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Jüdische Volkszeitung · 1874-11-03 · 44 (3.11.1874) · p. Seite 351

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
44 (3.11.1874)
Date
1874-11-03
Page
Seite 351 (sequence 5)
Language
German
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351 für die Realschulen vorhanden, weil jeder Landtag die Realschulen nach seinem Ermessen behandelt und ordnet. Im letzten Jahresbericht des Ministeriums für Cultus und Unterricht wird diese bedauerliche Sachlage auseinandergesetzt, exempla suiid odissa. Schon wird im Kronlande Mähren, zumeist von der jüdischen Bevölkerung der Wunsch um Abrogirung des Religionsunterrichtes an Oberrealschüler laut ausgesprochen und werden Petitionen dafür angeregt. Am hiesigen Piaristengymnafium bildet die Mehrzahl der Schüler Israeliten. Gleichwohl wurde der Zeichenunterricht, es ist nämlich hier ein Realgymnasium, für die 3. Klasse auf den Sabbath angeordnet; der Gefertigte machte wegen dieser Gewissensverletzungen Vorstellungen beim Direktorate, dieses legte dem Landesschulrathe die Angelegenheit vor, welches anordnete, daß das Direktorat mit dem Cultusvorstande sich ins Einvernehmen setze. Letzterer wälzte die Angelegenheit von sich ab und überließ die Entscheidung den betreffenden Eltern. Diese reichten ein Gesuch an den Gefertigten, daß er als Rabbiner und Religionslehrer der Gymnasialschüler den Schulzwang, der das Zeichnen am Sabbath unnachsichtlich gebietet, hintertreibe. Daß der Unterzeichnete nichts unversucht lassen wird, um der Majorität der isr. Schüler zu ihrem Rechte zu verhelfen, ist selbstverständlich. j)r M. Duschak. Tauber-Bischofsheim, im October. Vorige Woche versammelten sich hier fast sämmtliche israelitische Lehrer des Bezirks, um sich über eine, an den Oberrath zu richtende Eingabe, bezüglich einer Pensions-Casse für die Religioslehrer zu errichten. Nach kurzer Debatte über einzelne Punkte des vom Einsender vorgelegten Entwurfs wurde derselbe von allen Anwesenden unterzeichnet und der Wunsch geäußert, dieselbe möge auch in andere Bezirke zur Beitrittserklärung gesandt werden, welchem Wunsch auch entsprochen wurde. Wir zweifeln nicht, daß alle Neligionslehrer Badens, die wohl alle dasselbe Bedürsniß einer solchen Pensionscasse anerkennen, das Gesuch unterzeichnen, um hoher Behörde gegenüber die Gemeinsamkeit der Interessen und die Nothwendigkeit der Sache darzuthun. Folgende sind die darin enthaltenen Hauptpunkte: Die Eingabe spricht die Ueberzeugung aus, daß neben den allgemeinen Ursachen die schlimme Lage der Lehrer an dem vielfachen Austritt aus dem Fache und den geringen Zugang zu demselben veranlaßt hat; denn den wenigsten Lehrern ist es möglich, von dem Ertrag ihrer Stelle Ersparnisse für die Zukunft zu machen, sogenannte Nothpfennige für das Alter zn eriibrigen; sind doch die wenigsten Stellen derart gut dotirt, um das zu ermöglichen. Oder sollte der Lehrer wie der Poet von allem irdischen Besitz ausgeschlossen sein, oder mit dem Himmel sich begnügen? So lange jedoch der Lehrer wie der König, der Abt und Kaufmann irdische Bedürfnisse zu befriedigen hat, wäre Jupiter's Anerbieten ein schwacher Trost. Wir fühlen uns daher veranlaßt, Großherzoglichen Oberrath zu bitten, die Gründung einer solchen Pensionscasse baldmöglichst anzubahnen. Wer wolle es auch dem Lehrer verargen, wenn er in Anbetracht der Unsicherheit seiner Zukunft ein Fach verläßt, das seine volle Hingebung verlangt, dem er seine ganze Thatkraft und in vielen Fällen seine Gesundheit opfert und das ihn gerade dann, wenn