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Jüdische Volkszeitung · 1874-12-01 · 48 (1.12.1874) · p. Seite 382

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
48 (1.12.1874)
Date
1874-12-01
Page
Seite 382 (sequence 4)
Language
German
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Handlungsweise betrachten. Durch Bruchstücke und Citate aus Geiger's Schriften wurde erwiesen, wie der Verklärte das Reformwerk behandelt, welche Anforderungen er an die Nabbiner seiner Zeit stellte, wie er, was von besonderem Interesse war, die Schein-, Halb- und Neuorthodoxen betrachtend, gegenüber den alten, wahrheitsliebenden Rabbinen, deren Character nicht die glatte, blasse Pastoralklugheit zuließ, die selbst nicht fanatisch, deren Zeit es war, zutreffend entgegenruft: ״Wie lange hinket ihr noch aus zween Seiten!" Wie der Verstorbene auf dem Catheder, seiner eigentlichen Stätte, mehr noch als auf der Kanzel wirkte, ward trefflich geschildert. Die Frage: Wie war G. inderreligiösen Praxis, führte zum Ergebniß: mild, rücksichtsvoll, ausgleichend zwischen Lehre und Leben. Sein Gedanke: das eigentliche Leben des Judenthums wieder festzustellen und dadurch Einheit in's Judenthum zu verpflanzen, wurde an seinem Programm für die Rabbinerversammlung nachgewiesen. Begeistert ruft unser Prediger, die Juden sind wohl aufmerksame Zuhörer, aber nicht immer willige, gehorsame Schüler; denn wer hätte den Muth, ihm, der so klar und bestimmt auftrat, zu folgen? Zur Behandlung der weiteren Frage: Was war Geiger für die ga'nze Menschheit, zeigte der Redner, wie Geiger durch den Messiasgedanken des Judenthums dessen Verbindung mit der ganzen Menschheit Herstellen wollte. Er wollte Manches dem Volke noch heiligen, gleichsam der Menschheit zum Opfer bringen; es sollte sein Volk verlieren können, auf daß die Menschheit gewinne. Weil nun G. nur im Hinblicke auf die Gesammtheit Israel behandelte und leitete, darum mußte es ihm auch daran liegen, daß dieses recht erkannt und in seiner inneren Bedeutung geschätzt werde. Jeden Angriff, der unlauteren Motiven entsprang, wies er mit den scharfen Waffen seines Geistes zurück. Er erkannte die Berechtigung des Tadelns nur den Allerbesten zu, wie er nur auf den Beifall der Allerbesten achtete. So stehe Geiger da, als ein vom besten Wahrheitstrieb beseelter Lehrer seines Volkes, als freudiger, opferbereiter, unermüdlicher Kämpfer für die ganze Menschheit. Wer! G. würdigen will, muß zuerst Mensch sein und dann Glaubensgenosse, der muß seine enge Zelle verlassen und unter den freien Himmelsdom der Gesammtheit treten. Wie die Sonne nach allen Richtungen hin Leben weckt und Freude, alle Keime und Sprossen in Thälern und Höhen zu wetteiferndem Emporstreben liebevoll rufet, so wußte G. überall, wohin er seine Blicke aussandte, Leben und Streben zu erzeugen, überall das Gute und Tüchtige zu wecken und zu schönen Gebilden reifen zu lassen. Die Sonne ging unter. Doch wie sie auch im Scheiden noch die Gipfel der himmelanstrebenden Gebirge in rosigem Glanze verklärt, wie lange nach ihrem Dahingehen ihre vergoldeten Strahlen zurückfallen ins ergraute Thal, so werden auch die Strahlen von G.'s Geiste noch lange unseren verdunkelten Kreis erhalten und die Hoffnung eines wiederkehrenden Tages in uns bestärken. Nach dem Chorgesange Ps. 23 schloß der Redner mit dem von Geiger selbst verfaßten Gebete: Am Grabe bedeutender Menschen. Besondere Erwähnung verdienen noch die herrlichen Gesänge unseres Cultus, auf die wir mit Recht stolz sind. Wir fühlen uns zu innigstem Danke gegen den Componisten, Herrn Musikdirector Lewandowsky in Berlin, verpflichtet, der uns schon so oft das Herz erhoben hat. Seine Compositionen sind der