Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand LBI
- Issue
- 4 (4.1882)
- Date
- 1882-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/5959619-9582846-9582210--075-9582213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oran 1× ep/1048048
- Voltaire 1× ep/1025731
OCR text
rigkeiten entfielen. Wir möchten das Schiller'sche Wort in kleiner Variation als Wunsch aussprechen; „Es wachsen die Räume, .es dehnt sich das Haus!" — Die Präparanden und ein Theil der Seminaristen haben Kost und Logis in Familien; die übrigen Seminaristen haben Privatwohnungen. Dank der segensreichen^ThMgkei^rLZ^UMrstützungsvereins hört der „Reihetisch", jene Einrichtung die, etwas stark ausgedrückt, manchen pessimistischen Gedanken im Kopse des Erziehungsjüngers hervorrief, nach und nach auf, seine traurige Rolle zu spielen. Wie wir hören, soll in der nächsten Zeit ein Internat eingerichtet werden, wir können dem nur mit F«uden entgegensehen und wünschen, daß die Sache sich realisire. Berlin. Im medizinisch-pädagogischen Vereine hielt Pros. Dr. Euler, bekanntlich eine hervorragende Größe aus dem Gebiete der Turnkunst, in der Sitzung vom 26. November einen Vortrag über das Schwimmen. In welchem Verhältniß Baden und Schwimmen zur Schule stehen, sei mit Bezug auf die bevorstehende hygienische Ausstellung von besonderer Wichtigkeit, denn vom gesundhe.tlichen Standpunkte könne das Baden und Schwimmen im Sommer und Winter für das männliche und weibliche Geschlecht nicht dringend genug empfohlen werden. Das Schwimmen gehört zu den ältesten körperlichen Uebungen: aus Jesaia 2 5, Vers 11 ist zu erkennen, daß die Israeliten in unserer jetzigen Weise geschwommen haben. (Der betr. Vers lautet: „Und er breitet seine Hände darin aus, wie sie der Schwimmer ausbreitet, um zu schwimmen ") Paris. Das Elementarschulgesetz ist genehmigt. Durch dasselbe wird der Religionsunterricht aus der Schule entfernt und den Familien anheimgestellt, ihn privatim ertheilen zu lassen. Arch. isr. erhofft, daß in jüd. Kreisen der Jndifferentismus dadurch gemindert werde Wir fürchten zwar keine Einbuße für das Judenthum, allein gefördert wird er durch chie^reiheit des bösen Willens des Nichtwollens, des unverständwsen'ÄLüllens und wie sie weiter heiß t die lange Liste der Freiheit des Materialismus, wahrlich auch nicht werden. Die halb Abgestorbenen werden schneller absterben — das ist die naturgemäße Folge. Wichtiger ist's, wie's mit dem Sabbathe und den Festtagen in den religiösen Schulen werden wird? Es ist mindestens überrasche,ch, daß — da außer dem Sonntage noch ein ganzer Tag schulfrei bleibt, Niemand daran gedacht hat, als solchen den Sabbath zu bezeichnen. Es stellt sich eben immer deutlicher heraus, wie wahnsinnig es ist, oaß die religiös Gesinnten welcher Richtung immer nicht zusarnlneustcheu. Jede Bekämpfung einer Religion als Kirche arbeitet für den Atheismus. — Das möge sich Jeder, auch Ihr Stöcker merken, daß er nicht allein gegen das Judenthum sondern zugleich gegen das Christenthum agitirt Den besten Beweis dafür lieferten Zeitungsergüsse wie z B. folgender aus dem „Courier d'Oran": „Die republikanische Devise, die ihr als Tochter der heil. Schrift ausgebet, hat Descartes und Voltaire zu Vätern, nicht den Juden Moses oder den Juden Christus. Der modernen Zeit gebührt diese Ehre. Ihre Wiege war Frankreich oder der Boden Hollands, der berühmt ist durch den großen Denker, nicht derlegen den hafte biblische Sinai! Sie entstand am hellen geschichtlichen Tage, nicht immitten der Symbolik der Schrift. Legende und Verachtung des gesunden Menschenverstandes sind die Attribute der heil. Schrift!" Paris. Das Schulcomit6 der Pariser Gemeinde hat den au den städtischen Schulen angestellten isr. Lehrern die bisher gegebene Beihilfe von 500 Frcs. entzogen, weil die Mittel dazu kehlen. Diese Beihilfe war eine Entschädigung für den hebr. Unterricht. Darob natürlich großer Aerger und Angriffe gegen die 3 