Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 44 (3.11.1874)
- Date
- 1874-11-03
- Page
- Seite 353 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ir^/. : {"^־,■'^ץ• ־ז»^ןד./* : ־®-ד-י 353 V Sepher Ha-Jbur des Iben Esra, astronomisch-kalendarischen Inhalts; 3) Moses Jbn Tibon, Commentar zum Hohenlieds. Die Tiboniden sind sonst nur als Uebersetzer bekannt; dieses Werkchen ist selbstständige Arbeit; 4) Tagmule Nefesch, ein philosophisch-psychologisches Werk über jenseitige Belohnung und Bestrafung eines Hilel aus der spanisch-italienischen Schule, — interessant wegen der Gegensätze dieser dogmatischen Partie im Juden- und Christenthum. Einige kleine Anhänge sind diesem Werke beigegeben; 5) Jichuse Tanaim Wa-Amaraim, Aber eine andere, sehr ernste Erinnerung aus meinem Leben trat mir wiederum, wie schon oft, lebhaft vor Augen. Ich holte meine Aufzeichnungen hervor, die ich schon gleich nach dem betreffenden Vorfalls gemacht hatte und ich will sie jetzt, nachdem die betreffenden Männer längst todt und ganz andere Verhältnisse eingetreten sind, der Oeffentlichkeit übergeben. Ich glaube sie werden für die geehrten Leser dieser Blätter einiges Interesse haben. Ich erzähle einfach und ganz der Wahrheit entsprechend, doch ohne Namennennung. eine talmudische Real-Encyklopädie, an das alphabet'iche Verj Dennoch werden vielleicht manche der geehrten Leser aus der zeichniß, der T. und A. geknüpft, nach Art des Seder Hadaroth! Erzählung selbst die in diesem Lande sehr bekannten Namen unv Peiser's Nachlath Schimeoni, auf beide Talmuds, To-! der Männer errathen, da sie ja eine so hohe Stellung im sephta, Mechilta, Sifra, Sifre und Midrasch ausgedehnt, wie j Leben einnahmen. auch nicht blos die Angabe der Stellen, sondern auch Discussionen enthaltend. Es liegt leider nur eine kleine Probe vor. Das Manuscript ist für theueres Geld durch Neubauer's Ver- Mittelung aus der Bodleianischen Bibliothek in Oxford angekauft, wo ein Doublette vorhanden ist, um nachträglich zu bemerken, daß das Manuscript defect ist und einzelne Buchstaben fehlen. Eine Reclamirung ergab, daß der zurückbehaltenen Doublette derselbe Makel anklebt. Wir erkennen Es war im Jahre 185... imFrühlinge, ein Tag nach Purim. Die Luft war heiter und erfrischend und ich war dazumal noch ein frischer, munterer Jüngling, dem eine Fuß- Partie von 8—10 Stunden Weges des Tages nicht hinderte, wenn ihn einmal die Reiselust packte. Es ist auch später noch oft so gewesen. Jetzt ist das anders. Ich wollte wissen, wie es um meine Anstellung stand und ich nahm den Stock, um in die Residenz zu pilgern. dankbar an, daß für den geringen Preis von 2 Thlr. immer; Ich hatte mir ja fl. 25 erspart während des langen Winters, noch viel geboten ist, und daß man von einem Mehr leider konnte also reisen; was konnt's schaden? aus Mangel an Geldmitteln Abstand nehmen mußte. Wir j Nachdem ich in der Residenz, wo ich mich erkundigen wissen nicht, ob es nützt, das große Publicum zur Unterj wollte, von Pontius zu Pilatus geschickt war, kam ich endlich stützung eines solchen Vereins aufzufordern, da ein anderer, > zum rechten Manne, zu dem man in solchen Angelegenwelcher ihm genießbare Lectüre bot, nicht bestehen konnte, und 1 heiten sich eigentlich zu wenden hatte; war die rechte Schmiede, dessen Wiederbelebung durch andere Hände nicht zu gelingen! wie man zu sagen pflegt. Der aber fuhr mich hart an. scheint. Aber der wissenschaftliche Geist des Judenthums hat! ״Ihre Sache", sprach er, ״hängt