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Jüdische Volkszeitung · 1874-12-22 · 51 (22.12.1874) · p. Seite 406

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
51 (22.12.1874)
Date
1874-12-22
Page
Seite 406 (sequence 4)
Language
German
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406 ׳/״ / רג.,% 406 — J־. Jrj > h/ 4 Zweiges und Gebäudes.? folgte Geiger ms Grab nach, Ihr Name kam nicht, denken ye^-lN Vorschein, — nicht zu gedenken gedacht zu werden, .r ״Kladderadatsch"! — Ich bangte wieder vor meinem .and und — meiner Rechtgläubigkeit! Und ich hatte Recht! , E! O, E! wie thatst du mir so weh"! Denken Sie sich! Jüngst erst nach langem und eifrigem -Kühlen ist es gelungen, ein junges Reis aus dem Mainzer Dornbüsche auf das getrennte Gefilde Karlsruh's zu ververpflanzen; und — was wagt der Dr. Friedmann aus Mannheim? Er wagt auf der Stätte des Friedens, dem Beth-Almin, am Grabe eines frommen und friedlichen Biedermannes, der da einging zum ewigen Frieden — Worte des Friedens zu sprechen! Welche Gefahr für die streitbedürftigen Winkelmänner, die da im Kreise standen! Welche Gefahr für das fünfblättrige Kleeblatt: Dr. Dr. Hildesheimer—Lehmann— Ehrmann—Marx—Cahn, das da um das Grab A. geschaart war! Wenns keine Separatgemeinden mehr gibt, wo sollten solche Leutchen Rabbiner sein oder werden? Und das wagte ein Dr. Friedmann, Rabbiner in Mannheim und langjähriger Freund Altmann's! Konnte das Publicum nicht weich werden? Konnte es nicht schließen: Wäre Altmann ein Mann gewesen, der den Streit dem Frieden und der Einheit vorzog, so hätte erlängst aus demVerbande der badischenJudenh eit und seinemAmte treten und auch so eine Separatgemeinde gründen müssen? — Dieser Gefahr mußte vorgebeugt werden! . . . Und Lehmann kam nach Friedmann und stieß in die Lärmtrompete und sagte: Krieg ist die Losung! אני שלום וכי אדבר הטה למלחמה! Und sieben Tage lang war nun in der Wohnung Altmann's (in den sieben Trauertagen) ein Heerlager und Trommelfellgerassel und Säbelgeklirr und Kriegsgetümmel und Unkenruf — und die Kriegshähne, die Obersten, kamen von allen Seiten. Aber leider: ״Vorne getrommelt und hinten keine Soldaten!" Und die wolfeilen Lorbeeren Leh's lassen unser ״Eh" nicht schlafen. Und er geht hin und schreibt einen geharnischtcn Artikel, der soll dem Faß den Boden ausschlagen, betitelt: ״Al hannisim!" Leider, leider! Der Artikel hat mich aus den Fugen gebracht. Wenn das grinsende Verderben bis in die Kreise gedrungen ist, wenn der flagrante Unglaube sich im ״Israelit" breitmacht, wohin soll man sich noch wenden? Ich will nicht sprechen von dem sprachlichen — Jrrthupr:ביטים ההם בוטן הוה wird übersetzt oder erklärt: ״In jenen Tagen — und in der Gegenwart!" Wer kann von den Gelehrten des ״Kladderadatsch"—wollte sagen: des ״Israelit" verlangen, daß sie bei ihren Phantasiegebilden auch Logik und hebräisches, etymologisches Wissen anwenden und wissen, daß בוטן הוה die Jahreszeit und den wiederkommenden Datum bedeutet, daß dies zumeist mit וטן der Fall ist, und mit der ״Gegenwart als Gegensatz der Vergangenheit", überhaupt mit dem Zeitbegriffe in dieser Richtung durchaus keinen Zusammen- Hang hat — das ist Unbedachtsamkeit, Nebensache; aber ich las weiter und Grausen ergriff meine Seele! Ich las den Titel des Blattes wieder und wieder und vergewisserte mich, daß ich nicht die ״Jüdische Volkszeitung" und nicht die ״Religiöse Reform" vor mir Hätte , oder die ״Fackel", oder ein ähnliches, ungläubiges, verworfenes Blatt. Was stand da mit schwärzester Druckerschwärze und Rothes auf der ersten Seite No. 48 des ״Israelit". Ich zittere, es niederzuschreiben. Nein, ich schreibe es lieber nicht. Ich