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Israelitische Schulzeitung · 1882-02-01 · 2 (2.1882) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Schulzeitung
Volume
1 (1882). Bestand LBI
Issue
2 (2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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trennt sind, nur der als Cantor bestellte Beamte oder sein Stellvertreter vor das Betpult treten, außerdem an hohen Festtagen, wo dazu bestimmte Männer zum Succurs autorisirt sind. Das trägt aber nicht wenig dazu bei, das Amt des Vorbeters in den Augen der Gemeinde-Mitglieder als ein wichtiges erscheinen zu lassen. Richtig ist ferner, daß man das Attribut „Lehrer" als den Inbegriff aller in der Gemeinde auszuübenden Cultus- Aemter ansieht; der „Lehrer" ist Lehrer (im mgern Sinne), Cantor, Prediger, in vielen Gemeinden auch noch Schächter und Küster rc. Daß nun in manchen Gemeinden (meist Mittel-, mehr aber Ostdeutschlands) das Collectiv „Chasan" oder „Cantor" an die Stelle von „Lehrer" tritt, liegt nur in dem Umstande, daß der Beamte entweder nicht für den Lehrerberus vorgebildet ist oder daß die Hauptthätigkeit des fraglichen Beamten in der Ausübung der Vorbeterfunktion besteht, weil er als Lehrer nur die unteren Klassen, während der Rabbiner als Religionslehrer die oberen Klassen unterrichtet. Welche Vorbildung aber Herr G. für die Vorbeter ohne Unterschied verlangt, dürfte sich von Punkt 6 —I selbst für seminaristisch gebildete Lehrer doch nur schwer realisiren lassen. Nehmen wir an, ein solches Institut wäre am Orte des Seminars und mit diesem verbunden; die jungen Männer, die ihr Lehrerexamen erstanden, fänden für weitere zwei Jahre Subsistenzmittel, die ihnen ein ferneres Verbleiben in der Anstalt ermöglichen; nehmen wir auch an, alle Forderungen, die Herr G. unter a—I anfstellt, wären erreicht: würden sich dann die jungen Männer, die doch dadurch eine künstlerische Ausbildung erlangt haben, denn dazu verstehen, für die wenigen hundert Thaler in kleinen Gemeinden als Lehrer zu sungiren und das Amt des Chasen als selbstverständlich dazu gehörig zu übernehmen? Würde der stimmbegabte, tüchtige Sänger sein Organ in der Schule oder durch „Leienen"*) vor der Zeit aufreiben wollen? Oder würde der tüchtige Musiker, der irgend ein Instrument meisterhaft beherrscht, nicht daraus auch den größtmöglichen materiellen Nutzen ziehen wollen? Würde überhaupt ein musikalisch tüchtiger Mann in so enger, gedrückter und sorgenvoller Stellung sich glücklich fühlen und die Berufssreudigkeit sich bewahren? Der Seminarist, welcher Metall in seiner Stimme fühlt, wird auf Kosten seiner Ausbildung als Lehrer sein ganzes Augenmerk darauf richten, aus seinem Metall in der Kehle auch Metall für die Tasche zu schlagen, „Lohn, der reichlich lohnet" — und wer wollte ihm das verübeln?! Er wird auf Irgend eine Weise es zu ermöglichen suchen, sich als vollkommen zn Cantor heranbilden zu lassen, und es wird ihm gelingen, wie es so vielen gelungen ist. Daß aber andererseits viele musikalische Talente unentwickelt bleiben und dadurch nicht zur Geltung kommen, liegt eben in verschiedenen Umständen, die hier nicht erörtert werden sollen, widerspricht aber nicht dem Gesagten. So wie viele Seminaristen nach Absolvirung ihres Lehrerexamens, wenn Kopf- und Glücksumstände sie begünstigen, sich dem höheren Lehrfache und dem Rabbineramte zuwandten, so wenden musikalische und stimmbegabte Genies ausschließlich entweder der Ausbildung für das Cantorat oder als Musiklehrer sich zu und finden ihr reichliches Brot, während geborene Pechvögel, wenn noch so tüchtig, ihr Lebelang den Kampf ums Dasein kämpfen. Dieser aber und die überwiegende Mehrzahl der kleineren Gemeinden werden es wohl noch lange bei der Gepflogenheit belassen, daß hier der „Lehrer" und dort der „Cantor" noch Schochet, die erwünschte Trennung aber