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Israelitische Schulzeitung · 1882-04-01 · 4 (4.1882) · p. Seite 14

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Journal
Israelitische Schulzeitung
Volume
1 (1882). Bestand LBI
Issue
4 (4.1882)
Date
1882-04-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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dieser Weise je nach der Altersstufe und der geistigen Entwickelung der subjective und objective Causalnexus oon den Geschicken der Menschen und Völker, besonders Israels der Unterricht, Ursache, Veranlassung und Beweggrund aufweist, so wird er ein gründlicher werden, und in der Seele des Schülers auch sittlich und religiös läuternd, charakterbeftimnwnd wirken. Das scientifische Ziel des Religionsunterrichts wird demnach: ein sicheres, genaues, umfassendes, gründliches Wissen religiöser Vorstellungen, Begriffe und Ideen aus dem Gebiete der jüdisch-religiösen Literatur und des judisck-religiösen Lebens sein, das geeiget ist, ein wahrhaft religiöses Empfinden und Handeln zur Charakiereigenschast des Schülers zu machen. Unsere Lehrer. „Unsere Lehrer", so werden meistentheils noch immer in der Gemeinde die Cultusbeamten bezeichnet; wir halten fest daran, denn es liegt so im Princip des Judeuthums. Moses wird so bezeichnet (Rabenu), und auch die Rabbiner werden so benannt (Morenu). Ja die Rabbiner sind Lehrer, aber die Lehrer nicht Rabbiner. Aus Mangel an Kenntniß von den Anforderungen an einen Rabbiner, aus Sparsamkeitsrücksichten, aus 'Mangel an geeigneten Persönlichkeiten, begnügen sich die Gemeinden mit Lehrern, und maßen sich die Lehrer an, welche oft nicht einmal vollkommen Elementar-, am wenigsten Religionslehrer sind, die doch ein höheres Maaß von Fähigkeit und Würdigkeit erfordern, als Prediger und Rabbiner zu fungiren, Trauungen und Ehescheidungen zu vollziehen, religiöse Entscheidungen zu fällen u. s. w.; daneben sind sie auch oft Schächter und Religionsdiener und würdigen so durch Person, Amts- und Lebensführung sich, Amt und Judenthum herab. Es ist da nicht immer principielle Gegensätzlichkeit und Verschiedenheit der religiösen Auffassung, wenn wir bei den Christen auf die Weigerung stoßen, den jüdischen Cultusbeamten Benennung und Charakter eines Geistlichen zugeben, man perhorrescirt die Person dabei. Rabbiner und Vorsteher sollten diesem Unfuge um ihrer eigenen Würde willen und der Ehre des Judenthums wegen steuern. Jetzt entbehren oft ganze Provinzen eines Rabbiners, es dürfte aber noch nicht eine Stadt oder ein Dorf ohne einen solchen sein; dem Stadtrabbinat könnten die nächsten Dörfer affilirt werden, die Rabbinatsbezirke müßten möglichst klein sein. Wir würden noch eher dafür stimmen, und dafür liegen Beispiele vor, daß der Rabbiner den liturgischen Gottesdienst persönlich leite, als umgekehrt, daß der Lehrer den Rabbiner vertrete; lieber möchten wir auf den kunstgerechten Gesang des Cantors verzichten, als auf die Wirksamkeit eines Rabbiners, denn wir schätzen den Gesang des Cantors sehr hoch, aber die Wirksamkeit des Rabbiners noch höher. Es ist Vieles in den Zuständen des heutigen Judenthums zerfahren, aber in den geschilderten Mißverhältnissen liegt die größte Zerfahrenheit, denn dieselbe wird durch sich selbst immer größer, und eine Erhebung daraus erscheint unmöglich. In jüngster Zeit ist viel von einer jüdischen Centralbehörde die Rede gewesen, der Mangel einer solchen hat Vieles hierin verschuldet. Wenn der deutsch-isr.