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Jüdische Volkszeitung · 1874-12-22 · 51 (22.12.1874) · p. Seite 408

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
51 (22.12.1874)
Date
1874-12-22
Page
Seite 408 (sequence 6)
Language
German
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408 Zwerges und ׳ Gebäudes. pe doch mit einem in einem deutschen e en aei^^^ Posten. Der jüdische Cultus wird in .igen, im neuen Neichsland, vom Staate erhalten, Aso vom Reichstage bewilligt. Und als jüngst dieses här ^ster besprochen wurde, fiel es keinem Mitglieds des se/ages ein, darüber auch nur eine Bemerkung zu machen. t, das keine Grundlage, .worauf man sich stützen könnte? Diese Verhältnisse und Errungenschaften sind immerhin -׳achtenswerth für die Thätigkeiten, die sich auf den nächsten Landtag beziehen. Aus dem Oldenburgischen. (Nachruf.) Gestatten Sie nur, Ihnen über den Heimgang unseres Wechsler, unseres würdigen Landrabbiners, einige Notizen für Ihr geschätztes Blatt zu geben: Wechsler war 1807 in Schwabach in Bayern geboren, fiudirte in Würzburg und München, wurde 1836 Rabbiner im Birkenfeld'schen, in Hoppstädten und 1842 nach Oldenbürg versetzt, wo er bis zu seinem Tode blieb. Im Fürstenthum Birkenfeld, in den Gemeinden Birkenseld, Oberstem u. a., legte er den Grund zur Reforni des Gottesdienstes und der Schule. Wenn er auch damals manche Kämpfe zu bestehen hatte, so ist doch jetzt, wo die Saat, die er ausgestreut, aufgegangen, sein Andenken ein gesegnetes. In Oldenburg war seine Wirksamkeit ebenso segensreich. Wenn auch nicht viel davon in die Öffentlichkeit gelangte, so lag das theils in den Verhältniffen, da in Oldenburg nur kleine jüdische Gemeinden sich befinden, und theils in der Bescheidenheit des Verblichenen. Wechsler huldigte dem entschiedenen Fortschritt und trug kein Bedenken, das, was er für richtig erkannte, auch practisch anzuwenden. So segnete er unbedenklich gemischte Ehen ein. Ebenso war der Mangel einer Chalizah ihm kein Ehehinderniß. Das Mainzer ״Schmäh-Blatt" zeigt den Tod dieses würdigen Mannes, der ein langes Leben voll redlicher Arbeit der Ausbreitung und Verherrlichung der jüdischen Gotteslehre widmete, den Tod eines redlichen Forschers und Lehrers, mit folgenden Worten'an:' ״Der hiesige Landrabbiner, Herr Wechsler, bekannt durch die Vollziehung der Trauung einer ungeschiedenen Ehefrau mit einem andern Manne bei Lebzeiten ihres ersten Gatten, ist mit Tode abgegangen'. Die hiesige israelitische Gemeinde ersuchte den protestantischen Pastor, Herrn Spaeth, die Grabrede zu halten. Herr Pastor Spaeth war dazu unter der Bedingung bereit, daß der Oberkirchenrath seine Zustimmung gebe. Dieser verweigerte jedoch die gewünschte Erlaubniß. Man telegraphirte nach Berlin, um einen der dortigen Nabbinen zu Veranlassen, die Leichenrede zu halten. Aber auch von Berlin will Niemand kommen, und so ist denn die Beerdigung ״eingetretener Hindernisse halber" auf unbestimmte Zeit verschoben worden". Von der obenerzählten Thatsache (Trauung einer ungeschiedenen Ehefrau mit einem andern Manne bei Lebzeiten ihres Mannes) ist mir nichts bekannt. Ich halte sie formell und materiell für eine bewußte Unwahrheit. Es ist mir nicht einmal bekannt, daß er eine gerichtliche Scheidung (etwa ohne Vollzug des vH für ausreichend hielt, um daraufhin religiös mit einem andern Manne zu trauen. Daß er selbst, wie es allein gemeint sein könnte, weil es sonst criminell strafbar wäre, das bewußt gethan hätte, glaube ich nicht und halte es nicht für wahrscheinlich — der sittliche Character des Verstorbenen bürgt mir dafür, — daß er stets nur nach redlicher Ueberzeugung handelte. — Aber die obige Todes-Anzeige ist zu bezeichnend für die Frivolität des Gelichters. So spricht man in frommen (?!) jüdischen Organen von verstorbenen jüdischen Gelehrten und Lehrern der Religion, von allgemein geachteten Männern, die jedenfalls, wenn sie auch nicht der hyperorthodoxen Clique angehörten, doch mit der כתר תורה, mit der Krone der Gotteslehre geziert waren. So ehrt man die. Todten und achtet. das frische Grab und das herrliche große Wort: מיתה: מכפרת, der Tod entsündigt und versöhnt; wirkt versöhnend auch bei den Ueberlebenden!