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Jüdische Volkszeitung · 1874-12-22 · 51 (22.12.1874) · p. Seite 409

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
51 (22.12.1874)
Date
1874-12-22
Page
Seite 409 (sequence 7)
Language
German
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409 Andenken für ewig gesegnet wird" (1. Maceab. 3), wurde von diesem Ausspruche Satz für Satz auf Geiger Anwendung gemacht.Nach dem frühem, aber bald in Verfall gerathenen Unternehmen Zunz's, war er es, der dauerhaft und mit Erfolg die zerstreuten Intelligenzen Israels in seiner Zeitschrift sammelte. ״Die Abtrünnigen verzagten vor ihm'', er geißelte in seinen unsterblichen Schriften nicht blos die Heuchelei und die Gleisnerei innerhalb Israels, sondern auch der Christenheit, man lese nur die schneidige Abfertigung an den aufdringlichen Delitzsch, wie wohl dieser ihm Überschwangliches Lob gespendet hatte (Zeitschrift S. 309). Als ein ebenso bewährter, eifriger Kämpfer tritt er in seiner Brochüre gegen die Taufe auf (1857J58). ״Alle Uebelthäter erbebten vor ihm": die Koryphäen, das Prosessorenthum^, in den Mist sionsanstalten gestanden ein, daß, wenn Männer wie Zunz und Geiger dem Judenthum angehören, die bisherigen Waffen gegen dasselbe stumpf und unbrauchbar geworden. Als Juda Maccab. fiel, so schloß der Nachruf, beweinte ihn Israel lange Zeit, und man rief aus: ״Wie ist gefallen ein Fürst, ein Held in Israel!" So rufen auch wir heute aus, Geiger's Andenken aber soll und wird an uns gesegnet sein, wenn wir seinen Wahlspruch zur Wahrheit machen: ״Aus der Vergangenheit schöpfen, in der Gegenwart leben, für die Zukunft wirken! rc.". lieber beide jüngst Heimgegangene Gelehrte und unermüdliche wackere Kämpfer rufen wir mit Recht in tiefem Schmerzgefühl aus: חבל על דאבדץ ולא משתכחץ. D, mögen die noch lebenden Treuen sich zusammenschaaren, und möge uns ein Nachwuchs von Treuen beschieden sein! Posen, 4. Dec. Ueber einen Massen-Austritt aus dem Judenthum, welcher in Schrimm stattgefunden, wird der ״Pos. Ztg." von dort berichtet: ״Die Cultus-Partei der hiesigen jüdischen Corporation hat in voriger Woche zweimal den Versuch gemacht, ein Einverständniß mit der alten Partei wegen der Neuwahl der von der Regierung nicht bestätigten Repräsentanten herbeizuführen. Doch zu der anberaumten Versammlung war kein Mitglied von der alten Partei zur bestimmten Zeit erschienen. Diese Nichtachtung von Seiten der alten Partei gegenüber den versöhnenden Schritten der Cultus-Partei hat einen Massen-Austritt aus dem Judenthum zur Folge gehabt. Bis jetzt sind etwa 25 Anmeldungen bei dem hiesigen Kreisgerichte abgegeben worden. Die Ausgetretenen haben behufs Beerdigung ihrer Familienglieder einen Begrübniß-Acker angekauft. Die Mitglieder der alten Partei wartet durch oen Mafsen-Aust^'t eine größere Besteuerung. Nach einer oberflächlichen Schätzung der Ausfalls-Summe in der Corporations- Casse beträgt dieselbe nach der Zahl der jetzt schon Ausgetretenen 1500 Thlr. Es ist bekannt, daß es sich hier um eine jener bekannten Gemeindezwistigkeiten handelt, die kaum auf Principien und Richtungsstreitigkeiten sich zurückführen lassen. Es ist ein seit langer Zeit sich fortspinnender Scandal, persönlicher Zwist zwischen zwei Parteien, die weder orthodox noch reformistisch genannt werden können. Aber es dürften doch den Förderern und Enthusiasten des freien Austritts aus dem Judenthume sich die Augen öffnen, wenn sie solche Scandale sich bis zum erklärten Abfall, bis zum Chillul Haschem, der ^fich in den öffentlichen Organen durch