der Schächtersunktion von diesen Aemtern ein pium desiderium bleibt. Nur einzelne Provinzen und kleinere Länder bilden eine Ausnahme von dieser Regel. *) Das „Leienen mit Trop" halten manche Cantoren für einen Ruin der (besonders Tenor-) Stimme. Darum auch haben sich in letzterer Zeit die Eäntoren an großen Synagogen — trotzdem sie die ganze Woche das Organ schonen können — davon frei gemacht. Wir wollen Herrn G. gern zugeben, daß im Allgemeinen von den Lehrern der jüngeren Generation zu wenig als Cantoren geleistet wird, daß das alte traditionelle num immer mehr und mehr entschwindet und daß Abhülfe wttnschenswerth. Diese aber kann auch ohne neue künstlerische Institute dadurch beschafft werden — und muß es — daß an den Seminarien von kundigen Führern die Sache während des Ausbildungscoursus für den Lehrerberuf mit mehr Sorgfalt und Interesse gepflegt werde. Die Praxis ist aber auch hier die Hauptsache, und diese kann erzielt werden bei den Seminarien an kleinern Orten durch abwechselnde Leitung des Gottesdienstes von dem betreffenden Lehrer und den Zöglingen, an größeren Orten durch Einführung eines Gottesdienstes im Seminar; wie gesagt aber von kundigen Führern, von denen natürlich verlangt werden muß, daß sie in Theorie und Praxis für dieses Fach geschickt seien. Hierdurch wird erreicht werden, daß die Mittlern und kleinern Gemeinden immer qualificirte Cantoren erhalten, ohne daß diese Künstler zu sein brauchen. Wer aber vorzüglich begabt ist, wird auch, wie bisher, Mittel und Wege finden, sein Talent zu seinem eigenen Besten zur möglichsten Vervollkommnung zu entwickeln. Nienburg a. d. W. I. Eckmann. Schulnachrichten. Breslau. Eine vom Magistrat der Stadtverordneten- Versammlung überreichte tabellarische Uebersicht der Schüler- Frequenz in sämmtlichen höheren Lehranstalten bei Beginn des Winter-Demesters 1881/82 ergiebt folgende summarische Zahlen. Es besuchten: Bezeichnung d. Anstalt. Schüler. ev. y IVV VV4 kath. jüd. 'diss. Elisabeth-Gymnasium . . . 701 316 39 335 1 Magd.-Gymnasium.... 782 493 39 250 — Johannes-Gymnasium. . . 685 495 76 114 — Realschule am Zwinger . . 480 337 51 91 1 Realschule zum heiligen Geist 481 369 72 39 —> Ev. höhere Bürgerschule Nr. 1 688 551 14 123 —■ Ev. höhere Bürgerschule Nr. 2 636 515 89 31 1 Kath. höhere Bürgerschule . Höhere Mädchenschule an der 522 72 272 176 2 Taschenstraße. Höhere Mädchenschule am Rit¬ 608 285 34 287 terplatz . 436 252 70 114 — Mädchen-Mittelschule . . . 439 325 68 46 — Mannheim, 3. Febr. Der „Bad. Beob." scheint mit der Aufführung seines statistischen Materials in Bezug auf die israelitischenLehrkräste in Baden kein Glück zu haben. Er erklärt in seiner gestrigen Nummer seine unter dem 22. v. M. in dem tll. Artikel über die Simultanschule ausgesprochene Behauptung bezüglich des baldigen Vorwiegens der Juden unter den jüngeren Lehrern der Berichtigung in in Nr. 43 der „Karlsruher Zeit." gegenüber für „unwiderlegbar und unbeanstandet." Die „K. Z." hatte nachgewiesen, daß in den 10 Jahren 1872—1881 auf je 152 Lehrer ein Israelit komme. Mit Bezug hieraus sagt der „Beobachter": „Aber im Grunde genommen war dies gar keine Berichtigung, denn wir hatten nicht behauptet, daß jetzt schon so unverhältnißmäßig viele jüdische Lehrer angestellt seien, sondern: „so kommt's noch", haben wir gesagt. Es war diese Voraussage gegründet auf zuverlässige Mittheilungen über die bedeutende Vermehrung der jüdischen Kandidaten im Simultanseminar zu Karlsruhe. Darüber hat aber weder die „K. Z.", noch sonst irgend ein Blatt eine Berichtigung gebracht u. s. w." Diese Auslassung veranlaßt nun die „Kärlsr. Ztg." zu folgender Erklärung: „Das erwähnte Simultansemirrar in Karlsruhe (offiziell Seminar II. genannt) hat allerdings gegenwärtig eine seither nicht vorhanden gewesene Eigenthttmlichkeit

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