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Israelitische Schulzeitung · 1882-11-01 · 11 (11.1882) · p. Seite 42

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Journal
Israelitische Schulzeitung
Volume
1 (1882). Bestand LBI
Issue
11 (11.1882)
Date
1882-11-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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/ Also nur die geistige Entwicklungsstufe und die Anzahl der Jahreskurse bedingt die Auswahl der biblischen Geschichten nach Inhalt und Umfang. Trotz der vielfachen Veröffentlichungen von Pensenvertheilungen in der Religionsschule, erlaube ich mir dennoch eine tabelarische Uebersicht des biblischen Geschichtsstoffes, ausgewählt nach obigen Gesichtspunkten, hier mitzutheilen, wobei in mehrklassigeu Schulen die entsprechenden Klassen mit den bezüglichen Stufen der einklassigen Religionsschulen korrespondiren. Lehrplan für den btblischen Geschichtsunterricht in der jüdischen Nellgionsschule. a) Unterstufe (Kursus einjährig). 1) Die Schöpfung, 2) Das Paradies,*) 3) Die Sündflut, 4) Der Thurmbau zu Babel, 5) Abraham's Friedfertigkeit, 6) Abraham's Uneigennützigkeit, 7) Isaak, 8) Jakob und Esau, 9) Jaksb bei Laban, 10) Joseph und seine Brüder, 11) Die Israeliten in Aegypten, 12) Mose's Geburt und Berufung, 13) Der Auszug aus Aegypten, 14) Die Gesetzgebung am Sinai, 15) Die Wüstenwanderung, 16) Die Festtage, 17) Die Stiftshütte, 18) Das goldene Kalb, 19) Kriege mit fremden Völkern, 20) Moses Tod. d) Mittelstufe (Kursus zweijährig). 1) Die Schöpfung, 2) Der Sündenfall, 3) Kain und Abel, 4) Noah, 5) Die Sündfluth, 6) Abraham's Berufung, 7) Abraham's Friedfertigkeit, 8) Abraham's Uneigennützigkeit, 9) Sodom und Gemorrha, 10) Jsaak's Opferung, 11) Elieser, der treue Diener, 12) Jsaak's Heirath, 13) Jakob und Esau, 14) Jakob auf der Flucht, 15) Jakob bei Laban, 16) Jakob und Esau versöhnen sich, 17) Joseph und seine Brüder, 18) Joseph in Aegypten, 19) Joseph wird zu hohen Würden erhoben, 20) Reisen der Brüder Joseph's nach Aegypten, 21) Jakob reist mit den Seinen nach Aegypten,**) 22) Jakob's Segen und Tod, 23) Leiden der Kinder Israels in Aegypten, 24) Moses Geburt, 25) Moses unter seinen Brüdern, 26) Moses Berufung, 27) Moses und Ahron vor Pharao, 28) Die zehn Plagen, 29) Der Auszug aus Aegypten, 30) Die Gesetzgebung am Sinai, 31) Moses als Gesetzgeber, 32) Bilder aus der Wüstenwaüderung, (Stiftszelt, Manna, Murren der Kinder Israels, die Wachteln, Gräber der Lüsternheit), 33) Das goldene Kalb, 34) Die Kundschafters) 35) Moses letzte Worte an das Volk und Josua, 36) Moses Tod, 37) Josua erobert das heilige Land, 38) Bilder aus der Richterzeit, (Barak und Deborah, Jepthah, Simson, Gideon, Abimelech), 39) Saul's Königthum, 40) David, 41) Salomo, 42) Theilung des Reiches. c) Oberstufe (Cursus zweij ährig). 1. Jahr, Wiederholung und Erweiterung des Pensums der Unter- und Mittelstufe. 2. Jahr. 1) Die Geschichte des ungetheilten Reiches Israel, 2) Die Geschichte des Reiches Juda, 3) Die Geschichte des Reiches Israel, 4) Die Zerstörung des Tempels, 5) Das Buch Daniel,^) 6) Das Buch Esther, 7) Esra und Nehemia. Daß auch die nachbiblische Geschichte in ihren Hauptzügen Pensum der Oberstufe sein muß, ist selbstverständlich; doch gehört die Stoffvertheilung und unterrichtliche Behandlung derselben nicht in den Rahmen dieser Arbeit, sondern soll einer besonderen Besprechung Vorbehalten bleiben. Die obige Stoffvertheilung hat folgende methodische Grundsätze berücksichtigt: 1) In der Unterstufe — Unterklasse — sind alle diejenigen biblischen Geschichten ausgeschieden, deren sittliche Tendenz dem jugendlichen Alter der Schüler nicht entspricht, also: Der Brudermord, Ham's Verspottung seines *) Aber was soll denn vom „Paradiese" erzählt werden, wenn der Sündenfall ausgeschlossen bleibt? (Red.) **) Das muß doch wohl auch schon in der Unterstufe erzählt werden. (Red.) 8) „Die Rotte Korah's", „Balak und Bileam" „Mose's Sünde" dürfen doch nicht fehlen. (Red.) f) Wo bleibt die Erzählung des Buches Jona und Hiob. (Red.) 42 — Vaters, die Sittenlosigkeit der Sodomiter, Jsaak's Heirath,*) Joseph als Sklave, die Reisen der Brüder Josephs nach Aegypten u. a. m. 2) Es sind auch alle diejenigen biblischen Geschichten ausgeschieden, deren Verständniß schon eine höhere geistige Entwicklungsstufe fordert,, also: Jakobs Segen an seine Söhne, Moses unter seinen Brüdern, Moses und Ahron vor Pharao, Moses als Gesetzgeber, Balak und Bileam, Moses Segen. 