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Jüdische Volkszeitung · 1874-11-24 · 47 (24.11.1874) · p. Seite 377

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
47 (24.11.1874)
Date
1874-11-24
Page
Seite 377 (sequence 7)
Language
German
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377 H u n d f a u. Berlin. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat sich an den kürzlich hier versammelten Kongreß deutscher Architecten mit dem Ersuchen gewendet, die Ursachen der schlechten Akustik in der neuen großen Synagoge zur ermitteln und Rathschläge zur Abhilfe zu ertheilen. Der Congreß hat sich dazu bereit erklärt und einige Mitglieder dazu abgeordnet, welche den ganzen Bau zu diesem Zwecke einer Untersuchung unterziehen werden. Würzburg. Dr. Rittler, Redacteur des clericalen ״Fränkischen Volksblattes", wurde vom Schwurgerichte zu einmonatlichem Gefängniß verurtheilt. Derselbe war beschuldigt, in einem ״der ׳ Nationalliberalismus und die Judenherrschaft" überschriebenen Aufsatze durch eine gehässige Besprechung des Judenthums in seinen Beziehungen zum modernen Staate und der christlichen Bevölkerung als Endziel der jüdischen Bestrebung ״die schon dem Kinde eingepflanzte, im Talmud gelehrte Verfolgung des Christenthums und seiner Angehörigen in politischer, religiöser und ökonomischer Beziehung" geschildert und dabei insbesondere durch die Worte: ״die Christen- Hetze sollte sich eigentlich in Judenhetze verwandeln" in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise die christliche Bevölkerung öffentlich zu Gewaltthätigkeiten gegen die jüdische Bevölkerung aufgereizt zu haben. Di־. Rittler gab zu, den fraglichen Artikel aus dem Wiener ״Vaterland" entnommen zu Habens nur seieir^die Worte ״Judenhetze" und ״Christenhetzet aus einem Versehen des Setzers anstatt ״Judengesetze" und ״ChristArgesetze" eingestellt worden. Nach dem Wortlaute des Artikels sei lediglich der heutigen Tags geführte Cultur- Kampf gemeint, und der Artikel sei nicht an die Adresse des Volkes, sondern nur an die Staatsmänner und Volksvertreter gerichtet. . -- Italien Nizza, 5. November. Gestern um 11 Uhr Vormittags wurde das Garibaldi-Viertel durch einen mysteriösen Vorfall in große Auflegung versetzt; wie Lauffeuer verbreitete sich das Gerücht davon durch die ganze Stadt. Es handelt sich um einen Selbstmord des Herrn Avigdor, eines in der Fremden- Colonie sehr bekannten Bankiers in Nizza. Zwischen 8 .und 9 Uhr hörte der Eisenhändler Ribis, als er durch die nach Villefranche führende Montbaronsträße ging, plötzlich den Schuß einer Feuerwaffe. Nach der Richtung, von wo der Schall herkam, ausblickend, gewahrte er auf einer Klippe am Meere in der Nähe des Lazareths eine träge Masse; er schlug sofort den Küstenpfad ein und hatte dort bald einen schrecklichen Anblick. Ein lebloser menschlicher Körper lag da, den Kopf in einer Felsenhöhlung gebettet und von den Wellen bespült. Nahebei lag ein noch warmer Revolver. Ribis zog den Leichnam etwas zurück und agnoscirte nun an ihm den Bankier Avigdor; mittlerweile waren noch mehrere Personen herbeigekommen, die gleichfalls in ihm den Bankier vom Garibaldiplatz erkannten. Man schickte nach dem Polizei-Commisär des zweiten Bezirkes; nun hatte auch schon die Familie des Selbstmörders die düstere Nachricht und ließ durch Bedienstete des Hauses die Leiche fortschaffen. Herr Avigdor war am Morgen in Gesellschaft eines seiner ersten Commis, auf den er ein ganz besonderes Vertrauen hatte, aus dem Bureau fortgegangen. Sie gingen zusammen durch die Cassinigasse gegen den Hafen hinaus. Inmitten