Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 52 (29.12.1874)
- Date
- 1874-12-29
- Page
- Seite 412 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zweige׳ Wünsche, Vor- F gemacht worden ~,r.. s- ״nb' as." Da haben wir die Fabel •־«* ber Verpflich- Gebäudes. J ^ken und ״.-sieden -Öe Bestreben die fcnien <׳^ץ61י Unt^mheit des Judenthums, der jüdischen Ge- *<;׳ — einer” und zu festigen, anscheinend collidirt. '.nLegitimati Willen ist Alles möglich. Es ist möglich, j,är ׳lder nicht. ׳ freisinnige und zurechnungsfähige Majorität {tJ ftv n in der Ueberzeugung, daß die Einheit die / i des Judenthums war und ist, die allein es er- . und auch in Zukunft erhalten wird; wenn wir, auch über andere sogenannte äußere religiöse Vex- Grggen denken mögen, doch wissen und erkennen, daß die storb/igesetze uns Allen gleich heilig sind und vor Allem geffg sein müssen und daß es keine größere Sünde geben .an als: Chillul Haschem. Wenn wir uns zur heiligen JpHsticht machen,Alles zu vermeiden, was das Judenthum Zer- 0' reißen und seinen Bekennern Schande bereiten kann, so werden wir auch Mittel finden, die Einheit der Religionsgemeinden zu erhalten. Und gerade weil wir es wohl nicht werden vermeiden können, daß die gesetzlichen Schranken des Austritts sich vermindern, möchten wir unsere geehrten Leser und Mitarbeiter bitten, um so mehr uns ihre Mitwirkung zu gönnen, damit wir durch innere Kräftigung die äußeren Ein-, flüsse paralysiren. Eine zweite Zeitfrage betrifft den Religionsunterricht. Wir leugnen uns nicht, daß in dieser Richtung in den letzten Jahrzehnten sehr viel vernachlässigt worden ist. Um so befriedigender ist es, daß jetzt von allen Seiten Bestrebungen erkennbar werden, diesem Krebsschaden erfolgreich zu begegnen. In diesem Augenblicke ist wohl noch nicht voraus- Zu sehen, welchen Weg diese Frage in der nächsten Zukunft nehmen wird. Wir hängen in dieser Beziehung viel von Factoren außerhalb des Judenthums ab, die in diesem Augenblicke nicht zu berechnen sind. Wird es ein preußisches Schulzesetz geben oder wird eine andere mächtige Strömung, den Unterricht in die Hände des Reichs zu verlegen, siegen? Wird die Volksschule schon mit dem Erlaß dieser neuen Gesetze confessionell oder confessionslos? Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß ein preußisches Schulgesetz die Eonfessionalität wieder mehr in den Vordergrund drängen, das deutsche Reich, je mehr es einen freieren, höheren Standpunkt einnimmt und andere, eigenthümliche Factoren Mitwirken, die freie, eonfessionslose Schule begünstigen wird. Aber wie weit wird die Jnterconfessionalität gehen? Sicherlich nicht bis zum Ausschluß des Religionsunterrichts! — Eine andere Frage ist die: Wird die Schule Staats- oder Gemeindeanstatt? Wir wissen z. B-, daß, obwohl in Hessen eben erst ein auf den freiesten Principien basirendes Volksschulgesetz erlassen worden ist, doch die maßgebenden Factoren schon jetzt, selbst die Ansicht ausgesprochen haben, daß in Bälde die Nöthigung vorhanden sein dürfte, die Volksschulen zur Staatsanstalt zu machen. Wie dem aber sei: So lange die öffentliche Volksschule auch für den christlichen Religionsunterricht sorgt, hat der Staat oder die Gemeinde auch die Verpflichtung, für den isr. Religionsunterricht Sorge zu tragen. Dahin ist zu streben; das müssen wir mit allen vereinten Kräften zu erwirken suchen. Damit paralysiren wir die Nachtheile, die uns die Störung der Gemeinde-Einheit und die um sich greifende Verminderung der Mitgliederzahl in den kleineren Gemeinden bringen. Erzielen wir nicht Alles, so können wir doch viel erzielen, wenn wir einmüthig Vorgehen. Dabei müssen wir wieder Mehreres ins Auge fassen: In den Communalschulen müssen, wo es