noch vor Allem von vielen immer besondere Mäceen und Begünstiger seiner Literatur Nebenumständen ab, bevor sie nur eben zur Discussion geerweckt und den Grundsatz aufgestellt: Wer Andere zum ״Lerlangen kann. Sie müssen vorerst das Jndigenat und zu diesem nen" veranlaßt, hat das Verdienst, ein Förderer der jüdischen Zwecke das Ortsbürgerrecht haben; man hat mit einem Juden Literatur und Wissenschaft zu sein. Wir möchten uns daher stets eben so viele Arbeit, als mit zehn Christen." den Vorschlag erlauben, die Gelder, welche jetzt so oft durch! ״Und dann?" . . . Bestellung eines Schiur-Lernens nutzlos verausgabt werden,! ״Dann müssen Sie aber zu allererst aus dein jenseitigen in Zukunft diesem Vereine zugewiesen werden. Möchten Alle, Staate Ihre Entlassung haben." . . . die darauf Einfluß üben, nach dieser Seite hin wirksam sein! ״Und dann, wenn ich das alles habe, werde ich mein Di׳. N. Ziel erreichen?" Ausgewählte Gelegenheitsreden von Dr I. Caro,; ״Das kann ich Ihnen dennoch nicht sagen, das ist Sache Rabbi in Dirschau. Erstes Heft. Danzig, Kafemann 1874.' der Behörde, die allein zu entscheiden hat, wie Ihrer Gemeinde Die Reden zeichnen sich durch Sprache und Gedanken aus. > mitgetheilt worden; die Regierung stellt an, wer ihr beliebt; Ä? tÄS&Ä (!־ W j & bind-». -Gt sichkem- Bedingung stellen. Interesses entbehren. Solche Sammlungen dürften sich daher wohl -Oos wäre schon, wenn man sich da von ^zhrem Gemeindenur für angehende Prediger oder Lehrer, die Musterpredigten suchen,! Vorstande Vorschriften machen ließe." eignen. Diesen empfehlen wir auch die vorliegenden Dr. R. Feuikketon. Bei einem Gelausten. Eine Erinnerung aus meinem Leben. Neulich las ich in mehreren öffentlichen Blättern die! der Sohn einer armen Wittwe. Mittheilung, daß ein ostpreußischer Junker einen preußischen Verwaltungsbeamten in öffentlicher Sitzung, in einer Kreis- Versammlung, einen ״gemeinen Judenjungen" geschimpft habe. Der so Beschimpfte war ein längst getaufter Jude. Das erinnerte mich lebhaft an das Wort eines andern, mir wohlbekannten, getauften Juden. ״Ich kann", sprach er oft, ״der Bezeichnung ״״schlechter Jude"" eben schlechterdings nicht entgehen, ich mag mich stellen, wie ich will. So lange ich noch ein Jude war, nannten mich die Juden, meine früheren Glaubensgenossen, einen ״schlechten Juden". Jetzt bin ich getauft, nun nennen mich meine neuen Glaubensgenossen dennoch ebenso. > ich es dann erreichen, was st/auch für meine Mutter besser Ich wurde warm, ich wagte Etwas. Ich sah, ich mußte die Sache von einer anderen Seite angreifen. Ich hatte keine Wahl; ich mußte wissen, wie es stehe. Ich mußte endlich zum Ziele kommen. ״Herr ..." wagte ich also zu sagen, ״erlauben Sie mir ein offenes Wort und zürnen Sie mir nicht. Ich habe hier in meiner Tasche 25 fl., die ich mir bei meinein Jahresgehalte von 250 ft. erspart habe. Ich bin aber Wenn ich meine Entlassung aus dem jenseitigen Staatsverbande haben will, so muß ich selbst hingehen, diese 25 fl. an die Erreichung meines Zweckes setzen. Das Geld geht vielleicht ganz hin. Kann ich das Ziel aber nicht erreichen, so gebe ich jetzt diese 25 fl. hier alsbald zur Post für meine arme Mutter und schlage mir die Sache aus dem Kopse. Verzeihen Sie mir nun! Vergessen wir, hochgeehrter Herr, einen Augenblick, daß Sie die höchste, mir Vorgesetzte Behörde repräsentiren. Wenn ich Sie jetzt als Freund, als Gönner fragen würde: Soll ich diese fl. 25 daransetzen, mein Lebensziel zu erreichen und kann