Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 38 (22.9.1874)
- Date
- 1874-09-22
- Page
- Seite 304 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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304!£>»*-־׳• .Ä Seelenleben des Menschen unter den Tropen. Von 1)1׳. Franz Engel. ß._ 205. Entstehung und Entwickelung der religiösen Kunst bei den Griechen. Von vr. Doehler. Deutsche Zeit- und Streitfragen von Holtzendorff und Oncken. Heft 38. Die Theuerung der Lebensmittel. Von vr. F. X. Neu mann. H. 39. Das Versicherungswesen. Von vr. B ezold H. 40. Die Lutherbibel und ihre Textesrevision. Von vr. Willibald Grimm. FeuiEketon. englischer Romanjude. Literaturbild von vr. H. Zirndorf, Seminardirector. (Fortsetzung.) Alter, Kummer und Beredsamkeit vertraten ihre gerechte Sache vergebens; verloren war ihre Macht an dem härtesten Fels, einem starken Willen und einer gemeinen Seele. Das war epische Poesie, welche gegen die Prosa des Limerick-Tageblattes oder des Tuam-Anzeigers ankämpfen-wollte. Ich schäme mich beinahe, die Antwort des ehrenwerthen, westlichen Thieres wiederzugeben: ״Wie, Ihr führet die Bibel an! Ich dachte, Ihr glaubtet nicht daran. So höret das Gegenstück. Abraham und Lot konnten nicht in demselben Orte wohnen, denn beide hielten Schafe, und wir Zwei können hier nicht wohnen, denn wir scheeren sie. Folglich kündigte Abraham, dem Lot die Wohnung, sowie ich Euch kündige. Ihr wollt in meinem Hause sterben; wohlan denn, wenn Ihr Euch vor Liebfrauentag hängen wollt, so steht's Euch frei. Allein nach diesen: Termin sollen keine Judenhunde mehr in meinem Hause sterben, noch als Dünger in meinem Garten begraben werden." Auf diese entsetzliche Schmähung antwortet Isaak mit einem Fluche, der die geheimsten Fasern in Meadows Herzen verwundend packt, der in den Blättern dieser Erzählung seine Ersüllung findet. ״Entweihender Schurke! schmähst Du so die vom Himmel Heimgesuchten? — Der Stifte: Deines Glaubens würde Dich verabscheuen; denn er, so sagen sie, war mitleidsvoll. Sei verflucht!" ... Ein furchtbarer Stockstreich antwortet auf die Donnerrede und zielt nach dem Haupte des gereizten Mannes; allein eine hilfreiche Hand hat ihn parirt. Georg Fielding, in aller Fülle der Jugendkraft und des Edelsinnes, ist zwischen die Streitenden getreten. Georg ist nicht dazu angethan, einen Greis auf seinem Hofe mishandeln zu lassen und Meadows hat seinen Mann gefunden. Isaak nimmt das Gastrecht des ländlichen Hauses an, um von der aufregenden Scene auszuruhen. ״Friede sei unter diesem Dache!" ruft er segnend von der Schwelle aus. ״Behagen und Liebe mögen mich in diese Wohnung begleiten!" Und dann hält er seine Hand hinaus, wie der König des gesammten Asiens. ״Isaak Levi ist Euer Freund!" spricht er mit großem Nachdrucke. — So ist denn die erbitterte Fehde erklärt; Feinde und Verbündete sind gruppirt: es wird ein Kampf auf Tod und Leben werden, welchem diese Scene als Vorspiel diente. Während des kurzen Aufenthalts in der Püchterwohnung hat Levi die Interessen, Wünsche und Regungen der handelnden Personen mit einem sichtenden Blicke gelesen. Georg's Geldverlegenheit, sein innerer Kampf beim Abschiede von der Heimath, Susanna's unbefangene Treue und Reinheit, Meadow's geheime Absichten und äußere Verstellung: nichts ist ihm entgangen. Sein Plan ist fertig, sein Entschlnß gefaßt. Beinahe ein halbes Jahrhundert lange hatte Jsaac Levi jenes