Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 52 (29.12.1874)
- Date
- 1874-12-29
- Page
- Seite 413 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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rer Gotteshelden aus dem tiefen Schachte unserer Bergancheit heraufzuholen und die gehobenen Edelsteine triumphind dem priesterlichen Diademe Israels einzufügen, damit Je Welt in- und außer Israel immer mehr unsere Berufung Jh Zeugschaft vom Einig-Einzigen, zum Träger der höchsten ״s'bee der Menschheit erkenne. Und an der Spitze der Männer solchen glorreichen Strebens und Gotteskampfes stand Abraham Geiger, er, der mit dem Schwerte seines reichen Wissens wie kein Anderer es verstand, Wege durch Felsen zu brechen und die eisernen Riegel vor der Pforte unserer Schatzkammern zu sprengen; er, der mit dem Zauberstabe des Genius in unserem innersten Heiligthum, in der Bibel, neue Welten der Wahrheit erschloß und mit tiefblickendem Seherauge in die verborgensten und entlegensten Theile unserer Geschichte eindrang, um das Judenthum zu verherrlichen und den Nachweis zu liefern, daß und in welcher Weise aus den Splittern des jüdischen Geistes der Reichthum der Religionen aller gebildeten Völker geflossen." Dr. K. Köhler sprach in der Bethalle der Sinaigemeinde zu Chicago zündende und tiefempfundene, entschieden freisinnige Worte im Beisein aller Rabbiner Chicago's, die in der Martinshalle eine Gedächtnißfeier hielten, bei welcher auch Dr. Felsenthal, Dr. Machol und Dr. Messing sprachen. Dr. Köhler sagt, und wir stimmen dem von Herzen bei: Abraham Geiger ist und bleibt für alle Zeiten der eigentlich wissenschaftliche Begründer des Reformjudenthums. In der ״Jewish Times" fordert dieser Herr zur Begründung einer Stiftung auf, die in der Herausgabe und Verbreitung der Werke Geiger's bestehen soll. Wir verstehen das nicht. Leider ist der Ankauf jüdischer wissenschaftlicher Schriften nicht so stark, daß von den Geiger'schen Schriften nicht die meisten noch zu erhalten wären. Dabei ist in solchen Fällen das Zurückgreifen auf ältere Schriften desselben strebenden Geistes immer gefährlich, weil die neueren Werke oft weit über dis Anschauungen und Erfahrungen der alten hinausgehen. Eigentümlich, ja auffallend ist die Form, in welcher die ״Deborah" die Todesbotschaft ihren Lesern ver.'indet. Ein Nekrolog (von Sonnenschein) beginnt: ״Unter Lämmern ist es ein Leichtes, Führer zu sein. Man hängt dem ersten besten Schaf eine laute Schelle um den feisten Nacken und blindlings folgt die ganze Heerde ihrem Leithammel. Unter Löwen gibts keine Führerschaft. Jeder ist allein Herrschaft in seinem Revier". In solcher Weise wird der Vergleich der Thiere fortgeführt, bis er — von den Thieren aus die Führerschaft Geiger's kommt. Merkwürdig scheint uns auch die Parallele zwischen dem — alten Frankfurt und dem neuen Berlin. Dein Deutschen ist es bebrnnt, daß Frankfurt mindestens so freundliche wrd Helle Straßen hat, als Berlin und daß der todte Bundestag der geistigen Strebsamkeit und dem freien Sinne des Frankfurter Bürgers insbesondere aber der Juden Frankfurts nie schadete. — Wir hätten neben den ״Reminiscenzen", in welchen Wise soeben brillirt und als Begründer und erster Förderer der religiösen Reform im amerikanischen Judenthume erscheint, eine würdigere Reminiscenz für Geiger erwartet, obgleich wir wohl für Geiger nur die Wissenschaftliche