---Pfui und Schande über ein solches Gebühren und Wehe über den sittlichen Character eines Zeitalters, in welchem Derartiges unterstützt wird, in welchem man auch die schmachvollen Ausfälle über würdige Todte nicht allein hinnimmt, sondern in den betreffenden Kreisen noch bejubelt, indem man ausruft: So, heute hat er, der große Schreier von M., wieder einmal nicht allein einigen Dutzend lebendigen Poschim, sondern auch einem Todten tüchtige Hiebe versetzt. —. Die Vorfälle bei der Beerdigung, die noch jetzt in den politischen Blättern unseres Ländchens viel besprochen werden und heftige Polemik verursachten, geben Zeugniß von der sehr hohen Achtung, in welcher Wechsler bei allen Ständen und Confessionen stand. Von beiden Seiten wird dieselbe nachdrucksvollst betont. Die Thatsachen sind bekannt; doch füge ich Sie zum Schluffe mit den Worten der ״Oldenb. Zeitung", die übrigens sich später in noch schärferer Weise ausgesprochen hat, hier bei: Die ״Oldenb. Zeitung meldet: ״Vor einigen Tagen verstarb hier ein Mann, der sich seit einer langen Reihe von Jahren in seinem Berufskreise stets Achtung erworben, der Landraöbiner Wechsler. Von mehreren ihm nahestehen- '■v den Personen wurde gewünscht, daß am Grabe desselben einige Worte von einem zu solchem Liebesdienste qualificirten Manne gesprochen würden. Der Pastor Spaeth erklärte auf eine an ihn ergangene Anfrage, es würde ihm eine Freude sein, dem ihm wohlbekannten und von ihm hochgeschätzten Verstorbenen diese letzte Ehre erweisen zu können. Vom großh. Oberkirchenrath wurde die Genehmigung dazu erbeten; aber diese hohe Behörde hat ׳ es für bedenklich angesehen, daß ein christlicher? Pfarrer, der die Nächstenliebe zu predigen hat, einem ehrend werthen Angehörigen einer anderen Confession den Liebesl dienst erweise, den er, in diesem Falle nicht ex und in officio '■ fungirend, ihm so gern erwiesen hätte. Die Genehmigung \ wurde verweigert." Oststellt, December. Geiger—Wechsler. Auch der gelehrte, wackere und charactervolle Wechsler ist von uns geschieden, auch durch diesen Tod haben wir euren schweren, sehr empfindlichen Verlust erlitten, אנשי אמונה אברו• Es ist, als ob der wackere Wechsler den Hintritt Geiger's nicht lange überleben konnte, sie waren treue Freunde, Gesinnungs- und Kampfgenossen, הנאהבים והנעימים בחייהם und darum ובמותם לא נפרדו♦ Wie er in edler musterhafter Bescheidenheit gelebt, so schied der treue Wechsler aus unserer Mitte. Sein Tod hätte viel mehr Sensation erregt, wenn er nicht so rasch auf den Geiger's erfolgt wäre. Von Allen aber, die für die Bedeutung eines charactervollen Geistlichen noch Vcrstündniß haben, wird der Hintritt Wechsler's lange und tief schmerzlich beklagt werden. Am jüngsten Sabbath (הנכה) wurde dem seligen Geiger in hiesiger Synagoge, die er an diesem Sabbath.vor 33 Jahren eingeweihet, ein Nachruf gewidmet. Nachdem das Martyrium und die Heldenkämpfe der Maccabäer, speciell des Juda, besprochen worden, ״der den Panzer anlegte, wie ein Held, sich mit kriegerischem Geräth umgürtete, dem Löwen in seinen Thaten glich, die Zerstreuten sammelte, die Abtrünnigen aus Furcht vor ihm verzagten, alle Uebelthäter erbebten, so daß er genannt wurde bis ans Ende der Erde und sein ):< ׳< / her Xg lne, \ el ~y v 1 j

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