schneide es lieber aus dem ״Israelit" — ausgeschnitten soll es sein! — und klebe es her! Es lautet also: ״Alljährlich, wenn Chanuka, wenn Purim bei uns einziehen, ׳rne rel : ״danken wir Gott, nicht nur für die Wunder— נסים —, welche Gott ״an unseren Vätern vollbracht, die Freiheit, — פורקן —, die ״er uns geschenkt und die Beweise seiner Kraft und Hilfe — "גבורות ותשועות —, die er uns geliefert, sondern danken ihm ״auch für die Kämpfe — מלחמות —, die heißen Kampfe, zu ״denen er uns geführt, und ziehen dann eine Paralelle zwischen "ביטים ההם und בוטן הוה, — zwischen Einst und Jetzt. Für ״die Kämpfe, welche Gott die Väter kämpfen ließ, danken nach zwei ״Jahrtausenden die späten Enkel noch, weil die Kämpfe erst ״die Wunder bedingen, weil Gott seinen bedrängten ״Treuen Freiheit, Rettung, Macht nicht in den müßi- ״gen Schoß legen, sondern erkämpft, auf wunderbare ״Weise von ihnen erkämp.ft wissen will. Oh.'e מלהטות ״gäbe es kein נמים. So war es במים ההם, und so ist es "בוטן הוה- Wer heute noch jene נסים nicht nur als Wunder, ״sondern auch als ״Wahrzeichen", als weithin leuchtende Wahr- ״zeichen erkennt und sich von ihnen leiten läßt, der erwäge die ״Kämpfe wohl, die von der wunderbar göttlichen Hilfe unzer- ״trennlich sind." Ist so etwas erhört worden? Ist das nicht — flagrante Leugnung der Bibel? Welche Kämpfe haben unsere Väter in der Sclaverei Egyptens bestanden, die die Wunder der 10״ Plagen" herbeiführten? Was thaten sie, um trocknen Fußes durch's Meer zu schreiten? Was thaten sie zu Man, Wachteln (שלו) zu Wasser aus dem Felsen in der , Wüste? Ja, was thaten denn eigentlich die Bewohner Susan's v^c( j in der Purimgeschichte zu der wunderbaren Hilfe? Die Kämpfe — kamen ja erst hinterher, nach dem Wunder bei Mardechois Erhebung? Das ist ja das Große bei der Geschichte der Makkabäer, daß das Wunder eben nur die Errettung durch die glühende Begeisterung der Kämpfer war. Also — ohne Menschenkraft — kein W under? Ich lege meine Feder nieder. Wo die Verderber, die Stifter des Unheils, des Unglaubens in die heiligen Spalten des ״Israelit" eindringen, da ist der Beweis geliefert, daß die Zeitungsredacteure schon an und für sich ״Apikolssim" und die hineinschreiben, vom Unglauben angefressen sind. Und ich gedenke des mahnenden Wortes meines Lehrers: ״Was ist die Moral von der Geschichte Vor dem Orthodoxen, wenn er die Kette bricht. Vor dem freien Menschen erzittert nicht." Discus-Stus. Bott der Tauber, im December. Ich möchte meinerseits einen kleinen Beitrag, wie schwach auch immer, zu der in den letzten Nummern der ״Jüdischen Volkszeitung" vielfach besprochenen Schulfrage liefern, hoffend, daß die hier gegebene a/ Anregung da oder dort, wo eben das Bedürfniß vorliegt und die Verhältnisse es zulassen, practische Verwerthung finde. Cs hieße Eulen nach Athen tragen, wollte ich über die schlimme Lage eines bettächtlichen Theils der jüdischen Dorfgemeinden, die durch den Wegzug ihrer bemittelten Mitglieder an Steuerkraft fortwährend Einbuße erleiden, noch das Weitere sprechen. Die Sache ist so oft schon erörtert worden, daß jede Mittheilung hierüber überflüssig erscheinen dürfte. Die Hauptfrage besteht in der Herbeischaffung der zur Unterhaltung der religiösen Institute nöthigen Geldmittel; es handelt sich eben darum, woher die spärlich fließenden Finanzquellen der jüdischen Dorfgemeinden neue Nahrung erhalten sollen, die nicht den launenhaften Zufällen des Wohlwollens Einzelner ausgesetzt sei, um neues Leben dem absterbenden Körper einzuhauchen, um in dem Rest Vertrauen und Zuvorsicht in die Zukunft zu erwecken ׳und fteudiges Schaffen her- /i

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