3) Es sind aus der Unterstufe nur die Geschichten der fünf Bücher Mose's zu lehren, weil sie die wichtigsten und grundlegenden für die heilige Geschichte sind und die beschränkte Unterrichtszeit eine weitere Ausdehnung des Stoffes nicht gestattet. 4) Dieselben methodischen Grundsätze für die Auswahl und Stoffvertheilung gelten auch für die Mittel- und Oberstufe, fv daß in einem fünfjährigen Zeiträume den Schülern die vollständige Kenntniß der heiligen Schrift vermittelt werden kann. (Schluß folgt.) Zur Abwehr. „Daß die heutigen Rabbiner sich mit einer Predigt am Gottesdienste betheiligen, ist eine neuere (!) Einrichtung, von der unsere Alten nichts wußten und nichts wissen wollten und deßhalb (!) ist es der Predigt bis jetzt (!) noch nicht gelungen, ein integrirender Theil des Gotttsdienstes zu werden." So findet man's buchstäblich zu lesen in einer j üd. Ztg., einem Organ für jüd. C n l t u sbeamten. Wir wollen keine Reflexionen anstellen über die zusammengewachsenen siamesischen Zwillingsschwestern Ignoranz und Arroganz, sondern uns mit der Sache selbst beschäftigen. — Es ist ein halbes Jahrhundert verflossen, seitdem Zunz sein epochemachendes Werk; „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden, h i st orisch entwickelt" herausgegeben hat. Dieses mit einem Riesenfleiß zusammengetragene Material — man bedenke die spärlichen Quellen der damaligen Zeit — bildet einen Grundstock zu den jüdisch-wissenschaftlichen Forschungen, deren Ergebnisse jetzt große Bibliotheken anfüllen. In dem genannten Werke weist Zunz nach, daß gottesdienstliche Vorträge sehr alten Datums sind. Gleich im Eingänge seines Werkes erklärt er den für rfcsn n’a volkstümlicher gewordenen Begriff nDJ2n rpn. (Seite 2 ibid.) „Außer dem Gebet, welches nur Ausdruck der andächtigen Empfindung ist, mußte also wohl irgend eine erhebende Selbstthätigkeit, durch welche die Versammelten sich ihrer bewußt wurden, die Bestimmung der Synagoge sein u. s. w., so daß Gebet und Belehrung vereinigt als Zweck und Inhalt des Gottesdienstes der Synagogen erscheinen dürfte." So finden wir schon frühzeitig in den Synagogen das Bestreben unserer Alten vorherrschend, durch das Mittel der jeweiligen Umgangs-Schriftsprache die Hörer in das Verständniß religiöser Ideen einzuführen. „Schon seit dem 15. Jahrh. war das Vortragswesen zu einer förmlichen, alle theologischen Gebiete und die darauf bezüglichen Schriften der jüd. Vorwelt umfassenden Homiletik ausgebildet, in welcher Midrasch und Hagada nur die Texte, die Anlehnungspunkte der neu entwickelten Ideen waren." (Zunz a. a O.) Wir wissen jedoch schon aus der Zeit Karls des Großen nnd Ludwigs des Frommen, daß selbst Christen die Synagoge besuchten und ausdrücklich erklärten, mehr Geschmack an den jüdischen Predigten als an denen der christlichen Geistlichen zu finden. (Siehe Güdemann's Erziehungswesen S. 108 und ff.) Es bedarf wohl keines Beweises mehr, daß die Juden keine andere Sprache führten als die ihrer christlichen Landsleute. Man betrachte jedoch die Cultur zur Zeit Karls des Großen im Lichte jener Zeit. Güdemann (a. a. O. S. 112) hebt als charakteristisch für den damaligen Zeitabschnitt hervor, daß Carl der Große erst im hohen Alter schreiben *) Die Geschichte von Rebecka und Elieser könnte wohl in der Unterstufe erzählt werden. (Red.)

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