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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-29 · 39 (29.9.1874) · p. Seite 313

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
39 (29.9.1874)
Date
1874-09-29
Page
Seite 313 (sequence 7)
Language
German
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313 sie den einheimischen Juden auferlegt. Als dieser Erklärung gegenüber die Brodyer Kammer im Vereine mit den Schwesterkammern an den Handelsminister ihre Vorstellung richtete, erhielt sie von demselben eine wenig erfreuliche Antwort, aus dem man zugleich ein getreues Bild russischer Paßwirthschaft und Beamtenwillkür bekonunt. Die Brodyer Handelskammer hat sich nun wiederholt mit einer Eingabe an der Handels- Ministerium gewendet und besonders betont, daß das hohe k. k. Handelsministerium im Interesse des österreichischen Handels sowohl, als der diesseitigen Consumenten eine Sistirung. des den Aufenthalt und den Handelsbetrieb jüdischer Kaufleute in Rußland betreffenden Verbotes mit gewohnter Energie anzustreben möge. Lemberg. Das orthodoxe Judenthum in Galizien hat durch einen jüngst veröffentlichten Erlaß des Unterrichts- Ministeriums eine ernstliche Anfechtung erlitten Um den schädlichen Einflüssen, welche die jüdischen Winkelschulen auf die geistige und körperliche Entwickelung der schulpflichtigen Jugend ausüben, Einhalt zu thun, hat sich der Unterrichtsminister veranlaßt gesehen, die Errichtung der sogenannten talmudischen Schulen in der Zukunft zu beschränken und von der Genehmigung der politischen Behörde abhängig zu machen. Da überdies die Erfahrung lehrt, daß die Heranbildung der israelitischen Jugend in die talmudischen Wissenschaften oft von Personen geleitet wurde, denen die Berechtigung hierzu und jeder pädagogische Beruf abgehl, so sollen die Concessionäre für eine solche Schule in der Folge gehalten sein, über ihre Qualisication sich auszuweisen. Außerdem wurde angeordnet, daß alle Schulen dieser Art von Seite der politischen Behörde in steter Evidenz gehalten werden. Die Bezirksmannschasten haben die Weisung erhalten, dieselben einer strengen lieberwachung zu unterzielen und häufige Visitationen vorzunehmen. (Nat. Ztg.) Frankreich. Paris. Die National-Versammlung hat 179,000 Frcs. für israelitische Culturbeamte und eine andere Summe für Synagogen votirt. Herr Rabbiner Weißkopf ist zum beeidigten Translator am Appellationshofe in Paris ernannt worden. (Nat. Ztg.) Italien. Rom. Bei der Neuwahl des Stadtrathes in Rom ist Cav. Samuel Alatri mit großer Majorität wiedergewählt worden. Die Wahl wurde wegen eines Formfehlers annullirt, und nun erlangte Alatri im zweiten Gange so viel Stimmen, daß ihm nur eine einzige daran fehlte, daß er auch erster Assessor, d. h. stellvertretender Bürgermeister, geworden wäre. Eine Stimme mehr und wir hätten in Rom einen Israeliten den, augenblicklich vacanten Bürgermeisterposten bekleiden gesehen. (Arch. Jsr.) Feuilleton. Ein englischer Romanjude. Literaturbild von vr. H. Zirndorf, Seminardirector. (Schluß.) Zunächst ist an Jsaac jetzt die Reihe, seinen jungen Freund zu retten. Einen Brief an den eben abwesenden Georg drängt diesen, ihm sofort zu folgen. ״Sie haben einen Feind in der Mine, heißt es in dem Briefe, einen verborgenen, feigen, keine Scrupel kennenden Feind.... Ich habe ihn gesehen und zittere für Sie... Der alte Jude, den Sie zweimal von Schimpf und Schaden gerettet, ist reich, seine Kinder sind todt, die Frau seines Busens ist todt. Er