Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 47 (24.11.1874)
- Date
- 1874-11-24
- Page
- Seite 374 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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374 Correfponäenz. Äugelheim. Die ״Jewish World" stellt in ihrer jungsten Nummer das in Abrede, was über das Verhältnis des Ober-Rabbiners Dr. Adler von London zu dem polnischen Rabbi und Maggid Dainow in einem ״Eingesandt" dieser Zeitschrift behauptet worden. Sie sagt, daß Herr Dainow selbst am lautesten gegen diese Anklage protestire. Wir nehmen von diesem Dement mit Vergnügen umsomehr Act, als wir selbst zauderten, bevor wir das Eingesandt aufnahmen, das uns übrigens von bewährter und wahrheitsliebender Seite zugekommen. Wenn wir nicht irren, wurde auch in anderen Blättern früher Aehnliches angedeutet. Eine Beurtheilung englisch-jüdischer Zustände ist uns natürlich nicht möglich! Wir können nur wiederholt bemerken, daß solche Eingesandts wie Inserate behandelt werden, deren Verantwortung nur allein dem Einsender obliegt. Ans dem Grotzherzogthum Hessen. In Worms wurden bei der zur Zeit nach der neuen Gemeindeordnung überall bewerkstelligten Gemeinderathswahl unter 18 Mitgliedern des Magistrats 3 Juden gewählt, in Mainz unter 36 — zwei und der Beigeordnete Herr Reinach. In Ober- Ingelheim wurde Herr Moses Meier fast einstimmig wieder gewählt. Uebrigens sind fast überall auch in Landgemeinden Juden gewählt worden; freilich in einer Weise, die wir aus allgemeinen Gründen fast zu beklagen berechtigt wären. Es treten nämlich neuerdings die confessionellen Verhältnisse so in den Vordergrund, daß man in vielen Orten um desFriedens willen allen Confessionen gerecht zu werden suchen wollte. Man sah mehr auf die richtige Verhältnißzahl der Confessionen zu einander, als auf die Würde und Befähigung zum Amte; und die Juden wurden gewählt, nicht aus Toleranz, nicht wegen ihrer anerkannten, oftmals hervorragenden Befähigung, sondern um die consessionelle Gleichberechtigung zu erweisen, ein durchaus falsches Princip; denn diese erweist man nur, wenn man bei Beurtheilung der Befähigung zum Gemeindeamts gar nicht fragt: was glaubt der Mann? sondern: ist der Mann ein richtiger Gemeinderath? Aus OpHeln schreibt man der ״Breslauer Zeitung" vom 10. November. (GoldeneHochzeit.) Unter der herzlichsten Theilnahme der hiesigen Einwohnerschaft feierte heute der Particulier Marcus Friedländer mit seiner Gemahlin, Frau Julie Friedländer, Dame des Louisen-Ordens, das schöne Fest der goldmen Hochzeit inmitten einer ansehnlichen Zahl von Kindem, Kindeskindern und Urenkeln, die zum Theil aus weiter Ferne, ein Sohn selbst aus Amerika, herbeigeeilt sind, um dem Ehrentage ihrer geliebten Eltern beizuwohnen. Aber nicht nur die nahen Anverwandten habm sich vereinigt, um den Tag festlich zu begehen: Freundschaft, Verehrung und Dankbarkeit hatten zahlreiche Personen von Nah und Fern bewogen, dem Jubelpaare ihre Glückwünsche persönlich darzubringen, so den Sectionschef im k. k. Finanzministerium, Ritter v. Prechtl und Frau Regierungs-Rath v. Stummer- Trauenfels aus Wien, Superintendent Krieger nebst Gemahlin aus Canth, Regierungs-Präsident v. Hagemeister, Major Grüner, Erzpriester P orsch, Superintendent Geisler, die Klosterschule, deren Zöglinge, geleitet von einer Schulschwester, ihrer Dankbarkeit für die ihnen seither gewährte Theilnahme in entsprechenden Gedichtsvorträgen Ausdruck gaben, Magistrat und Stadtverordnete, vertreten durch eine Deputation, verehrtm ein kostbares großes Album mit photographischen Ansichten von Oppeln, der Vorstand des vaterländischen Frauen- Vereins, welchem Frau Friedländer selbst