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Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen · 1919-05-01 · 4/5 (Mai/Juni 1919) · p. Seite 47

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Journal
Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen
Volume
1 (1919)
Issue
4/5 (Mai/Juni 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 47 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4/5 Mitteilungs^Blcitt des Jüdischen Volksrnts Seite 47 Anzahl Juden aus Schildberg aus der Internierung zu befreien. Deshalb müssen wir darauf bestehen, dass alle Fälle von Internierungen und Kontributionen uns gemeldet werden. Wir sind einmal die anerkannte Zentralstelle und werden unsere Pflicht tun. Misserfolge können unseren Eifer nicht lähmen. Wir haben in letzter Zeit noch zwei besondere Gebiete in Arbeit genommen: erstens haben wir uns darum bemüht, Ausweisungen zu verhindern. Es ist uns von Gnesen mit- 'geteilt worden, dass Juden aus Russisch-Polen, die jahrelang in Gnesen wohnen, und gegen die nichts vorliegt, jetzt plötzlich Ausweisungsbefehle bekommen haben. Der polnische Volksrat hat erklärt, dass solche Ausweisungen nicht von der Zentralstelle ausgehen.*) Wir sind fernerhin darauf gebracht worden, dass eine Tätigkeit möglich wäre auf dem Gebiete der vorzeitigen Rückerlangung von Kriegsgefangenen. Wir haben deshalb alle Gemeinden aufgefordert, uns schnellstens die ihnen bekannten jüdischen Kriegsgefangenen mit genauer Adresse mitzuteilen. So, meine Herren, sehen Sie, dass wir uns bemüht haben, die Grundlage für unsere Rechte zn schaffen. Wir sind in unseren Ansprüchen nicht zurückgegangen; wir haben die Forderungen, die wir am ersten Tage aufgestellt haben', aufrecht erhalten. Wir haben uns bemüht, da tätig zu sein, wo jüdische Interessen auf dem Spiele standen. Wir haben nicht immer praktisch erreicht, was uns zugesagt worden ist. Wir dürfen aber nicht entmutigt dastehen, wir müssen bedenken, dass erst 5 Monate hinter uns liegen, dass die Verhältnisse noch ungeklärt sind. Man muss es der polnischen Regierung zugute halten, dass sie Kriegsmassnahmen treffen muss. Andererseits müssen wir uns vor Augen halten, dass unsere Erfolge nicht gering sind, dass, schon etwas an dem Ziele erreicht ist, zu dessen Verwirklichung wir unaufhörlich arbeiten müssen — an den Rechten des jüdischen Volkes. Unsere nach auswärts gerichtete Politik geht dahin, Aufklärung über unsere Ziele und Bestrebungen zu schaffen, Sympathien zu erwecken und uns dadurch Unterstützung und Hilfe zu schaffen. So haben wir das „Mitteilungsblatt^ geschaffen, das unseren Ideenkreis populär zu machen hat. Unser Blatt ist bekannt geworden und hat uns die Möglich¬ *) Inzwischen ist durch unsere Tätigkeit der Aufschub der Ausweisungen gesichert. keit geschaffen, unserer Stimme in der Welt Gehör zu verschaffen. Alle unsere Wünsche haben* wir zum Ausdruck gebracht; das haben wir insbesondere im Sonderheft getan. Als die Entente-Kommission hier in Posen war (am 15. März), hatten unsere Vertreter Gelegenheit, bei ihr Vortrag zu halten. Wir haben die Gewissheit dass unsere Wünsche an zuständiger Stelle gehört werden. Meine Herren, ich bin am Schlüsse meines Tätigkeitsberichtes; ich habe mich bemüht, einen Ueberblick zu geben und ich glaube, Sie werden mir Recht geben, wenn ich am Anfang gesagt habe, dass unsere Arbeit schwierig und umfangreich ist. Was wir erreichen konnten, ist nur erreicht worden, weil uns stets ein einheitliches Prinzip beherrscht hat. Wir haben uns um die Landespolitik kümmern müssen — nicht aus Liebhaberei, sondern weil es geboten war, dass die Juden hier ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Was wir mit unserer Landespolitik erstreben, ist, den Juden in Posen, die ein bodenständiges Element der Bevölkerung bilden, ein erträgliches Los zu bereiten, sie in geordneten wirtschaftlichen Positionen zu erhalten, ihnen die Möglichkeit zu gewähren, ihre Religion, Kultur, und Eigenart zu pflegen, an den bedeutsamen Aufgaben der jüdischen Gesamtheit sich zu beteiligen und an den grossen Fragen der Menschheit mitzuarbeiten. Wollen wir deshalb einen Staat im Staate? Kein, daran wird nicht gedacht. Die Juden sind überall gute Staatsbürger — die besten da, wo man sie am freiesten behandelt. Wo sie in grösseren Massen siedeln — und das wird in Posen der Fall sein - . und wo sie es in ihrer Mehrheit verlangen — das ist bei uns der Fall — müssen sie nationale Autonomie verlangen. Wollen^wir deshalb in Posen ein Judaeo-Polonia errichten? Das ist noch niemandem eingefallen und kann uns am wenigsten jetzt in den Sinn kommen, wo unsere Forderungen auf eine staatliche Selbständigkeit in Palästina sich der Erfüllung nähern. Aber freie Bürger wollen wir im freien Staate sein. Und wenn wir wieder einmal aus einem Mizrajim nach Erez Israel ziehen, so wollen wir nicht als Knechte, sondern als Freie in aufrechter Haltung ausziehen. Dann wollen wir Liebe und Treue den Ländern bewahren, in denen wir unser •und ihrer würdig nach den edlen Grundsätzen Wilsons in Freiheit gelebt haben. Eröffnung der jüdischen Schule. Der Jüdische Volksrat hat von Beginn seiner Tätigkeit an sich um die Gründung eines jüdischen Schulwerks, insbesondere um die Errichtung einer jüdischen Schule in Posen bemüht. Der erste an die Schuldeputation der Stadt Posen gerichtete Antrag auf Zulassung einer jüdischen Schule in Posen ist abgelehnt worden. Auf die dagegen an die Schulabteilung der Posener Regierung gerichtete Beschwerde ist nachstehender Bescheid vom 5. April d. J. eingegangen: Regierung II. Posen, den 5. April 1919. Durch die Ober-Präsidial-Verfügung vom 25. Januar d. Js. haben auch die unter uns wohnenden Juden das Recht auf eigene konfessionell jüdische Schulen erhalten. So auch in der Stadt Posen, und ist in dieser Hinsicht der Beschluss der städtischen Schuldeputation vom 8. März 1919, welcher sich grundsätzlich gegen eine jüdisch konfessionell6 . Schule wendet, unzulässig und hinfällig. Sofern der jüdische Volksrat es nach weist, dass mit dem neuen Schuljahr anfangs Mai, mindestens 40 schulpflichtige Kinder die jüdisch-konfessionelle Schale werden besuchen wollen, so ist hierzu eine Schulklasse mit jeder nötigen Ausstattung und Unterhaltung herzugeben, und in erster Linie der Lehrer Brzezinski mit der Leitung dieser Schule zu betrauen. Werden mehr als 40 Kinder Zusammenkommen so wird die jüdische Schule als eine zweiklassige mit zwei Lehrkräften einzurichten sein. Wir sehen Ihrem diesbezüglichen Berichte entgegen, wie die Schule, betreffend Räume, Lehrer, Unterrichtsplan und Unterrichtsstoffverteilung eingerichtet und versorgt sein soll. An den Magistrat, Schuldeputation Posen. gez. Suchowiak.

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