wunderbare Blatt der Natur gelesen, das auf schwarze, weiße und rothe Pergamente geschrieben, ״Mensch" betitelt ist. Unter den anderen Ergebnissen seiner Lectüre war auch die Wahrnehmung, daß die Köpfe der Menschenstämme weit mehr von einander abweichen als ihre Herzen. Die Leidenschäften und das Herz waren ihm verständlich und vom Indus bis zum Pol ziemlich gleichartig erschienen. Im stillen Pachthofe sind jetzt Freunde und Landsleute, die guten und bösen Mächte seines Lebens, um den Abschied nehmenden Georg gereiht. * Auch Meadows. ist zugegen; da tritt ein alter Mann vor ihn hin und ruft ihm, ohne daß Rede oder Gegenrede vorhergegangen ein donnerndes ״Nein!" ins Gesicht. Dieses einzige Wort barg eine Welt voll Enthüllungen; Meadows ist gelesen. ״Er verstand, was das Nein meinte, ein Veto gegen alle seine Pläne, Hoffnungen, Wünsche." Jsaac bleibt nicht bei Worten stehen, er bietet seinem Freunde Georg Geld und Credit an, um sich aus seinen Verlegenheiten zu ziehen und von der Auswanderung abzustehen. Georg ist zu redlich und zu stolz, um daräuf einzugehen. Jsaac's Wohlwollen kommt später dem zurückbleibenden Bruder Georg's, Wilhelm Fielding, welcher die Pachtung statt seiner übernimmt, zugute. Georg ist fort in die weite Welt und Levi findet es nicht unter seiner patriarchalischen Würde, auf Meadows ein Auge zu haben, dessen Besuche bei den Mertons nachgerade gar zu häufig werden. Levi sucht Wilhelm auf und ermahnt ihn, dem Nebenbuhler seines Bruders nicht so freies Spiel zu lassen. Wilhelm hatte sich aus Zartsinn zurückgezogen; er nimmt jetzt seine Besuche wieder auf, stellt sich aber dabei so plump an und fällt so plötzlich mit der Thüre ins Haus, daß er Susanna beleidigt und Meadows nur einen neuen Triumph verschafft. Unmuthig klagt er dem Greise sein Mißlingen. Der alte Levi lächelte. ״Sie sind Keinem der Beiden gewachsen. Bleiben Sie zu Hause und bebauen das Feld. Ich will nach dem Graßmere-Hofe gehen." Wo Meadows dem Juden einen Streich spielen konnte, da that er es, und so umgekehrt. Sie haßten einander, wie Männer, die über die Taufe verschiedener Ansicht huldigen. Susanna sprengte Thautropfen der Milde auf Beide der Reihe nach. Levi lauschte auf sie mit unendlichem Vergnügen. Ihre Stimme, sagte er, ist leise und melodisch, wie die Stimme meines Volkes im Osten. Und dann citirte sie ihm insgeheim das neue Testament ... und er begriff nicht, wo in aller Welt dies einfache Mädchen eine so tiefe Weisheit, eine so erhabene und selbstverleugnende Moral gelernt hatte. Meadows lauschte ihr mit Achtung aus einen: anderen Grunde, allein die schlimmen Dienste, die zwischen beiden Männern gewechselt wurden, wirkten dem vorübergehenden Einflüsse der Friedensstifterin entgegen und machten den alten Haß täglich wachsen. Eimnal sagte Susanna zu Meadows, um ihn versöhnlich zu stimmen: ״Bedenken Sie, er ist mehr zu entschuldigen als Sie; er hat nie gelernt, wie sträflich es ist, nicht zu vergeben. Sie wissen es, doch Sie üben es nicht." — Wir fragen den Verfasser: Wenn ein gelehrter, orientalischer Jude dies nicht wissen sollte, woher sollte es denn Christus haben, Christus, der nicht einen einzigen ethischen Hauptsatz ausgesprochen, welcher nicht in den Prophetenpsalmen und bei den Rabbinen früher verkijndet war? Wenn dem Verfasser die Bibel selbst in Vergessenheit kam, wenn ihm der Talmud unzugänglich ist, so möge er doch seine Lightsoots ׳j-tw׳