Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 50 (15.12.1874)
- Date
- 1874-12-15
- Page
- Seite 398 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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5 ־׳״) Aus Salmos in Persien bittet Hanucca ben f Aeheskel, der seiner Güter beraubt und dadurch in Schulden gerathen war, um Unterstützung des Ausschusses der Jewish- Association. Als unzahlfähiger Jude bekäme er die Bastonnade, von der er sich nur dadurch loskaufen könne, daß er mit seiner ganzen Familie zum Islam übertrete. Auf die Erklärung des Ausschusses, daß man seine Schulden nicht bezahlen könne, erklärte sich Hanucca für zufrieden, wenn ihm nur der Ausschuß seitens der (englischen) Gesandtschaft die Garantie verschaffe, daß er unbehelligt in seine Heimath zurückkehren könne. In einer Audienz bei dem Gesandten, kam man mit demselben überein, daß es, bei den noch Herrschenden Vorurtheilen gegen die Juden, am besten wäre, in Teheran, einen Beamten anzustellen, der die Interessen derselben bei der Landesregierung vertrete. — Der Centralausschuß wird sich einstweilen die Gründung einer Schule in dieser Hauptstadt angelegen sein lassen. Eorre^ponäenz. Leipzig, den 6. December. (Or.-Corr.) Wie alljährlich, fand auch heute in der hiesigen Hauptsynagoge um 5 Uhr Abends ein Gottesdienst zur Feier des Chanuckah-Festes statt und zwar unter sehr reger Betheiligung Seitens der Gemeinde- Mitglieder sowohl, als auch der christlichen Einwohnerschaft, so daß der große Raum des Tempels fast gefüllt war. Es sollte ja nach der Anzeige in den hiesigen Tagesblüttern nicht nur der gewöhnliche Chanuckah-Gottesdienst abgehalten werden, sondern auch zugleich eine Gedächtnißfeier für den verewigten Di׳. Abraham Geiger stattfinden. Ihr Correspondent aus Nürnberg hat sich daher etwas verfrüht, wenn er in voriger Nummer (48) von einem bereits stattgehabten Gedenkgottesdienst in Leipzig mittheilt. Thatsächlich hatte, kurz nach dem plötzlichen Tode Geiger's der erste Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Stadtrath Moritz Kohner, in einer Sitzung mit begeisterten Worten angeregt, daß dem Manne, . der sich unsterbliche Verdienste um das Judenthum erworben hat, ein Trauergottesdienst in hiesiger Synagoge gewidmet werde. Der Antrag fand natürlich allseitige Zustimmung und der 15. November war zur Feier bestimmt; eingetretener Hindernisse wegen, mußte jedoch dieselbe auf heute verschoben werden. Der Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt hatte sich daher eine doppelte Aufgabe gestellt: eine Festpredigt und eine Gedächtnißrede zu Hallen. Mit bekannter rednerischer Begabung löste er in trefflicher Weise seine Aufgaben. 'In fast einstündiger, fesselnder Rede entwickelte Redner und brachte zur Anschauung die Parallele zwischen dem Hohen- Priester und Kämpfer Mathatias und dem Priester und Kämpfer Geiger. Dem Vortrage wurde der schöne Text aus der dieswöchcntlichen Haphtarah, Sechariah C. 4. V. 2—7 zu Grunde gelegt. Nachdem der Redner die Bedeutung des Chanuckahsestes > so erklärte, daß Weihe sein Name und Licht sein Symbol sei, und in scharfen Strichen das Zeitalter des Antiochus ge- Zeichnet, in ihm sowohl den Charakter des griechischen Fanatikers, als auch besonders den von religiöser Begeisterung ge- Lragenen Kampf der makkabäischen Helden lebendig dargestellt hatte, leitete er geschickt hinüber auf die Gegenwart, auf den Kämpfer gegen den religiösen Fanatismus, auf Abraham Geiger. Licht und Weihe oder Bildung und Religion müssen stets gepaart sein. ״Und der Zahl jener Helden", sagte ungefähr der Redner, ״welche des heiligen Leuchters der Religion warteten und pflegten, in dem sie das