angehört, überbrachte eine Etagöre mit einer künstlerisch gefertigten Widmung, die jüdische Gemeinde einen Tafelaufsatz, der jüdische Fraumverein ein Atlaskissen mit prächtiger Goldstickerei. Aeußerst zahlreich sind die eingelaufenen brieflichen und telegraphischen Glückwünsche; hervorgehoben aber sei ein Gratulationsschreiben aus dem Cabinet Ihrer kgl. Hoheit, der Großherzogin-Mutter Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, mit welchem deren großes photographisches Brustbild einging. (Anlaß zu diesm Beziehungen gab die anerkennenswerthe Fürsorge, mit welcher < Frau Friedländer den tm Jahre 1870 in Mecklenburg stehenden oberschl.TruppenLiebesgabenzukommenließ.) — Inden frühen Morgenstunden des heutigen Tages, während deren dem Jubelpaare auf Veranlassung des Bataillonscommandeurs, Major Grüner, von der Militairmusik ein Ständchen gebracht wurde, waren die Familienglieder zur Gratulation erschienen; es folgten demnächst die übrigen zahlreichen Gratulanten. Die würdigste Weihe aber erhielt das Fest in der Synagoge, in deren von Theilnehmenden ganz gefüllte, mit Laubgewinden verzierte Räume der Hochzeitszug unter dem Gesänge des 23. Psalms eintrat. Es folgte darauf die Hymne ״die Allmacht" von Schubert, mit schöner Stimme und sinniger Auffassung vorgetragen voneiner Schwiegertochter des Jubelpaares, demnächst ein Gebet und Psalm 118, gesungen von dem Cantor der Gemeinde, worauf Herr Rabbiner vr. Wiener die gehaltvolle und zu Herzen gehende Jubelrede hielt. Ein Chor von Otto endete die erhebende Feier, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Eine segensreiche Stiftung ist von den Kindern des Jubelpaares durch Fundirung eines Capitals von 1000 Thlr. mit der Bestimmung gemacht worden, daß die Unterbringung und Verwaltung des Fonds in die Hand des Magistrats gelegt, die Zinsen aber allemal am 10. November für verschämte Arme verwendet werden sollen und zwar bei Lebzeiten des Jubelpaares nach deffen Bestimmung, demnächst unter dem jedesmaligen Beirath des ältesten hiesigen ‘ ' Mitgliedes der Friedländer'schen Familie. — Ein Festmahl vereinte nach der gedachten Feier die Festgenossen im Saale des Leibfried'schen Hotels, am Abend aber fand daselbst ein Polterabend statt, der sich durch musikalische, declamatorische £ und theatralische Genüsse ernsten und heiteren Inhalts aus- I zeichnete und seinen Abschluß in einem Balle fand. Möge H der schöne Freudentag ein gutes Omen sein für den glücklichen Lebensabend des Jubelpaares. _ H (Ein Augenzeuge, der der Feier beiwohnte, schreibt uns % noch: ״Der Bericht ist nur ein schwacher Schatten; Jedermann, f der zugegen war, stimmte mit mir in die Worte ein:אשרי i עין ראתה כל אלה,! אשרי האיש שככה לו — Heil dem Auge, das diesen Jubel gesehen; Heil dem Manne, dem es so ergeht; hier bewährten sich die Worte der Alten: - איש ואשה 1-ן שכינה שרויה ביניהם Wo Mann und Frau in Liebe und Freurchschaft, in Innigkeit und Einigkeit miteinander leben, da weilt Gottes Segen und ein solcher Jubeltag ist nur die Krone eines gottgesegneten Lebens.) M. I). Aus Wien. Das ״Neue Wiener Tageblatt" vom 4. November berichtet: Einer der ausgezeichnetsten Erforscher der Urheimat unserer Cultur, der Aegyptologe Professor Heinrich Brugsch, eröffnete gestem den ״Cyclus der Concordia- » Lese-Abende." Er ist den Wienern ein Bekannter; unter seiner Leitung entstand im vorigen Jahre im Prater der schimmernde egyptische Palast mit seinen leuchtenden maurischen Kuppeln und Minarets, seinem düstern koptischen Hinterbau und dem Jahrtausende alten mizraimschen Grab. Alle drei Jahre kehrt er zur Heimat zurück, vom Nil an die Leine. Was er in Memphis und Theben erforscht und entziffert, alle ,