Israelitische Schulzeitung
- Journal
- Israelitische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1882). Bestand LBI
- Issue
- 2 (2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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8 bezüglich der Zahl der jüdischen Zöglinge. Sie besteht aber nicht darin, daß diese Zahl sich vergrößert hätte, sondern vielmehr darin, daß im laufenden Schuljahre nicht ein einziger Zögling mosaischer Religion darin unterrichtet wird. Königsberg. Am 30. Dec. verstarb hochbetagt der rühmlichst bekannte Obercantor und Musikdirector Weintraub (genannt Kaftan). (Wir vermögen unsere Verwunderung nicht zu unterdrücken, daß sich in Königsberg keine Feder fand, die dem verdienten Manne einige Worte des Nachrufs in unserem Blatte widmete. Red.) London. Erfreuliches kann ich Ihnen von dem Zustande der hieß jüd. Schulen berichten. Die Freischulen nahmen zu 1564 Knaben und 983 Mädchen. Das Schülerverzeichniß und die Leistungen sind anerkannt überraschend gute. — Als ein recht empfehlenswerthes Zeichen reger Theilnahme an dem jüd. Religionsunterricht heben wir hervor, daß bei den Prüfungen der jüd. Schulen die Gemeindevorstände durch ihre Leitung und ihre Worte zeigten, wie sehr ihnen die religiöse Bildung der Jugend am Herzen liegt. Liverpol. Am 1 Januar verstarb in London bei seiner Tochter der hier hochverehrte Reverend Pros. Prag (stammte aus Danzig) der 27 Jahre an der hiesigen Universität Lehrer des Hebräischen gewesen ist und der jüd. Gemeinde als Lehrer und Prediger erhebliche Dienste geleistet hat. Die Todtenfeier zeigte die allseitige Werthschätzung. Er hatte das Alter von 67 Jahren erreicht. NewHork. Man wird es nur erklärlich finden, wenn die russischen Emigranten den Tag ihrer glücklichen Ankunft in New-Orleans den 16. December zum Festtag angesetzt und diesmal feierlich begangen haben. — Die Berichte über die Tätigkeiten der zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten zeigen, wie reich doch nicht nur die jüdische Kasse, sondern auch das jüdische Herz ist. Ganz besonders Sache ist die Mildthätigkeit im Interesse der Unterrichts- und pflegebedürftigen Jugend. Die Schulen der Lading Bikur Cholim Society mit 115 Kindern, die Jndustrialschools mit 175 Kindern, die 5 Freischulen mit 1184 Schülern, 30 Lehrern, sowie die Mr. Sinai Training School mit 10 Schülerinnen sprechen iu beredter Weise mit ihren Zahlen für die zweckmäßige Thätigkeit der edlen Leiter, Spender und Anreger. Aphorismen über Frauen und Kinder. Von vr. Ad. Jellinek. I. Die Frömmigkeit der Frauen förderte nach dem Ausspruche der alten israelitischen Weisen — das Werk der Erlösung aus Aegyptens Knechtschaft; auch unserer an Parteileidenschaften und Widersprüchen kranken Zeit kann nur, weibliche Frömmigkeit Heilung und Genesung bringen. II. Die Spitzfindigkeiten der Schulweisheit sind auf allen Gebieten todt, und was sich noch von ihnen regt, ist gespensterhaft; Herz und Gemüth aber bleiben ewig frisch, jung und lebenspendend. Darum ist die religiöse Innerlichkeit des Weibes die Religion unserer Zeit. III. Die edelsten Mütter gehen nicht aus den Schulen, sondern aus den Kinderstuben hervor. IV. Es giebt Frauen, die im vorgerückten Alter die Wohlthätigkeit als Schminke gebrauchen. V. Die Perle des Judenthums — die Sabbathweihe — ist in unserer Zeit dem Weibe zur Obhut übergeben. VI. Die Barmherzigkeit, welche die Tochter Pharao's gegen Moses bethätigte, hat mehr eingewirkt auf die Geschichte der Menschheit, als die Krone aller ägyptischen Königsdynastien. VH. „Bete und arbeite!" Lehre