Begründung der Reform des Judenthums beanspruchen, im Uebrigen aber die Zahl der Reformer, ja der Führer in den verschiedenen Richtungen weit mehr ausdehnen, als dies m einem deutschen (Reform-?) Blatte geschehen ist, dessen Redacteur leider eben keine Gelegenheit vorübergehen lassen kann, ohne sich selbst zu beweihräuchern und Andere — Lebendige und 01&ר stellen. Man niii? kann, doch nur so וו! wagen. Wo gerathen' ben? Da würde ja die' Ingelheim, 23. Dec7 Zeitschrift ist es bekannt, daß gnügen machten, den ״Mainzer Unsere Freunde, insbesondere L. Lü in uns, uns dieser Pönitenz im JntZ zu unterziehen; und da man zu dem hl einmäl den Spaß machen wollte, die säf gegen uns zu lesen, ״was ja nur die Ach^ Person und die Würdigung unseres Strebend sagten wir für ein Quartal zu. Nicht, daß wir* jene Verunglimpfungen erzürnten, oder daß sie unse, muth störten — das wäre lächerlich und unsinnig, wir können uns aber nicht entschließen, unsere kostbä! an solchen widerwärtigen Blödsinn zu wenden. Dennoch^ uns gerade in der jüngsten Zeit kurz hintereinander mehrl Artikel contra Lehmann eingesendet worden, die wir — n>u* bitten unsere geehrten Leser deshalb recht innigst um Entschuldigung — nothgedrungen aufnehmen mußten. Sie betrafen ja entweder nicht den ״Israelit" oder nicht Dr. Lehmann; sie beschäftigen sich mit einer in einem anderen Blatte gebrachten — gelernten Abhandlung und einem Scribenten^ des ״Israelit". Wir versprechen unseren geehrten Lesern, vor" jetzt an Lehmann und seines Blattes wieder lange nicht zus gedenken. Wir werden- -ihn^imnächsten Quartal auch wieder lesen, wir sind satt ״JsräÄkrt^W^öber das. geehrte Blatt gegen uns spricht, lassen wii^WG^H Freunden berichten, die ihn zu lesen leider zuweilerkl sind, oder von unseren Feinden, die uns zuweilen a^ indem sie uns Ausfälle gegen unsere Person zuwenden. ך01ע immer bei! Die Blätter sollen passendste Verwendung finden. Nun hat Herrn Dr. L. schon die erste B. M. gezeichnete Correspondenz ״Vom Rhein" in Harnisch gebracht und er spielt bereits seine Trümpfe aus: Er nennt uns Lehrer! Eigenthümliche Ueberstimmung schöner Seelen! Wenn die Herren Redacteure sothomer jüdischer Blätter ihre Galle gegen uns ausschütten wollen, so antworten sie nicht unseren stets sachlichen Bemerkungen mit sachlichen Entgegnungen; sie beschränken sich darauf: wegwerfend Lehrer! zu sagen. Das zeigt die Bildung dieser Männer und ihr Verständniß für unsere Zeit und ihre Bestrebungen. Damit glauben sie genug gethan zu haben; diese Herren sind ja — akademisch gebildet; wir aber o Jammer! Autoditakt! Nun, wir hoffen, die Lehr er werden sich das notiren und das Volk auch, daß einsieht, wie viel ein zeitgemäßer Lehrer mehr werth ist alsein — solcher Rabbiner! Wir sagen zu dem Redacteur Lehmann, daß er in der Zeitschrift des Thierschutzvereins etwas gedruckt habe, was ihn zum Acher stempelt und er schimpft und sagt, er habe den Artikel im ״Israelit" ab gedruckt, als wenn damit das Chamäleonartige widerlegt wäre. Wenn Dr. Lehmann dabei die Herren Dr. Philippson,1 Dr. Treuenfels und — uns zusammenstellt; nun, wir machen uns durchaus keine besondere Ehre daraus und sind sehr gerne )In dieser Bezrehung zeichnet sich ein sogenannter Lehr Ehrenstamm (unbekannt, wo?) aus, der nur nicht orthographis abschreiben kann: Wir bitten um Fortsetzung der lieben Briefchen Sie entsprechen ganz ihrem Zwecke!-