Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand LBI
- Issue
- 12 (12.1882)
- Date
- 1882-12-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 4C) —■ Priester," einen Artikel, der zur einen Hülste aus (iitaten und zur aitderen alts Fremdwörtern bestellt, bei deren Leetüre man ohne ein Fremdlvörterbuch gar nicht fertig tverden kamt. So unverschämt und anmaßend ist dieser Artikel, dag mir ein Kantor selber sagte: „Das ist aber in der That ein wenig zu viel behauptet, das geht zu weit." — — Folgente m ethvdi s ch e Grundsätze sind für den Bortrag der biblischen Geschichte zu beachten: 1. Die Sprache schließe sich möglichst eng au das Bibelwvrt. 2. Zu diesem Zwecke ist eine möglichst sorgfältige Vorbereitung aus der Bibel selbst oder aus den besseren Leitfäden zur biblischen Geschichte ztl empfehlen z. B.: Levp, Büdinger, Bäck, Hecht, Hofs, Auerbach, Wolfs, Stern u. a. m. 3. Die Sprache sei organisch und grammatisch möglichst tadellos. „Denn für die Kinder ist das Beste gut genug." 4. Auch in höheren Lehranstalten sei die Sprache möglichst einfach und schlicht, ohne Anhäufung von Fremdwörtern. 5. Wo dies angängig ist, mögen auch die hebräischen Bezeichnungen der Hauptpersonen und Hauptorte oder auch die am häufigsten vorkommendett hebräischen Ausdrücke für Fest- und Fasttage, für religiöse Gebräuche und endlich die biblischen Namen für die hervorragendsten biblischen Facta genannt werden. — Denn wie oft wenden unsere Glaubensgenossen diese hebräischen Flamen nur in kurrumpirter Form an, oder noch häufiger kennen sie die Ausdrücke der Bibel gar nicht! — In ersterem Falle sind sie ein Gegenstand des Spottes für Sprecher und Hörer, im zweiten beschleicht uns das Gefühl tiefster Beschämung. Beides zu vermeiden ist die Aufgabe des biblischen Geschichtsunterrichtes. — C. Methodische Grundsätzebetreffend die katechetische (unterrichtl'iche) L'ehandknng der biblischen Geschichte. Tie unterrichtliche Behandlung hat zum Zweck: a) die Aneignung des Stoffes, b) die sittliche und religiöse Bildung. A. Oberster Grundsatz für die Aneignung des Stoffes ist: Schnelligkeit und Sicherheit. Zur Erreichung dieses Zlveckes soll 1. In einer Stunde höchstens nur eine biblische Geschichte behandelt werden. 2. Diese Geschichte selbst soll zuerst von dem Lehrer vollständig frei vorgetragen filicht vorgelcscnf tverden, um die Wirkung des ganzen Stoffes nicht abzuschwächen. 3. Daraus soll die Geschichte von dem Lehrer nochmals in gewisse, durch den Inhalt des Stoffes bedingte, natürliche Abschnitte eingctheilt und vorgetragen werden. 4. Jeder dieser Abschnitte ist, nach beendetem Bortrage desselben durch den Lehrer, von einzelnen Schülern nach zu - erzählen. 5. Das Berstäuduiß einzelner biblischer Ausdrücke muß durch gelegentliche Hinweise auf die Natur des Landes, die Einrichtungen und Gesetze seiner Bewohner und der benachbarten Völker gefördert tverdcm. 6. Fruchtbar für das Verständnis ist auch die Vergleichung mit verwandten Erzählungen aus .der Geschichte anderer Völker. 7. Auch die Karte von Palästina muß in der biblischen Geschichtsstunde beständig ausgehängt sein, tvenn das Verständnis; gefördert werden soll. 8. Eilt Leitfaden ist auch den Schülern für die häusliche Wiederholmtg in die Hände zu geben, doch nicht derselbe, der dem Lehrer zur Vorbereitung gedient hat. 9. In der folgenden Stunde ist das Gelernte erst abzufrageu, bevor weiter geschritten wird. _ 10. Es sind häufige Wiederholungen des galtzeu Stoffes, womöglich vierteljährlich, mindestens aber halbjährlich, vorzunehmelt. 11. Alljährlich ist eine öffentliche Prüfung in Gegenwart der Eltern und der beatlfsichtigellden Behörde abzuhalten, wobei auch Prämien vertheilt werden können. 