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Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen · 1919-09-01 · 8 (9.1919) · p. Seite 82

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Journal
Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen
Volume
1 (1919)
Issue
8 (9.1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 82 (sequence 8)
Language
German
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Seite 82 Mitteilungs^Blatt des Jüdischen Volksrats Nr. 8 die Poale-Zionisten schlechte Zionisten sind und gar keine zionistische Arbeit leisten. Ganz iin Gegenteil, es gibt unter ihnen sehr viele gute und begeisterte Zionisten, die auch fleissig hebräisch und Landwirtschaft studieren, und wenn sie nach Palästina kommen, sehr tüchtige Zionisten werden, aber das ist eine private Angelegenheit der einzelnen Persönlichkeiten, sogar von Gruppen, und nicht eine allgemeine Aufgabe der Partei. So wie es unter den allgemeinen Zionisten Leute gibt, die privat Sozial-Demokraten, ebenso gibt es unter den Poale-Zionisten jetzt Leute, die privat Zionisten sind. Es bleibt noch eine an der Zahl sehr arme Partei: »Die Vereinigten«, die durch die Verschmelzung der früheren Sozialisten-Zionisten (eigentlich Sozialisten-Territorialisten) und der »jüdischen sozialistischen Arbeiter« entstanden ist. Die Sozialisten-Territorialisten, das waren die Poale-Zionisten mit dem Worte »Territorium« überhaupt anstatt »Palästina«. Die »Jüdischen sozialistischen Arbeiter« waren reine Autonomisten, das heisst, sie erstrebten eine sehr breite jüdisch-nationale Autonomie in der Diaspora mit einem eigenen Parlament und erst dieses demokratisch gewählte Parlament sollte bestimmen, wo und wie die Juden ein Territorium erhalten sollen. Das Programm der jetzigen »Vereinigten« ist noch trüber als das unserer »Zeirei- Zionisten«,, doch steht es dem Programm der früheren »jüdischen sozialistischen Arbeiter« am nächsten. Die Partei aber hat so wenig Anhänger, dass es sich kaum lohnt, von ihr zu sprechen. Natürlich hat jede von diesen Z Parteien einen rechten, mässigen Flügel, welcher mehr orthodox in seinem Sozialdemokratismus ist, und einen linken Flügel, welcher unter gewissem kommunistischen Einfluss steht. Der rechte ^Flügel überwiegt aber überall und gibt der ganzen Partei den gehörigen Ton. Von der kommunistischen Partei will ich nicht sprechen; da dies eine allgemeine, keine jüdische Partei ist, die auch nur sehr wenige jüdische Arbeiter oder quasi-Arbeiter umfasst, dafür aber verhältnismässig mehr jüdische Intelligenzen. Für das 3 Millionen starke polnische Judentum sind das genug Parteien. Alle diese Parteien haben aber doch etwas Gemeinsames, ganz gleich ob sie bürgerlich oder proletarisch sind, nämlich das nationale Moment. Die eine Partei unterstreicht dieses Moment stärker, die andere schwächer, die eine sieht die Lösung der jüdischen Frage in Palästina, die andere will die Frage wegen Palästinas gar nicht berücksichtigen. Aber national sind sie alle. Und bei den Sejmwahlen sind die antinationalen Assimilanten glänzend durchgefallen. Sie haben kein einziges Mandat erhalten. Von den über 550 000 jüdischen Stimmen, welche bei den Wahlen abgegeben worden sind, haben die Assimilanten kaum mehr als 5 000 erhalten, und auch das ist noch zweifelhaft. Leider können die jüdischen Parteien einen gemeinsamen Block nicht bilden. Parteiischer Chauvinismus, kleinliche private Ambitionen der Parteiführer, Prinzipienreiterei und Neigung zum Doctrinalismus lässt die Parteien zu einer Verständigung nicht kommen. Bloss die zionistischen Gruppen und die etwas national gesonnenen Unparteiischen haben einen gemeinsamen »Zeitweiligen Jüdischen Nationalrat« gebildet. Andere Parteien gehen selbständig vor. Und das ist die Achillesferse unseres Nationallebens. Rechtsanwalt Dr. A. Hartglas. Abgeordneter des polnischen Landtages. Gemeindefragen. 1 Die welthistorischen Ereignisse der Gegenwart haben den Massstab für die Dinge geändert. Das gilt auch für die Stellung unserer Gemeinden im jüdischen Leben. Seit der Auflösung des Reiches waren die Gemeinden die einzige Organisation der .Judenschaft, sie gelten als die höchsten Stellen, als die Sammelpunkte jüdischen Lebens. Jetzt sind wir zu höheren Organisationsformen fortgeschritten. Das neue jüdische Gemeinwesen in Palästina ist in der Entstehung begriffen und wird wieder die höchste nationale und staatliche Organisation des jüdischen Volkes bilden. Daneben entstehen in vielen Ländern durch den gesetzlich anerkannten Schutz der Minderheiten national-kulturelle jüdische Antonomien, die zentrale Organisationen der Judenschaft dieser einzelnen Länder bilden. Die Gemeinden verlieren damit ihren Rang. Sie sind nicht mehr die höchste Stelle der Organisationen, sondern bilden nur noch als lokale Verbände die Grundlage für die höheren Verbände. Aber mit ihrem Range haben sie nicht zugleich auch die Bedeutung verloren. In der berühmten Pyramide, die immer noch zitiert wird, weun es sich um Volksaufbau handelt, muss gerade der grosse breite Unterbau gesund sein, wenn das Ganze zielstrebig bleiben und auch die Spitze ihren gesicherten befestigten Halt haben soll. Die Gemeinden bilden diese unterste breite Grundlage für das gesamte jüdische Organisationswesen. Sie werden allerdings — und dies ist der Gegensatz zum bisherigen Zustande — stets als der Unterbau einer neuen Gesamtverfügung betrachtet werden müssen. Damit wird der Aufgabenkreis der Gemeinden sich erweitern. War bisher das Leben der Gemeinden, das Wohl der Juden in ihr höchstes Ziel der Arbeit, so wird jetzt jede Gemeindearbeit davon auszugehen haben, dass auch die Gemeinde nur ein Glied in der gesamten Judenschaft ist, dass deshalb die Gemeindearbeit nicht von der Arbeit für das ganze jüdische Volk losgelöst werden kann, in ihr vielmehr Ziel und Richtung suchen und finden muss. Der KM Jisroel, der bisher nur begrifflich feststand und konkrete Formen nicht annehmen konnte, wird jetzt auch äusserlich erkennbar vorhanden sein. Sich ihm anzupassen, ist deshalb in der Gemeindepolitik der nächsten Zukunft nicht nur ein ideales Bestreben, sondern eine notwendige praktische Konsequenz. Wenn bisher in den Gemeindesatzungen zumeist noch mit keinem Worte von der Pflege des jüdischen Zusammenhanges auch über die Grenzpfähle der Gemeinden hinaus die Rede war, wenn lediglich und oft auch dies nur gegen die Gemeindesatzungen sich manche Gemeindeverwaltung entschloss, Bestrebungen zur Pflege eines jüdischen Zusammenarbeiten durch Beitritt zu privaten Organisationen und für diese zu unterstützen, so wird jetzt dieses System gründlich geändert,

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