-Gemeindebund noch immer sorgfältig vermeiden muß, religiöse Angelegenheiten zu berühren, so begreifen wir die Schwierigkeiten, welche der Bildung einer solchen Behörde entgegenstehen. Sie liegen hauptsächlich in der Centrifugalkraft der jüdischen Bestrebungen, jede Gemeinde will autonom sein, jeder Einzelne will es sein, jeder einen besonderen Schulchan Aruch haben und keine andere Autorität anerkennen, als sich selbst. Aber wir solleu und wollen ein einig Volk von Brüdern sein, und so sind wir aus dem Wege, es immer weniger zu werden. Jndeß berührt der von uns besprochene Gegenstand keine innere religiöse Fragen. Obwohl ein Gegenstand von tief religiöser Bedeutung, berührt er mehr die Außenseite unserer religiösen Zustände, und über den gerügten Mißstand sind alle Parteien so sehr einig, daß vielleicht doch der Gerueindebund sich auch der Ordnung dieser Frage annehmen könnte. R. A. Schmr Lernen. Die Vorschrift und Sitte des sogenannten Schiur-Lernens ist eine sehr heilsame und wohlthätige; sie erhält die Verbindung mit der religiösen Erkenntniß und Forschung bei uns selbst und fördert solche bei anderen, und von der religiösen Erkenntniß hängt ja auch das sittliche Denken und Thun ab. Auch daß bei religiösen Versammlungen diese Sitte geübt wird, daß durch sronlme Stiftungen dieselbe gefördert und erhallen wird, ist anerkennungs- und lobenswerth. Rur die Form, in welcher dieser Sitte und Vorschrift gewöhnlich genügt wird, entspricht weder der alten Weise noch den Anforderungen der Zweckmäßigkeit. Oft versteht der Vortragende nicht einmal selbst den rabbinischen Inhalt seines Vortrages, oft versteht er ihn nicht zu erläutern, aber die Wahl des Vortrages ist auch nicht immer die passende; es fehlt an geeigneten Büchern dafür. Ich rede namentlich vor unseren Lehrern; sie sind mit den: rabbinischen Schriftthum nicht immer vertraut, oft liegt auch der Inhalt dieses Schristthmus ohne Vermittelung von kundiger Seite unserer Zeit und unserem Publikum fern. Und doch glaubt man nur Rabbinisches für solche Vortrüge wählen zu müssen, während ich die Vermittelung des Inhalts der biblischen Bücher in geschichtlicher und ethischer Hinsicht für vortheilhafter und empfehlenswerther halte. Zwar stehen auch hierfür die nöthigen Vorkenntnisse nicht Jedem zu Gebote, aber, es ist doch hierfür eine reichere Auswahl von Hilfsmitteln vorhanden. Die neuen, für rabbinische Vorträge verfaßten Bücher, bietem oft noch mehr Schwierigkeiten als die alten, weil sie moderrO Ideen in hebräischem Gewände vortragen und so das Verständniß des verborgenen Inhalts erschweren, von anderen Ausstellungen abgesehen. Eine chrestomatische Zusammenstellung passender Leseftücke, Auszüge aus der Talmud- und Midrasch-Literatur würden am geeignetsten sein. Bis derartiges vorliegt und da, wo eine ausreichende Kenntniß des Rabbinischen mangelt, halte ich Vorträge aus Thora und Propheten für geeigneter. Ohnedies sollte die Erhaltung und Verbreitung der Kenntniß der biblischen Bücher vor Allem uns am Herzen liegen. Um aber auch die Gestaltung des heutigen Judenthums verstehen zu lernen, wäre die Vermittelung mit der geschichtlichen und religiösen Entwickelung des Judenthums anzurathen. Nicht blos die Kenntniß der Agada, auch die der Halachah sollten dabei gepflegt werden; eine altseitige Geschichte des nachbiblischen Judenthums sollte vorgetragen werden. Zu leugnen ist auch nicht, daß die Lehrer oft dem usuellenen Herkommen in den Gemeinden, wie der Macht der Vorstände gegenüber ohnmächtig sind, die Rabbiner sollten ihren Einfluß zur bessern Gestaltung der angeregten Mißstände geltend machen. R. A. Schilliilrchrichlen. Hannover. 21. April. (Or.-Corr.) Am Sonntag den 16. April wurde das Schuljahr in der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer eröffnet. Die Zahl der Schüler in der Präparande beträgt 14, im Seminar (3 Curse) 27. In Verbindung mit dem Seminar steht die nunmehr zweiklassige Seminarübungsschule. Von der zunehmenden Frequenz zeugt die Schülerzahl: augenblicklich gegen 60 Knaben. In der Uebungsschute unterrichten die Seminaristen des ersten Cursus unter Beaufsichtigung eines Lehrers. Sämmtliche Schulklassen befinden sich in einem zweistöckigen, gewöhnlichen Wohnhause, sodaß dadurch, wie sich denken läßt, manche Schwie-

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