Gemeinde entfalten jetzt ihre volle Thätigkeit, Generalversammlungen sind an der Tagesordnung, neue Vorsteher werden gewählt, und Mancher, der schon längst nach Amt und Ehre gestrebt hatte, sieht endlich seine Wünsche realisirt, er wurde in der Generalversammlung zum Vorireher gewählt. Da wir hier der Vereine sehr viele haben/ so gibt es auch sehr viele Vorsteher, doch kann man die Wahrnehmung machen, daß das Gedeihen eines Vereins zur Anzahl der Vorsteher im umgekehrten Verhältuiß steht, je weniger Vorsteher, desto besser ist es mit dem Vereine bestellt. Es ist das eine Thatsache, und was auch die Theorie dagegen einweuden mag, so bleibt der Satz: Thatsachen sprechen. Jeder Verein sollte dieser Wahrnehmung volle Beachtung schenken, mit der Austheilung von Amt und Ehren nicht verschwenderisch sein, das umgekehrte Verhältniß ist hier das rechte. So hat der Aftke Jehuda-Verein statutengemäß fünfzehn Vorsteher, sämmtliche ganz achtenswerthe Männer, aber für die Forterhaltung und Hebung des Vereins leisten fast zwei Drittheile des Vorstandes gar nichts, selbst den vom Vereine veranstalteten, gewöhnlich sehr gut besuchten Vorträgen bleiben sie lern. Desto anerkenneuswerther ist das Wirken der anderen Vorstandsmitglieder, welche im Gegensätze zu ihren Collegen das Interesse des Vereines bestens fördern, und es bleibt uns die Frage: wozu fünfzehn Vocstaudsmitglieder, wenn eigentlich nur sechs oder sieben mit der Ehre auch die Arbeit verbinden? Vorträge wurden in diesem Winter im Vereine erst zwei gehalten, es soll aber das Versäumte durch rasche Aufeinanderfolge der wertern Vorträge eingeholt werden, die Eiletkelt verschuldete die Verzögerung. Ern neuer Verein unter dem Rainen „Kreuzeroerein zur Unterstützung isr. Waiseitmädchen" hat sich im vorigen Monat hier gebildet. Dieser Verein hat mehr als zwanzig Vorstandsmitglieder, und es bleibt nur zu wünschen, daß sie alle für den hochwichtigen Ziveck des Vereins thätig sein sollen. Der Verein rst für ganz Böhmen bestimmt, mit denr Sitze in Prag, was als "in erfreulicher Fortschritt begrüßt werden darf. Bisher nämlich haben die Landgemeinden als besondere Körperschaft mit der Prager Großgemeinde fast gar keine Gemeinsamkeit gehabt, dieser Verein wird nun Prag mit den Landgemeinden verbinden; diese Vereinigung kann nur segensreiche Erfolge haben. In Prag selbst ist wohl neben der rsr. Waisenknabenanstalt, auch ein Mädchenwaisenhaus, welches vom Frauenverein erhalten wird, und sehr wohllhätig wirkt, nur sollte die religiöse Erziehung der Pfleglinge mehr berücksichtigt werden, da aber nur nach Prag zuständige Mädchen Aufnahme sinden, erweist sich der neue Verein als ein fühlbares Bedürfniß auch für Prag, denn der weit größere Tyeil der hier wohnenden Juden sind nicht hi-r zuständig. Zur Unterstützung isr. Waisenknaben besitzt die Landesjudenschaft ein Kapital von 200,000 fl. Die Deputation der böhmischen Nabbinerversammlung beun Cultusmiuilter hat bei vielen böhmischen Rabbinern Unzufriedenheit erzeugt. Es wird nämlich geltend gemacht, i daß eine Zusammenkunft von einigen Rabbinern durchaus keine böhmische Nabbinerversammlung ist, die