der Straße hörten sie Jemanden, der eiligen Schrittes hinter ihnen kam; sie erlannten in ihm einen Bankbeamten, der Herrn Avigdor bat, schnell zurückzukehren und mehrere wichtige Papiere zu unterzeichnen. ״Das kann auch ohne mich ganz gut geschehen," erwiderte Avigdor. Auf das hin setzten die Beiden ihren Weg fort; nach einigen Minuten händigte der Chef seinem Commis ein dreifach gesiegeltes Briescouvert ein und verabschiedete sich von diesem, nun in die Lazarethstraße lenkend. Das Couvert enthielt das Testament des Selbstmörders und wurde unverzüglich in die Hände des Maire von Nizza, Herrn Raynaud, hinterlegt. Nach dem Parere der Aerzte steckte die Kugel in einem Kopftheile, aus dem sie nicht entfernt werden konnte. Dieser Selbstmord ist, so viel jetzt schon verlautet, das Resultat von unglücklichen Speculationen, die noch durch ganz besondere Umstände verschlimmert wurden. — Unter dem 6. d. schreibt man uns aus Nizza: ״Die Equipage des österreichischen Schiffes ״Saida", welches eben im Hafen vvn Villefranche anwesend ist, hat Avigdor bis auf den israelitischen Kirch--- Hof escortirt. Das Couvert mit drei Siegeln, das der Phare erwähnt, ist dem Maire übergeben worden, welcher darauf die Verhaftung der beiden Avigdor'schen Commis Cialdo und Colonna nebst der Haussuchung bei ihnen veranlaßt hat." (N. Fr. Presse.) Amerika. Aus New-Nork. ״Jewish Times" berichtet: Einer unserer Correspondenten theilt uns folgende Thatsache mit- Am jüngsten Versöhnungsfeste hatte ein Jude, welcher eine hervorragende Stellung in der Gemeinde Brooklyn einnimmt, ein Plakat an seinem Geschäftslokale angebracht, des Inhalts, daß an seinem Laden Reparaturen vorgenommen würden, weßhalb sein Geschäftslokal an diesem Tage geschlossen bleibe. Damit gab er zu verstehen, daß er sich schäme, sich bei dieser Gelegenheit als Jsraelite öffentlich zu bekennen. Wir können nicht einsehen, bemerkt der Correspondent, warum ein solcher Mann so beschränkt ist, seinen Nachbarn den wahren Grund zu verschweigen. Die Zeit der Inquisition ist vorbei, der Jude darf Farbe bekennen. (Vielleicht wollte der Mann sagen, daß es eine Schande sei, sich ausschließlsch vor dem Jomkippur zu fürchten, wenn man sonst Jahraus Jahrein keinen Sabbath und keine Festtage kennt. Und wahrlich, es liegt mitunter ein guter Grund in diesem Schämen. Redaction.) Vermißtes. Frankfurt a. M. (Eine verhängnißvolle Leber.) Beim Metzger der hiesigen Religionsgesellschaft bestellte Frau Sdurch den jüdischen Burschen desselben neben anderen Fleischarten auch eine Leber. Der Metzger hatte zufällig keine und der Bursche ging zu einem anderen jüdischen Metzger O- und ließ Frau S. eine Leber zukommen. Frau S. nahm die Leber nicht an, da sie bei Metzger O. nicht bestellt hat. Ihr Mann jedoch, Lehrer an der Schule der Frommen, ging zu Priester Hirsch und darob großer Leberscandal im Lager _ Israels. Hirsch eilt mit Pinchaseiser zum Metzger und spricht es aus das gewichtige Urtheil, der Bursche müsse weggejagt werden, der eine solche Schandthat begangen. Alles Bitten, alles Flehen des fleißigen Burschen, der betheuerte, nicht gewußt zu haben, daß Herr S. von einen: jüdischen Metzger keine Leber genießen dürfe, halfen nichts auch seine Versprechungen für die Zukunft blieben erfolglos. Priester Hirsch war unversöhnlich, der Metzgerbursche wurde entlassen, denn durch die verhängnißvolle Leber wurde des Rabbiners Galle zu heftig erregt. Victor Gu6rin hielt kürzlich in der französischen Academie eine Vorlesung über die von ihm aufgefundenen Steinmesser,

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