er durch unverschuldete Dienstuntauglichkeit sich außer Stand sieht, länger der Ernährer seiner Famile zu sein, keine Gegenleistung bietet, ihn in Noth und Elend seinem Schicksal überläßt. Das Ideal schwindet und die Begeisterung für den Beruf erkaltet, wo Nahrungssorgen den Familienvater bekümmern. Wohl leistet diese Cntral-Casse in vielen Fällen eine Unterstützung; allein einerseits ist die Personal-Zulage, oder wie man sie sonst nennen mag, eine in keiner Weise genügende, anderseits — und darauf legen wir das Hauptgewicht — behält diese Unterstützung immer den Schein einer milden Gabe, deren Gewährung nur durch ein besonderes Gesuch erwirkt wftd. Was wir wünschen und anstreben, ist eine Pensionscasse mit gleichen Rechten, wie sie die Hauuptlehrer besitzen. Hat ja auch der Neligionslehrer den gesetzlichen Anforderungen Genüge geleistet und ist bislang der Religionsunterricht obligatorisch. Wir sind, wir wiederholen es, säst überzeugt, daß gerade der Mangel einer solchen Caffe viele bereits im Fache wirkende Männer zum Austritt -veranlaßt hat, wie es anderseits jeder jungen Kraft die Lust benimmt, sich dem Fache zu widmen. Dieser Uebelstand wird, wenn es nicht schon zu spät ist, nicht mehr schwinden, bis ein solcher Pensionsfond für die Religionslehrer geschaffen ist, der denselben nach einer gewissen Reihe von Jahren die Berechtigung Zur Pensionirung gebe, wie solche die Hauptlehrern besitzen. Möge das Gesuch bei der Behörde die nöthige Berücksichtigung finden. Schließlich bemerkte der Unterzeichnete den anwesenden Lehrern, daß bis zur Schaffung einer solchen staatlichen Caffe, jeder Lehrer verpflichtet sei, die von Ihnen, Herr Redactenr, gegründete Achawa,^) oder den für engere Grenzen bestimmten Epstein-Verein zu fördern. Maier. Kunä^cklau. Deutschland. Cöln. Am 12. October wurde die hiesige israelitische von der Stadt erbaute Elementarschule, wohl die schönste in ganz Preußen, eingeweiht. Dieselbe mag der Stadt an 70,000 Thlr. kosten. Sie enthält vier große Schulsäle und einen Reservssaal. Zwei Lehrerwohnungen befinden sich ebenfalls in ihr. Sie liegt in der Schildergasse, im Mittelpunkt der Stadt. Die Feier fand in Gegenwart des Oberbürger- Meisters, des Rabbiners, des Schulinspectors u. A. m. statt. Der Oberbürgermeister eröffnete durch eine Ansprache die Feier. Er hob hervor, wie dnrch diesen Prachtbau ein lang gehegter Wunsch der Synagogen-Gemeinde in Erfüllung gegangen sei, wie die Stadtverwaltung aus Gerechtigkeits- und Billigkeitsgefühl, nicht aber durch ein Gesetz dazu verpflichtet gewesen wäre, es heute auch noch nicht sei. Er übergebe das Gebäude seiner Bestimmung mit dem Wunsche, daß es eine Stätte werde, wo Tugend, Wissenschaft und Vaterlandsliebe gepflegt würden. Die eigentliche Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Schwarz. In dieser betonte der Redner, wie das neue Haus ein Triumph der Gerechtigkeit und Friedfertigkeit zwischen den verschiedenen Confessionen sei; wie durch die confessionellen Schulen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen, nicht Hader und Zwietracht, sondern Frieden und Eintracht befördert werden.; wie das jüdische Alterthum, das biblische und talmudische, den großen Werth der Elementarschulen, wo die Elemente alles Wissens gelehrt werden, schon erkannt und danach gehandelt habe und wie die Lehrer eine zwar schwierige, aber *) Und beizutreten! Für junge Lehrer ist dies jetzt leicht und die Achawa erfüllt ihre Aufgabe ganz, wenn die Herren — nur beitreten wollten. Redactwn.

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