immer angeht, jüdische Lehrer angestellt werden, mit der SJe*״ pflichtung, jüdischen Kindern Religionsunterricht zu ertheilen auf Kosten der Schuleasse; für die Orte, wo dies wegen confessioneller Volksschulen oder Kleinheit der jüd. Gemeinde nicht angeht, müssen Religionslehrer mit den Rechten von öffentlichen Lehrern angestellt werden auf Kosten der Civilgemeinden — .freilich für mehrere Gemeinden oder einen bestimmten Kreis zusammengenommen, — da doch die Gemeinde auch für den Religionsunterricht der christlichen Kinder sorgt. Zu diesem Zwecke müssen wir, und das ist die dritte Zeitsrage, Einigungen schaffen (Versammlungen und Vereine). Die Zersplitterung der jüd. Gemeinden, die durchaus im Gegensatze zu allen übrigen Bestrebungen der Gegenwart steht, führt zur Auflösung, hemmt jeden Schritt, der zur Förderung unserer!Verhältnisse gethan werden könnte. Diese Vereinigungen müssen sich vor Allem mit den internen Fragen beschäftigen. (Warum immer weiter schweifen? Sieh, das Gute sund das Schlimme) liegt so nah.) Sie müssen die kleinen Gemeinden unter ihre! Fittige nehmen. Wir haben ja gute Vorbilder an ähnlichen; christlichen Vereinen, wobei uns jedoch noch der Vortheil zu Statten kommt, daß wir nicht, wie jene, aggressiv gegen andere Confessionen vorzugehen haben. Wir müssen darauf immer und immer wieder zurückkommen. Eine weitere Thätigkeit haben wir noch zu entfalten, — unsere geschätzten Leser wollen nicht erschrecken, - in unserm Kampfe gegen die Hyperorthodoxie und gegen die Zweideutigkeit, wenn sie aggressiv wird. Wir sind der vollen Ueberzeugung, daß das die äußerste Zeit ist und daß der Jndifferentismus in dieser Richtung eine große Schuld aus sich geladen hat,!und wenn er nicht bald einschreitet, noch eine größere auf sich! laden wird. Gerade darum verdammen wir auch die Zweii deutigkeit und die Achselträgerei. Man hat jahrelang diese 1 Orthodoxie — wir rechnen dazu nicht die friedlichen, selbstlosen Männer auch der alten Richtung, die jedoch ebenso die Neuen : gewähren lassen müssen — unterstützt und sie hat Alles unter-! wühlt, was die sittliche Kraft des Judenthums ausmacht.! Schritt vor Schritt ist sie Vorgegangen in ihrem widerlich fana-! tischen Treiben, hat geeifert und in Bann gethan, Unfrieden; gestiftet, die besten Männer zur Unthätigkeit verdammt, jedes!friedliche und klare Streben unmöglich gemacht — so kann's ן nicht fortgehen. Wenn das so fort geht, so würde innerhalb; zwanzig Jahren das Judenthum repräsentirt werden, durch einej äußerst kleine Zahl von Menschen, welche mit der Bildung ihrer Zeit mit allen Anschauungen der cultivirten Menschheit; und mit dem wahren Gehalt des Judenthums in diametralem! Widerspruche sind. Die Lehrer und Rabbiner werden ebenso ' unwissend als bigott und fanatisch sein und die große Mehr-; heit des Volkes wird sich vom Jüdsnthum durchaus losgesagt haben, j Doch nein, Gott der Herr waltet! Wir werden Männer zu (!Genossen finden, die den Bannstrahl nicht fürchten nnd conse---!׳ quent das Judenthum der Gegenwart und Zukunft, das ja < durchaus in Uebereinstimmung steht mit den reinen Lehren ), und der Geschichte der Vergangenheit, festhalten und vertheidigen. Sie werden die Fahne des Fortschritts stets hoch halten. Rechnen wir hierzu noch die Bemühungen für Veredlung des Gottesdienstes, für innere Kräftigung und sociale Würdigung des Judenthums, für die Besserstellung der Beamten und Cultivirung aller Juden auch in fernen Erdstrichen, so haben wir die zu besprechenden Zeitfragen gekennzeichnet. In diesem Sinne, für diese Ziele und Bestrebungen zu wirken, sei unsere Aufgabe auch im neuen Jahre. Hier treu beizustehen, bitten wir Alle, die dazu berufen jj Herz und Geist._^ --!elbe •״'S‘■ *