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Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen · 1919-04-01 · 3 (4.1919) · p. Seite 34

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Journal
Mitteilungs-Blatt des Jüdischen Volksrats Posen
Volume
1 (1919)
Issue
3 (4.1919)
Date
1919-04-01
Page
Seite 34 (sequence 12)
Language
German
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Seite 34 Mitteilungs^Blatt des Jüdischen Volksrats Nr. 3 liehe Arbeit des Jüdischen Yolksrats hervor und sprach den Wunsch aus, dass es dem Jüdischen Volksrat auch gelingen möge, den Juden in Kongresspolen wirtschaftliche Hilfe zu bringen, sowie einen Ausgleich zwischen den ost- und westpolnischen Juden zu schaffen. Herr Rechtsanwalt Dr. G-alland, Posen, erklärte, es sei ihm von zuverlässiger Seite mitgeteilt worden, dass die Polen beabsichtigten, 3 grosse Aktiengesellschaften zu gründen: nämlich für den Eiseneinschliesslich Maschinenhandel, den Kolonialwarenhandel und die Konfektion. Von diesen Gesellschaften sollten Filialen in allen Städten eingerichtet werden. Das Genossenschaftswesen hält Herr Dr. Galland bezüglich der jüdischen Gewerbetreibenden für nicht empfehlenswert, da es dem Wesen des jüdischen Kaufmanns nicht recht entspreche. Herr Rüben, Strelno, weist darauf hin, dass von den Polen ein Monopol für den Getreide-, Zigarren- und Spiritushandel geplant sei. Das Genossenschaftswesen wünscht Herr Rüben deshalb nicht, weil es seiner Ansicht nach zu viel kleinere jüdische Existenzen zu Falle bringe. Der Redner bestreitet, dass die polnische Regierung in grösserem Umfang eine Umschichtung der Juden zulassen werde. Er wünscht, der Jüdische Yolksrat möge dahin wirken, dass nicht voreilig aus Angst Grundstücke von Juden verkauft werden, da die heutigen Preise der Grundstücke nicht dem Mietsertrag, sondern dem Werte bei Beginn des Krieges entsprächen, und infolgedessen mit einer wesentlichen Steigerung der Grundstückspreise zu rechnen sei. Herr Rabbiner Dr. Neuhaus, Ostrowo, erklärt es für unbegreiflich, dass die jüdische Gemeinde Posen im Gegensatz zu der Stimmung der überwiegenden Mehrheit der Provinz es bisher unterlassen habe, sich dem Jüdischen Volksrat anzuschliessen und erbittet Angabe von Gründen hierfür. Bezüglich der Juden in Kongresspolen ist Herr Rabbiner Dr. Neuhaus der Ansicht, dass sie für das Genossenschaftswesen nicht geeignet seien. Herr Direktor Kuczynski, Posen, der Vertreter der Synagogengemeinde Posen erklärt, dass die Jüdische Gemeinde Posen den Jüdischen Volksrat bisher nicht öffentlich bekämpft habe. Die Meldung über die Stellung der Jüdischen Gemeinde Posen in der Schulfrage sei in die Zeitung ohne Willen und Wissen der Gemeindekörperschaften gelangt. Nur einmal habe die Jüdische Gemeinde Posen eine Nachricht in die Presse gegeben, und diese habe den Protest der Gemeinde gegen' die Beschränkung der Juden in der Anwaltschaft betroffen. Die Jüdische Gemeinde Posen habe sich bisher deshalb nicht dem Jüdischen Volksrat angeschlossen, weil der Volksrat sich als jüdisch-national bezeichne, und die Mehrheit in den Gemeindekörperschaften dies nicht billige. Herr Dr. Ko lienscher entgegnete Herrn Dir. Kuczynski im Schlusswort, dass sich auch die Erklärung bezüglich der jüdischen Anwaltschaft erübrigt hätte, nachdem bereits vorher der Jüdische Volksrat einen Protest bei der Naczelna Rada Ludowa eingebracht und in den Zeitungen bekannt gegeben habe. Solche Parallelaktionen schädigten nicht nur die hinter dem Jüdischen Volksrat stehenden Juden, sondern alle Juden. Er meint weiter, dass nicht nur ausgesprochene Nationaljuden, sondern alle Parteien des Judentums innerhalb des Jüdischen Volksrats ein Arbeitsfeld fänden. Für die Frage der Beteiligung am Jüdischen Volksrat könne nur die geleistete Arbeit massgebend sein. Herr Rechtsanwalt Dr. Galland berichtete sodann über die Schul