Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 48 (1.12.1874)
- Date
- 1874-12-01
- Page
- Seite 381 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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381 י unb der lchluß des- und nach - hat der - In seiaber auch ctige gewe- Form hat :lt auf das , >or Außen-!rundsätzlich! und perjedoch, die ch mit der )as Judenauch nach n der Ma- Wissenschaft-? Wir und weder den MMgberZ^ Lebens der die Wissenschaft, den lebendigen Geist der Cultur zu schmähen und zu schelten, wenn Ihr es vermögt! Doch nun zu Anderem! Eorrespomlenz. Ingelheim. Wir sammeln noch verschiedene Mitthei- > lungen über die Gedenkfeier an einen großen Lehrer des Judenthums, weil sie uns ein beredtes Zeugniß stnd, daß denn doch die herrlichsten und edelsten Gemeinden Israels im Ganzen und Großen der religiösen Richtung zugethan sind, welcher Geiger angehörte und der er diente, wie sonst nur Wenige. Wir sagen: Richtung, nicht Partei oder Ueberzeugung, denn im Wege, in der Richtung liegt der Keim — das Ziel. Geiger's ׳Bedeutung liegt mehr auf dem streng wissen - schaftlichen als populären Reformgebiete; in der Popularisirung > des freien Geistes im Judenthum, in der volksthümlichen Bearbeitung der Geistesschätze desselben, in der praktischen Reform wird er von manchem der Mitlebenden und insbesondere von Einem übertroffen, den wir hier nicht nennen wollen, weil sein Name ein finsterer Schatten im Lebenswege Geiger's ist, ein Schatten, den wir leider nicht bannen können, nicht aus unserem Gedächtnisse und nicht aus der Geschichte, so gerne wir es, um desTodten wie um des Lebenden willen, der unserem Herzen theuer ist, thun möchten. Als wissenschastlicher Reformator des Judenthums jedoch steht Geiger unerreicht da, h t er unter den Lebenden jetzt nicht seines Gteichen, — aber sie werben kommen, seine Geisteskinder, sie werden sich zu ihm erheben — so gewiß die Sonne nicht untergeht. Das Werk der geistigen Läuterung der ״Religion der Zukunft, an die er glaubte, und für die er יwirkte", wieBerthold Auerbach in einem herrlichen unübertrefflichen Nachrufe (in der ״Gegenwart" von Paul Lindau) so schön sagt, wird gelingen. Daß man in den herrlichsten deutschjüdischen Gemeinden sein Andenken feiert und dadurch sein Wirken anerkennt, ist ein beredtes und erfreuliches Zeichen, daß man anfängt, den Werth der neuen Wissenschaft des Judenthums zu erkennen. Daß dies theilweise von Männer seines Berufes geschieht, deren religiöse Richtung von der Geigers weit entfernt ist, die ihm im Leben fast als Gegner gegenüberstanden, die die Resultate seiner wissenschaftlichen Forschung nicht anerkannten, ist uns dessen — der einstigen Erfüllung Zeugniß und Gewähr, gerade um deswillen, weil diese Männer selbst von wissenschaftlicher Bedeutung und mit bestimmt ausgesprochenen Grundsätzen, theilweise aber von conservativer Ueberzeugung durchdrungen sind. Das Andenken Geiger's und -^^die bei dessen Tod hervorgetretenen Stimmungsbilder und Anschauungen werden uns noch manchmal Stoff zu Betrachtungen geben; wir sammeln diese Objecte — sie sind Zeugnisse der Geschichte. — צדיקים במיתתם קרויין חיים die Gerechten werden im Tode lebend genannt. Nürnberg, im November. Nur wer das Verdienst im Andern ehrt, ist auch immer des eigenen werth. Diese Anerkennung hat sich der Rabbiner, Herr Dr. Levin, -v die Vorstanbschaft der Gemeinde Nürnbergs und jene überwiegend große Zahl der Andächtigen, welche am Sonntag, 15. November, in der Hauptsynagoge die Gedächtnißfeier für den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Geiger begingen, erworben. Unseres Wissens hat hier in Nürnberg mit Leipzig unter anderen Gemeinden Deutschlands das erste Beispiel gegeben, und