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Jüdische Volkszeitung · 1874-12-08 · 49 (8.12.1874) · p. Seite 389

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
49 (8.12.1874)
Date
1874-12-08
Page
Seite 389 (sequence 3)
Language
German
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389 Im Jeruschalmi lautet der Bericht gleichlautend. Die Commentatoren tappen bei der Bedeutung im Dunkeln und fallen der Kabbala und Mystik anheim. Ohne Zweifel tritt auch hier N. Jehuda für die Heilighaltung des ״Gottesnamens" ein und der gefürchteten Profanirung desselben durch den Mund des Volkes entgegen. R. Jehuda lebte in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts. Wir haben demnach hier den Beweis, daß zu dieser Zeit, also nach der Zerstörung des Reichs und Tempels, die Aussprache des Gottesnamens noch bekannt und üblich gewesen ist; ja wir sehen, daß diese Aussprache nach dem Vorgänge der Chachamim (Pharisäer) im Volke gebräuchlich war und R. Jehuda, obwohl nicht zur saducäischen Priesterpartei gehörend, dennoch jenen. entgegentrat. Er mochte, wenn auch nicht dem Zweck der Priester- Partei zustimmend, doch die guten Folgen ihres tendenziösen Strebens anerkennen und jetzt wohl um so eher ihre Maßnahmen unterstützen, als ihre Stellung und Wirksamkeit aufgehoben war. Es ist sogar möglich, daß R. Jehuda diese Einrichtung erst nach Besiegung des Bar-Kochba'schen Aufstandes und nach vollständiger Vernichtung der nationalen Hoffnungen traf, weil mit diesen auch diejenigen auf Wiederer- Hebung des saducäischen Priesterstandes zu Grabe getragen waren. Wenn in der späteren Zeit diese Einrichtung des R. Jehuda nicht berücksichtigt wurde, so kam dies daher, weil man die ursprüngliche Aussprache des Gottesnamens über- Haupt beseitigt und diese durch ״Haschem", ״Adonai" u. s. w. ersetzt hatte. R. Jehuda wählte das auch sonst übliche und gebräuchliche in׳, welches dem Tetragramni näher kam, als irgend ein anderer Ersatz. In Verbindung mit — אנא entstand daraus durch Zusammenziehung in אני und aus falscher Deutung des אני, dann אני והר und noch falscher אני והוא Das יהו ist eigentlich ursprünglich und älter als ׳הוה. Jenes ist das heidnische ״In" (piter) und ein ebenfalls in Egypten bekannter und verehrter Gottesname. Diese Be- Zeichnung für Gott geht durch die Zeiten und Sprachen fast aller Völker, der semitischen, arischen, indogermanischen, romanischen. Wir finden da: Ju, Diu, Zeus, Deus, Dien; lauter Bezeichnungen für die Gottheit, alle dem Laute nach übereinstimmend und von gleicher sprachlicher Abstammung. Der Name ist auch im Judenthum beibehalten und nur der Begriff geändert worden, indem Gott hier als das ״Seiende" (6u8) gefaßt und dem gemäß in in׳ der Stamm הוה gesucht und daraus יהיר־״ gebildet wurde. Daß das alte ״Jehova" nicht die ursprüngliche und genaue Aussprache war, ist bekannt, aber auch die moderne Leseweise ״Jahva", welche das Futurum von הוה darstellen soll, indeß in Wirklichkeit nicht darstellt, ist falsch. In Wirklichkeit kann auch nicht so gelesen worden sein, denn wenn das einfache Futurum im Gebrauch gewesen wäre, so würde die richtige Aussprache allgemein bekannt gewesen und geblieben sein. Ein Priestergeheimniß in Betreff der Aussprache wäre weder möglich noch nöthig gewesen; das Volk wäre nie darüber in Ungewißheit gerathen. Sicherlich ist bei der Aussprache von ׳הוה der ursprüngliche Grundlaut von יהו (Jehu,Ju) beibehalten worden und durchklingend gewesen, so daß ״Jehova" trotz der Entlehnung fremder Vocale der richtigen Aussprache sicher ziemlich nahekommt. Vielleicht sogar, daß wegen des Anklangs an das