Erguß einer schönen Seele, die allem Niedrigen sich entwunden hat. B...N. Wiesbaden, 15. November. Daß die Nachricht vom Ableben Geiger's hier, in der Stätte seiner ersten beruflichen Wirksamkeit tief erregte, ist selbstverständlich. Sehr viele Gemeindeungehörige erinnern sich noch lebhaft des jugendlichen Stürmers, der damals schon ahnen ließ, mit welcher Energie er an der Verjüngung. und Durchdringung des Judenthums arbeiten würde. Bei der Einweihung unserer herrlichen, neuen Synagoge hat er als Festredner, vom Vorstande der Cultusgemeinde geladen, den alten Bund der Herzen erneut. Unser würdiger Rabbiner Süßkind erhielt die Nachricht am Morgen des 24. v. M., am Sabbath früh durch das Telegramm in der Zeitung, gerade in dem Momente, als er im Begriffe war, in die Synagoge zu gehen. Eine solche Nachricht erregt das Gemüth zu sehr, als daß ein Prediger sie verschweigen könnte. Und anschließend an die Predigt (über die Kunst, sich ein hohes und zugleich frohes Alter zu bereiten) gab er der wie vom Blitz getroffenen Gemeinde, von der nur wenige das Telegramm bereits gelesen hatten, die erschütternde Nachricht und feierte sein Andenken, als ״eine Leuchte Israels, als der Schrecke:: der Finsterlinge in- und außerhalb desselben" und schloß mit dem Gedanken, daß ״wie sein Geist unsterblich, so auch der Geistessame, den er ausgestreut habe, fort und fort segensreiche Früchte bringen werde". Der Moment war ergreifend, ja erschütternd; denn kaum hatte der Redner den Namen Geiger's erwähnt, als sich die Gemeinde wie ein Mann erhob und — so ward durch die tiefempfundenen Worte des Redners wie durch die geistige und sichtbare Erhebung der zahlreich versammelten Gemeinde das Andenken des allzufrüh Verblichenen hier, an dem Orte, in welchem er in seinen Beruf eingesührt worden, würdig gefeiert.- Aus Unlersrankeu, 13. Nov. Das Versprechen, eine Statistik der Religionsschulen Unterfrankens Ihrem Blatte zuzusenden, ist zu meinem innigsten Bedauern für heute auszusühren nicht möglich, da die neue Schulstatistik, verfaßt von den kgl. Regierungsregistratoren Grübel in Ansbach und Scheer! in Würzburg, wohl die unterfränkischen isr. Elementarschulen, | aber nicht die Religionsschulen brachte. So sehr wir dieses Factum im Interesse der Religionslehrer bedauern, so können wir es nur als die Consequenz der Landtagsverhandlungen ansehen. Die bewilligten Gehaltsaufbesserungen und Theuerungszulagen sind nur für die Lehrer an den öffentlichen Volksschulen zur Verfügung gestellt worden, wozu man auch die jüdischen Elementarlehrer rechnet, in diese Categorie aber die Religionslehrer nicht gehören. Der Finanz-Ausschuß hat darum mit kurzen, kalten Worten erklärt: ״Der Bitte der isr. Religionslehrer glaubt er eine Folge nicht geben zu können". Nun wissen auch diese Lehrer, woran sie sind, und wenden sie sich nicht vereint und, soweit die Statuten es gestatten, der Achawa zu, so ist ihnen nicht zu rathen und nicht zu helfen. Möge also für heute eine kurze Uebersicht der unterfränkischen Elementarschulen hier folgen. Diese haben einen Reinertrag von 350 fl. und beziehen einen Zuschuß aus Kreisfonds von 50 fl. Die Alterszulage ist nach den Dienstesjahren natürlich verschieden. Die Namen der 19 Schulorte sind: Burgprappach, Heidingsfeld, Heßdorf, Homburg, Kleinheubach, Mainstockheim, Memelsdorf, Mittelsinn, Niederwerra, Obbach, Oberlauringen, Oberwaldbehrungen, Reckendorf, Steinach, Thüngen, Unsleben, Urspringen, Westheim und Willmars. — Als Nachtrag möge die persönliche Verwendung vom Schreiber dieses bei dem k. Regierungsregistrator Scheer in Würzburg Platz finden, um etwa in einem Anhänge die Statistik

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