eine Erzählung von Massen-Austritt breit macht, steigen sehen. Kunäsckau. - M Deutschland. ■ Görlitz. Der ״Niederschlesischen Zeitung" entnehmen wir folgende Notiz: ״Bei der am Sonnabend den 5. Dece Jubiläums-Feier zu Ehren des Vorsitzenden Vorstandes, Herrn M. Wieruszowski, wurd^ ganz besonders dadurch verherrlicht, daß ein Dos? hiesiger Lehrer unter Direktion des bewährten C Lehrers Herrn W o l f s o h n drei Gesänge zur Aufführu: Abends hörten wir ein Festlied, gedichtet von Herrn vorgetragen von Herrn Wolfsohn, welches durch bi<? Capelle angemessen unterstützt wurde. Daran schlossen mehrere Gesänge, die gleichfalls von Herrn W. sehr kunst vorgetragen, zu stürmischem Applaus Veranlassung gäbe! Ueberhaupt müssen wir constatiren, daß der synagogale Gesang durch die Berufung des Herrn W. sich auf's Würdigste, analag der neuen Synagoge in Berlin, gestaltet hat. Die Ssdanfeier gab ein glanzendes Zeugniß der günstigen Veränderungen in gesanglicher Beziehung, sowohl des Chores, als auch Einzel- Gesanges." Heidelberg. Baron Jos. Schey, Sohn des bekannten Wiener Banquier Baron Fr. Schey, der erst 22 Jahre alt ist, wurde als Professor der juristischen Facultät angestellt. Aus Baden, 1. Dec. Ein Urtheil des Verwaltungsgerichtshofes hat neuerdings bestätigt, daß jeder badische Jsraelite sich von den zum Theil sehr hohen Cultusbeiträgen der einzelnen Gemeinden dadurch befreien kann, daß er seinen Austritt aus der Judenschaft des Landes erklärt. Nur die jüdische Kirche hat auf Grund von Vorschriften, die auch der Verwaltungsgerichtshof für gültig anerkannt, ein Steuerrecht. Auch ist der Gerichtshof bei seiner Anschauung von der Anerkennung vollster Gewissensfreiheit geleitet. Indessen hält es die ״B. L." doch für eigenthümlich, daß ein badischer Jsraelite, der seinen Wohnsitz in Baden hat und behält, eine lediglich formelle Erklärung soll abgeben des Inhalts: ״Ich erkläre hiermit, daß ich nicht mehr badischer Jsraelite bin" und daß ihn diese Erklärung von wichtigen pekuniären Pflichten befreit. Das genannte Blatt vertritt die Ansicht, es könne ein badischer Staatsangehöriger nur, wenn er überhaupt aufhöre, Israelit zu sein, auch aufhören, badischer Jraelit zu sein. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. In der israelit. Kinderbewahranstalt fand diese Woche die Chanukabescheerung der kleinen Frequentanten, deren Zahl sich Heuer in Folge des um sich greifenden Pauperismus auf 285 steigerte, unter den Auspicien des Damenvorstandes und des in seinen Humanitären Bestrebungen unermüdlichen Begründers, Herrn Jos. Ritter von Wertheimer, statt. Der Direktor Fischer leitete die Solennität mit einer kleinen improvisirten Prüfung ein, worauf die Kinder mit Erfrischungen und Backwerk und endlich vollständigen Winteranzügen betheilt wurden. Prag. Durch Erlaß des k.!.Ministeriums für Landes- Verteidigung ddo. Wien, 17. November, wurde Herr vr. phil. Alexander Kisch aus Prag, Ortsrabbiner von Brüx, zum isr. Seelsorger in der k. k. böhmischen Landwehr ernannt. Es ist dies, so viel wir wissen, der erste Fall einer derartigen Ernennung in Böhmen. Rußland. Petersburg. Was Günzburg in seinem Sendschreiben befürchtet, das scheint sich leider na'ch halbofficiellen Blättern^ zu bestätigen. Die Listensührung über die Juden und Einführung der dem Ans chein nach Militärpflichtigen soll gaz.״'^ j”!*, Hände der Polizeirc. rc. Behörden gelegt werden. Whh'bit »V tigen und glaubhaften Dokumente producirt werd ' ' ' der Beamte das Alter des betreffenden Hebrö en. ץ־

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