Licht desselben dadurch unterhielten, daß sie von beiden Oelbäumen (s. Text) ihm Nahrungsstoff zuführten, vom Lichte der väterlichen Religion und vom Lichte der Wissenschaft; der Zahl jener Helden, welche Jsrael's Vergangenheit erforscht, seine Gegenwart begriffen und für seine Zukunft mit rastloser Hingebung gewirkt, gehört der Mann, selber eine Leuchte in Israel, der uns am 12. Marcheschvan, also am 23. October der Tod entrissen; der Mann: Abra- Ham Geiger, und wir fügen ehrfurchtsvoll hinzu: זכר צריק/ברכה. Die ganze Bedeutung Geiger's sei man zu würdigen jetzt noch nicht im Stande; das sei der Zukunft Vorbehalten. Hier citirte der Redner die Worte Geigers, welche dieser seiner Abhandlung über Salomon Gabirol, den Epochemachenden Dichterphilosophen aus der zweiten Hälfte des elften Jahrhunderts voransetzt. Im Interesse derjenigen Leser, welchen die herrlichen Worte, die so recht auf Geiger selbst angewendet werden können, nicht bekannt sein sollten, mögen sie auch in dieser Zeitschrift ein Plätzchen finden. Sie lauten: ״Nur selten wird bedeutenden Menschen das günstige Loos, von ihren Zeitgenossen nach ihrem vollen Werthe gewürdigt und anerkannt zu werden. Das ist ein Mißgeschick, das mit ihrer Größe fast nothwendig verbunden ist. Wenn sie auch in ihrer Zeit wurzeln, deren edle Kräfte und Bestrebungen vollständig in sich ausgenommen haben, so ragen sie dennoch über sie hinaus; mit dem Zukunftsblicke nehmen sie die kommende Entwicklung vorweg, sie sind bemüht eine Idee zu wecken, dis noch in der Zeit schlummert, reden und wirken nach deren Geheiß, und ihr Geschlecht, das sie erziehen, hat noch nicht die volle Empfänglichkeit sie zu begreifen und willig ihnen zu folgen. Es grollt das Kind oft dem Lehrer, der es mit Ernst und Strenge auf der Bahn der Erkenntnis; antreibt, es spürt deffen Schwächen puf und vergilt ihm durch Spott die heilsame Zucht. Auch den Erziehern eines ganzen Zeitalters ergeht es oft nicht besser." Im weitern Verlauf der Rede wurde Geiger's Einfluß auf die jüdische Wissenschaft, die jüdisch-wissenschaftliche Theologie und ganz besonders auf die jüdische Kanzel mit recht begeisterten Worten ausgeführt. Den Kämpfer Geiger könne man den Makkabäerkämpfern ebenbürtig zur Seite stellen. Wie jene, habe auch er einen dreifachen Kampf geführt: 1) gegen die sogen. Gebildeten, für die das Judenthum nur eine Frage der Zeit war; die modernenJewanim. 2) gegen die Finsterlinge, die undankbar genug, es verkannten, was er durch seine Arbeiten über Pharisäismus Zur Ehrenrettung des rabbinischen Judenthums gethan. 3) durch seinen Kampf nach Außen. ״Solch' ein Kämpfer reiht sich würdig den makkabäischen Kämpfern an; seine Parole war: Licht und Weihe! Solches Leben hört nicht auf, ist ein Segen und bleibt ein Segen." Dies waren die Schlußworte des Vortrages. Hierauf wurden die Chanuka-Lichtlein angezündet. Der Synagogen-Gesangverein ,.Psalterion" sang alsdann eine deutsche Hymne nach der uralten Sangweise des ״Maos zur" und das Abendgebet mit Chor- und Orgelbegleitung wurde in üblicher, sehr erhebender Weise verrichtet. I- Dresden. Dieser Tage hat hier die zweite Leichenverbrennung stattgefunden. Die gewünschte Assistenz eines Geistlichen lehnte das aus allen Schattirungen des Orthodoxismus zusammengesetzte Consistorium ab, dessen Einfluß es wohl auch zuzuschreiben ist, daß, wie das ״Dr. Journal" berichtet, die Regierung die ״Absicht" haben soll, die fernere Erlaubdiß zur Leichenverbrennung nicht zu gestatten. Wir sind jedoch der Meinung, daß ein etwa derartiges Verbot nur in Rücksicht auf den Verbrennungsort, ein industrielles Etablissement, erfolgen kann, während sonst die Regierung der facultativen