liebt kein Geschöpf mehr außer Ihnen und Susann«, darum laufen Sie keine weiteren Gefahren um Gold, da Ihnen solches ohne Gefahr sicher ist.... Ehren Sie, was Alter und Erfahrung Ihnen sagen — kommen Sie heim. Zögern Sie keine Stunde. Sprechen Sie nicht: ״Ich will nur noch diese Nacht in meinem Zelte schlafen und dann abreisen", sondern reiten Sie mir augenblicklich nach. Zwei schnelle Pferde habe ich für Sie und Ihren Freund gekauft.... Reiten Sie schnell, daß nicht noch mehr Kummer falle auf Susann« und — auf Isaak Levi." Es war die höchste Zeit. In derselben Nacht, in der Georg Fielding und sein Freund unter dem Sternbild des südlichen Kreuzes ihren Weg nach Sidney auf schnellen Rossen durchmaßen, in dieser Nacht haben Crawley's gedungene Banditen das Zelt der beiden Freunde mit Terpentinöl in Brand gesteckt. Die Flammen rasten über die verlassene Stätte- Die Freunde find glücklich in England gelandet, und Isaak hat insgeheim ein Haus dicht neben der Wohnung seines Feindes bezogen. Der letzte Act seiner Thätigkeit, der das Werk krönen soll, wird mit solcher berechnenden Schlauheit und Klugheit geleitet, daß er seinen Gegner gerade in dem Moment vernichtet, wo dieser sich sicher am Ziele feiner heißen Wünsche wähnt. Zu diesem Ende laufen Schallröhren aus feiner jetzigen Wohnung und münden in das Haus, woraus ihn Meadows am Liebfrauentag vertrieben. Die Mündung ist künstlich in der Wand verborgen: so kann er die Unterredungen zwischen Meadows und dem inzwischen ebenfalls heimgekehrten Crawley belauschen. Die erste Wirkung dieser Maßregel ist Crawley's Gefangennahme auf dem Bahnhose. Die Reise nach Frankreich ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Weit effectvoller wird die Schlußhandlung in Scene gesetzt. Wir haben eine aufgelöste Hochzeitsgesellschaft verlassen, und Susanns sitzt neben ihrem Georg, und tröstet ihn wegen des verlorenen Geldes, und sucht durch ihre Zärtlichkeit ihre Untreue vergessen zu machen. Meadows gibt noch nicht Alles verloren. _ Er will die letzte Mine springen lassen, und nachdem er die Maske eines jetzt überflüssigen Edelsinnes abgeworfen, eilt er fort, den alten Merton wegen der Schuld verhaften zu lassen. Vergebens, der Ausweg ist versperrt; die feierliche Gestalt eines Friedensrichters läßt sich erblicken; dann steht ihm Isaak Levi gegenüber; die gestohlenen siebentausend Pfund finden sich in Crawley's Taschen, und der ehrenwerthe Meadows, völlig entla vt, völlig vernichtet, wandert nebst seinem Helfershelfer ins Gefängniß. In diesem ganz.m Abschnitt verlautet noch mancherlei, theils von der allgemein menschlichen, theils von der jüdischen Rache. Allein, unbewußt hat der Dichter von der letzteren große Stücke sich abhandeln lassen. Rache ist in diesem letzten Act nicht mehr die vornehmste Triebfeder der Handlung; steigendes Interesse an Georg's und Susanna's Geschick? treten an die Stelle. Das Ganze kann als eine feine psychologische Durchführung des Satzes gelten, daß wir mehr und mehr diejenigen lieben lernen, denen wir zuerst aus Großmuth Gutes erwiesen haben. So sind denn diese biederen Menschen glücklich wiedervereinigt durch eine kräftige Hand, von Dankbarkeit, Zärtlichkeit, Haß gegen das Schlechte, Intelligenz und Charakterstärke geleitet. Wer malt ihre Seligkeit! wer schildert ihr Dankgefühl! Das letzte Capitkl ihrer vielbewegten Geschichte verläuft sonnig in ein liebliches Idyll. Keine Tiraden von Rache und Feind-

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