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Jüdische Volkszeitung · 1874-12-01 · 48 (1.12.1874) · p. Seite 383

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
48 (1.12.1874)
Date
1874-12-01
Page
Seite 383 (sequence 5)
Language
German
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mSiSi 383 — ws!. der Religionsschulen nach ihrem gegenwärtigen Stande nachfolgen zu lassen. Die Zusage wurde auch gegeben, wenn eine Aussicht auf Deckung der Druckkosten gegeben werden könne. Wollen wir nun abwarten. Neues aus dem Kreise läßt sich nicht mittheilen. Stag- Nation in allen Richtungen. Unsere Gemeinden wollen vom Geiste des Fortschrittes einmal nichts wissen. Das Bewußtsein, daß es auf keinem Gebiete unseres Daseins zum Stillstand oder gar zum Rückgang der geistigen Bewegung kommen kann, ist ihnen fremd, und wird bei der bekannten Richtung der unterfränkischen Rabbiner ihnen noch lange fremd bleiben. Aus Uutcvfvanfcu, 19. Nov. Die neueste Nummer des bayrischen Kreis-Amtsblattes veröffentlicht eine Uebersicht der im Jahre 1873 gegründeten neuen Stiftungen und die Fundationszuflüsse zum Gemeinde-, Unterrichts-, Wohlthätigkeits- und Cultus-Stiftungs-Vermögen. Die örtlichen und allgemeinen Stiftungen nach der confessionellen Bestimmung entziffern: 349 katholisch mit 78371 fl. 142/נ kr. 14 protestantisch mit 3579 fl. 16 kr. — israelitisch — — — — Es gab eine Zeit, die aber Gottlob längst vorüber ist, wo der politische Druck, verbunden mit dem steten Wechsel des Aufenthaltsortes und die Furcht vor drohenden Gefahren, wo man Wohlstand bei unfern Glaubensgenossen zu finden hoffte, verbunden mit der öffentlichen Unsicherheit, es vollkommen entschuldigte, wenn gemeinnützige Einrichtungen zu den größten Seltenheiten bei uns gehörten. Allein, in unfern Tagen fallen diese Gründe weg; und während wir doch nirgends gern den letzten Platz einnehmen, vielmehr wo es sich um eine edle gute Sache handelt, gern im Vordergrund stehen, und wo der Luxus reichlich entfaltet wird, auch da sind unsere reichen Glaubensgenossen, vorzüglich in den Städten, nicht die Letzten, und dennoch machen Katholiken und Protestanten in Unterfranken uns im Gemeinsinnn total zu Schanden. Unsere begüterten Glaubensgenossen in Unterfranken, wie sie meistens in den Städten concentrirt sind, mögen doch mit einiger Aufmerksamkeit die obigen Zahlen lesen nnd sich die Fragen vorlegen, ob denn zu Zwecken des Unterrichts, der Wohlthätigkeit und des Cultus nichts zu thun und aufzubessern sei? ob sie je nach dieser Richtung auch nur das Geringste geleistet haben, trotzdem sie von ihren früheren ländlichen Wohnplätzen es sehr gut wissen, wie hier Alles im Argen ist und wie diese mit den dürftigsten Verhältnissen und der kargen Lebenskraft zu ringen haben. Wenn der Anspruch auf Achtung und Ehre nicht sinken soll, dann darf eine solche amtliche Statistik nie mehr zum Vorschein kommen. Unsere Orthodoxie stiftet — Spaltung, Haß und Hader, daß kostet nichts; sie kennen nur ihre Zwecke und was nicht dazu gehört, hat auch kein Recht zu bestehen, ihr שלחן ערוך weiß von einer Statistik nichts. Ingelheim. Wir erhalten folgendes Schreiben, das wir hier abdrucken, um es zur Kenntniß derjenigen zu bringen, die es angeht: Emendingen, d. 15. November. Soeben lese den Bericht über die Alliance israsl. univ. und hat namentlich Ihr Vorschlag, zuerst den polnisch-russischen Juden Hilfe zu bringen, ehe wir nach dem Orient unsere Rachmonos-Blicke schweifen lassen, meine vollste Zustimmung. Dabei fällt mir auf, warum Sie mein früheres Anerbieten, eine gewisse Anzahl polnischer Knaben bei hiesigen Handwerksleuten unterzubringen, ignorirten.