frage. Der Referent begründete die Notwendigkeit der Schaffung und Erhaltung jüdischer Schulen namentlich auch in den kleineren Städten und widerlegt in klarster Weise die Einwendungen der Gegner der jüdischen Schule. In der Aussprache, die sich an diese Ausführungen ansehliesst, betont Herr Rabbiner Blum aus Pieschen die Notwendigkeit der jüdischen Schule gerade für die kleinen Gemeinden. Herr Rechtsanwalt Nemann, Gnesen, spricht den Wunsch aus, dass in den kleineren Städten möglichst alle Gemeindemitglieder zu veranlassen seien, ihre Kinder in die jüdische- Schule zu schicken, da es nur so möglich ist, diese zu erhalten. Finanziell biete die gesonderte jüdische Schule bedeutend geringere Lasten als die Beteiligung der Juden an den christlichen Schulen. Herr Rechtsanwalt Nemann bewies diese Behauptung zahlenmässig an dem Beispiel von Gnesen. Er lenkte sodann die Aufmerksamkeit der Versammlung darauf, dass die wirtschaftliche Existenz der jüdischen Lehrer sichergestellt werden müsse. Herr Lehrer Brzezinski führt aus, dass die jüdischen Schulen in den Kleinstädten vielfach nur deshalb zu Zwergschulen herabgesunken seien, weil die wohlhabenderen Kreise die jüdische Schule als Proletarierschule ansehen und ihre Kinder in Privatschulen schicken, die im allgemeinen weniger leisteten, als die öffentlichen jüdischen Schulen. Wenn sich hierin die Anschauungen der Eltern änderten, so würden die jüdischen Schulen in den kleinen Städten lebensfähig bleiben. Er ersucht den Jüdischen Volksrat, die Aufstellung eines Normal-Lehrplans zu veranlassen, um auf diese Weise den Uebergang von einer in die andere Schule zu erleichtern. Herr Rabbiner Dr. Neu haus, Ostrowo, zeigt, dass zur Zeit das Schwierigste in der Schulfrage die Regelung der Lehrerverhältnisse sei. Die jüdischen Lehrer wüssten bei der augenblicklichen politischen Umgestaltung nichf, ob sieunter Verzicht ihrer Pensionierungsrechte hierbleiben oder nach dem Westen auswandern sollten. Der Jüdische Volksrat müsste diese Frage klären, und der Redner empfiehlt^ baldmöglichst eine Sitzung sämtlicher jüdischen Schulvorstände und jüdischen Lehrer der Provinz einzuberufen, um die von ihm angeregten Fragen zu besprechen. Herr Lehrer Läufer, Jarotschin, gibt an, dass ihm mitgeteilt worden sei, den jüdischen Lehrern würde eine Karenzzeit zur Entscheidung gelassen werden. Herr Rechtsanwalt Dr. G a 11 a n d, Posen, stimmt in seinem Schlusswort den Ausführungen von Herrn Rabbiner Dr. Neu h a u s zu und erklärt, dass sofort nach den Passah- Feiertagen die angeregte Sitzung von Schulvorständen und Lehrern einberufen werden würde. Herr Rechtsanwalt Manheim, Posen, berichtete über die Organisation des Jüd. Volksrats in der Provinz Posen. Er weist darauf hin, dass sämtliche jüdischen Organisationen bei der politischen Umgestaltung vollkommen versagt hätten. Der Jüdische Volksrat ist mit Erfolg an die Stelle der bisherigen Organisationen getreten. Er hat durch Rundschreiben sowie durch seine Vertrauensleute sich bisher schon bemüht^ die Verhältnisse auch in der Provinz einheitlich zu regeln und die Interessen der Juden auch in der Provinz Posen wahrzunehmen. Eine Provinzial-Organisation muss sich an den Jüdischen Volksrat anlehnen, weil dieser die von den polnischen und deutschen Behörden anerkannte Vertretung der Juden ist, und sich die bei weitem überwiegende Mehrheit der jüdischen Gemeinden der Provinz Posen dem Jüd. Volksrat angeschlossen hat. Die Provinzialorganisation soll nun im Anschluss an den Jüd. Volksrat Posen wie folgt ausgestaltet werden: Der Jüd. Volksrat Posen führt auch die Geschäfte der Provinz. Dia Synagogengemeinden, die dem Jüd. Volksrat beigetreten sind, sowie die Gemeinden, in denen ohnedies mehr als 20 Einzelmitglieder des Volksrats vorhanden sind, sollen in Zukunft im Jüd. Volksrat eine

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