heidnische ״Ju" in Rücksicht auf den sich einschleichenden Hellenismus der ״Gottesname" dem Volke und Leben entzogen und Priestern und Tempel überwiesen wurde. So erst kamen die Ersatznamen ״Schem", ״Adonai", ״Elohim" in Gebrauch und die Umänderung des אנא ׳הוה in אני והו schloß sich diesen später an. Ursprünglich war der Anklang an den heidnischen Götternamen nicht zu perhorresciren, weil man weniger Gewicht auf den Namen, als den Begriff legte, oder vielmehr weil man dem gewohnten Namen neue Begriffe unterlegte. Unser deutsches ״Gott" ist ja auch dem Laute nach heidnischen Ursprungs, indem es aus ״Gotz" (S- und T-Laute verwechseln sich in allen Sprachen) entstanden ist und ״Gegossenes" ״Götze" bedeutet. Der heutige Gottesbegriff ist aber ein ebenso grundverschiedener und selbstständiger wie der jüdische ׳הוה- Begriff, trotz der Laut-Anklänge, welche beide mit dem entsprechenden heidnischen Gottesnamen verbinden. Alzey. _ Dr. Rothschild. Correspomienz. Fürth in Bayern. Gestatten Sie mir heute zur Jllustration des gegenwärtigen Kampfes über das hiesige Schulwesen und die Berechtigung der Juden zu den von ihnen gestellten Forderungen nachstehende Erläuterungen: Die hiesige (protestantische) Volksschule wird von 74 jüdischen Kindern (68 Mädchen und 6 Knaben) besucht, welche in einem eigens dazu hergegebenen Zimmer des Protestant, städtischen Schulhauses Religionsunterricht (wöchentlich 12 Stunden) erhalten. Der Rabbiner war bisher über diese! Schule mit der Localschulinspection betraut. Die Gewerbeschule (Handelsschule), die theils aus städti-; scheu, theils aus Kreisfonds erhalten wird, wurde im Jahre 1873/74 von 86 jüdischen Knaben besucht, die vom Religionslehrer Ebert wöchentlich 6 Stunden Religionsunterricht erhalten auf Kosten der Schulcasse. Gesammtschülerzahl 126. Der Ordinarius Silberschmidt ist Jude. — Die Latein- und Realschule, die aus denselben Mitteln (Stadt- und Kreisfonds) erhalten wird, besuchten unter 303 Schülern 149 jüdische Knaben. Dieselben haben in den unteren Elasten von Herrn Ottensooser und in den oberen von Herrn Ebert in je 7 Wochenstunden auf Rechnung der Schulcasse Religionsunterricht erhalten. Der Ordinarius Ottensooser ist Jude. Außerdem wird das Privatinstitut des Herrn Hirschkamm von ca. 25 und das des Herrn Beckendahl von einigen Juden besucht, die dort Religions-Unterricht erhalten. Mädchen: Die Töchterschule des Herrn Brändlein wird bei ca. 175 Gesammtfchülern von fast 90 Proe. Juden besucht. Religionslehrer Ebert, 6 Wochenstunden aus Kosten der Schulcasse.! Heberlein'sche Töchterschule. Fast 100 Kinder, drei! Viertel Juden. Religionslehrer Heymann, 3 Wochenstunden. Schuleasse. Confirmations-Unterricht im städtischen Schul- Hause für Knaben und Mädchen in je 2 Wochenstunden. Dies das Bild des hiesigen Schulwesens, das sicher einiges Interesse auch für auswärtige Leser haben dürfte. B. M. V0M Rhtitt, 23. Nov. Neulich ist uns die Zeitschrift des Thierschutzvereines für das.Großherzogthum Hessen Nr. 4, August 1874, in die Hände gekommen, in welcher ein Artikel: Das Judenthum und die Thierschutz-Vereine von Rabb. Dr. Lehmann zu Mainz § abgedruckt ist. Der Inhalt dieses Artikels verblüffte uns! nicht wenig. Wir fragten uns: Ist das derselbe Lehmann,! wie er in den von ihm herausgegebenen ״Israelit", wie er I tu seinem ganzen Verhalten innerhalb der jüdischen Kreise!sich kundgibt? Hier ist er vollständig ein Acher, ein ganz Anderer! Man höre: j Nachdem er einleitend bemerkt, daß er in den Bestrel bungen der Thierschutzvereine einen großartigen Fortschritt ■L-.

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