Consistorialschulen, welche 30000 Frcs. kosten. Dabei erfahren wir, daß ein Lehrergehalt 1800 Frc. und 400 Frc. Wohnungsentschädigung, in Summa 2200 Frc. (1760 MI beträgt, was freilich für Paris sehr wenig ist, da das Psd. Brod 16 Pf. und das Pfd. Fleisch 72 Pf. kostet. London. Herr Claude Montefiore (2. Sohn des Herrn Nataniel, des Neffen von Sir Moses) will Rabbiner werden. Er hat seine allgemeinen Studien in Oxford beendet und gehört der Synagoge in der Berkeley-Street an. New-Aork. Es dürste Sie interessiren, einen kleinen Bericht über die Entwickelung der jüdischen Waisenanstalt in Cincinnati zu empfangen. Das Institut besteht seit 10 Jahren und hatte während dieser Zeit eine Ausgabe von 116,738 Dollars zur Erhaltung des Asyls; es war im Stande, sich für 43,500 Doll. Grundbesitz anzukausen und 72,655 Doll, für die Errichtung des Gebäudes zu verwenden. 123 Kinder sind im Ganzen bis jetzt in der Anstalt erzogen worden. Gegenwärtig befinden sich 75 Kinder und zwar 36 Knaben und 39 Mädchen, von denen 15 ganz und 60 halbverwaist sind, darin. Die Gesellschaft, die sich die Erhaltung und Gründung dieser Anstalt zur Aufgabe gemacht hat, besteht gegenwärtig aus 1546 Mitgliedern. — (Amerikanischer Pfiff.) Ein Ainerikaner Namens Moses hatte die Leitung eines Cirkus in Pete rsbur g übernommen. Seine Papiere werden der Polizei vorgelegt. „Was? Moses? Ein Jude? Muß binnen 24 Stunden die Stadt verlassen. ' Vergeblich ist alle Verwendung des Amerikan. Cansuls — der Gesandte war verreist — es ist so Gesetz — abreisen. Doch halt! der'Amerikaner erklärt, daß er nur die mosaischen Gesetze beobachte, also kein Talmudjnde sei. Und so erhält der Karäer Moses die Aufenthaltsbewilligung. Rccensioncn. Aer jüdische Lehrer, sein Wirken und Leben. Kulturbilder aus der Gemeinde, von Lion Wolfs, Prediger Rostock i. M. Carl Meyer's Verlag. 1882. 174 Seiten. Der Verf. sagt selbst in einem Vorworte: „Das Buch ist eine getreue Photographie, der Beamten und vieler Gemeindeglieder" und weiterhin: „Ich wünsche nur bei meinen Lesern, die nicht dem Beamtenstande angehören, eine vorurteilslose Beurtheilung." Herr Wolff wird es mir gestatten, wenn auch ich unumwunden meine Ansicht über sein neuestes Werk äußere. Man merkt es dem Buche an, daß es aus der Praxis uud einer reichen Erfahrung hervorgegangen. Es sind im großen Ganzen lebensvolle, naturgetreue Darstellungen aus dem jüdischen Gemeindeleben. Jüngere Collegen werden das Buch gewiß nicht ohne Nutzen aus der Hand legen. Ich weise z. B. auf das Cap. „In der Synagoge" (Seite 14) hin. Weniger sagen uns die vollklingendenin Sentenzenform gekleideten Sätze zu, wie S. 20: „Dieser Klotz (des Fleischers) ist einer von den vielen Seciertischen in der Gemeinde, worauf die Thätigkeit und der Charakter des Beamten m Atome zerlegt wird," oder S. 24: „Siegellack ist überhaupt der Inbegriff aller Religiosität bei vielen indifferenten Juden der Neuzeit." (?) Gar nicht einverstanden können wtr uns erklären mit dem Cap. „Der Prediger." S. 31. Der „exanlinirte" Lehrer begnüge sich mit dem einfachen Titel „Lehrer" und wolle nicht mehr scheinen als er ist. Das Predigen an sich berechtigt noch nicht zu der Führung des Titels „Herr Prediger". Man lege den Schwerpunkt seiner Thätigkeit in das Lehramt und sehe das Predigen und Schächten als Nebenämter an, deren unfreiwillige Bürde der Lehrer mit Würde zu tragen sich befleißigen muß. Diese Spezies der „Herrn Prediger" — ohne jede geistige Qualifikation — ist uns in der tiefsten Seele verhaßt und ist im Stande, die vielfach nur in geringem Waße vorhandene Achtung für den jüd. „Lehrer" völlig zu untergraben. Wohlgemerkt, wir meinen nur den blasirten Herrn Prediger, an den Herr Wolff nicht gedacht zu haben scheint. Seite 39. „Der Seminarist wird geprüft und wird Lehrer, damit ist sein Studium abgeschlossen." (!) Das wäre äußerst traurig. Die besondere Vorliebe des Herrn Verf. für die aus Rußland und Polen stammenden Beamten kön-