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Jüdische Volkszeitung · 1874-09-29 · 39 (29.9.1874) · p. Seite 314

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
39 (29.9.1874)
Date
1874-09-29
Page
Seite 314 (sequence 8)
Language
German
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314 schaft entweihen die letzten Blätter des schönen Buches: sie sind ausschließlich dem Danke, der Versöhnung gewidmet. Isaak Levi ward von Susanna und Georg fast angebetet, Susanna küßte ihn und nannte ihn ihren Vater und hing voll Dankgefllhl an seinem Halse. Und dann fuhr er wohl mit der Hand über ihr braunes Haar und sagte: ״Geh, Du närrisches Kind!" Aber seine tiefe, reiche Stimme zitterte ein wenig, und wunderbare Zärtlichkeit und Wohlwollen glänzten in dem feurigen Auge. Er würde sie jetzt verlassen haben, allein sie wollten sich nicht von ihm trennen. Was blieb ihm also übrig, als da zu bleiben und Fische und Pudding mit ihnen zu essen; —Fleisch wollten sie ihm erlassen, wenn er nur artig sein und nicht wieder vom Weggehen reden wollte"... Für Meadows war ein milderes Loos bereitet, als er sich träumen durfte. Seine beiden Ankläger, Fielding und Levi, wurden leicht beredet, von den Assissen wegzubleiben; folglich ward er und Crawley — nach englischem Rechte — freigesprochen. Darauf erschien ein Bote bei Isaak Levi mit der Besitzerkunde des Hauses, worin Lea gestorben, und einem Briese: ״Nehmen Sie das Haus, schrieb Meadows, sammt den Möbeln und bezahlen Sie mir, was Sie glauben, daß solches werth seien. Und ich denke, Alter, Sie dürften jetzt Ihren Fluch von mir hinwegnehmen, denn mein Herz kannte keine Ruhe, seit Sie ihn auf mich geschleudert. Jetzt sind unsere Verhältnisse ja geändert: Sie haben eine Behausung und John Meadows hat keine." Das besänftigte den Greis und er schrieb zur Antwort: ״Drei gerechte Männer sollen das Haus und die Möbel schätzen, und ich will bezahlen rc.... Ziehen Sie Nutzen aus Ihrem Unglück, bereuen Sie ׳ und seien Sie glücklich. Isaak Levi wünscht Ihnen von diesem Tage nichts Uebles, vielmehr Gutes." So ist denn Frieden und Versöhnung die reine Losung, welche von dem letzten Blatte dieses fesselnden Lebensgemäldes in unserer Erinnerung zurückbleibt, und der Dichter ist durch den Schwerpunkt seiner schöpferischen Natur genöthigt worden, dem jüdischen Greise diese Genugthuung mitzugeben auf dem Wege zu den "Lesern. Wäre Isaak Levi's Tendenz die niedrige! principlose Rache, unmöglich hätte er dann ein fremdes Glück j aus so edlen Elementen und so dauerverheißend begründen!können. Die bloße Leidenschaft ist stets zerstörend; sie versengt mit ihrem Gluthhauch das Dach des Freundes und des Feindes in gleicher Weise. Sowie aber jede tüchtige Kraft dem großen Ganzen unbewußt dient, so können wir von der edlen Gruppe, die uns so tiefes Interesse eingeflößt, nicht scheiden, ohne ihnen den Kranz eines nicht alltäglichen Verdienstes aufs Haupt zu drücken. Eng aneinander geschlossen, in Liebe verschwistert, stehen diese reinen Menschen im stillen Pachthofe vor uns und verkörpern die schöne Lehre, daß der Geist des Guten und Schönen, der Hauch der unselbstischen Liebe niemals aus der großen Menschenfamilie entschwinden wird. Wo immer dieser Geist waltet, da strebt er gleich einem Fluidum der physischen Welt seinem verwandten Pole zu. Für ihn gibt es keinen' Unterschied der!Hautfarbe, des Stammes, des Glaubens; jede Schranke fördert und stärkt nur den Bund der Guten; sowie andererseits die innigsten Bande des Blutes, der Heimath, der gleichen Sitte kein Schutzmittel bilden gegen die trennende, die zerstörende Macht des Bösen. Darin aber erblicken wir die großen Züge der Natur und der Wirklichkeit, daß wir an Ideen glauben, wenn sie aus Fleisch und Blut zu uns reden. Einige Uebertreibungen abgerechnet, welche das Mechanische seiner Kunst! von dem Novellisten zu fordern scheint, hat Charles Reade unverkennbar nach dem Leben gezeichnet. Daß er aber das Leben so sinnig ausgebeutet, so erfolgreich für den Sieg eines hohen Princips in Tribut gesetzt, das verbürgt ihm unseren!besten Dank, seinem Buche eine geehrte Stelle unter den Volks-! dichtungen der Gegenwart. Vermißtes. Adolf Glasbrenner sendet dem ״Bayrischen Vaterland", vr. Sigl, durch Zeitung" den nächsten offenen Brief: Was neu'stens du im ״Vaterland" gebracht, Kann weder mich erheitern noch verdrießen, Denn da du mich zum Juden hast gemacht, Darf ich auch ferner nichts von dir genießen Redacteur des die ),Montags- Linken a. Rhein. Beginn des Wintersemesters am 2. November t. Beste Referenzen. Prospecte gratis und franco. — Eintritt kann jederzeit erfolgen. (II. 62363.) Geschw. Äobernheim. >Jn unserem Verlage ist erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen: Wandkalender für 1875. Mi fccrcn fcfücrn zu Kotizen- Auf Pappe gezogen. 24:37 Cent. Preis 22/ג Sgr. Der Kalender enthält als Beifügungen: Kalender der Juden. Umrechnung fremder Geldsorten in Mark. Bestimmungen über den Wechselstempel. Messen in Leipzig, Braunschweig, Frankfurt a. M. und Frankfurt 6.0. Anfang der Jahreszeiten. Leipzig. Heinrich Fischer & Co. Kliabell-Peilsiomt. Israelitische Schüler, welche die hiesigen vorzüglichen Lehranstalten — Handelsschule, Gymnasien, Realschule rc. — besuchen sollen, finden bei dem Unterzeichneten gute Pension. GeWissenhofte Beaufsichtigung bei den Schnlarbeiten nnd religiöse Erziehung. Auf Wunsch wird der Unterricht im Hebräischen, in der Religionslehre und im Clavierspiel von mir ertheilt. Aufnähme am 1. October l. Jahres. B. Iacobsohn, Lehrer und Cantor der israelitischen Religionsgemeinde Leipzig. Weststraße 41, II. Etage. Zum sofortigen Antritt suchen wir einen geprüften Religionslehrer für etwa 40 Kinder. Gehalt 300 Thlr. und freie Wohnung. Frankirten Meldungen sind Zeugnisse beizufügen. Ortelsbürg in Ostpreußen. Der Synagogen-Vorstand. 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