gezeigt, daß es Geiger verdient, in allen Gauen Israels , segnend gedacht zu werden. Eine solche Blume auf das , frische Grab gepflanzt, ist gewiß der kleinste Tribut für den großen Mann, von dem wir, als er noch lebte und webte, mehr denn einmal im Stillen dachten: ברוך הכם הרוים שנתן מחכמתו ליראיו. Ja, gesegnet der Chacham und seine Manen! Mächtig ergreifend war die Wirkung des einleitenden Trauergesangs, Ps. 103, 15—17, ausgeführt vom Synagogenchor mit Orgelbegleitung. Nach den einleitenden Worten: ״Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest?" erinnerte der Prediger an die vier vor Kurzem Heimgegangenen edlen Männer: Rabbi Elias Gutmacher in Grätz, Rabbi Hirsch Kalischer in Thorn, Oberrath Altmann in Karlsruhe und Dr. Abraham | Geiger in Berlin. Während aber die drei ersten, so führte!Redner aus, vorzugsweise der Judenheit und auch da mehr j einer Richtung verloren gehen, wird Geiger in den weitesten! Kreisen vermißt werden. Er gehörte zu jenen Wenigen, die der Gattung nur insofern eine Bedeutung beilegen, als sie zum Bestände, zur Vollkommenheit der Gesammtheit beiträgt, zu jenen Wenigen, durch die eben, wie wohl sie in der -Gattung verbleiben, dieMenschheit sich fortpflanzet,! während Millionen sich beschäftigen, daß nur die Gattung!als solche bestehe. Millionen beschäftigen sich, daß die!Gattung bestehe! Aber durch wenige nur pflanzet!die Menschheit sich fort. Tausend Keime zerstreut!der Herbst, doch bringet kaum einer Früchte; zum!Element kehren die meisten zurück. Aber entfaltet jsich auch nur einer, einer allein streut eine leben-!dige Welt ewiger Bildungen aus. Dies die Wahrheit, j worauf der Prediger, Herr Dr. Levm, seine Sätze stellte.!Was war Geiger für Juden unb Judenthum, bildete die erste Frage. Die Antwort lautete: (so weit der Raum der Blätter gestattet, nur kurz zusammengefaßt). Er bildet den Abschluß der Periode, die mit Mendelssohn begonnen. Während dieser nur die ersten Geistesfunken in die Massen Israels warf, — denn Reformator war er ja nicht — haben Bernays und Steinheim die weltgeschichtliche Aufgabe Israels betont, was endlich zur Selbsterkenntniß des Judenthums führen mußte. Die eigenen Schätze desselben förderte zu Tage im Osten, Nachmanni, Krochmal und Salomo Rapoport; im Norden, Leopold Zunz und A. Geiger. Dieser, führt Redner aus, sei Schöpfer der wissenschaftlichen Theologie des Judenthums, die ohne eine Dogmenzuspitzung zuzulassen, eine auf historische Grundlage sich vollziehende Fortbildung der Theologie ermöglicht. Mit meisterhafter Beredtsamkeit schilderte hierauf Redner Geiger's Lebenslauf, bei höchst interessanten Seitenblicken auf seine edle Abstammung und Verwandtschaft, insbesondere zu Lazarus Geiger, dessen Büste neben der des Geistesheroen Göthe in seiner Vaterstadt Frankfurt ausgestellt ift* Hierauf gedachte er des Kampfes auf dem Felde des Geistes, mit seinem gewiß nicht zu unterschätzenden Gegner, Samson Raphael Hirsch in Frankfurt, als Anfang der nun bis zu seinem Tode nicht mehr endenden Kämpfe für ihn. Im Weiteren wurden Geiger's Werke besprochen und die beiden Momente hervorgehoben, was er den Rabbiner-Versammlungen war und der neugestifteten jüdischen Facultät zu Berlin. Der 25. October habe in unserer Mitte eine Lücke erzeugt, die momentan Keiner auszufüllen vermöge. Gemäß der Ursitte des Judenthums, Staubgeborene nicht zu verhimmeln und zu vergöttern, — אין עושיך (בימות לצדיקים — verlangte der Redner_ kein Denkmal für Geiger, das dem Zeitenhauche ausgesetzt ist. Das Judenthum verlange, daß seine Geister sich selber Denkmäler setzen in ihren Werken und Thaten. Und diese Denkzeichen sollen wir dann ehren und schätzen und sie als eine ermunternde Richtschnur für unsere