Deputation hatte also keineswegs das Recht, sich als eine Deligation der Rabbiner Böhmens dem Minister vorzustellen. Wie ich vernommen, soll auch die Repräsentanz der Landesjudenschasl sich gegen die Deputation erklärt haben, was vorauszusehen war, die Herren am grünen Tisch haben überall das Schlag wort „Hierarchie"aufgesangen, eine Befestigung der Stellung der Rabbiner könnte die Gemeinde unter hierarchische Botmäßigkeit bringen. Indessen sollten die älteren Rabbiner in Böhmen sich doch einmal aus ihrer Unlhätigkei aufraffen, es gibt sehr Vieles zu ordnen, den Anfang zu machen wäre schon an der Zeit. Die hies. Tempelgemeinde hielt am 9. d. Mon. ihre Generalversammlung ab. Herr Vorsteher Feigl verlas den Bericht, nach welchem die Einnahmen in den Jahren 187 4, 1875 und 1876 die beträchtliche Summe von 56,433 fl. 19 Kr., und die Ausgaben 50,854 fl. 22 Kr. betragen, es verbleibt also ein Ecsparniß von 5578 fl. 97 Kr. Die Tempelgemeinde wurde im Jahre 1835 unter dem Namen „Verein für geregelten Gottesdienst" gegründet, und führt noch gegenwärtig diesen Namen, obwohl mehrere hies. Synagog en geregelten Gottesdienst schon seit vielen Jahren haben. I m Gründungsjahre des Tempels starb R. Samuel Landau, d er noch einige Wochen vor seinem Tode in einer Reoe sich enecgi sch gegen die Neuerungen aussprach. Der Gottesdienst nach ganz alter Weise ist noch in der Altneusynagoge, der Zig eunersynagoge und in sämmtlichen kleinen Synagogen bechey allen, die Pincassyn, die Großenhofsyn. uno die Hochsyn. haben schon einige Neuerungen eingesühct, die übrigen Synagogen richten sich in ihren Cultus nach dem Tempel. (Die Meiselsynagoge hat eine Cultusoronung für sich. Wie weil sie von der des Tempels abweichl, ist uns nicht bekannt, aber bloße Copie derselben ist sie nicht; der Vollständigkeit wegen mußte daher auch sie erwähnt werden. Reo.) Frankreich. Paris. Das Budget des Israel. Cultus pro 1878 ist vorgelegt und dem vorjährigen gleich. Es mag wohl der! Mühe verlohnen, die voin Staate dem jüd. Cultus geleisteten Zuschüße einmal detaillirt kennen zu lernen. 1. Personal des isr. Cultus. 1 Grand-Rabbin des Central-Consistoriums 12,000 Frcs. 1 „ „ für Paris 5,000 99 7 „ „ in Bordeaux, Nancy, Marseille, Bayonne, Lyon, Ltlle u. Vefoul ä 4000 . . 28,000 99 4 Gemeinde-Rabbinen . . a 2,000 . . 8,000 99 3 99 „ ä 1,800 . . 5,400 99 4 h „ ä 1,600 . . 6,400 99 IO » „ a 1,400 . . 14,000 99 1 tt „ ä 1,300 . . 1,300 99 2 Canloren, (Ministr.-Offic.) ä 2.000 . . 4,000 99 11 " H n a 1,000 . . 11,000 99 2 tt „ „ ä 900 . . 1,800 tt 5 99 99 99 ä 800 . . 4 000 99 2 tt „ 0 a 700 . . 1,400 99 4 tt tt tt ä 600 . . 2,400 99 Aus früheren Bewilligungen rückständig . . 5,000 Summe der Gehalter 109,700 Frcs. Miethsentschädigung dem Grand-Rabb. des Central-Consistorums. 2,000 99 Unterstützung an Canloren. 8,000 99 Kosten des israel. Seminars. 32,000 Verwaltungs-Unkosten dem Central- und den Depart.-Consistorien. 14,000 Algier. 1 Grand-Rabb. in Algier. 6,000 99 2 „ „ in Constantine u. Oran 10,000 3 Rabbiner ä 3,000 Frcs. 9,000 Verwaltungskosten. 1,600 99 Beitrag zu den Gebäuden des isr. Cultus . 20,000 99 Total 212,400 Frcs.