du, israelitische Mutter, deine Kinder beten, während dein Mann für sie arbeitet. VIII. Die Blüthen an dem heiligen Leuchter — sagen die israelitischen Weisen — waren ein Bild kleiner Kinder, die blühend im warmen Sonnenschein der Vorsehung die Familienwohnungen erheitern und erfreuen. IX. O, wir würden kaum eine schwache Vorstellung haben können von der reinen Menschennatur, wie sie aus der Schöpferhand Gottes hervorgegangen ist, hätte seine Weisheit es nicht so veranstaltet, daß um die Erwachsenen sich die Kinder bewegen als untrügliche Zeugen unseres ursprünglichen Wesens, als kleine Sonnen ohne Nebelflecken, die in erster Reinheit und Klarheit leuchten und glänzen. X. Der Grundsatz, dem so Viele in unserer Zeit huldigen: „Ich für mich lebe in ungebundener Freiheit, meine Kinder aber müssen, so lange sie klein und jung sind, die Formen der Religion beobachten" — ist eine der traurigsten und verderblichsten Erfindungen unserer Tage, welche Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Sittlichkeit, Characterstärke der Heranwachsenden Generation untergräbt und erschütttert. XI. Der Religionsunterricht gleichet dem Gehäuse einer Glocke, die h ä u s l i ch e Uebung aber dem Schlägel derselben: was frommt es nun, daß das Gehäuse noch so fest ist, gegossen aus Worten, die „köstlicher denn Gold sind," wenn der Schlägel fehlt? Die Religion bleibt regungslos, tonlos, klanglos! XII. Jüdische Schriftstellerinnen englischer Zunge, wie Grace Aguilar und Lady Montefiore, sind Schatzgräber, jene deutscher Zunge Todtengräber des Judenthums. XIII. Ein Weib ohne religiöse Innerlichkeit ist eine Rose ohne Duft, eine Betschwester Parfüm, den man nicht lange erträgt. XIV. Alle Kunstgattungen der Poesie walten im Mutterherzen in ungebundener Natürlichkeit: es ist lyrisch, episch, dramatisch, tragisch. 1403] Im Verlage von Hugo Reumann m Erfurt ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Entwurf nnd Begründung eines 3V ormalplans für den Milchen Religionsunterricht in den öffentlichen höheren und niederen Lehr» Anstalten von Dr. JeeheMkel Caro. Preis 60 Pf. NWt' Allen Schulmännern, Schulfreunden u. Gemeindevorständen dringend empfohlen. N O V I t ft t. [2802 rq»3 ns nun ' ' ' Anleitung zum t Mizwa-Unterricht von Rabbiner vr. keimckörfer-Rordhausen. 188 l. Pr. 75 Pf. («auffmann, Frankfurt, l Verlag v. 3. Kauffmann f in Frankfurt a. Main. Durch jede Buchhandlung zu deziehen: Rahmer, hebr. Schreiblescsibel mit lithogr. Vorschriften für d. jüd. Currentschrift G. Auflage qeb. 50 Pf.? Btthmer, Tefilla Kezara, hebr. H Gcbetbüchlein für die isr. Jugend K zum ersten Unterricht im u.bersetzen methodisch eingerichtet und mit Vokabularium und grammatischen Vorbemerkungen versehen. 1. Cqrsus 5. Auflage qeb 60 Pf. 2. „ .. .. .. M 1. Wiederverkäufer erhalten R a - batt;desgleichenLehrer bei Gin» führung in Schulen. [14=15 uoy] Im Verlage von Robert Friese in Leipzig ist soeben erschienen: imtifdjes MMin. Ein Wort zur Verständigung insbes. an seine Glaubensgenossen gerichtet von IH. Friedeberg._ irrtw?» N'VITT3T Unterzeichneter erlaubt sich hiermit den verehelichen Herren Schulvorstehern, Rabbinern nnd Lehrern, welche so freundlich waren, mir die Rücksichtnahme auf mein Werk 2'NID rnii.N „Bliithenstraiiga“ beiPrämienvertheilungen iu Aussicht zu stellen, in Beranlaffung der demnächst bevorstehenden Jahresexamina, dieses Versprechen in geneigte Erinnerung zu rufen. Hochachtungsvoll 2855] «I. 8. Wlttkower, Altona. Verantwortlrcher Redakteur Dr. Rahmer m Magdeburg. Druck von H. Horbach in Barby. Verlag von Robert K riese in Leipzig.