12. Bei diesen öffentlichen Prüfungen sollen auch Zeugnisse ertheilt und Versetzungen vorgenommen werden. B. D e r z w e i t e Z w e ck d e r u n t e r r i ch tlichen Bch a nd l un g —■ d ie si 111 ich e un d rel igi ö se Bi ldung — wird bei Beobachtung folgender methodischer (Grundsätze erreicht: 1. Der Lehrer muß selbst sittlich und religiös gebildet und von den Worten der heiligen Schrift überzeugt sein, das ist der oberste (9r n n d s a tz; er lehre nichts, was gegell seine eigene Ueberzeugung ist. 2. Diese echte Ueberzeugung klinge selbst in der Wärme des Bortragstones durch. Der Bortragston entspreche immer dem Inhalte der Geschichte. —■ Denn die heilige Begeisterung erweckt wiederum Begeisterung in den Herzen der Schüler uild entzündet dort ein göttliches Feuer, so wie der Toit des Mitgefühls bei der Erzählung der Leideit unseres Volkes tviederum Mitgefühl erzeugt und oft Thränen in die Augen der jugendlichen Hörer bringt. Dann erst ist der Unterricht in der biblischen Geschichte vom göttlichen Geiste durchweht und getragen. — Niemals werde indes; der Vortragston pathetisch ober theatralisch. 3. Dltrch methodische Fragen werde jede biblische Geschichte zu einer Bethätigung irgend eines göttlichen Gebotes oder einer sittlichen Lehre. Diese sittliche Lehre werde aus der Mittelstufe, neben der biblischen Geschichte auch memoriert und aus der Oberstufe danebeil uoch durch einen passenden Bibelvers eingeprägt. 4. Es solle» von den Schüleril selbst Beispiele zur Bethätigung solcher Lehren, zunächst aus der Bibel, daitn aus der allgemeinen Wetgeschichte und endlich alls dem alltäglichen und dem Schillleben gesucht werden. 5. Jede biblische Geschichtsstunde beginne lind ende mit, einem entsprechenden freien Gebete des Lehrers. 0. Vor den Fest- und Fasttagen werde itt der biblischen Geschichtsslnnde der historische Grund, der religiöse Zweck und die Festeseeremoilien besprochen. III. Die Diseip lillarmittel iit der biblischen G e s ch i ch t s st u » d e. Es giebt Kollegeil, welche Discipliltarmittel in der Religions- und biblischen Geschichtsstunde für enn Unding halten, „denn", so sagen sie in nachbetender mld gedankenloser Weise, „die Neligions- und biblische Geschichtsstnnde darf nicht durch körperliche Strafen, ja nicht einmal durch schroffe und tadelnde Worte an die Schüler entweiht werdeit: in der Religionsstunde müssen Lehrer und Schüler vom Geiste Gottes getragen werden. Wie kann ich, wenn ich von der Allgüte Gottes gegen alle seine Geschöpfe spreche, dem Schüler durch seine Bestrafung zeigen, daß ich. als Lehrer, nicht dem göttlichen Befehle und dem göttlichen Vorbilde nach lebe?" — Ich wiederhole, wer so spricht, thut dies in gedankeilloser Weise, cs ist eitel NachNterei! Und ich möchte behaliptell, das; gerade, diejenigen, welche voll sittlicher Entrüstung die Strafen in der Nelig'onsschnle laut und öffentlich verurrheileit, gerade am häufigsten in die Lage kommen, ihre Schüler bestrafen zu müssen. — Allerdings müßten die Schüler und Lehrer in der Neligionsstnnde nur vom Geiste Gottes getragen sein, aber ist es denn wirklich immer so? —■ Sind die Kinder der Unterstufe schon so durchdrungen von dem göttlichen Geiste, das; sie nicht durch eine Miene, durch eine Bewegiing. durch einen Laut die Weihe der Stunde stören? Wäre dem so, daun wäre ja überhaupt der Neligions- und biblische Unterricht für sie nicht mehr von Nöthen, denn durch den Unterricht sollen sie ja eben erst etwas von dem göttlichen .Geiste-in sich verspüren! Desgleichen können auch auf der Mittelstufe die Kinder religiös noch nicht so entwickelt sein, das; sie lautlos den Worten des Lehrers lauschen sollten. Uild endlich ans der Oberstufe sind die Kiilder schon so weit entlvickelt, das; sie' nur das Wissen und die Energie des Le!)rers respeetiren. Wer diese beide Fähigkeiten nicht