*) *) Was konnte ich in der Sache thun? Zur Kenntniß der Betreffenden habe ich sie wohl gebracht. Kl. Wie wäre es, wenn wir heute noch diesen Weg beträten und die Jugend Polens, Knaben und Mädchen, derart unterzubringen suchten, daß, wenn solche eine längere Lehrzeit bestünden, wenigstens das Lehrgeld erspart würde, Logis und Kleidung müßten die Lehrmeister tragen, während die Alliance für Kost sorgt. Unterricht von Lehrern in der Religion und andern profanen Wissenschaften gratis. Viele würden auch von den betreffenden Gemeinden, in denen sich solche Erbarmungswürdige fänden, vollständig unterstützt werden. Auf diese Weise könnte man 100 und 1000 im deutschen Reich, in Frankreich, England rc. ausbilden, die dann entweder bei uns oder in ihrem Vaterlande sich einen Heerd gründen und für die Ihrigen segensreich wirken und schaffen könnten. Wohlan! Machen wir Lehrer den Anfang und will ich mich verpflichten, in unserem Oberlande für 30—50 ein Unterkommen zu suchen. Sehen Sie mein Entgegenkommen für keine Schwärmerei an und geben Sie bald Nachricht (entweder brieflich oder in der ״Jüd. Volkszeitung" Ihrem ganz ergebenen Bodenheimer. Wien, 9. Nov. Die geehrten Leser dieser Zeitschrift haben wohl aus anderen Zeitungen von dem grauenvollen Raubmorde Kunde, welcher in der Nacht vom 2. Nov. im Eisenbahnwaggon auf der Route zwischen Brünn und Prerau in Mähren vorgekommen. Grauenhafter noch wird das Ereigniß für unsere Leser durch die Mittheilung, daß sowohl der Mörder als der Ermordete Juden waren. Es mag wohl ein ähnlicher oder gleicher Fall noch nichtvorgekommen, seitdem Israel in der Verbannung lebt. Die ausführliche Darstellung, wie sie die Wiener Blätter bringen, gehört nicht hierher. Wir deuten nur an, daß der bereits geständige Mörder, Leopold Adelbert Freund, aus Trentschin in Ungarn gebürtig, ein verkommener Mensch von 23 Jahren, der vorher unter fremdem Namen in einem Kaffeehause in Brünn als Kellner diente, mit der Absicht auf die Reise ging, unterwegs gelegentlich einen Reisenden zu ermorden, um seine Verhältnisse zu bessern. Ein unglücklicher Zufall wollte es, daß der Ermordete, Oeconom undBranntweinfabriks-BesitzerErnst Kätscher aus Braueck, Herrschaft Pillersdorf bei Wallachisch-Meseritsch — seinem Schwiegersohn im Wartesalon in Brünn 12,000 fl. in Papieren zeigte, während der Mörder ihn beobachtete. Damit war sein Tod bestimmt. Freund verfolgte sein. Opfer von Station zu Station, indem er sich stets in dasselbe Coups drängle, bis es ihm gelang, dasselbe zwischen Raußnitz und Rezamislitz mit einem 12 Zoll langen Küchenmesser zu ermorden. Schon des andern Tages wurde er jedoch in Kojetein aufgefunden, und mußte, unter der Wucht der gegen ihn vorgebrachten Beweise zusammenbrechend, alsbald ein unffassendes Geständniß ablegen. Der Ermordete war eben so wohlhabend als hochgeachtet und gehört einer sehr geschätzten Familie an. — Es ist ein Vorfall gräßlicher Art und — es gibt zu denken! Ist das jüdische Herz — auf dem Wege zur Ausartung? Es ist ein einziger Fall, aber doch so abnorm, daß man sich fragt: Hätte Jemand so etwas für möglich gehalten? — — Der Mörder ist bereits vom Schwurgerichte als schuldig erklärt und zum Tode durch den Strang verurtheilt. Petersburg, 1. November. (Die Judenfrage in Rußland.) Die in jüngster Zeit vielfach in Umlauf gesetzten Gerüchte von einer bevorstehenden Massenverfolgung der innerhalb der Grenzen des russischen Reiches lebenden Israeliten entbehren durchaus der thatsächlichen Begründung. Wohl hatte es noch vor Kurzem den Anschein, als trüge sich die Regierung mit Plänen, deren Verwirklichung die Existenz der Juden -—*kj

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